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Abstracts der 27. Jahrestagung des Arbeitskreises für Oralpathologie
und Oralmedizin vom 25. - 27. Mai 2006 in Wiesbaden
Multimodale Rehabilitation eines Patienten mit Opitz´C-Syndrom
und erheblichen kraniofazialen Fehlbildungen
Ballon A., Landes C. A., Kovacs A. F., Sader R.
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie
der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt/Main, Theodor-Stern-Kai
7, 60596 Frankfurt/Main
Multipel fehlgebildete Neugeborene profitieren von multidisziplinärer
Rehabilitation für ein weitgehend normales Leben. Dies soll anhand
eines Patienten dargestellt werden, der Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgische,
Neurochirurgische, Kieferorthopädische, HNO und Prothetische Rehabilitation
erhalten hat.
Ein mittlerweile 24 jähriger Patient mit C-Syndrom und multiplen
kongenitalen Fehlbildungen wird vorgestellt: Trigonozephalie, Augen- und
Ohrfehlbildungen, offener Biss, Oligodontie, Gesichtsskoliose, hoher Gaumen
sowie weiteren körperlichen Fehlbildungen (Skoliose). Der Patient
befand sich während seines gesamten Lebens wiederholt in der Behandlung
der verschiedenen Fachabteilungen unseres Klinikums.
Es erfolgte im Neugeborenenalter die Kranioplastik, Sonderpädagogik
mit Frühförderung der Sprachbildung, Kieferorthopädie,
chirurgisch unterstützte Gaumennahtdehnung, Wirbelsäulen-Skoliosekorrektur,
bimaxilläre Umstellungsosteotomie, kieferorthopädische Nachbehandlung,
Implantate, Suprakonstruktionen.
Dieser Case-Report soll zeigen, wie Patienten mit multiplen kongenitalen
Fehlbildungen von umfassenden Maßnahmen zu unterschiedlichen Lebenszeitpunkten
abgestimmt profitieren und wie weit diesen Maßnahmen heute bei entsprechender
Patienten (Familien-)Compliance gehen können. Es soll außerdem
die Wichtigkeit der Kooperation der verschieden Fachrichtungen herausgestellt
werden.
Seltene Komplikationen bei der chirurgischen Behandlung von Dysgnathien
Barth E.-L.1, Teltzrow T.2, Brachvogel P.1, Schwestka-Polly R.3, Gellrich
N.-C.1
1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Medizinische Hochschule
Hannover, Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
2 Abteilung für Gesichts- und Plastische Chirurgie, Fachklinikum
Hornheide,
Dorbaumstraße 300, 48157 Münster
3 Abteilung für Kieferorthopädie, Medizinische Hochschule Hannover,
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
Die Techniken der chirurgischen Therapie von Dysgnathien wurden zunehmend
standardisiert. Die heute überwiegend angewandte Technik zur Verlagerung
des zahntragenden Unterkieferanteils ist die Osteotomie durch sagittale
Spaltung nach Obwegeser und Dal Pont und zur Verlagerung des Oberkiefers
die Osteotomie in der Le Fort-I-Ebene. Da es sich bei beiden Eingriffen
um elektive Eingriffe handelt, ist insbesondere eine niedrige Komplikationsrate
von Bedeutung. Trotz sorgfältiger Präparation zeigen sich nach
Literaturangaben bei jedem zweiten Patienten postoperativ Funktionsstörungen
des N. alveolaris inferior, die sich allerdings im Verlauf eines Jahres
bei mehr als 90 % der betroffenen Patienten zurückbilden. Neben dieser
bekannten Komplikation beobachteten wir jedoch auch einige äußerst
selten vorkommende Komplikationen.
Wir führten eine retrospektive Untersuchung zu Komplikationen nach
kieferorthopädisch-chirurgischer Therapie im Zeitraum von 1982 bis
2005 an einem Patientenkollektiv von n = 1380 Patienten durch.
In Einzelfällen beobachteten wir im eigenen Patientenkollektiv unvorteilhafte
Frakturverläufe bei der sagittalen Spaltung (bad split), eine Schädigung
des N. facialis, eine septische Knochennekrose, eine Pseudarthrose im
Bereich des ehemaligen Osteotomiespaltes und eine mechanische Überlastung
mit plastischer Verformung des Osteosynthesematerials. Diese intraoperativ
oder kurze Zeit nach der Operation auftretenden Komplikationen können
für den Patienten teilweise schwerwiegende Folgen haben. Allerdings
traten die angeführten Komplikationen in weniger als 1% der Fälle
auf.
Zusammengefasst stellt die orthognathe Chirurgie nach Einführung
einer wirksamen perioperativen Antibiotikaprophylaxe und moderner Osteosyntheseverfahren
ein Routineverfahren innerhalb der Mund-, Kiefer- und Gesichts-Chirurgie
dar. Durch die kritische Aufarbeitung auch seltener Komplikationen wird
die Dysgnathiechirurgie sicherer und ihre Ergebnisse kalkulierbar.
Apoptosen während der Entwicklung des orofazialen Systems
Bienengräber V.1, Weingärtner J.2 , Fanghänel J.3, Kirchhoff
M1., Gedrange T.3
1 Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, Universität
Rostock,
Strempelstraße 13, 18057 Rostock
2 Institut für Anatomie und Zellbiologie, Ernst-Moritz-Arndt-Universität
Greifswald,
Friedrich-Loeffler-Straße 23c, 17487 Greifswald
3 Poliklinik für Kieferorthopädie, Abteilung Orale Anatomie,
Rotgerberstraße 8,
17489 Greifswald
Apoptose ist der programmierte, physiologische Zell- bzw. Gewebetod. Die
embryonale Entstehung des Gesichtes beruht auf der Entwicklung verschiedener
Wülste und deren späteren Fusion. Dabei treffen intakte Epithelien
aufeinander, die nur miteinander fusionieren können, wenn apoptotische
Prozesse regional induziert werden. Zudem werden vorgegebene Kanäle
oder Ausstülpungen embryonaler Gewebe rekanalisiert, denen Apoptosen
vorausgehen.
Es wurden Untersuchung an 38 LEW.1A Ratten-Embryonen am 13,5 Tag post
conceptionem durchgeführt, deren Köpfe histologisch in 35 fronalen
Schnittstufen aufgearbeitet wurden. Die Auswertung erfolgte nach Hemalaun-Eeosin-
resp. Goldner Färbung.
Ausgewählte Ergebnisse werden dargestellt. Entscheidend zur Entstehung
des Gesichtes tragen Unter- und Oberkieferwülste sowie Nasenwülste
und Nasenanlagen bei. Eine separate Ausprägung ohne spezielle Fusionen
hat Gesichtsspalten und -verformungen zur Folge. Die Fusionen des Oberkieferwulstes
mit dem lateralen und medialen Nasenwulst und mit dem Unterkieferwulst
sowie beider Nasenwülste miteinander gehen mit Apoptosen einher.
Der primitive Nasengang reißt mit apoptotischer Hilfe ventral ein.
So entsteht der primitive Oronasalraum, der später durch das Aufeinanderzuwachsen
der Oberkieferwülste und apoptotische Fusionen zwischen diesen und
dem Nasenseptum in Mund- und Nasenraum separiert wird.
Somit besitzt nicht nur das normative Wachstum sondern auch der gezielte
apoptotische Zelltod eine große Bedeutung für die embryonale
Entwicklung des orofazialen Systems. Störungen apoptotischer Vorgänge
während der Embryogenese erklären das Auftreten von Spaltbildungen
und Anomalien.
Langzeitergebnisse nach ausschließlich intraoral endokopisch
versorgten Unterkiefergelenkfortsatzfrakturen
Block Veras R., Kriwalsky M. S., Eckert A.W., Maurer P.
Klinik und Poliklinik für Mund- Kiefer, und Plastische Gesichtschirurgie,
Martin Luther Universität Halle- Wittenberg, Ernst-Grube-Straße
40, 06097 Halle (Saale)
Einleitung: Die Indikation zur chirurgischen Versorgung
von Unterkiefergelenkfortsatzfrakturen wird kontrovers diskutiert. Ziel
der vorliegenden Studie war, die klinischen und radiologischen Langzeitergebnisse
nach osteosynthetischer endokopischer Versorgung von Unterkiefergelenkfrakturen
über einen ausschließlich intraoralen Zugang zu evaluieren.
Material und Methode: 19 Patienten (m=14, w=5) mit 22 Unterkiefergelengfortsatzfrakturen
wurden klinisch und röntgenologisch nachuntersucht. Die klinische
Untersuchung umfasste den Helkimo-Index und das RDC/TMD (Research Dygnostic
Criteria/Temporo Mandibular Dysfunction) Protokoll. Röntgenologisch
waren die Frakturen gemäß der Loukota-Klassifikation unterteilt
worden.
Ergebnisse: Die mittlere Dauer der IMF (intermaxilläre
Fixation) betrug 3 Tage. Alle Frakturen waren Gelenkfortsatzbasisfrakturen.
Davon waren 8 nach medial verlagert gewesen, 6 nach lateral und 8 hatten
keine Dislokation aufgewiesen. Zusätzlich hatten 11 Patienten Zweitfrakturen,
die simultan osteosynthetisch versorgt worden waren. In allen Fallen gelang
eine röntgenologisch korrekte Reposition der Fragmente. Postoperativ
kam es bei keinem Patienten zu Wundheilungsstörungen oder zu Ausfällen
des N. facialis. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 29,5 Monate.
5 Patienten wiesen einen Helkimo-Index DiO, 11 Patienten einen Helkimo-Index
Di1 und 3 Patienten einen Helkimo-Index Di2 auf. Die mittlere Schneidekantendistanz
bei maximaler Mundöffnung betrug 42 mm, die Laterotrusion im Mittel
8,5 mm. Kein Patient gab Schmerzen bei der Mundbewegung oder bei Palpation
der Kaumuskulatur an.
Schlussfolgerung: Bei der Verwendung von geeignetem Instrumentarium
ist ein ausschließlich intraoraler Zugang bei der endoskopischen
Versorgung von Unterkiefergelengfortsatzbasisfraktur möglich und
garantiert bei geringerer Traumatisierung (potentielle Schadigung des
N. facialis) eine schnellere Rückkehr zu einem ungestörten physiologischen
Bewegungsmuster.
Lebensbedrohliche Komplikation nach Implantatfreilegung im stark
atrophierten Kiefer
Budihardja A.1, Haarmann S.1, Pytlik Ch.2, Wolff K. D.1
1 Universitätsklinik für Mund, Kiefer und Plastische Gesichtschirurgie,
Ruhr Universität
Bochum, In der Schornau 27, 44892 Bochum
2 Neustädter Straße 29, 33602 Bielefeld
Die interforaminale Insertion enossaler Zahnimplantate im Unterkiefer
wird als sicherer und meist einfacher Routineeingriff angesehen. Selten
werden schwere Blutungen und die Entstehung eines Mundbodenhämatoms
infolge des chirurgischen Primäreingriffs als Komplikationen beschrieben.
Bei subperiostaler Einheilung der Implantate wird ein Zweiteingriff notwendig,
um die Implantate freizulegen und eine entsprechende prothetische Versorgung
zu ermöglichen.
Der folgende Fall beschreibt eine lebensbedrohliche Blutung in den Mundboden
im Zuge der Implantatfreilegung.
Die Implantatinsertion erfolgte primär bei stark atrophiertem Ober-
und Unterkiefer mit konsekutiver Pseudo-Klasse III. Die durch die bereits
eingegliederte Oberkieferprothese vorgegebene Bissrelation sollte bei
der Implantatversorgung im Unterkiefer beibehalten werden. Dies führte
zu einer Reklination der Implantate und einer ausgeprägten weichgewebigen
Deckung der Fixturen. Bei der operativen Freilegung kam es zu einem fulminaten
Mundbodenhämatom infolge einer arteriellen Blutung, welches in Intubationsnarkose
notfallmäßig entlastet werden musste.
Schlussfolgerungen: In der Literatur wurden bisher ausschließlich
seltenen Fälle von lebensbedrohlichen Blutungen, die bei der Implantationinsertion
durch Perforation der lingualen Knochenkompakta und Verletzung der A.
sublingualis verursacht worden waren, beschrieben.
Im vorliegenden Fall trat diese Komplikation bei der vermeintlich trivialen
Implantatfreilegung auf.
Gerade die veränderten anatomischen Strukturen durch ausgeprägte
Knochenatrophie erhöhen das Komplikationsrisiko. Um eine optimale
Achsstellung der Implantate zu erzielen, sind gegebenenfalls operative
Maßnahmen zur Verbesserung des Implantatlagers respektive der Bisslage
notwendig.
Angiosarkome im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich
Driemel O.1, Berndt A.2, Müller-Richter U.1, Reichert T. E.1, Kosmehl
H.3
1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Klinikum der Universität
Regensburg, Franz-Josef-Strauss-Allee 11, 93053 Regensburg
2 Institut für Pathologie, Friedrich-Schiller-Universität Jena,
Ziegelmühlenweg 1, 07743 Jena
3 Institut für Pathologie, HELIOS-Klinikum Erfurt, Nordhäuser
Straße 74, 99089 Erfurt
Zielstellung: Klinisch-pathologische Studie zum typischen Erscheinungsbild
oraler und perioraler Angiosarkome, Verlauf unter Therapie mit Analyse
der immunhistochemischen Differenzialdiagnose der tumorspezifischen Hohlraumbildungen.
Patienten und Methoden: Vier männliche Patienten (1 x Unterkieferalveolarfortsatz,
1 x Kieferhöhle und 2 x Wange) im Alter von 63-78 Jahre. Histologie:
Paraffin eingebettete chirurgische Bioptate, H&E, PAS, Gömörri.
Immunhistochemie: Panzytokeratin Klone AE1/AE3, glattmuskuläres Aktin
Klon 1A4, CD 31 Klon JC/70A, FaktorVIII-assoziiertes Antigen Klon F/86,
Fli-1 polyklonal (Zymed, USA), Tenascin-C (Tn-C): BC4 (Prof. L. Zardi),
Laminin-5 (Ln-5): D4B5. Detektion: AP-ChemMate (Dako, Dänemark).
Ergebnisse: Therapie: Resektion, Radiatio, antiangiogenetische
Chemotherapie. Tumorprogression und Tod zweieinhalb Jahre nach Erstdiagnose
(0,2-2,5 Jahre). Alle Angiosarkome partiell FaktorVIII-assoziiertes Antigen-
und CD 31-positiv. 1/4 Angiosarkomen mit AE1/AE3-positiven Tumorzellgruppen;
2/4 Angiosarkomen mit Ln-5 positiven Tumorzellen (in Nachbarschaft von
Epithel). Strukturstörung der Gefäßwand mit partiellem
Perizyten-Verlust (glattmuskuläres Aktin) und Tn-C-Verlust (4/4 Fälle).
Schlussfolgerungen: (1.) Trotz multimodaler Therapie
ungünstiger Verlauf.
(2.) Zytokeratin und Ln-5-Positivität schließen ein Angiosarkom
nicht aus, diagnostisch sind FaktorVIII-assoziiertes Antigen und CD 31.
(3.) Partieller Perizyten-Verlust und Tn-C-Verlust indizieren die neoplastische
Gefäßwandstörung.
Erster Einsatz einer neuen Kiefergelenkkopfprothese aufgrund
beidseitiger Kiefergelenkankylose bei SAPHO-Syndrom
Driemel O., Moertl M., Buch R.S.R., Wagener H., Reichert T. E.
Klinik und Poliklinik für Mund- Kiefer- und Gesichtschirurgie, Klinikum
der Universität Regensburg, Franz-Josef-Strauss-Allee 11, 93053 Regensburg
Es wird der Fallbericht einer 42-jährigen Patientin mit einer beidseitigen
Kiefergelenkankylose als seltene Komplikation eines SAPHO-Syndroms (Synovitis,
Akne, palmo-plantare Pustulose, Hyperostosen, Osteitis) präsentiert.
Die unter konservativer Therapie (Antirheumatika, Krankengymnastik, Mundöffnungsübungen,
passive Munddehnung in Allgemeinnarkose) fortschreitende Einschränkung
der Mundöffnungsbewegungen erforderte als ultima ratio die großzügige
Resektion beider Kiefergelenkfortsätze. Beide Disci articulares ließen
sich nicht mehr vom umgebenden Bindegewebe differenzieren. Zur Verhinderung
einer Reankylosierung wurden die ehemaligen Gelenkpfannen mit gestielten
Muskelfazienlappen der Musculi temporales ausgekleidet. Die Kiefergelenkfortsätze
wurden beidseits primär alloplastisch rekonstruiert. Zum ersten Mal
wurde hierzu eine von der eigenen Arbeitsgruppe neu entwickelte Kiefergelenkkopfprothese
implantiert, welche eine intraoperative vertikale Justierung ermöglicht.
Die ersten intraoperativen Erfahrungen bei der Anwendung des neuen Condylusersatzes,
die postoperativen funktionellen (maximale SKD, Protrusion, Laterotrusion,
Gelenkgeräusche) und ästhetischen Ergebnisse (Narbenbildung,
Facialis-Funktion), sowie der Gewinn an Lebensqualität für die
Patientin werden vorgestellt.
Kosten-Effektivitäts-Analyse der Eigenblutspende in der
bimaxillären orthognathen Chirurgie.
Fenner M., Nkenke E., Neukam F. W., Kessler P.
Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgische Klinik, Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg, Glückstraße 11, 91054 Erlangen
Der Kostendruck im Gesundheitswesen sowie die im Transfusionsgesetz geforderte
„ökonomische Handlungsweise“ im Umgang mit Blut und Blutprodukten
machen eine kritische Evaluation der Wirtschaftlichkeit der Eigenblutspende
erforderlich. Gegenstand dieser Studie ist eine Analyse der Kosten-Effektivität
der Eigenblutspende in der bimaxillären orthognathen Chirurgie.
Im Rahmen einer retrospektiven Untersuchung wurde die Transfusionswahrscheinlichkeit
bei bimaxillären Eingriffen in einem Kollektiv von 70 Patienten ermittelt.
Risiken und Kosten transfusionsassoziierter Komplikationen wurden aus
der Literatur zusammengestellt. Die Alternativen „Eigenblutspende“
und „Nicht-Eigenblutspende“ wurden in einem Entscheidungsbaum
gegenübergestellt und Kosten- bzw. Nutzenwerte sowie die Kosten-Effektivität
errechnet (TreeAge Data Inc., USA). Als Nutzen wurde die Vermeidung einer
transfusionsbedingten Einschränkung der Lebenserwartung definiert.
Zusätzlich erfolgte eine Sensitivitätsanalyse anhand in der
Literatur verfügbarer Daten zur Transfusionswahrscheinlichkeit in
der orthognathen Chirurgie.
Auf der Grundlage dieses entscheidungstheoretischen Modells betrugen die
Kosten von Transfusion und transfusionsassoziierten Komplikationen bei
einer Transfusionswahrscheinlichkeit von 3 % in der Fremdblutgruppe (n=35)
und 13 % in der Eigenblutgruppe (n=35) 2,51 Euro bzw. 165,97 Euro pro
Patient. Die Nutzen-Betrachtung zeigte, dass die theoretische transfusionsbedingte
Einschränkung der Lebenserwartung in der Eigenblutgruppe mit 0,000105
Jahren pro Patient höher ist, als in der Fremdblutgruppe mit 0,000023
Jahren pro Patient. Ein negativer Nutzenwert zeigte sich ebenfalls in
der Sensitivitätsanalyse, die von anderen Arbeitsgruppen berichtete
Transfusionsraten berücksichtigt. Für die Eigenblutspende ergibt
sich eine Kosten-Effektivität von –2.003.110 Euro pro Lebensjahr.
Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, dass die Eigenblutspende in
der bimaxillären orthognathen Chirurgie derzeit in der Kosten-Nutzen-Betrachtung
keine Vorteile für den Patienten bietet.
Intentionelle Replantation ankylosierter Zähne – Ergebnisse
nach sieben Jahren
Filippi A.1, von Arx T.2, Pohl Y.3
1 Klinik für Zahnärztliche Chirurgie, -Radiologie, Mund- und
Kieferheilkunde,
Universität Basel, Hebelstraße 3, 4056 Basel, Schweiz
2 Klinik für Oralchirurgie und Stomatologie, Universität Bern,
Freiburgstraße 7,
3010 Bern, Schweiz
3 Poliklinik für Chirurgische Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Universität
Bonn,
Welschnonnenstraße 17, 53111 Bonn
Ziel der Untersuchung: Schwere parodontale
Verletzungen nach Zahntrauma bei Kindern resultieren häufig in einer
Ankylose und Ersatzgewebsresorption des Zahnes. Die Folgen sind lokale
Wachstumsstörungen mit vertikalem Knochenverlust; der Zahn geht innerhalb
weniger Jahre verloren. Ankylosierte Zähne sollten daher bei Kindern
entfernt werden. Prospektiv wird der Frage nachgegangen, ob eine intentionelle
Replantation unter Einsatz von Emdogain® zur parodontalen Regeneration
führen kann.
Material und Methode: Im Untersuchungszeitraum von 7 Jahren wurde bei
16 Kindern und Jugendlichen (Durchschnittsalter zum Zeitpunkt des Eingriffs
14.4 Jahre) die Diagnose „Ankylose“ gestellt. Die Zähne
standen bis zu 7 mm in Infraposition und zeigten reduzierte oder negative
Periotest-Werte (PTW). Die Zähne wurden entfernt und extraoral endodontisch
behandelt (retrograde Stiftinsertion). Auf die Wurzeloberfläche und
in die Alveole wurde ohne vorherige Konditionierung Emdogain® appliziert.
Die Zähne wurden replantiert bzw. bei bestehender Infraposition in
ihre korrekte Position gestellt und für kurze Zeit geschient. Es
folgten regelmäßige klinische und radiologische Kontrollen.
Untersuchungsparameter waren der Perkussionsschall (PS), die PTW, jeweils
verglichen mit den Nachbarzähnen sowie radiologische Befunde.
Ergebnisse: Sieben im Mittel 64.3 Monate (36-80) kontrollierte
Zähne zeigten bis heute keine erneute Ankylose. Acht Zähne hatten
nach im Mittel 12 Monaten (4-26) ein Rezidiv. Sechs der sieben erfolgreich
replantierten Zähne standen präoperativ in deutlicher Infraposition
bei gleichzeitig reduziertem aber noch positivem PTW und normalem PS,
was mit einer kleinflächigen Ankylose korrespondiert. Die meisten
erfolglos replantierten Zähne hatten präoperativ eine normale
Position bei negativem PTW und erhöhtem PS, was einer großflächigen
Ankylose entspricht. Zwischen diesen präoperativen Befunden und dem
Behandlungsergebnis zeigten sich deutliche statistische Hinweise auf Unterschiede
(p=0.031).
Schlussfolgerung: Die intentionelle Replantation mit
Emdogain® verhindert in Fällen mit kleinflächiger Ankylose
nach Zahntrauma ein Rezidiv. Die Behandlung ermöglicht jungen Patienten
den biologischen Abschluss des Kieferwachstums ohne ästhetische und
funktionelle Kompromisse
Koorganisation von Laminin-5 (Ln-5) und Tenascin-CL (Tn-CL) in
der Invasionsfront oraler Plattenepithelkarzinome (OSCC)
Franz M.1, Kosmehl H.2, Hyckel P.3, Berndt, A.1
1 Institut für Pathologie, Friedrich-Schiller-Universität Jena,
Ziegelmühlenweg 1, 07743 Jena
2 Institut für Pathologie, HELIOS-Klinikum Erfurt, Nordhäuser
Straße 74, 99089 Erfurt
3 Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie/Plastische Chirurgie,
Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Erlanger Allee
101, 07747 Jena
Ziele: OSCC-Invasion ist mit einer Reorganisation der extrazellulären
Matrix (ECM) verbunden. Ln-5 als Basalmembranen (BM)-Bestandteil unterliegt
dabei einem proteolytischen Processing mit Bildung migrationsfördernder
Fragmente. Die wenig gespleißten Varianten von Tenascin-C (Tn-CL)
treten als Modulator der zellulären Adhäsion vorwiegend bei
Gewebsumbauprozessen auf und haben ebenfalls migrationsfördernde
Eigenschaften. Beide Proteine zeigen in der OSCC Invasionsfront ein vergleichbares
Verteilungsmuster. Ziel der Studie war der Nachweis der
molekularen Interaktionen von Ln-5 und Tn-CL im OSCC Zellkulturmodell
und die Definition von Kolokalisationsmustern in der OSCC-Invasionsfront
in Beziehung zum Malignitätsgrad.
Methoden: Die Interaktion von Tn-CL und Ln-5 wurden sowohl in einem Tumorzell/Fibroblasten-Kokulturmodell
als auch im schock-gefrorenen Gewebe von OSCC unterschiedlichen Malignitätsgrades
mittels Koimmunopräzipitation (Ko-IP), Laser Scanning-Mikroskopie
(LSM) und LSM-basierter quantitativer Kolokalisationsanalyse untersucht.
Ergebnisse: Im Gegensatz zu reinen Tumorzellkulturen
zeigt Ln-5 in der Kokultur eine fibrilläre extrazelluläre Matrixorganisation
in Kolokalisation zu fibrillär organisiertem Tn-CL. Ko-IP-Untersuchungen
belegen eine stabile molekulare Interaktion beider Proteine. In situ konnten
verschiedene Kodepositionsmuster von Tn-CL und Ln-5 definiert werden:
(1) eine band-förmige Kolokalisation in der reorganisierten BM, (2)
“dot-like” Kodepositionen im Stroma im Bereich rupturierter
BM und (3) fibrilläre Kolokalisationen im Stroma größerer
Tumorzellkluster. Die quantitative Analyse von Ln-5-assoziiertem Tn-CL
in Invasionsfront-nahen BM zeigte eine statistisch signifikante Korrelation
zum Malignitätsgrad.
Schlussfolgerungen: Die Interaktion von Fibroblasten
und OSCC-Zellen induziert eine strukturelle Reorganisation der Ln-5-Matrix
unter Bildung von Multiproteinkomplexen mit Tn-CL. Die in situ detektierbaren
Kolokalisationsmuster lassen eine Bedeutung für die Tumorinvasion
vermuten und repräsentieren Stufen der sequenziellen Matrixreorganisation
während des Invasionsprozesses. Die Grading-abhängige signifikante
Zunahme von Tn-CL in der BM wird als präinvasive Strukturmodulation
der BM im Sinne einer Flexibilitätszunahme interpretiert.
Prothetische Bewertungskriterien zur Erfolgsbeurteilung von Implantaten
Gerlach T., Hösl H., Schüsselbauer U., Driemel O., Buch R.S.R
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Klinikum der Universität Regensburg, Franz-Josef-Strauß-Allee
11, 93053 Regensburg
Einleitung: Heute erreichen nahezu alle auf dem Markt
verfügbaren Implantatsysteme Erfolgsraten von über 90 %. Trotz
zunehmender Indikationsstellung und Implantationshäufigkeit werden
prothetische Bewertungskriterien zur Erfolgsbeurteilung von Implantaten
nur unzureichend herangezogen.
Material und Methoden: Daher wurden im Rahmen einer retrospektiven
Studie von 2004 bis 2005, 111 Patienten mit insgesamt 456 prothetisch
versorgten enossalen Implantaten (ITI, Straumann, Basel, Schweiz) nach
einer durchschnittlichen Liegedauer von 3,5 Jahren (1,3-10 Jahre) eingeschlossen.
Implantate und prothetische Konstruktionen wurden klinisch und radiologisch
nachuntersucht und die Patienten zusätzlich um eine subjektive Beurteilung
(Skala deutsches Schulnoten-System: 6=unzufrieden, 1=äußerst
zufrieden) der prothetischen Versorgung gebeten.
Ergebnisse: Die Überlebensrate der prothetischen
Suprakonstruktionen liegt bei 100 %. Prothetische Komplikationen wurden
sowohl direkt am Implantataufbau, als auch an den Suprakonstruktionen
(festsitzend 31,6 %, herausnehmbar 46,9 %) beobachtet. Die allgemeine
Zufriedenheitsanalyse ergab bei 98,2 % der Patienten gute oder äußerst
zufriedene Ergebnisse für die Versorgung. Funktionelle Kriterien
(Tragekomfort, Halt, Kauen, Sprechen) wurden von 96,0 % mit gut oder äußerst
zufrieden bewertet und zeigen keine statistisch signifikanten Unterschiede
zwischen festsitzendem und herausnehmbaren Zahnersatz (ZE). Die klinische
Bewertung der Mundhygiene (PI, PSI) zeigte bei günstiger anatomischer
Gestaltung des Zahnersatzes bei >80 % der Patienten eine gute bis sehr
gute Implantatreinigung. Die Bewertung des ästhetischen Gesamtergebnisses
wurde von 95,9% % der Patienten als sehr gut beurteilt.
Schlussfolgerungen: Die Erfolgsbeurteilung von Implantaten
definiert sich maßgeblich durch die Patientenakzeptanz von Funktion,
Ästhetik und Mundhygienefähigkeit des ZE. Die untersuchten Parameter
bestimmen die erfolgreiche funktionelle Belastung eines Implantates und
die Erhaltung der periimplantären Strukturen, die bisher alleinig
zur Bestimmung des Implantaterfolges herangezogen werden. Für die
Zukunft wäre ein Erfolgs-Score für Implantate wünschenswert,
der von klinischen und prothetischen Parametern sowie von der Patientenzufriedenheit
getragen wird.
Fallbericht eines high-grade Osteosarkoms der Kieferhöhle
Gerressen M.1, Ghassemi A.1, Riediger D.1, Donner A.2
1 Klinik für Zahn-, Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie,
Universitätsklinikums der
RWTH Aachen, Pauwelsstraße 30, 52074 Aachen
2 Institut für Pathologie, Universitätsklinikums der RWTH Aachen,
Pauwelsstraße 30,
52074 Aachen
Im vorliegenden Fall berichten wir über einen 60jährigen Patienten,
der sich zur Abklärung einer neu aufgetretenen Schleimhautwucherung
im Bereich des rechten Oberkieferalveolarfortsatzes in unserer Klinik
vorstellte. Bei der klinischen Untersuchung war ein unregelmäßiger,
polypöser Tumor, der aus der Kieferhöhle nach intraoral vorwuchs,
zu erkennen. Im NNH-Röntgen zeigte sich eine Totalverschattung des
rechten Sinus maxillaris. Wir entnahmen daraufhin mehrere Biopsien aus
dem intraoralen Tumoranteil, deren histologisches Bild einer myxoiden,
polypösen Läsion im Sinne eines Granulationsgewebspolypen entsprach.
Im weiteren Verlauf führten wir eine transmaxilläre Ausräumung
der Kieferhöhle durch. In der histologischen Aufarbeitung des Resektates
waren ausgedehnte Infiltrate eines gering differenzierten, zum Teil myxoiden
Sarkoms (G3) erkennbar. Nach konsiliarischer Stellungnahme von Prof. Jundt
aus Basel (Knochentumor-Referenzzentrum) konnte schließlich die
endgültige Diagnose eines high-grade Osteosarkoms mit chondroblastischer
Komponente gestellt werden. Im daraufhin eingeleiteten Tumor-Staging (u.a.
PET, CT) zeigten dich persistierende Malignomanteile im Bereich der rechten
Maxilla; eine Metastasierung war zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht
nachweisbar. Da der Patient eine radikale, entstellende OP ablehnte, führten
wir erneut eine palliative Verkleinerung des rasch wachsenden Sarkoms
durch und fertigten zur Deckung der breitbasigen MAV eine Obturatorprothese
an. Bei Tumorausläufern in nahezu allen Randschnitten leiteten wir
die Weiterbehandlung durch unsere hämato-onkologischen Kollegen ein.
Bei nun CT-graphisch nachweisbarer diffuser pulmonaler Metastasierung
erhielt der Patient zunächst einen Zyklus Chemotherapie mit den Substanzen
Cisplatin und Doxorubicin mit konsekutiver Größenregredienz
des Tumors. Die folgenden Zyklen mit Ifosfamid und Cisplatin bzw. Doxorubicin
konnten keine weitere Tumorrückbildung bewirken. Der Patient verstarb
schließlich bei progredienter respiratorischer Insuffizienz.
Das high-grade Osteosarkom ist ein rasch und destruierend wachsender Tumor,
der frühzeitig in die Lunge metastasiert. Ein kurativer Therapieansatz
sollte die frühzeitige radikale Tumorresektion zum Ziel haben. Die
Ansprechrate auf eine Chemotherapie ist gerade im Kiefer-Gesichts-Bereich
relativ gering.
Die semiautomatische räumliche Quantifizierung der Orbita
Grotzer D. P., Schramm A., Dini A., Gellrich N.-C.
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Medizinische Hochschule Hannover, Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
Die zwei- und dreidimensionale Quantifizierung orbitaler Deformitäten
in der internationalen Literatur folgt unterschiedlichen Auswertungsschemata,
die zumeist einen entscheidenden Nachteil haben: intraindividuelle Vergleiche
beziehen sich in der Regel auf Voxel-basierte Datensätze in unterschiedlichen
Koordinatensystemen, die nicht aufeinander abgestimmt werden.
In einer interdisziplinären Kooperation erfolgte die Erstellung einer
semiautomatischen Quantifizierungsmethode, die sowohl auf CT-/DVT- als
auch auf NMR-basierte Datensätze anwendbar ist und den intra- sowie
interindividuellen 2- und 3D-Vergleich vor und nach rekonstruktiven Orbitaeingriffen
im Hinblick auf orbitale Fehlstellungen/Veränderungen erlaubt. Der
Analyseprozess startet mit der Ausrichtung der Datensätze an einem
einheitlichen Koordinatensystem. Insgesamt sind 6 Punkte zu definieren,
8 Strecken (Längen, Höhen, Transversaldurchmesser) werden reproduzierbar
und zeiteffektiv bestimmbar. Es wurde ein korrigierter Hertel-Index erstellt,
der unabhängig vom knöchernen orbitalen Rahmen eine exakte Projektionsbestimmung
des Bulbus in der Sagittalen erlaubt.
An 20 Datensätzen von orbitalen Fehlstellungen wurde die semiautomatische
Quantifizierung der Orbita evaluiert. Im Vortrag wird in einer Power-Point-gestützen
Videoanimation diese neue Meßmethode, die eine Modifikation im Modul
Skeleton der Software VOXIM (IVS-Solutions AG, Chemnitz) darstellt, vorgeführt.
Die vorgestellte Methode stellt eine im klinischen Alltag erprobte und
bewährte Möglichkeit der Datensatz-Auswertung zur präoperativen
Planung und Qualitätskontrolle des Operationsergebnisses dar.
Entfernung eines in die Weichgewebe luxierten Zahnkeimes –
Ein Fallbericht
Grotzer D. P., Schramm A., Dini A., Gellrich N.-C.
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Medizinische Hochschule Hannover, Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
Die Germektomie der oberen Weisheitszähne ist ein oftmals im Rahmen
einer kieferorthopädischen Behandlung indizierter Eingriff. Als mögliche
Komplikationen sind vor allem die Luxation des Zahnkeimes in die Kieferhöhle
oder die benachbarten Weichgewebe zu berücksichtigen.
Bei nachfolgend beschriebenem Fall einer 16-jährigen Patientin wurde
der Zahnkeim 28 beim Versuch der Germektomie alio loco ins Weichgewebe
luxiert. Mittels computertomographischer Bildgebung wurde die dreidimensionale
Lage des Zahnes im Gewebe ermittelt. Der erhobene voxelbasierte Datensatz
wurde mit Hilfe der Visualisierungs-, Planungs- und Navigationssoftware
Voxim der Firma IVS Solutions AG zur exakten präoperativen Planung
verwendet. Für die Übertragbarkeit der virtuellen Planung in
den Operationssitus wurde eine Tiefziehschiene zur Referenzierung angefertigt.
In dem folgenden in ITN vorgenommenen Eingriff war es durch diese genaue
Planung in Verbindung mit der intraoperativen Navigation möglich,
den verlagerten Zahn innerhalb weniger Minuten unter Schonung aller im
entsprechenden Gebiet verlaufenden Strukturen aufzufinden und zu entfernen.
Der postoperative Verlauf gestaltete sich völlig komplikationsfrei.
Schlussfolgerung: Durch die moderne Visualisierungs-
und Planungssoftware ist es heute möglich, die routinemäßig
erhobenen Bild-Daten vollständiger und exakter auszuwerten. Aufgrund
der Nutzbarkeit der präoperativen Planung für die intraoperative
Navigation können auch bei nicht standardisierten dentoalveolären
Eingriffen mögliche Komplikationen weiter minimiert werden.
Bedeutung vertikaler Anomalien für das Weichteilprofil der
Dysgnathiepatienten
Gülicher D., Waldmüller J., Krimmel M., Reinert S.
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Universitätsklinikum Tübingen,
Osianderstraße 2-8, 72076 Tübingen
Bei Dysgnathiepatienten stellt man z. T. eine Diskordanz zwischen kephalometrischer
Anomalie und Profiltyp fest. Hier scheinen die vertikalen Parameter entscheidenden
Einfluss zu haben. Ziel der Studie war es, die Auswirkung
des vertikalen Gesichtsschädelaufbaus auf das Profil zu untersuchen.
Von 140 Dysgnathiepatienten wurden die kephalometrischen Daten, die die
sagittale und die vertikale Anomalie beschreiben, analysiert und mit der
Weichteilanalyse korreliert. Die Auswirkungen wurden deskriptiv und mit
einer Teststatistik überprüft.
56 Patienten hatten eine Klasse II- und 84 eine Klasse III-Anomalie. Der
Basiswinkel als zentraler Parameter für eine vertikale Anomalie lag
in 72 % außerhalb der Norm, bei 35% war er stark vergrößert
(high angle) und bei 13 % stark verkleinert (low angle). Nur bei einem
kleineren Anteil der Patienten war eine vertikale Anomalie mit einem entsprechenden
offenen bzw. tiefen Biss kombiniert. Die high angle Anomalie betraf jeweils
ca. 1/3 der Klasse II- und III-Patienten, die low angle Anomalie 11 bzw.
17 %.
Bei den Klasse III-Patienten führte die high angle Anomalie zu einer
deutlichen posterioren Rotation des UK von im Mittel 42°. Dies ging
mit einer Kinnprojektion nach kaudal einher, wodurch das Kinn mit 82°
metrisch kaum zu prominent war. Es resultierten ein trotz Klasse III im
Mittel gerader Profiltyp (-0,1 mm) und eine nahezu normale Gesichtskonvexität
(7,6°). Bei den Klasse II-Patienten mit high angle Anomalie lag eine
extreme posteriore Rotation des UK von im Mittel 46° vor. Bei diesen
Patienten resultierte eine Akzentuierung der bei Klasse II typischen Kinnrücklage.
Entsprechend war das Profil im Mittel um 1 cm nach hinten schief, die
Konvexität auf 21,4° vergrößert. Fast alle Auswirkungen
waren statistisch signifikant. Die Auswirkungen des high angle auf die
Länge des unteren Gesichtsdrittel waren unerwarteter Weise gering
und nur z. T. signifikant. Die low angle Anomalie führte durch anteriore
UK-Rotation zur Akzentuierung der Kinnprojektion bei Klasse III und zur
Reduktion des schiefen Profils bei Klasse II. Die Auswirkungen auf die
Länge des Untergesichts waren beim low angle deutlicher i. S. einer
Verkürzung des unteren Drittels.
Vertikale Anomalien sind häufig und entscheidend an der Ausprägung
der Dysgnathien beteiligt. Ihre Analyse und Berücksichtigung bei
der Therapieplanung ist v. a. in ästhetischer Hinsicht unbedingt
erforderlich.
Multifokale onkozytäre adenomatöse Hyperplasie beider
Ohrspeicheldrüsen - Fallbeispiel eines seltenen Krankheitsbildes
Gülicher D.1, von Herbay A.2, Wehrmann M.3, Reinert S.1
1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Universitätsklinikum Tübingen, Osianderstraße 2-8, 72076
Tübingen
2 Medizinische Klinik I, Universitätsklinikum Tübingen, Ottfried-Müller-Straße
10,
72076 Tübingen
3 Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Tübingen,
Liebermeisterstraße 8,
72076 Tübingen
Ein 67jähriger Mann wurde zur Abklärung einer Schwellung beider
Ohrspeicheldrüsen zugewiesen. Bei der klinischen Untersuchung erwiesen
sich beide Gll. parotides als diffus vergrößert. Der Speichelfluss
war regelrecht auslösbar, die Funktion des N. facialis intakt. Sonographisch
fanden sich multiple bis 2 cm große, scharf begrenzte, echoarme
Raumforderungen in beiden Drüsen. Duplexsonographisch konnte in einem
Teil der Läsionen eine sehr starke Perfusion dargestellt werden,
während andere nur gering perfundiert waren. In der CT zeigten sich
die Läsionen als hyperdense, KM-affine rundliche Raumforderungen.
Die übrigen Speicheldrüsen stellten sich unauffällig dar.
Zur histologischen Abklärung wurden sonographisch kontrolliert aus
beiden Drüsen Stanzbiopsien gewonnen. Sie führten zur Diagnose
einer multifokalen onkozytären adenomatösen Hyperplasie. Weitere
Nachforschungen ergaben, dass bei dem Patienten ebenfalls onkozytäre
Läsionen in beiden Nieren bekannt waren.
Bei dem vorgestellten Krankheitsbild handelt es sich um seltene tumorähnliche
Läsionen der großen Speicheldrüsen. Dabei treten noduläre
Raumforderungen vornehmlich in den Ohrspeicheldrüsen auf. Histologisch
sind sie durch onkozytär transformierte Epithelien mit rundlichen
Kernen und granuliertem eosinophilem Zytoplasma gekennzeichnet. Je nach
Anzahl, Abgrenzbarkeit und klinischem Verhalten werden in der WHO-Klassifikation
das onkozytäre Adenom (Onkozytom), die multifokale und die diffuse
onkozytäre adenomatöse Hyperplasie der Speicheldrüsen unterschieden.
Die Grenzen zwischen den Entitäten sind fließend. Sie müssen
von malignen Speicheldrüsentumoren mit ähnlichem histologischem
Bild unterschieden werden. Onkozytäre Läsionen wurden außer
in den Speicheldrüsen u. a. auch in Schilddrüse, Larynx, Pankreas,
Leber und Nieren beschrieben. Nach unserer Kenntnis ist dies aber der
erste Fall mit synchronem Auftreten onkozytärer Läsionen in
verschiedenen Organsystemen. Bei den onkozytären adenomatösen
Hyperplasien handelt es sich um benigne nicht-neoplastische Läsionen.
Die therapeutischen Empfehlungen sind nicht eindeutig. Aufgrund der hohen
Invasivität bei Befall mehrerer Organe und aufgrund zahlreicher Begleiterkrankungen
wurde bei dem vorgestellten Patienten ein konservatives Vorgehen mit regelmäßigen
Verlaufskontrollen gewählt. Die Sonographie ist hierzu die Methode
der Wahl und kann im Bedarfsfall durch weitere Stanzbiopsien ergänzt
werden.
Wechselwirkung verschiedener Biomaterialien mit undifferenzierten
embryonalen Stammzellen
Handschel J., Berr K., Depprich R., Meyer U.
Klinik für Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie der Heinrich-Heine-Universität,
Moorenstraße 5, 40225 Düsseldorf
Embryonale Stammzellen (ESC) sind totipotent und vermutlich nicht immunogen.
Sie haben im Gegensatz zu mesenchymalen Progenitorzellen ein nahezu unbegrenztes
Erneuerungspotenzial und stellen somit eine sehr viel versprechende Zelllinie
für das Tissue Engineering von Knochen dar. Es konnte bereits von
uns gezeigt werden, dass ESC sich in vitro in osteoblastenähnliche
Zellen differenzieren können. Unklar sind jedoch die Wechselwirkungen
zwischen ESC und Knochenersatzmaterialien, die als Trägersubstanzen
für den klinischen Einsatz notwendig sind. Ziel unserer Studie war
es, den Einfluss verschiedener Biomaterialien auf Proliferation und Differenzierungsgrad
von ESC zu überprüfen.
Material und Methode: Murine ESC wurden in Feederzell-freien Medien kultiviert.
Auf die Zellkulturen wurden verschiedene Probenkörper appliziert
(bovines Knochenmineral, ß-Tricalciumphosphate verschiedener Porosität,
PLA/PGA). Die Proliferation der Zellen wurde mittels CyQuant®-Assay,
die Besiedlung mittels Rasterelektronenmikroskopie und der Differenzierungsgrad
der Zellen durch real time RT-PCR nach insgesamt einer Woche in Kultur
analysiert.
Ergebnisse: Beide ß-Tricalciumphosphate (ß-TCP)
wiesen die höchsten Zellproliferationswerte auf. Dabei lag die Zellzahl
bei der poröseren ß-TCP-Variante noch einmal um 60 % höher
als beim niedrigporösen ß-TCP. Die Rasterelektronischen Aufnahmen
bestätigten diese Ergebnisse. Bezüglich des Einflusses auf die
Zelldifferenzierung, der anhand des Expressionsmusters der osteoblastentypischen
Marker Osteocalcin, Alkalische Phosphatase und Kollagen Typ I bestimmt
wurde, unterschieden sich die verschiedenen Biomaterialien nicht von einander
und entsprachen dem Expressionsmuster von sich spontan und ungerichtet
differenzierenden ESC.
Von den untersuchten Biomaterialien erscheint das grobporige ß-TCP
am geeignetsten um als Trägermaterial für ESC beim Knochen Tissue
Engineering zu fungieren.
Offene und gedeckte Heilung Ligatur-induzierter periimplantärer Knochendefekte
im Hundemodell
Herten M., Schwarz F., Rothamel D., Becker J.
Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie und Aufnahme, Universitätsklinikum
Düsseldorf, Moorenstraße 5, 40225 Düsseldorf
Das Ziel der vorliegenden Untersuchung war, den Einfluss verschiedener
Therapiemethoden bei der offenen (o) und gedeckten (g) Heilung periimplantärer
Infektionen im Hundemodell zu untersuchen.
Die Induktion periimplantärer Knochendefekte erfolgte in 5 Beagle
Hunden durch Einlage von Ligaturen über einen Zeitraum von 3 Monaten
(n=30 Implantate). Die entstandenen Defekte wurden randomisiert im Split-mouth
Design entweder a) nichtchirurgisch - o, oder b) chirurgisch - g unter
Verwendung eines Er:YAG Lasers (ERL), eines Ultraschallsystems (VUS) oder
von Kunststoffküretten + Metronidazol Gel (PCM) behandelt. Klinische,
radiologische und histologische (u.A. Knochen-Implantat-Kontakt –
BIC) Parameter wurden jeweils zu Beginn der Untersuchung, sowie nach 3
Monaten erhoben.
Alle Behandlungsmethoden führten sowohl im Rahmen der o-, als auch
g- Heilung nach 3 Monaten zu einer signifikanten Verbesserung aller klinischer
Parameter (p=0,001; respektive). Die radiologische Auswertung zeigte lediglich
nach g- Heilung eine in allen Gruppen vergleichbare signifikante Zunahme
der periimplantären Radioopazität (p=0,01, respektive). Die
histomorphometrische Analyse ergab, dass die o- Heilung in allen Behandlungsgruppen
zu vergleichbaren (p=0,05, respektive) niedrigen BIC Werten im apikalsten
Bereich der Defekte führte (ERL: 1,3 %; PCM: 1,3 %; VUS: 1,6 %;).
Im Gegensatz hierzu waren die entsprechenden BIC Werte nach g- Heilung
in allen Gruppen statistisch signifikant höher: ERL: 49,7 %; PCM:
22,4 %; VUS: 11,4 % (p=0,001; p=0,05; p=0,001; respektive). Die Knochenregeneration
und Re-Osseointegration war jedoch auf die intraossäre Defektkomponente
begrenzt.
Die Ergebnisse dieser Untersuchung haben gezeigt, dass (i) ERL zu einer
signifikant höheren Re-Osseointegration kontaminierter Implantatoberflächen
führte als PCM und VUS, und (ii) das Behandlungsergebnis durch eine
gedeckte Heilung signifikant verbessert werden kann
Frühbelastung und Knochentraining enossaler Implantate statt
langem unbelasteten Einheilungsintervall
Hess P., Thiele P., Nentwig G. H.
Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie und Implantologie, Zentrum
der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der J.W. Goethe Universität,
Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt
Ziel dieser prospektiven klinischen Studie ist es, die ursprünglich
in der implantologischen Literatur propagierte Einheilzeit von sechs Monaten
im Oberkiefer und drei Monaten im Unterkiefer auf der Grundlage valider
Daten auf ein Routineprotokoll von sechs Wochen zu reduzieren. Sechs Wochen
Einheilzeit entspricht bereits den Empfehlungen des ITI für das Straumann-Implantatsystem,
allerdings wird hier kein Knochentraining angeschlossen.
Seit November 2002 wurden bei bislang 179 Patienten insgesamt 324 Ankylos-Implantate
(Dentsply, Mannheim) inseriert. Diese Implantate sind rauhstrukturiert
durch ein Strahlverfahren. Bei reduzierter Knochenqualität wurde
das Implantatbett kondensierend mit Bone-Spreadern (Ustomed, Tuttlingen)
aufbereitet. Unser Studienprotokoll sieht die Freilegung nach sechs Wochen
und anschließende Versorgung mit provisorischen Kronen für
weitere sechs Wochen vor. Diese Phase wird als Trainingsphase für
den periimplantären Knochen genutzt (weiche Diät). Unmittelbar
zu Beginn sowie zum Abschluss der provisorischen Versorgung wurde der
Periotest-Wert erhoben. Danach erfolgte die definitive prothetische Versorgung.
Bis heute sind von den insgesamt 324 inserierten Implantaten 315 Implantate
länger als drei Monate prothetisch versorgt. Von diesen befinden
sich 116 Implantate im Oberkiefer und 199 Implantate im Unterkiefer. Die
Funktionsdauer liegt im Mittel bei 15,33 Monaten. Die Periotest-Werte
verbesserten sich vom Zeitpunkt der Freilegung bis zum Ende der Trainingsphase
nach sechs Wochen im Mittel von -2,00 auf -2,89, wobei sich erwartungsgemäß
eine deutliche Differenzierung zwischen Ober- und Unterkiefer ergab (OK
von –0,72 auf –1,94, UK von –2,76 auf –3,45).
Diese Änderung der Periotest-Werte wies nach dem t-Test eine hohe
statistische Signifikanz auf. Von den insgesamt 324 Implantaten gingen
7 (2,1 %) verloren, davon fünf zum Zeitpunkt der Freilegung (UK).
Ein Implantat musste während des Knochentrainings explantiert werden
(UK). Ein weiteres ging nach definitiver Versorgung verloren (OK). Zwei
weitere Implantate wiesen zum Zeitpunkt der Freilegung eine periimplantäre
Entzündung auf und wurden somit nicht frühversorgt. Dies entspricht
einer Erfolgsrate von 97,3 %.
Auf Grund dieser hohen Erfolgssicherheit kann die Frühbelastung von
raustrukturierten Implantaten mit anschließendem Knochentraining
als sichere und zuverlässige Routinebehandlung in der klinischen
Praxis empfohlen werden.
Prospektive Ergebnisse eines chirurgischen Behandlungskonzepts
für bisphosphonatinduzierte Osteochemonekrosen des Kiefers
Hoefert S, Eufinger H.
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie - Plastische Operationen
-,
Akademisches Lehrkrankenhaus der Ruhr-Universität Bochum, Dorstener
Straße 151,
45657 Recklinghausen
Osteochemonekrosen der Kiefer bei Bisphosphonaten stellen ein seit 2004
beschriebenes therapieresistentes Krankheitsbild dar. Bei zunehmenden
Kenntnissen der Pathomechanismen fehlen richtungsweisende Therapiekonzepte.
Im Rahmen unserer Bisphosphonatsprechstunde werden Patienten mit Osteochemonekrosen
nach festgelegten Therapieschemata behandelt. 14 von 23 Patienten mit
einer aktiven Osteochemonekrose wurden einer operativen Intervention am
Unterkiefer zugeordnet und prospektiv ausgewertet, darunter 12 der High-Risk-Gruppe
(Pamidronat, Zoledronat). Nach dem standardisierten Protokoll erfolgten
intravenöse Antibiotikatherapien perioperativ und Spangenresektionen
mit Drainage nach extraoral.
Acht Tage postoperativ zeigten 69 % der Patienten eine unauffällige
Wundsituation. Im weiteren Verlauf (1–12 Monate) konnte, bei einem
Drop Out von zwei Todesfällen mit postoperativer primärer Dehiszenz,
weiterhin eine unauffällige Schleimhautsituation in 70 % beobachtet
werden. Während in der High-Risk-Gruppe (Pamidronat, Zoledronat)
in 12,5 % erneute Fistelungen auftraten, zeigte eine Patientin aus der
Low-Risk-Gruppe (Alendronat) unter laufender Bisphosphonattherapie eine
Ausheilung einer postoperativen Wunddehiszenz. Die postoperativen Wunddehiszenzen
aller Patienten zeigten außerdem im Vergleich zum Ausgangsbefund
eine gute Beherrschbarkeit durch eine konservative Lokaltherapie.
In der Literatur fehlen konkrete Therapievorschläge mit Angaben über
prozentuale Therapieerfolge. Mit unserem Behandlungskonzept konnten wir
in der operativen Gesamtgruppe einen 70%igen Behandlungserfolg von Osteochemonekrosen
sowie einen 100%igen Therapieerfolg bei Osteochemonekrosen der Low-Risk-Gruppe
längerfristig nachweisen. Für die Low-Risk-Patientengruppe kann
somit unser Therapiekonzept empfohlen werden, in wie weit jedoch eine
„Übertherapie“ erfolgte, bleibt zu klären. Ob sich
in der High-Risk-Gruppe bessere Therapierfolge überhaupt erreichen
lassen, muss noch weitergehend untersucht werden.
Retrograde Anastomosierung als Alternative zum Grundprinzip des
anterograden mikrochirurgischen Gefäßanschlusses in der Kieferchirurgie
Hölzle F., Wysluch A., Kesting M., Swaid S., Wolff K.-D.
Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, Ruhr-Universität
Bochum,
In der Schornau 23-25, 44892 Bochum
Perforans-Lappen werden erst seit kurzer Zeit für Rekonstruktionen
in der Kieferchirurgie eingesetzt. Die Anastomose an konventionelle Anschlussgefäße
im Kopf-Halsgebiet ist aufgrund des kurzen Gefäßstieles häufig
schwierig. Das Ziel dieser anatomischen, histomorphometrischen und rheologischen
Untersuchungen der A. facialis war es herauszufinden, ob die distale A.
facialis mit retrogradem Fluss über einen ausreichenden Blutfluss
und -druck verfügt, um Perforans-Lappen suffizient zu versorgen.
Außerdem bestand die Hoffnung, dadurch ein Anschlussgefäß
zu etablieren, welches zu der im Durchschnitt nur 1,3 mm großen
Perforans-Arterie eine optimale Passform aufweisen würde.
An 12 frischen Leichen erfolgten selektive Farbstoffinjektionen, um die
vaskulären Territorien der A. facialis zu bestimmen und auf Anastomosierungen
mit der kontralateralen Fazialarterie zu überprüfen. Zur Erfassung
rheologischer Eigenschaften der A. facialis wurde der anterograde und
retrograde Blutdruck vor und nach Ligatur der kontralateralen A. facialis
bei zusätzlich 50 Patienten intraoperativ bestimmt. Bei diesen Patienten
wurden 50 Gefäßpaare der A. facialis auf Höhe des Corpus
mandibulae entnommen und einer histomorphometrischen Untersuchung zugeführt.
Durchschnittlich lag der arterielle Mitteldruck der distalen A. facialis
mit retrogradem Fluss bei 76 % des systemischen Blutdruckes, gemessen
in der A. radialis bei Lagerung auf Herzvorhoflevel. Der systemische Mitteldruck
konnte mit dem Druck in der proximalen A. facialis mit anterogradem Fluss
nahezu gleichgesetzt werden. Nach Ligatur der Gegenseite, wie es bei Tumorresektionen
häufig notwendig ist, sank der Mitteldruck in der distalen A. facialis
auf immer noch ausreichende 70 % ab. Der mittlere äußere Durchmesser
der distalen A. facialis lag bei 1,7 mm. Damit wies er eine ähnliche
Größe wie der Durchmesser der Perforansarterien mit 1,3 mm
auf. Mit Kenntnis dieser Ergebnisse gelang eine unkomplizierte und erfolgreiche
End-zu-End-Anastomose eines Perforans-Lappens an die distale A. facialis
mit retrogradem Blutfluss bei zehn Patienten.
Somit konnte ein alternatives Anschlussgefäß, das eine sehr
gute Option zur Anastomosierung von Perforans-Lappen bei intra- und extraoralen
Defektdeckungen in der Kieferchirurgie darstellt und auch nach Neck dissection
immer vorhanden ist, wissenschaftlich geprüft und klinisch erprobt
werden.
Immunhistochemische Differenzierung der individuellen Überlebenszeitprognose
mit dem Proliferationsmarker MIB-1.
Hoffmann J.1, Alexander D.2, Munz A.2, Reinert S.1
1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Universitätsklinikum
Tübingen, Osianderstraße 2-8, 72076 Tübingen
2 Forschungslabor der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und
Gesichtschirurgie,
Universitätsklinikum Tübingen, Osianderstraße 2-8, 72076
Tübingen
Einleitung: Der immunhistochemisch anfärbbare Proliferationsmarker
MIB-1 ist ein monoklonaler Mausantikörper, der ein nukleäres
Antigen, welches zellzyklusassoziiert exprimiert wird, identifiziert.
Bei verschiedenen soliden Tumoren konnte eine hohe Expression von MIB-1
als signifikanter, unabhängiger prognostischer Indikator nachgewiesen
werden.
Fragestellung: Ziel unserer experimentellen Untersuchung war, die Korrelation
zwischen klinischem Ausgangsbefund, der immunhistochemischen MIB-1-Expression
und der individuellen Langzeitüberlebensprognose von Patienten mit
Mundhöhlenkarzinomen zu untersuchen.
Patientengut und Methodik: Wir untersuchten an einem Krankengut von 211
Patienten mit unterschiedlicher Stadien paraffineingebettetes Tumorgewebe.
5 µm dünne Gewebeschnitte wurden mittels eines monoklonalen
Antikörpers (Dako Diagnostica, Hamburg) immunhistochemisch automatisiert
markiert. Der Einfluss von Alter, Tumorgröße und Tumordifferenzierung
auf die Expression des MIB-1-Antikörpers wurde mittels des zwei-Gruppen-T-Tests
(falls notwendig, mit der Korrektur für ungleiche Varianzen) bestimmt.
Die Bewertung des Einflusses des MIB-1-Nachweises auf die Überlebenszeitprognose
erfolgte nach Kaplan und Maier.
Ergebnisse: Wir fanden eine hohe interindividuelle Variabilität
der Anfärbbarkeit. Die statistische Analyse ergab eine nur geringe
Korrelation zwischen Expression und Alter, Differenzierungsgrad sowie
Tumorlokalisation. Dahingegen war ein signifikanter Zusammenhang (p<0,05)
mit der Langzeitprognose betroffener Patienten festzustellen.
Schlussfolgerung: In Übereinstimmung mit den Ergebnissen
entsprechender Untersuchungen an anderen epithelialen Tumoren sehen wir
eine hohe Bedeutung des Nachweises von MIB-1-Antikörpern für
die individuelle Bestimmung der Tumorproliferation und somit der Überlebenszeitprognose.
Carcinoma cuniculatum – ein seltener und spät erkannter
Tumor der Mundschleimhaut
Hoheisel A.1, Hölzle F1., Ebsen M.2, Becker C.3, Wolff K.-D.1
1 Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, Ruhr-Universität
Bochum,
In der Schornau 23-25, 44892 Bochum
2 Institut für Pathologie der Ruhr-Universität Bochum, Bürkle-de-Camp-Platz
1,
44789 Bochum
3 Praxis für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Richard-Matthaei-Platz
1, 59065 Hamm
Fallbericht:: Ein damals 50jähriger Patient bemerkte im August 2004
eine Veränderung im anterioren Mundboden mit Zahnlockerungen, worauf
er sich bei seinem Hauszahnarzt vorstellte. Zwei von diesem entnommene
Gewebeproben (Januar 2005 und März 2005) zeigten eine mittelgradig
chronisch granulierende Gingivitis mit Hyperkeratose des Plattenepithels.
In der histologischen Aufarbeitung der dritten Probe (April 2005), die
aufgrund des ungewöhnlichen klinischen Befundes erfolgte, zog der
Pathologe differentialdiagnostisch ein Carcinoma cuniculatum in Erwägung.
Die geforderte weitergehende Abklärung dieses Befundes wurde vom
behandelnden Zahnarzt nicht weiter verfolgt. Erst nach einer viermonatigen
Fortsetzung der Behandlung mit Aloe Vera-Produkten durch den Hauszahnarzt
und Verschlechterung des klinischen Befundes zog er im August 2005 einen
MKG-Chirurgen hinzu. Inzwischen imponierte ein ausgeprägtes Ulcus
vom Kieferwinkel links bis regio 43 mit freiliegendem Knochen. Röntgenologisch
zeigte sich dort eine ausgeprägte Osteolyse. Eine durch den MKG-Chirurgen
durchgeführte repräsentative Probeexzision bestätigte nun
den Verdacht des Carcinoma cuniculatum. Der Patient wurde daraufhin umgehend
an unsere Klinik überwiesen und ein Staging durchgeführt. Bei
keinen weiteren pathologischen Befunden erfolgte die Tumor- inklusive
Unterkiefer-Kontinuitätsresektion mit beidseitiger funktioneller
Neck dissection und Rekonstruktion mittels osteokutanem Fibula-Transplantat.
Der Name cuniculatum leitet sich vom lateinischen cuniculus (Kaninchenbau)
ab, womit die histologisch charakteristischen endophytischen und unregelmäßigen
verzweigten Gänge beschrieben werden. Dieses Karzinom ist eine seltene
Variante des verrukösen Karzinoms (Ackermann-Karzinom). Typischerweise
manifestiert sich das Carcinoma cuniculatum im Bereich der Extremitäten,
selten im oralen Bereich. Klinisch zeigt der Tumor bei häufig langer
Anamnese maligne Charakteristika mit Zahnlockerungen, Ulzerationen sowie
freiliegendem oder destruiertem Knochen. Die besondere Problematik, dass
der Tumor oft als benigne, papillomatöse Läsion oder als pseudoepitheliomatöse
Hyperplasie verkannt werden kann, wird dargestellt.
Hochgradiges myofibroblastisches Sarkom der Zunge
Höpner C.1, Thomas M.2, Pistner H.1, Kosmehl H.2
1 Klinik für Zahn-, Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie,
HELIOS Klinikum Erfurt,
Nordhäuser Straße 74, 99089 Erfurt
2 Institut für Pathologie, HELIOS-Klinikum Erfurt, Nordhäuser
Straße 74, 99089 Erfurt
Die aktuelle WHO-Klassifikation (2002) der Weichgewebstumoren beinhaltet
ausschließlich niedriggradige myofibroblastische Sarkome, die aus
gering atypischem Myofibroblasten bestehen und ein fibromatoseähnliches
Erscheinungsbild aufweisen. Die Vorzugslokalisation ist die Kopf-Hals-Region.
Wir berichten über einen 53jährigen Patienten mit einem 3,6
cm großen spindelzelligen Tumor der Zunge, mit mehr als 20 Mitosefiguren
pro 10 hochauflösende Gesichtsfelder und mit Einschluss von multifokalen
anämischen Geschwulstnekrosen, die 20 % der Tumorfläche einnehmen.
Im reichlichen Zytoplasma der irregulären Spindelzellen ein eosinophiles
feinfibrilläres Muster. Reichliches kapilläres Gefäßmuster.
Die Tumorzellen sind geschlossen positiv für das glattmuskuläre
Aktin und für CD 10. Der Ki 67-Index beträgt 60 %. Das S 100-Protein,
melanomassoziierte Antigene, CD 31 und Faktor VIII-assoziiertes Antigen,
Caldesmon, Desmin sowie EMA und Panzytokeratin (AE1/AE3) sind negativ.
Zwischen den Tumorzellen eine Laminin- und Kollagen Typ IV-positive extrazelluläre
Matrix.
Der Phänotyp der Tumorzellen mit dem reichlichen fibrillären
eosinophilen Zytoplasma sowie die diffuse Positivität für das
glattmuskuläre Aktin und die Matrixbildung sind diagnostische lichtmikroskopische
Kriterien der Myofibroblasten. Aufgrund der zellulären Atypie, der
Nekrosen sowie der hohen proliferativen Aktivität liegt entsprechend
den FNCLCC-Kriterien ein hochgradiges Sarkom vor.
In der Synopsis sind nicht nur niedriggradige myofibroblastische Sarkome
in der Kopf-Hals-Region, sondern auch selten myofibroblastisch differenzierte
Sarkome mit hohem Malignitätsgrad in der Kopf-Hals-Region zu berücksichtigen.
Die vorgestellte Fallbeobachtung ist ein Argument für die konzeptionelle
Erweiterung der diagnostischen Gruppe der myofibroblastischen Sarkome
um hochgradige Varianten.
Handschuhperforationen in der ambulanten Zahnärztlichen Chirurgie
Jackowski J., Dirsch P., Bernhardt M., Dirschka T.
Abteilung für Zahnärztliche Chirurgie und Poliklinische Ambulanz,
Fakultät für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Universität
Witten/Herdecke, Alfred-Herrhausen-Straße 50, 58448 Witten
Ziel der vorliegenden Studie war es, festzustellen, wie oft bei Extraktionen,
Osteotomien und Wurzelspitzenresektionen an den Operationshandschuhen
Perforationen auftreten.
Von Januar bis Juni 2005 wurden 1011 Handschuhpaare von drei Operateuren
postoperativ auf Dichtigkeit untersucht. Zur Dichtigkeitsprüfung
wurde der „water-leak-test“(ASTM) verwendet. Alle drei Behandler
benutzten OP-Handschuhe desselben Fabrikats mit der gleichen Größe.
Zur Kontrolle wurden jeweils 100 ungebrauchte Handschuhpaare derselben
Marke und Größe auf Perforationen geprüft. Alle drei Operateure
waren Rechtshänder, Operateur A benutzte einen offenen Nadelhalter
und traumatisches Nahtmaterial, die Operateure B und C einen geschlossenen
Nadelhalter und atraumatisches Nahtmaterial. Bei den statistischen Tests
wurde ein Signifikanzniveau von 0.05 festgelegt. Das Risiko für eine
Perforation im Rechts-Links-Vergleich wurde mit dem Odds ratio angegeben.
Die Kontrolluntersuchung von 100 Paar ungebrauchten Handschuhen ergab
keine Perforationen. Insgesamt zeigte sich bei 5,7 % der Handschuhe mindestens
eine Perforation. Perforationen waren links häufiger (6,7 %) als
rechts (4,8 %) nachweisbar. Das Risiko für eine Perforation war links
jedoch nicht signifikant größer als rechts (OR = 1,4, p = 0,056).
Beim Operateur A traten Perforationen signifikant häufiger auf als
bei den Operateuren B und C (OR = 1,8, p = 0,004). Perforationen waren
bei Osteotomien signifikant seltener als bei Extraktionen und Wurzelspitzenresektionen
(OR = 0,7, p = 0,045). Es deutet sich an, dass Perforationen bei Wurzelspitzenresektionen
häufiger sind (OR = 1,4, p = 0,099).
Da OP-Handschuhe während dentoalveolärer Eingriffe hohen Belastungen
ausgesetzt sind, sollte intraoperativ auf Leckagen geachtet werden und
nach erkennbaren Perforationen ein Austausch erfolgen. Die größere
Perforationshäufigkeit an der non-dominaten Hand ist wahrscheinlich
durch Anfassen der Nadel bedingt und kann durch Benutzung von Pinzetten
weitgehend vermieden werden. Das Tragen von zwei Paar OP-Handschuhen übereinander
bzw. von Indikationshandschuhen ist im Einzellfall in Erwägung zu
ziehen.
„Zahnlängsextraktion“ im Vergleich zu konventioneller
Extraktion
Janssen N., Skischus M., Pohl Y.
Poliklinik für Chirurgische Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Universitätsklinik
Bonn, Welschnonnenstrasse 17, 53111 Bonn
In einer prospektiven Studie wurde das Zalex®-System zur „Zahnlängsextraktion“
mit konventioneller Extraktion verglichen.
Nach kieferorthopädischer Indikationsstellung zu entfernende gesunde
Prämolaren wurden extrahiert. Das Widerlager für die sog. Hebezange
des Zalex®-Systems stellen die mesialen Nachbarzähne dar. Präoperativ
und postoperativ über bis zu 6 Monate wurden die Sensibilität
auf applizierte Kälte und die Dämpfung bei Zahnauslenkung (Periotest®-Gerät)
bestimmt. Intraoperative Komplikationen wie Zahn- und Wurzelfrakturen
oder Gingivarupturen sowie postoperative Komplikationen wie Wundheilungsstörungen
wurden erfasst.
Nach dem Zufallsprinzip wurden 30 Zähne mit konventioneller Methodik
und 30 Zähne mit dem Zalex®-System extrahiert. Alle Zähne
reagierten vor Entfernung sensibel auf applizierte Kälte und waren
parodontal gesund. Durch den Einsatz des speziellen Extraktionssystems
kam es zu keinerlei Komplikationen an den Nachbarzähnen. Sowohl nach
konventioneller Methodik wie nach „Zahnlängsextraktion“
zeigten sich die Nachbarzähne eine Woche nach Extraktion erhöht
gelockert. Wurzel- oder Knochenfrakturen wurden nicht beobachtet. Bei
konventioneller Extraktion kam es in Einzelfällen zu Papillenrupturen,
die bei Zahnlängsextraktion nicht beobachtet wurden. Insbesondere
bei verschachtelter Zahnstellung erleichtert die „Zahnlängsextraktion“
das Entfernen der Zähne.
Die „Zahnlängsextraktion“ von Prämolaren führte
im Beobachtungszeitraum zu keinen erkennbaren Schäden an den Nachbarzähnen.
Intra- oder postoperative Komplikationen wurden nicht beobachtet. Das
Vermeiden ausgeprägter Luxationsbewegungen vermindert Quetschungen
bzw. Frakturen des Alveolarfaches und Gingiva- bzw. Papilleneinrisse.
Die Methodik erfordert zusätzliches Instrumentarium und ein Umgewöhnen
im technischen Ablauf der Extraktion.
Stellenwert der Osteodistraktion in der kraniofazialen Korrekturchirurgie
Keßler P. ¹, Nkenke E. ¹, Hirschfelder U. ² , Neukam
F.W. ¹
¹ Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgische Klinik der Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg, Glückstraße 11, 91054 Erlangen
² Abteilung für Kieferorthopädie der Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg,
Glückstraße 11, 91054 Erlangen
Zwischen Januar 1996 und Dezember 2000 wurden bei 10 Patienten mit ausgeprägten
syndromalen Fehlbildungen des kraniofazialen Skelettes Distraktionsbehandlungen
in Ober- und Unterkiefer vor Wachstumsabschluss durchgeführt. Langfristige
Nachuntersuchungen sollten die Stabilität des Behandlungsergebnisses
dokumentieren, um einen Behandlungsalgorhythmus aufzustellen.
Es handelte sich dabei um 6 Patienten mit Beteiligung des Unterkiefers
(5 Goldenhar-Syndrome, 1 Pierre-Robin-Syndrom) und 4 mit Beteiligung des
Mittelgesichtes (2 Apert-Syndrome, 1 Klippel-Feil-Syndrom, 1 Dysostosis
cleidocranialis). Die Distraktionsbehandlungen (9 extraoral, 1 intraoral)
verliefen in allen Fällen erfolgreich. Radiologische (Panoramaschichtauf-nahmen,
Fernröntgenseitaufnahmen) und klinische Langzeitbeobachtungen wurden
bis Ende Oktober 2005 (Ø 62.4m) durchgeführt. Alle Patienten
wurden vor, während und nach Abschluss der chirurgischen Behandlung
aktiv kieferorthopädisch behandelt.
Die durchschnittliche sagittale Vorverlagerung im Bereich von Maxilla
und Mittelgesicht betrug 14.4 mm. Die Distraktionen im Bereich des Unterkiefers
führten in allen Fällen zu einem sagittalen und vertikalen Ausgleich
des knöchernen Defizits der betroffenen Seite. Okklusale Schieflagen
wurden in allen Fällen ausgeglichen. Die langfristigen Nachuntersuchungen
zeigten nach Mittelgesichtsdistraktionen stabile Ergebnisse:
SNA -1.7°. Im Unterkiefer kam es zu einem ausgeprägten Wachstumsstillstand,
der die Tendenz der zugrunde liegenden Fehlbildung in unterschiedlichem
Maß erneut deutlich zu Tage treten ließ.
Bei Patienten mit ausgeprägten kraniofazialen Wachstumsdefiziten
syndromalen Ursprungs stellt die Distraktionsbehandlung bereits während
des Wachstumsalters eine gute Behandlungsoption dar. In einigen Fällen
wird eine spätere Korrektur unvermeidlich sein, in schweren Fällen
kann durch die Distraktion erst die Grundlage für eine spätere
Korrektur geschaffen werden.
Enoraler Weichgewebstumor mit metaplastischer Ossifikation: Eine
schwierige Differentialdiagnose
Klein M. O.1, Hansen T.2, Kunkel M.1
1 Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Augustusplatz
2, 55131 Mainz
2 Institut für Pathologie Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität
Mainz,
Augustusplatz 2, 55131 Mainz
Subepitheliale Raumforderungen im Bereich des harten Gaumens sind klinisch
differentialdiagnostisch oft schwer einzuordnen. Wir berichten über
einen 42jährigen männlichen Patienten mit einer seit 2 Jahren
stetig progredienten exophytischen Läsion im Bereich des linken Hartgaumens.
Klinisch imponierte ein schmerzloser, das Gaumenvolumen subtotal ausfüllender
(3,5 x 2,0 x 1,5cm) polypoider derber Tumor. Der Befund wurde in Allgemeinnarkose
vollständig entfernt, klinisch war die Gaumenplatte vollständig
erhalten.
Die feingewebliche Aufarbeitung des Resektates zeigte einen Tumor mit
isomorphen, überwiegend rundlichen Zellelementen in einer fibromyxoiden
Matrix ohne Zeichen einer erhöhten Mitoserate bzw. Nekrose. Auffällig
war ein prominenter Ringwall aus Knochenformationen. Immunhistochemisch
zeigte sich eine starke Expression von glattmuskulärem Aktin neben
einzelnen S100-positiven Zellelementen. Abschließend ergab sich
die Diagnose eines ossifizierenden fibromyxoiden Tumors (OFMT).
Da diese insgesamt sehr seltene Entität vor allem am Körperstamm
bzw. an den proximalen Extremitäten und nur extrem selten in der
Mundhöhle vorkommt, wurde anlässlich der wissenschaftlichen
Aufarbeitung für die aktuelle Tagung noch einmal eine Bewertung am
Referenz- und Konsultationszentrum für Weichgewebstumoren (Prof.
Katenkamp, Jena) eingeholt. Hier wurde die abschließende Diagnose
einer fibromyxoiden Epulis mit metaplastischer Ossifikation gestellt.
Auch für diese Läsion ist die Einbettung metaplastischer Knochenformationen
in eine fibromyxoide Matrix charakteristisch Die 12-Monats-Kontrolle ergab
bislang keinen Anhalt auf ein Rezidiv.
Der vorliegende Fall zeigt die auch für den Pathologen schwierige
Einordnung oraler myxoider Weichgewebsläsionen mit metaplastischer
Ossifikation. Beide genannten Läsionen sind bei der Lokalisation
am Gaumen klinisch gegen das ACC und anderen Speicheldrüsentumoren,
aber auch gegen seltene Entitäten wie das Schleimhautmyxom oder auch
das fibromyxoide Sarkom abzugrenzen.
Entwicklung eines prädiktiven Transfusionsmodells bei operativer
Therapie oraler Plattenepithelkarzinome
Kleinheinz J., Langer E., Kruse-Lösler B., Jinaporntham S.
Klinik und Poliklinik für Mund- Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum
Münster, Waldeyerstraße 30, 48129 Münster
Ziel der Studie war es, geeignete prognostische Parameter
zu finden, die eine Vorhersage über die Transfusionshäufigkeit
bei der operativen Therapie oraler Plattenepithelkarzinome erlauben und
somit ein prädiktives Transfusionsmodell (TPM/Transfusion Prediction
Model) zu entwickeln.
Hierzu wurden in einer retrospektiven Studie die Daten von 150 Patienten
mit Zustand nach Tumoroperation ausgewertet. Präoperativ wurden bei
jedem Patienten 17 klinische Parameter untersucht. Die statistische Auswertung
und Entwicklung eines prädiktiven Transfusionsmodells wurde mittels
logistischer Regression durchgeführt.
Insgesamt erhielten 41 Patienten (27,3 %) eine Transfusion. Die Relation
zwischen Bereitstellung von Transfusionsmitteln und Transfusion lag bei
4,7:1. Der Median der transfundierten Erythrozytenkonzentrate lag bei
2,0. Als statistisch signifikante Einflussfaktoren für die Transfusionshäufigkeit
zeigten sich die Parameter Neck dissection und das gewählte Rekonstruktionsverfahren.
Auf diesen Variablen basierend gelang die Entwicklung eines prädiktiven
Transfusionsmodells (TPM). Es zeigte sich, dass Patienten die keine oder
nur eine einseitige Neck dissection und ohne Rekonstruktion mit 4,5 %
das niedrigste Transfusionsrisiko hatten, gefolgt von Patienten mit beidseitiger
Neck dissection und ohne Rekonstruktion mit 11,2 %. Patienten mit Weichgewebs-Rekonstruktion
zeigten mit 22,7-67,2 % das höchste Transfusionsrisiko. Auf Basis
des TPM wurde ein Modell für das Transfusions-Management entwickelt.
Der Einsatz des TPM erlaubt eine medizinisch sinnvolle Bereitstellung
von Transfusionsmitteln, sichert das peri- und postoperative Management
von Tumorpatienten und ermöglicht eine wirtschaftliche Bedarfsplanung.
Nahtmaterialien in der Zahnärztlichen Chirurgie –
eine systematische Literaturübersicht
Klück I.1, Zelener F.2, Strietzel F. P.3, Schmidt-Westhausen A.
M.1
1 Zahnärztliche Chirurgie und Röntgenologie der Klinik für
Kieferchirurgie und plastische
Gesichtschirurgie, Charité, Universitätsmedizin Berlin, Aßmannshauser
Straße 4-6,
14197 Berlin
2 Ilsenburger Tagesklinik Dr. M. Liokumowitsch, Knesebeckstraße
35-37, 10623 Berlin
3 Zentrum für Zahnmedizin/CVK Abteilung für Oralchirurgie und
zahnärztliche Röntgenologie,
Charité, Universitätsmedizin Berlin, Föhrer Straße
15, 13353 Berlin
Etablierte Therapiemethoden in der zahnärztlichen Chirurgie unterliegen
dem wissenschaftlichen Fortschritt und sollten daher mit dem Maßstab
bestehender externer Evidenz in bestimmten zeitlichen Abständen einer
kritischen Revision unterzogen werden.
Ziel der Untersuchung: Folgende fokussierende
Fragestellung wurde formuliert: Hat ein polyfiles, nicht resorbierbares
Nahtmaterial einen Vorteil gegenüber monofilem, nicht resorbierbarem
Nahtmaterial bei der Anwendung an der Mundschleimhaut?
Material & Methode: Die fokussierende Frage soll mittels systematischer
Literaturübersicht beantwortet werden. Hierzu wurden nach Formulierung
von Ein- und Ausschlusskriterien die Datenbanken der Cochrane Collaboration,
PubMed und Embase nach Literaturquellen mit Erscheinen von 1968 bis 11/2005
mit folgenden Suchwörtern durchsucht: „"Surgery, Oral"[MeSH]OR
dental AND "Sutures"[MeSH]“. Eine weitere Recherche nach
Analyse erster Ergebnisse wurde mittels Handsuche durchgeführt. Die
Abstracts wurden von zwei unabhängigen Reviewern anhand der Einschlusskriterien
beurteilt. Die zutreffenden Artikel wurden gemäß ihrer Evidenzgrade
eingeteilt. Eingeschlossen wurden Reviews und klinische Studien. Die Einschlusskriterien
für klinische Studien waren: Probandenzahl > 10 pro Gruppe, männliche
Probanden, keine zusätzliche Medikation, Verblindung der Untersucher
und Randomisierung der Probanden. Als Intervention sollte der Wundverschluss
eines intraoral gebildeten Mukoperiostlappens beurteilt werden. Das zu
bewertende Ergebnis sollte die Wundheilung sein (Dehiszenz, Infektion,
klinisches Erscheinungsbild, Zufriedenheit des Chirurgen mit dem Wundverschluss
und Materialkosten).
Ergebnisse: Die vorliegende Recherche ergab 3 in vitro
Studien und 6 Tierversuche, die zeigten, dass polyfiles Material, wie
z.B. Seide, zu einer verzögerten Wundheilung führt. Klinische
Studien mit hohem Evidenzniveau liegen nicht vor.
Schlussfolgerung: Obgleich in vitro – und tierexperimentelle
Untersuchungen auf eine schlechtere Wundheilung bei Verwendung von polyfilem
Nahtmaterial hindeuten, gibt es in klinischen Studien keinen Beweis, dass
monofiles, nicht resorbierbares Nahtmaterial gegenüber polyfilem
Nahtmaterial einen Vorteil in Bezug auf die Wundheilung bietet.
Kongenitale Epulis – Entfernung in den ersten Lebensstunden
Koch F.1, Coerd W.2, Kunke M.1
1 Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Johannes Gutenberg-Universität
Mainz,
Augustusplatz 2, 55131 Mainz
2 Abteilung für Kinderpathologie, Johannes Gutenberg-Universität
Mainz, Augustusplatz 2,
55131 Mainz
Nur wenige angeborene pathologische Befunde der Mundhöhle erfordern
eine unmittelbare perinatale chirurgische Intervention. Wir berichten
daher über eine ausgedehnte, gestielte kongenitalen Epulis, die,
vor dem Hintergrund der Gefahr einer Inkarzeration nach Stieldrehung,
unmittelbar post partum entfernt wurde.
Ein weibliches Neugeborenes (zweieiiges Zwillingskind, 38 SSW, 3110g)
wurde unmittelbar nach Sectio caesarea mit einem ausgedehnten Tumor, gestielt
am linken oberen Alveolarkamm zugewiesen. Der Tumor wies nur einen zarten
Gefäßstiel auf und füllte die vordere Mundhöhle des
Kindes nahezu aus. Während der Schwangerschaft hatten sich keine
Auffälligkeiten ergeben. Bei der Ultraschallkontrolle einen Tag vor
Geburt war die Läsion erstaunlicherweise nicht aufgefallen. Wegen
der hohen Mobilität sahen wir die Gefahr einer Stieldrehung mit unkontrollierter
Ablösung des Befundes und entschlossen uns daher zur unmittelbaren
Entfernung in lokaler Infiltrationsanästhesie unter anästhesiologischer
Überwachung in den ersten Lebensstunden.
Bei der histologischen Aufarbeitung zeigte sich das typische Bild solider
Verbände von Granularzellen mit kleinen, teilweise hyperchromatischen
Zellkernen und eosinophilem Zytoplasma. Das Resektat war von einem schmalen,
regelrecht aufgebauten Plattenepithel überzogen.
Obwohl chirurgische Eingriffe in der unmittelbaren perinatalen Adaptationsphase
nur unter strengsten Indikationen vorgenommen werden sollten, können
ausgedehnte orale Läsionen in seltenen Fällen ein solches Vorgehen
begründen.
Graduierung des biologischen Potentials von Weichgewebstumoren:
Typing plus Grading
Kosmehl H.
Institut und Praxis für Pathologie, HELIOS-Klinikum Erfurt, Nordhäuser
Straße 74, 99089 Erfurt
Übersicht zur differenzierten Bewertung der Dignität von Weichgewebstumoren
entsprechend der WHO-Klassifikationen (WHO 2002).
Die Kategorie BENIGNE umfasst Weichgewebstumoren, die nur selten oder
nicht rezidivieren. Die seltenen Rezidive sind nicht destruktiv.
Zwischen den Kategorien BENIGNE und MALIGNE wird die Kategorie INTERMEDIÄR
eingeführt, die 2 Untereinheiten besitzt: Weichgewebstumoren der
Kategorie INTERMEDIÄR, LOKAL - AGGRESSIV besitzen eine hohe lokale
Rezidivneigung und zeigen ein lokal destruktives Wuchsbild. Metastasen
treten niemals auf.
Die Kategorie INTERMEDIÄR – SELTEN METASTASIEREND umfasst Tumoren
mit lokal aggressivem Wuchsmuster, hoher Rezidivrate und einer Metastasierungspotenz
von unter 2 %.
MALIGNE Weichgewebstumoren wachsen lokal aggressiv, rezidivieren lokal
und besitzen ein signifikantes Risiko der Metastasierung. In Europa wird
die Diagnose eines Weichgewebssarkoms durch das French Federation Nationale
des Centres de Lutte Contre le Cancer (FNCLCC)-Grading ergänzt. Die
Parameter des FNCLCC-Grading, die jeweils in einem Score-Wert 0 bis 3
erfasst werden, sind die Tumordifferenzierung/Typing, die Mitosezahl und
das Ausmaß der Tumornekrosen. Die Score-Werte von 2 und 3 entsprechen
Grad 1, Score-Werte von 4 und 5 Grad 2 und Score-Werte von 6 bis 8 Grad
3. Die Mehrzahl der histologisch niedriggradigen Sarkome hat ein Metastasierungsrisiko
von 2 bis 10 %.
Mitosezahl und zelluläre Atypie sind allgemeine histologische Merkmale
der Malignität. Im Fall der Weichgewebstumoren müssen sie obligat
im Rahmen des histologischen Kontexts interpretiert werden, da Atypie
und Mitosereichtum nicht in allen Weichgewebstumortypen zuverlässige
Malignitätskriterien sind.
Folglich bedarf es zur Einschätzung allgemeiner histologischer Merkmale
der Dignität und zur Bewertung der biologischen Potenz sowohl der
Bestimmung des Tumortyps (Typing) als auch des Tumorgrades (Grading).
Die vertikale Positionierung des Oberkiefers bei bignathen Eingriffen
Kretschmer W.
Klinik für Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie, Marienhospital Stuttgart,
Böheimstraße 37,
70199 Stuttgart
Die vertikale Positionierung des Oberkiefers ist einer der entscheidenden
Faktoren für das ästhetische Ergebnis eines bignathen Eingriffes.
In der vorliegenden Studie soll die Präzision der vertikalen Oberkieferverlagerung
mit einem neu entwickelten Referenzpinverfahren aufgezeigt werden.
In einer prospektiven Studie an 100 Patienten mit bimaxillären Osteotomien
von 7/2004 bis 4/2005 wurde die vertikale Oberkieferposition über
einen im Bereich der Glabella angebrachten Referenzpin und einen Zirkel
bestimmt. Der Pin wurde analog einem Kirschnerdraht mit einem chirurgischen
Handstück eingebracht. Der Abstand vom Referenzpin zum Multibandbogen
diente als Maß für die zu verändernde vertikale Position
des Oberkiefers. Die Bestimmung der tatsächlich erreichten vertikalen
Veränderungen erfolgte durch Überlagerung der prae- und postoperativen
Fernröntgenbilder anhand stabiler Strukturen der anterioren Schädelbasis
nach Björk und Skieller.
Bei keinem Patienten traten Komplikationen im Bereich des Pins auf. Das
Ziel der vertikalen Positionierung war eine Schneidezahnschau von 2 mm.
Die geplanten vertikalen Bewegungen reichten von 8 mm Extrusion bis 7,25
mm Intrusion. Die durchschnittliche Abweichung der tatsächlich erreichten
von der geplanten Position betrug +0,17 mm und war statistisch nicht signifikant.
87 % der Werte zeigten eine Abweichung von maximal 1,0 mm. In 62 % der
Fälle lag sie bei maximal 0,5 mm. Die maximale Abweichung betrug
2,0 mm.
Die aufgezeigte Präzision liegt deutlich höher als bei den meisten
in der Literatur beschriebenen Verfahren mit intra- und extraoralen Referenzpunkten.
Aufgrund der einfachen und schnellen Applikation sowie der geringen Kosten
des neuen Referenzpins hat sich dieses Verfahren in unserer Klinik als
Standard durchgesetzt.
Die vertikale Distraktion des Unterkiefers bei einseitiger hemifazialer
Mikrosomie
Kuder J., Faßnacht J., Kretschmer W., Wangerin K.
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Marienhospital
Stuttgart, Böheimstraße 37, 70199 Stuttgart
Ziel der Untersuchung: Untersuchung
der Längenentwicklung der aufsteigenden Äste post distractionem
Material und Methoden: Es wurden 21 Patienten im Alter
von 4,5 - 15 Jahren von enoral distrahiert. Anwendung fanden vertikale
Unterkieferdistraktoren der Firma Medicon. Nach Distraktionsende wurde
die erreichte Distraktionsstrecke bis zur knöchernen Konsolidierung
mittels interokklusalem Splint stabilisiert und anschließend kieferorthopädisch
nachbehandelt. Die Auswertung erfolgte durch Ausmessungen an Panoramaschichtaufnahmen.
Der Nachuntersuchungszeitraum betrug 13 - 86 Monate.
Ergebnisse: Durch die vertikale Distraktion konnte eine
Verbesserung der Asymmetrie erzielt werden. Nach Distraktorentfernung
und im Verlaufe des weiteren Wachstums verschlechterte sich allerdings
das erzielte Ergebnis wieder. Die Gründe liegen hierfür zum
Teil im verminderten Wachstum der betroffenen Seite, aber auch in mangelnder
Stabilität. Die Asymmetrie konnte nur in wenigen Fällen lediglich
durch eine Distraktion behoben werden, in allen anderen Fällen waren
zusätzliche Osteotomien notwendig,
Schlussfolgerung: Die Distraktionsosteogenese verbessert
die Asymmetrie der hemifazialen Mikrosomie bereits während des Wachstums.
Da weiteres Wachstum das ursprünglich gute Ergebnis wieder verschlechtern
kann, sind Überkorrekturen notwendig. Die Langzeitstabilität
ist nicht in allen Fällen befriedigend.
Eine zweite Distraktion bei wiederkehrender ausgeprägter Asymmetrie
ist möglich. Die Durchführung einer bimaxillären Osteotomie
zur abschließenden Korrektur ist oft notwendig und wird durch die
Distraktion oft erst ermöglicht.
Einfluss des Transplantatlagers auf die Einheilung freier Knochentransplantate
Kübler A., Reuther T., Adeyemo L., Zöller E.J.
Klinik und Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie und Mund-
Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, Klinikum der Universität
zu Köln, Kerpener Straße 62, 50937 Köln
Ziel der tierexperimentellen Studie war es, den Einfluss verschiedener
Konditionierungen des Transplantatlagers auf die Einheilung freier Knochentransplantate
des Beckens zu untersuchen.
Bei 15 Schafen wurden monokortikale Beckenspantransplantate entnommen
und im Bereich des Unterkiefers (UK) über einen extraoralen Zugang
augmentiert. Die Transplantate waren 2x1x0,5 cm groß und wurden
jeweils mit zwei Mikroschrauben an der Außenkortikalis des UK fixiert.
An jedem UK konnten 4 Proben gleichzeitig augmentiert werden (2 li/2 re).
Insgesamt wurden 6 Verfahren zur Konditionierung des Transplantatlagers
angewandt:
1. alleinige Schraubenfixation (SF). 2. Perforation des Transplantatlagers
(Kortikalis) mittels 1,5mm Rosenbohrer und SF. 3. SF und Exzision des
bedeckenden Periostes. 4. SF und Abdeckung mittels resorbierbarer Kollagenmembran.
5. SF und Auflagerung von BioOss und Abdeckung mittels resorbierbarer
Kollagenmembran. 6. Einlagerung einer undurchlässigen Silikonmembran
zwischen UK und Transplantat und SF.
Die Tiere wurden nach zeitversetzter Applikation von 4 verschiedenen Fluorochromen
nach 4, 8, 12 oder 16 Wochen getötet. Von den Proben wurden quantitative
CTs angefertigt. Anschließend wurden Trenn-Dünnschliffe und
entkalkte Schnitte für histologische und immunhistochemische Untersuchungen
angefertigt.
Klinisch und histologisch zeigte sich, dass in der Gruppe 3 (Periostexz.)
die stärkste Atrophie des Augmentats auftrat. In Gruppe 6 (Silikonfolie)
kam es zu keiner Verknöcherung mit der Unterlage, das Transplantat
zeigte ebenfalls eine deutliche Atrophie. Gruppe 1 (nur SF), 2 (Perforation)
und 4 (Membran) zeigten keine wesentlichen Unterschiede. Die Transplantate
waren fest mit der Unterlage verknöchert und wiesen eine geringere,
nach 16 Wochen aber deutliche, Atrophie auf. Die Gruppe 5 (BioOss + Membran)
zeigte keine Atrophie und das Transplantat war fest verknöchert.
Allerdings zeigte diese Gruppe die einzigen Wundheilungsstörungen.
Die radiologischen, fluoreszenzmikroskopischen, histologischen und immunhistochemischen
Untersuchungen zeigten weitere detaillierte Unterschiede bezüglich
der Osteoklastenaktivität, der Apoptoserate, der Knochenneubildungsrate,
der Knochendichte und der Proliferationsrate in den augmentierten, kortikospongiösen
Knochentransplantaten.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass deutliche, reproduzierbare Unterschiede
durch die Konditionierung des Transplantatbettes auftraten.
Erweiterte Indikationen für Zygomatikus - Fixturen in der
Rehabilitation des Mittelgesichtes
Landes C. A., Sader R.
Klinik für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie, der
Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt, Theodor-Stern-Kai 7,
60596 Frankfurt am Main
Die erfolgreiche prothetische Rehabilitation ist von entscheidender Bedeutung
für die Lebensqualität von Patienten mit großen Oberkieferdefekten.
Diese Untersuchung galt erweiterten Anwendungsmöglichkeiten für
Zygomatikus - Fixturen, der resultierenden Lebensqualität und dem
Implantaterfolg.
Zwölf Patienten, 24 bis 79 Jahre, 2 männlich, 10 weiblich mit
28 Zygomatikus - Fixturen und 23 Zahnimplantaten wurden 24 bis 72 Monate
nachgesorgt. Verlust des gesamten Alveolarfortsatzes bis zu vollständiger
Maxillektomie wurden mit 1 bis 4 Fixturen versorgt. Die Lebenszufriedenheit
nach Rehabilitation wurde mit der Lebensqualität vor Rehabilitation
verglichen.
Die kumulative Implantat - Überlebensrate lag bei 82 %, 3 Verluste
waren mit anhaltender Infektion und langsamer Implantatlockerung assoziiert.
Diese wurden erfolgreich in angrenzendem Knochen nach Entfernung mit neuen
Implantaten substituiert. Der Implantaterfolg war 71 %. Mangelnde Implantatlänge
in Weichteilrekonstruktionen neigte zu anhaltenden Infektionen durch Taschenbildung
und wiederholtes Überwuchern mit Granulationsgewebe. Längere
Implantate hatten keine Weichteilprobleme, der Hebel war jedoch deutlich
ungünstiger mit der Tendenz zu Überbelastung, besonders wenn
kein Alveolarfortsatz mehr vorhanden war und keine anterioren Zahnimplantate
inseriert werden konnten. Daher wurden als neue Indikation zur Verminderung
des prothetischen Hebels parallel zweite und dritte, anterior angulierte
Implantate inseriert um die Prämolaren- und Eckzahnregion zu unterstützen.
Die Periotest - Durchschnittswerte stiegen von 0 auf 7 im 4. Nachsorgejahr,
der parodontale Blutungsindex und Plaqueindex fiel von 56 % auf 0 % und
33 % auf 0 %. Gute allgemeine Lebensqualität wurde von den Patienten
attestiert, die insbesondere Wert auf Kauvermögen und Aktivität
legten.
Zygomatikusfixturen sind verlässliche Prothesenanker für die
Rehabilitation des Mittelgesichtes wenn eine chirurgische Knochenrekonstruktion
aufgrund des AZ oder Ablehnung des Patienten nicht möglich ist. Zygomatikus
- Fixtur getragene Prothesen verbesserten die Weichteilprojektion des
Mittelgesichtes, Kauvermögen, Sprache, und Mund - Nasendichtigkeit.
Zusätzliche anterior - angulierte Fixturen zeigen ermutigende Ergebnisse
in Fällen totaler oder subtotaler Maxillektomie zur Verminderung
einer Überlastung einfacher Zygomatikusfixturen.
Vorläufige Anwendungserfahrung mit einem neuartigen transpalatinal-
Distraktor
Landes C., Seitz O., Ludwig B., Sader R., Klein C.
Klinik für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie, der
Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt, Theodor-Stern-Kai 7,
60596 Frankfurt am Main
Die knochengetragene Distraktion bei transversaler Kompression des Oberkiefers
ist zur Schonung parodontal geschädigter Ankerzähne, wie auch
bei reduziertem Zahnbestand mit fehlenden Ankerzähnen eine notwendige
Alternative zur Biedermann-Hyrax Schraube. Dadurch soll sich die parodontale
Situation nicht verschlimmern, die Ankerzähne nicht überbelastet,
oder überhaupt Verankerung gefunden werden. Die bisher erhältlichen
Distraktoren sind entweder sehr voluminös, im Handling schwierig,
oder von unzuverlässiger Stabilität.
Als Weiterentwicklung der TPD-Schraube (TPDs, Surgi-Tec NV, Brügge,
Belgien) wurden die seitlichen Platten des vorgestellten Distraktors mit
einer oktogonalen Kugelkopf-Schnappverbindung, einer dreieckigen Bodenplatte
mit drei rotationsstabilisierenden Dornen und einer 2 x 6 mm Schraube
ausgestattet. Der Distraktionszylinder wurde mit einer neuartigen Schraubenschlüsselverbindung
ausgestattet. Der Einsatz erfolgte bei 10 dysgnathen Patienten mit transversaler
Oberkieferkompression zusammen mit einer klassischen Le-Fort I Osteotomie
modifiziert nach Glassmann.
Es zeigte sich dass die dreieckige Platte mit der einzelnen Schraube und
den rotationsstabilisierenden Dornen wesentlich schneller, mit kleinerer
Inzision einzubringen war. Die Distraktion erfolgte zuverlässig bei
1 mm pro Umdrehung mit 2 bis 3 1/3 Umdrehungen pro Tag. Die Entfernung
war zuverlässig ohne Lokalanästhesie durchführbar.
Der vorgestellt Distraktor kann als eine wesentliche Vereinfachung im
Handling bei gleichzeitig deutlich kleinerem Distraktorvolumen im Vergleich
mit konkurrierenden Modellen angesehen werden. Weitere klinische Erprobung
ist geplant.
Kombiniert chirurgisch-implantatprothetische Rehabilitation von
anterioren Oberkieferdefekten nach traumatischem Knochen- und Zahnverlust
im Vergleich mit der Spaltsituation.
Landes C. A., Sader R.
Klinik für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie, der
Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt, Theodor-Stern-Kai 7,
60596 Frankfurt am Main
Hintergrund dieser Untersuchung ist der Vergleich zweier auf den ersten
Blick vergleichbar komplizierter Defektsituationen der anterioren Maxilla,
trotz ihrer unterschiedlichen Pathogenese. Beide Ausgangssituationen beinhalten
ein knöchernes Defizit, fehlende Schneide- oder Eckzähne, Narben
des Periost und umgebender Weichteile.
Jeweils 20 traumatische Defektpatienten und 20 LKG-Spaltträger wurden
in diese Studie aufgenommen und durchschnittlich 45 Monate nachgesorgt.
Davon hatten 8 zweizeitige, 12 einzeitige Defektosteoplastiken, 37 Implantate
wurden eingebracht; Spaltosteoplastiken erfolgten 9 sekundär, 11
tertiär, 25 Implantate wurden eingesetzt. Vier Monate war das durchschnittliche
Zeitintervall bei zweizeitigen posttraumatischen Osteoplastiken; 57 Monate
nach sekundären-, 13 Monate nach tertiären Spaltosteoplastiken.
Die Implantatbelastung mit Einzelkronen erfolgte nach 6 Monaten.
Zwei (10 %) Traumapatienten erlitten insgesamt 2 Implantatmisserfolge,
2 Verluste im ersten Jahr der Belastung, 4(20 %) LKG Patienten erlitten
insgesamt 2 Implantatmisserfolge, 2 Verluste im ersten Jahr; kumulativer
5-Jahreserfolg war 88 % und 80 %. Weitere Parameter waren nach 12 Monaten
(Mittelwerte Trauma-Patienten; LKG-Patienten ± Standardabweichung,
Signifikanz): Knochenverlust 0.5±0.7 mm, 0.3±0.5 mm, p<0.2;
Periotest®-Werte 1.2±2.5, 1.1±3.1, p<0.7; gingivale
Rezession 2.2±0.5mm, 2.1±0.3 mm, p<0.6; Probingtiefe
2.8±2.6 mm, 2.5±0.5 mm, p<0.3.
In beiden Kollektiven traten ähnliche Misserfolgsraten und Komplikationen
auf; großzügiges Transplantatvolumen 3-6 Monate Zeitintervall
vor Implantatinsertion, ausreichende Implantatdimensionen, frühes
Erwachsenenalter bei Insertion waren mit guten Resultaten korreliert.
Frühbelastung kann mit den vorliegenden Ergebnissen noch nicht empfohlen
werden. Negative Faktoren waren einheitlich reine Spongiosatransplantate
oder gemahlene Späne, Wunddehiszenz, Rauchen, Anorexie. Intraoral
gehobene membranös-kortikospongiöse Knochentransplantate könnten
prospektiv evaluiert werden ob diese sich stabiler gegen Resorption erweisen.
Wenn die Implantatinsertion kurz nach dem Wachstumsschub erfolgt, müssen
Entnahmemorbidität, Wachstum und Zahndurchbruch in Rahmen einer prospektiven
Studie überwacht werden
Endoskopisch assistierte transorale Osteosynthese mittels einer
delta-förmigen Kompressionsplatte bei Kiefergelenkfortsatzfrakturen
Lauer G., Pradel W., Schneider M., Eckelt U.
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Fetscherstraße
74, 01307 Dresden
Zur Vermeidung von Schädigungen des Nervus facialis und extraoralen
Narben gewinnt die transorale minimal invasive, endoskopisch assistierte
Osteosynthese bei der Versorgung auch von höher gelegenen Kiefergelenksfortsatzfrakturen
an Bedeutung. Die begrenzten Platzverhältnisse am gelenktragenden
Fragment erlauben oft nur den Einsatz einer Miniplatte anstelle der biomechanisch
günstigeren 2 Platten. Das Design der neu entwickelten Platte soll
den auf die Fraktur einwirkenden Kräften gerecht werden, eine Kompression
der Fragmente bewirken und auch bei hohen Frakturen einsetzbar sein. In
einer prospektiven klinischen Studie sollten Handhabung und Stabilität
der Delta-Kompressionsplatte untersucht werden.
Bisher wurden 13 Patienten (3 Frauen, 10 Männer, 16-75 Jahre) mit
15 Gelenkfortsatzfrakturen (Typ I - IV nach Spiessl und Schroll) endoskopisch
assistiert über einen transoralen Zugang operiert. Fünf Patienten
hatten lediglich einseitige Kiefergelenksfrakturen, 5 Patienten hatten
eine weitere Fraktur am Kieferkörper und 3 Patienten hatten beidseitige
Kiefergelenksfrakturen in Kombination mit einer Kieferkörperfraktur.
Über den Nachbeobachtungszeitraum von mind. 6 Monaten wurden klinisch
die Mundöffnung und Unterkieferbeweglichkeit, sowie Wundheilung und
Schmerz beurteilt. Anhand von Röntgenaufnahmen postoperativ und nach
6 Monaten wurden das Repositionsergebnis und die Frakturheilung eingeschätzt.
Die Fragmente konnten bis auf eine Fraktur gut reponiert und die Ramushöhe
rekonstruiert werden. Es kam weder zum Plattenbruch noch zur vorzeitigen
Entfernung des Ostesynthesematerials aufgrund von Redislokation oder Plattenlockerung.
Bei allen Patienten zeigte sich innerhalb 24 Wochen postoperativ eine
Normalisierung der Funktion bei einer Mundöffnung von 3,5 bis 4 cm
und einer Pro- und Laterotrusion von > 5 mm.
Durch die Gestaltung der Osteosyntheseplatte war es möglich, Frakturen
im Bereich des Gelenkhalses stabil zu versorgen, die sonst einen extraoralen
Zugang erfordern würden. Die Ergebnisse zeigen, dass die neu entwickelte
Delta Kompressionsplatte für die transorale Osteosynthese auch von
höheren Gelenkfortsatzfrakturen gut geeignet ist und die Risiken
extraoraler Zugänge vermieden werden können.
Sarkome des Kiefergelenkes - Differentialdiagnostisch in Erwägung
zu ziehende Erkrankungen bei Kiefergelenksschwellungen.
Leitner Ch., Lihs A., Hoffmann J., Reinert S.
Klinik und Poliklinik für Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum
Tübingen, Osianderstraße 2-8, 72076 Tübingen
Sarkome der Kopf-Hals-Region sind seltene maligne mesenchymale Neoplasien.
Sarkomatöse Veränderungen unterschiedlichen Gewebeursprungs
nehmen einen Anteil von weniger als 1 % aller malignen Tumoren unseres
Fachgebietes ein. Die Therapieentscheidung ist neben der Lokalisation,
Ausdehnung und systemischen Manifestation des Tumors im Wesentlichen von
dessen histopathologischer Wertung, hier insbesondere von dessen Differenzierung,
abhängig. Im Vordergrund steht zunächst die chirurgische Therapie
durch eine Resektion in sano mit ausreichendem Sicherheitsabstand, ggf.
müssen adjuvante chemo- und/oder radiotherapeutische Behandlungen
in Erwägung gezogen werden.
Wir beschreiben die Fälle eines 54- und 28-jährigen Patienten,
die sich beide mit einer schmerzhaften, größenprogredienten,
derben präaurikulär gelegenen Raumforderung ambulant vorstellten.
Die Diagnosesicherung erfolgte in Rahmen einer Probeentnahme. Histopathologisch
wurde die Diagnose eines Chondro- bzw. eines monophasisch-fibrösen
Synovialsarkoms gestellt. Nach interdisziplinärer Beurteilung der
Fälle im Rahmen des Sarkom-Boards unseres Klinikums wurde eine Unterkieferteilresektion
mit konservativer Parotidektomie und simultaner Unterkieferrekonstruktion
mittels mikrovaskulär reanastomosierten Fibulatransplantate durchgeführt.
Adjuvant erfolgte eine Radio- bzw. Chemotherapie. Klinisch und bildgebend
zeigt sich nun, sechs Monate nach Therapie, bei gutem subjektivem Allgemeinzustand
der Patienten und unauffälliger Gelenkfunktion kein Anhalt für
ein Tumorrezidiv.
Anhand der vorgestellten Fallbeispiele sowie aufgrund der Literatur werden
Inzidenz und moderne Therapiekonzepte von Sarkomen des Kiefergelenkes
vorgestellt und diskutiert.
Tierexperimentelle Evaluation zur Matrixmodifikation von Knochenzementen
Mai R., Jung R., Stadlinger B., Eckelt U.
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Universitätsklinikum der TU Dresden, Fetscherstraße 74, 01307
Dresden
Das Ziel der DFG - geförderten Untersuchung war die tierexperimentelle
Evaluation der Eignung eines neu entwickelten Kalziumphosphatzementes
als frei modellierbares Hydroxylapatit-Kollagen-Konstrukt zur Knochendefektsanierung.
In unterschiedlichen Modifikationen sollte durch biologisierte Zusätze
eine künstliche extrazelluläre Matrix geschaffen werden, um
bewusst unter Aktivierung des Lagerknochens auf nicht autologe Wachstumsfaktoren
in unphysiologisch hohen Dosen verzichten zu können.
An 12 adulten Minischweinen wurden artifizielle Defekte kritischer Größe
gesetzt und mit Knochenersatzmaterial auf der Basis eines pastösen
Hydroxylapatit-Kollagen-I-Gemisches remodelliert. Als Modifikationen des
Implantatgefüges fungierten Chondroitinsulfat, Heparin und Polylactid
als singulärer Zuschlagsstoff pro Defekt. Die Versuchsauswertung
erfolgte mittels histologischer Imageanalyse am unentkalkten Trenn-Dünnschliff-Präparat.
Alle 12 Tiere konnten postoperativ unter komplikationsloser Einheilung
nach 2 Monaten einer histomorphometrischen Bewertung zugeführt werden.
Histologisch imponierte initial eine minimale Entzündungsreaktion
des Implantatbettes bei allen Modifikationsformen. Der intra operationem
aushärtende Hydroxylapatit-Kollagen-Zement zeigte osteokonduktive
Materialeigenschaften bei allen artifiziellen Matrices. Die vom Defektrand
ausgehende Resorption und knöcherne Substitution gestaltete sich
am aussichtsreichsten im Chondroitin modifizierten Defekt mit 68 % knöchern
ersetzter Zementtextur und war damit außergewöhnlich rasch.
Im intraindividuellen Vergleich war dies zum unmodifizierten Zementareal
und zum Leerdefekt statistisch signifikant (p<0,05).
Das neu entwickelte Hydroxylapatit-Kollagen-I-Komposit eignet sich sowohl
aufgrund seiner knöchernen Integration und Resorption als auch durch
seine gute Applizierbarkeit intra operationem als Knochenersatzmaterial
am verwendeten Tiermodell. Die eingesetzten Gefügemodulatoren, insbesondere
das Chondoitinsulfat, sind in der Lage, eine Aktivierung der extrazellulären
Matrix herbeizuführen und damit eine schnellere Resorption mit nachfolgender
Restitutio ad integrum auch im kritischen Defekt zu erzielen.
Mikromorphologische Untersuchungen unterschiedlicher Osteotomieverfahren
an der Kaninchenkalotte
Maurer P.1, Kriwalsky M. S.1, Block Veras R.1, Heiss C.2
1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie,
Martin Luther Universität Halle-Wittenberg, Ernst-Grube-Straße
40, 06097 Halle (Saale)
2 Klinik und Poliklinik für Traumatologie und Wiederherstellung,
Justus-Liebig Universität Gießen, Rudolf-Buchheim-Straße
7, 35385 Gießen
Einleitung: Das seit kurzem im klinischen Gebrauch befindliche
Piezosurgery-Osteotomieverfahren stellt eine Alternative zu den konventionellen
Methoden der Osteotomie dar. Ziel der vorliegenden Studie war es osteotomierte
Knochenoberflachen mittels geeigneter bildgebender Untersuchungsmethoden
nach Anwendung konventioneller Osteotomiemethoden und dem neuen piezoelektrischen
Verfahren tierexperimentell zu untersuchen.
Material und Methoden: Zu diesem Zweck wurden an frisch
euthanasierten Kaninchen Knochenstücke normierter Größe
von der Schadelkalotte entnommen. Folgende Osteotomieverfahren wurden
angewandt: rotierendes Instrumentarium, Mikrosäge, ultraschall-gestütztes
Osteotom (Mectron Piezosurgery®) (Aufsatze OT6 und OT7). Die osteotomierten
Oberflächen wurden mittels Environmental Surface Electrone Microscopy
(ESEM) und Confocal Laser Scanning Microscopy (CLSM) untersucht. Rauhigkeitswerte
der verschiedenen Osteotomieoberflächen wurden CLSM-gestützt
bestimmt.
Ergebnisse: In den elektronenmikroskopischen Untersuchungen
(ESEM) lässt sich an den nativen Knochenproben der typische Aufbau
der Schädelkalotte mit Tabula externa, Diploe und Tabula interna
nachvollziehen. Es zeigten sich nach Anwendung der konventionellen Verfahren
deutliche Veränderungen, insbesondere der spongiösen Knochenstrukturen.
So ließen sich nur noch spärlich, teilweise zerfetzte Spongiosabälkchen
erkennen. Die Spongiosa-Räume waren mit Knochenpartikeln zugeschmiert.
Über die gesamte Fläche lassen sich parallel angeordnete Sägespuren
bzw. Schleifspuren erkennen. Bei den Oberflächen, die mittels ultraschall-gestütztem
Osteotom getrennt wurden, imponieren selbst zarte Spongiosabälkchen
der Diploe intakt. Die Spongiosazwischenraume sind frei von Knochenpartikeln.
Dieser Umstand ist sowohl für den Einsatz des Aufsatzes OT6 als auch
OT7 der Fall. Die mittleren Rauhigkeitswerte waren wie folgt: 2,29 (fein),
3,13 (rau), 7,01 (rotierend) und 6,61 (sägend).
Schlussfolgerung: Die mikromorphologischen Untersuchungen
zeigen, dass sich die Knochenoberflächen nach Einsatz des ultraschall-gestützten
Osteotom von denen nach Einsatz der konventionellen Osteotomieverfahren
unterscheiden. Unterschiede im Rahmen der Knochenheilung sind naheliegend
und sollten untersucht werden.
Non-in-sano Resektion von Basalzellkarzinomen im Gesichtsbereich!
Nachresektion oder Nachbeobachtung?
Maurer P., Eichentropf C., Kriwalsky M. S., Schubert J.
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie,
Martin Luther Universität Halle-Wittenberg, Ernst-Grube-Straße
40, 06097 Halle (Saale)
Einleitung: Die in sano Resektion stellt den gold Standard
in der Therapie des Basalzellkarzinoms der Gesichtshaut dar. Hierbei wird
ein Zusammenhang zwischen der non-in-sano Resektion und dem Auftreten
von Rezidiven diskutiert. Ziel der vorliegenden Studie war es, das Rezidivrisiko
nach non-in-sano Resektionen zu evaluieren.
Material: In der vorliegenden Studie sind bei 1044 Patienten (w = 566
/ m = 478, Durchschnittsalter 71,1 Jahre) 1412 primäre Basalzellkarzinome
entfernt worden. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 68,8 Monate
(6 - 137 Monate).
Ergebnisse: Von 1165 vollständig entfernten Tumoren
rezidivierten 13 (1,1 %). In 247 (17,5 %) Fällen wurde die unvollständige
Resektion nachgewiesen. In dieser Gruppe traten insgesamt 35 (14,1 %)
wieder auf. Dieser Unterschied ist signifikant (Chi-Quadrat Test, N2=0,000;
p=0,01). Bei 68 von 247 Tumoren wurde nachresiziert, wobei 57 mal die
Resektion im Gesunden gelang. Von den Patienten, bei denen eine vollständige
Entfernung erfolgte, zeigten sich in der Folge 5 Rezidive (8,77 %). 179
von 247 Rl resizierten Tumoren wurden ausschließlich nachbeobachtet.
Von diesen Tumoren rezidivierten 25 Läsionen (13,9 %). Der Unterschied
zwischen beiden Gruppen zeigte keinen signifikanten Unterschied (Chi-Quadrat
Test, K2=0,305; p=0,01). Die 11 Tumoren, die nach der zweiten Operation
eine Randinfiltration aufwiesen, zeigten 5 Rezidive (45,45 %).
Conclusion: Im Gesunden entfernte Basalzellkarzinome besitzen eine geringe
Rezidivgefahr. Dabei bietet der erste Eingriff die beste Möglichkeit
zur vollständigen Entfernung des Tumors. Die Rezidivraten von nachträglich
in sano resizierten Tumoren und die der nachbeobachteten non-in-sano resizierten
Basaliome zeigten keinen signifikanten Unterschied. Alle Basalzellkarzinome,
die nach histopathologischer Untersuchung als R l resiziert eingestuft
wurden, zeigten die höchsten Rezidivraten.
Ex vivo Herstellung von Gelenkgewebe mittels bizellulärer
Gewebeherstellung
Meyer U.1, Wiesmann H. P.2, Depprich R.1, Handschel J.1
1 Klinik für Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, Heinrich-Heine-Universität,
Moorenstraße 5, 40225 Düsseldorf
2 Klinik und Poliklinik für Mund-, und Kiefer-Gesichtschirurgie,
Universitätsklinikum Münster,
Waldeyerstraße 30, 48129 Münster
Die in vitro Herstellung von Gelenken erfordert das Zusammenführen
zweier mesenchymaler Zelllinien. Während Chondrozyten den zellulären
Anteil der Knorpelkappe darstellen, bilden Osteoblasten die Knochenstruktur
im subchondralen Anteil des Gelenkes. Ziel der Untersuchung war es, ein
dem natürlichem Gelenk ähnliches Gewebekonstrukt ex vivo herzustellen.
Mature Osteoblasten wurden in Kulturmonolage proliferiert und differenziert.
Ein in der Größe dem humanen Gelenk ähnliches interkonnektierendes
poröses Polilactat/Polyglycolat Scaffoldgerüst wurden synthetisch
hergestellt. Anschließend erfolgte die Besiedlung und Reifung des
Scaffoldkomplexes mit den Osteoblasten ex vivo. Parallel zur Kultur der
Knochenzellen erfolgte eine Proliferation von explantierten Chondrozyten.
Die Chondrozyten wurden anschließend entweder unter Mikromassenkulturbedingungen
als Chondrospheres oder eingebettet in einem Kollagengel dreidimensional
assembliert. In einem Bioreaktor erfolgte dann die Obnerflächenbeschichtung
des PLA/PGA Knochenkonstruktes mit den Knorpelzellkonstrukten. Das dadurch
entstandene geschichtete bizelluläre Konstrukt wurde mittels immunbiologischer
und elektronenmikroskopischer Verfahren charakterisiert. Die Coaxierung
der beiden zellhaltigen Gewebekonstrukte führte sowohl bei den Chondrospheres
als auch bei dem Gel zu einem stabilen Verbund zwischen den Knorpelzellkonstrukten
und dem Osteoblasten-haltigen PLA/PGA Material. Unter standardisierten
Kulturbedingungen konnte die Differenzierung der jeweiligen Zelllinien
über einen Zeitraum von 14 Tagen beobachtet werden. Die histologischen,
immunhistochemischen und elektronenmikroskopischen Untersuchungen zeigten
eine dem nativen Gelenk ähnliche Struktur. Mittels komplexem Tissue
Engineering Verfahren scheint eine Herstellung von komplexen Gelenkanteilen
ex vivo möglich zu sein
Einfluss der Elektrolytkonzentration in muzinbasierten Speichelersatzlösungen
auf demineralisierten Schmelz
Meyer-Lückel H., von Klinggräff D., Schmidt-Westhausen A.-M.,
Kielbassa A. M.
Zahnärztliche Chirurgie und Röntgenologie, Charité -
Campus Benjamin Franklin, Aßmannshauser Straße 4-6, 14197
Berlin
Ziel der Untersuchung: An Muzin gebundene
Sialinsäuren binden Kalzium. Dieser Mechanismus könnte Ursache
für die Hemmung des Remineralisationspotentials kalziumhaltiger,
muzinbasierter Speichelersatzmittel sein. Ziel der Untersuchung war daher,
den Effekt der Zugabe von Kalziumphosphat unterschiedlicher Konzentrationen
zu Speichelersatzlösungen auf Muzinbasis auf demineralisierten, bovinen
Schmelz in vitro zu evaluieren.
Material & Methoden: Bovine Schmelzproben (19 Gruppen, n=10; 3 Gruppen,
n=9) wurden in Kunstharz eingebettet und poliert (Körnung 4000).
Als Kontrollgruppe diente die partiell mit Nagellack abgedeckte Probenoberfläche.
Die Proben wurden anschließend für 14 Tage bei einem pH von
5,0 bei 37 °C demineralisiert. Nach Demineralisation wurden die Proben
für 14 Tage den muzinbasierten Lösungen (30 g/l) unterschiedlicher
Sättigungen von NaF (0,1 mM), CaCl2 (0-20 mM) und KH2PO4 (0-52 mM)
bei zwei unterschiedlichen pH-Werten (5,5 oder 6,5) ausgesetzt. Eine fluoridfreie
Lösung sowie ein kommerziell erhältliches Speichelersatzmittel
(Saliva Orthana®) dienten als Kontrolle. Die Auswertung des Mineralverlustes
(?Min = Differenz zwischen den Werten vor [MinDemin] und nach der Lagerung
[MinEffekt] in den unterschiedlichen Lösungen) erfolgte anhand von
Dünnschliffmikroradiographien (100 µm).
Ergebnisse: Das allgemeine lineare Modell (GLM) zeigte
für ?Min ein signifikante Abhängigkeit vom Kalziumgehalt (p=0,006),
nicht aber vom Phosphatgehalt (p=0,081) oder dem pH-Wert (p=0,114). Verglichen
mit MinDemin war MinEffekt lediglich in der Gruppe der höchsten Sättigung
in Bezug auf Hydroxylapatit signifikant reduziert (p<0,05; t-Test).
Schlussfolgerung: Muzinbasierte Speichelersatzmittel
sind bei einer adäquaten Zusammensetzung bezüglich der Kalzium-
und Phosphatkonzentration in der Lage, bovinen Zahnschmelz in vitro zu
remineralisieren.
Fallbeschreibung: Traumatische Augenbulbusdislokation in die
Kieferhöhle
Müller-Richter U., Driemel O., Wagener H., Reichert T. E.
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinik
Regensburg,
Franz-Josef-Strauss-Allee 11, 93053 Regensburg
Fallbericht: Ein 61jähriger Patient wurde nach einem Arbeitsunfall,
bei dem ein Maschinenteil die rechte Orbita getroffen hatte, notfallmäßig
vorgestellt.
Befunde: Klinisch imponierte ein rechtseitiges Monokelhämatom. Es
lagen weder Frakturstufen im Bereich des lateralen Mittelgesichts noch
Funktionseinschränkungen des N. infraorbitalis vor.
Nach passivem Öffnen der Lider des rechten Auges zeigte sich eine
leere Augenhöhle. Bei Beleuchtung der rechten Kieferhöhle gab
der Patient, Lichtschein wahrzunehmen. Die bildgebende Diagnostik des
Mittelgesichts mit Hilfe der Computertomographie diagnostizierte eine
isolierte Blow-out Fraktur der Orbita mit einer kompletten Dislokation
des Bulbus in die Kieferhöhle.
Therapie: Hierauf wurde der Bulbus über ein Kieferhöhlenfenster
in Allgemeinnarkose repositioniert und in seiner Lage mittels eines Kieferhöhlenballonkatheters
gesichert. Intraoperativ schien der Bulbus regelgerecht tonisiert und
in seiner äußeren Struktur komplett erhalten. Augenmuskeln
und N. opticus ließen klinisch keine Verletzung erkennen.
Verlauf: Die postoperative Bildgebung beschrieb die regelgerechte Lage
des rechten Augenbulbus ohne Läsion des N. opticus und ohne Einklemmung
der Augenmuskeln. Es bestand eine Visusminderung von 0.125 s.c. und ein
deutlich erhöhter intraokluarer Druck von 32 mmHg. Direkte und indirekte
Lichtreaktion fehlten. Die Bulbusmotilität war stark eingeschränkt.
Unter konservativer Therapie mit intravenös verabreichten Kortikosteroiden
kam es innerhalb der ersten 4 postoperativen Wochen zu einer deutlichen
Verbesserung des Augenstatus. Der Visus s.c. betrug 0.9p. Der intraokulare
Druck hatte sich normalisiert. Der Patient beschrieb keine Doppelbilder.
Es bestanden noch geringe Motilitätsstörungen mit einem leichten
Hebungsdefizit.
Schlussfolgerung: Trotz massivem Trauma mit ausgeprägter
Dislokation können Bulbus, N. opticus und Augenmuskeln weitgehend
unverletzt bleiben. Eine minimal-invasive Therapie ermöglicht eine
weitgehende Wiederherstellung von Funktion und Ästhetik.
Fallbeschreibung: Angiolymphoider Tumor (Kimura Erkrankung) des
Oberkiefers
Müller-Richter U., Driemel O., Wagener H., Reichert T. E.
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinik
Regensburg,
Franz-Josef-Strauss-Allee 11, 93053 Regensburg
Fallbericht: Ein 56jähriger Patient stellte sich aufgrund einer innerhalb
von nur 6 Wochen rasch progredient gewachsenen Neubildung im Oberkiefer
mit Zahnausfall vor.
Befunde: Klinisch imponierten Ulzerationen und Lockerung der restlichen
Zähne im zweiten Quadranten. Eine auswärts entnommene Biopsie
ergab den Befund eines Hämangioms mit invasivem Wachstumsmuster.
Eine CT-Untersuchung ergab den Befund eines 4 x 1,9 cm großen Tumors
des rechten Oberkiefers mit ausgeprägter Osteodestruktion und invasivem
Wachstumsmuster, das am ehesten auf ein Plattenepithelkarzinom oder ein
Sarkom hindeutete.
Therapie: Wir führten bei dem Patienten eine Teilresektion des rechten
Oberkiefers durch. Intraoperativ gewonnene Biopsien zeigten eine Angiomatose
mit Osteodesktruktion und Ausbildung eines plasmazellreichen reaktiven
entzündlichen Pseudotumors. Ein Anhalt für Malignität bestand
nicht. Aufgrund dieses histo-pathologischen Befundes wurde auf eine primäre
Ausräumung der Lymphabflusswege verzichtet.
Verlauf: Die definitive histo-pathologische Untersuchung, mit konsiliarischer
Begutachtung durch ein Referenzzentrum, bestätigte die Diagnose einer
Angiomatose mit Ausbildung eines entzündlichen Pseudotumors mit lokal
destruktivem Wachstum. Da eine Eosinophilie vorlag, war die Erkrankung
am ehesten der Kimura-Krankheit zuzuordnen.
Schlussfolgerung: Die Kimura-Krankheit beschreibt eine
sehr seltene angiolymphoide Hyperplasie mit Lymphadenopathie und peripherer
Eosinophilie unbekannter Ätiologie. Meist tritt sie als tiefe subkutane
Raumforderung im Kopf-Hals-Bereich auf. Eine Lymphadenopathie oder eine
Sialoadenopathie der großen Speicheldrüsen sind häufige
Begleiterscheinungen. Systemisch kann eine Beteiligung der Nieren, z.B.
im Sinne eines nephrotischen Syndroms, ein erhöhter IgE-Spiegel oder
eine Eosinophilenanreicherung im Blut auftreten. Aufgrund der Rezidivfreudigkeit
der Kimura-Erkrankung befindet sich der Patient in einem engmaschigen
Recall.
Autofluoreszenzdiagnose von präkanzerösen Läsionen
und Karzinomen der Mundhöhle
Müller-Richter U.1, Aichinger S.2, Driemel O.1, Reichert T. E.1
1 Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinik
Regensburg,
Franz-Josef-Strauss-Allee 1193053 Regensburg
2 Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universität
des Saarlandes,
Kirrbergerstraße, 66424 Homburg/Saar
Hintergrund: Bei der Anregung von Gewebe mit Licht einer Wellenlänge
von 410 nm kommt es zur Eigenfluoreszenz. Diese Fluoreszenz ist unabhängig
von einer Verstärkung durch photoaktive Substanzen (photodynamische
Wirkstoffe). Das emittierte Spektrum ist für physiologische Mundschleimhaut,
präkanzeröse Läsionen und orale Plattenepithelkarzinome
jeweils charakteristisch und kann spektrometrisch gemessen und klassifiziert
werden.
Ziel der Untersuchung: Es sollen die
Autofluoreszenzspektren von 20 präkanzerösen Läsionen,
20 oralen Plattenepithelkarzinomen mit denen der physiologischen Mundschleimhaut
derselben Patienten verglichen werden.
Material und Methoden: 20 Patienten mit präkanzerösen
Läsionen bzw. oralen Plattenepithelkarzinomen wurden autofluoreszenzspektroskopisch
untersucht. Als Referenzbezirke wurden korrespondierende Areale nicht
veränderter physiologischer Mundschleimhaut desselben Patienten gewählt.
Alle präkanzerösen Läsionen bzw. Plattenepithelkarzinome
wurden anschließend histo-pathologisch gesichert.
Ergebnisse: Präkanzeröse Läsionen der
Mundschleimhaut zeigen eine deutliche Minderung in der Autofluoreszenzaktivität.
Plattenepithelkarzinome der Mundschleimhaut besitzen zusätzlich eine
charakteristische Änderung im Autofluoreszenzspektrum bei 505 nm
mit einem Peakverlust von etwa 30 %.
Schlussfolgerung: Durch die Autofluoreszenz können
präkanzeröse Mundschleimhautveränderungen und Mundhöhlenkarzinome
gezielt von physiologischer Mundschleimhaut unterschieden werden. Fluoreszenzspektroskopie
ermöglicht eine gezielte weitere histo-pathologische Abklärung
durch Biopsie oder Bürstenbiospie der veränderten Areale.
Vergleich der Diagnostik mittels 3d und konventioneller Röntgentechnik
bei der Osteotomie retinierter Weisheitszähne
Neugebauer J.1, Shirani R.1, Ritter L.2, Zöller J.E.1
1 Klinik und Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie und für
Mund-, Kiefer- und Plastische
Gesichtschirurgie, Klinikum der Universität zu Köln, Kerpener
Straße 62, 50937 Köln
2 Surgical Systems Laboratory, Caesar-Centre of advanced European Studies
and
Research, Ludwig-Erhard-Allee 2, 53175 Bonn
Zur präoperativen Bestimmung der lokalen Relation der Wurzelspitzen
zum nervus alveolaris inferior bei der Weisheitszahnosteomie ist die Kombination
von OPG und einer Schädel posterior-anterior (p.a.) Aufnahme, 15
Grad geneigt bei geöffnetem Mund etabliert. Alternativ bietet sich
das dreidimensionale Cone Beam (CB) Röntgenverfahren an. Ziel dieser
Studie war es, die Darstellungsqualität der beiden Verfahren zu vergleichen.
Die beiden Verfahren wurden bei jeweils 30 Patienten mit jeweils 48 Weisheitszähnen
von 5 Befundern verglichen. Es wurden die horizontale sowie die vertikale
Darstellungsqualität in Noten von 1 bis 5 sowie die Position der
Wurzelspitze im Bezug zum nervus alveolaris erhoben. Die dreidimensionalen
Aufnahmen wurden mit dem Sirona 3d-Röntgengerät (Fa. Sirona,
Bensheim, Deutschland) bei einer Röhrenspannung von 90 kV und einer
Energiedosis von 28 mAs erhoben. Die OPG sowie Schädel p.a. Aufnahmen
lagen als konventionelle Röntgenfilme vor. Die CB Bilddatensätze
wurden mit Hilfe einer speziellen Software zur Navigation im Datensatz
beurteilt. Die Ergebnisse wurden deskriptiv statistisch ausgewertet.
Die Bildqualität für die OPG bzw. Schädel p.a. Aufnahmen
wurde in der vertikalen Dimension im Mittel mit 1,8 (±0,88), für
die horizontale Dimension im Mittel mit 2,9 (± 1,12) bewertet.
Die Bildqualität für die CB Aufnahmen in der vertikalen Dimension
wurde im Mittel mit 1,9 (±0,87) beurteilt und für die horizontale
Dimension im Mittel mit 2,2 (±0,96) signifikant besser bewertet.
Die Darstellungsqualität der Wurzelspitzen von verlagerten Weisheitszähnen
wurde im CB Verfahren signifikant besser eingeschätzt als für
die konventionelle radiologische Diagnostik. Bei der kritischen Lage der
Wurzelspitze inferior des nervus alveolaris inferior ermöglicht die
dreidimensionale Diagnostik einen signifikanten Vorteil und erhöht
die Therapiesicherheit.
Verzögerte Implantatbelastung im Oberkiefer – experimentelle
Prüfung eines Grundprinzips
Nkenke E., Fenner M., Neukam F.W.
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgische,
Universitätsklinikum Erlangen-Nürnberg, Glückstraße
11, 91054 Erlangen
Die allgemein akzeptierte unbelastete Einheilzeit von 5 bis 6 Monaten
für Implantate im Oberkiefer ist empirisch gewählt. Weder klinisch
noch experimentell ist bisher ein Nachweis der Überlegenheit dieser
Einheilzeiten im Vergleich zu verkürzten Zeiträumen in Bezug
auf die Verlustrate erfolgt. Es war deshalb das Ziel der tierexperimentellen
Studie, die verzögerte Belastung von Implantaten im Oberkiefer des
Minischweins mit verkürzten Einheilzeiten bis hin zur Sofortbelastung
in Bezug auf die Verlustrate zu vergleichen.
Bei 9 Minischweinen wurden im Oberkiefer nach Entfernung der Prämolaren
und des ersten Molaren pro Seite je 6 Implantate inseriert. Die Belastung
der Implantate erfolgte randomisiert für die Tiere sofort oder nach
1, 2, 3, 4 und 5 Monaten Einheilzeit. Die 6 Implantate wurden mit festsitzenden
Suprakonstruktionen aus Kunststoff versorgt. Während der 6monatigen
kaufunktionellen Belastung erfolgten monatliche Nachkontrollen, bei denen
Implantatverluste dokumentiert und defekte Suprakonstruktionen ersetzt
wurden.
Von 24 Implantaten, die nach 5 Monaten Einheilzeit funktionell belastet
wurden, gingen im Nachbeobachtungszeitraum 2 verloren. Nach einer Einheilzeit
von 4 Monaten ging von 12 Implantaten 1 verloren. Wenn die Einheilzeit
3 Monate betrug, überlebten von 12 Implantaten 6. Bei einer Einheilzeit
von 2 Monaten waren von 12 Implantaten 6 als Verluste zu werten. Für
einen Einheilzeitraum von 1 Monat kam es bei einer Gesamtzahl von 24 Implantaten
zu 11 Verlusten im Verlauf der kaufunktionellen Belastung. Bei der Sofortbelastung
wurden von 24 Implantaten 13 verloren. Die Verlustraten nach 4 und 5 Monaten
Einheilung waren signifikant geringer als nach allen kürzeren Einheilzeiten
(P=0,007). Sofortbelastung und Belastung nach 1 bis 3 Monaten Einheilzeit
zeigten keine signifikanten Unterschiede in der Verlustrate (P=0,653).
Die Ergebnisse der experimentellen Studie zeigen, dass lange Einheilzeiten
gegenüber verkürzten die Implantatverlustrate signifikant reduzieren.
Wird dennoch eine frühere Implantatbelastung angestrebt, so bringen
Einheilzeiten von 1 bis 3 Monaten im Oberkiefer gegenüber der Sofortbelastung
im Rahmen der Studie keinen Vorteil in Bezug auf die Verlustrate.
Überproportionale Weichgewebevolumensteigerung durch Distraktionsosteogenese?
Pilotstudie zur Prüfung eines kieferchirurgischen Grundprinzips
Nkenke E.1, Kessler P.1, Wiltfang J.2, Neukam F.W.1
1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgische,
Universitätsklinikum Erlangen-Nürnberg, Glückstraße
11, 91054 Erlangen
2 Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie im Universitätsklinikum
Schleswig-Holstein
Campus Kiel, Arnold-Heller-Straße 16, 24105 Kiel
Bei der Anwendung der Distraktionsosteogenese wird neben der Knochenneubildung
auch eine Volumensteigerung des aufgelagerten Weichgewebes diskutiert.
Bisher stehen zu dieser Fragestellung keine klinischen Daten zur Verfügung,
die es erlauben, diese Hypothese zu bestätigen oder abzulehnen. Es
war deshalb das Ziel der Untersuchung, dieser Fragestellung in einer vergleichenden
klinischen Studie nachzugehen.
Bei 5 Patienten (2 weibliche, 3 männliche, Alter 15 bis 18 Jahre)
wurde wegen einer Rücklage des Oberkiefers eine Vorverlagerung mittels
Distraktionsosteogenese nach LeFort-I-Osteotomie durchgeführt. Es
wurden intraorale Distraktoren eingesetzt. Nach einer Latenzphase von
5 Tagen erfolgte die Aktivierung der Distraktoren zweimal täglich
um 0,5 mm. Präoperativ und ein Jahr postoperativ wurden jeweils ein
Fernröntgenseitbild und ein 3D-Oberflächenbild akquiriert. Die
Distraktionsstrecken wurden am Inzisalpunkt des Oberkiefers abgegriffen
wurden. In einem definierten Bereich, der in der Jochbein-Wangenregion
platziert wurde, erfolgte die Bestimmung der sichtbaren Volumenveränderung
der Weichgewebe. Als Vergleichsgruppe dienten 5 Patienten, bei denen eine
LeFort-I-Osteotomie mit sofortiger Vorverlagerung des Oberkiefers über
die gesamte zu überbrückende Distanz erfolgte. Die Patienten
waren in Bezug auf Geschlecht, Alter, Gewicht und Vorverlagerungsstrecke
des Oberkiefers mit der Distraktionsgruppe abgeglichen.
Die Vorverlagerungsstrecken lagen zwischen 4 und 8 mm. In der Distraktionsgruppe
zeigte sich eine durchschnittliche Volumenzunahme je Oberkieferseite bei
9,2 cm3. In der Gruppe von Patienten, bei denen eine konventionelle LeFort-I-Osteotomie
durchgeführt wurde, ergab sich eine mittlere Volumenzunahme von 7,4
cm3. Bei jedem Patientenpaar zeigte jeweils der Patient, bei dem die Distraktionsosteogenese
durchgeführt worden war, die größere sichtbare Weichgewebevolumenzunahme.
Die an einer kleinen Patientengruppe durchgeführte Studie gibt in
einer vergleichenden Untersuchung erstmals Hinweise auf das Bestehen einer
Distraktionshistiogenese, die gegenüber einer konventionellen Oberkiefervorverlagerung
eine ausgeprägtere sichtbare Gewebevolumenzunahme bewirkt. Die Ergebnisse
müssen nun an größeren Kollektiven nachvollzogen werden.
Regenerative therapy of peri-implantitis intrabony defects
Nuesry E., Schwarz F., Bieling K., Becker J.
Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie und Aufnahme, Westdeutsche
Kieferklinik, Heinrich-Heine Universität Düsseldorf, Moorenstraße
5, 40225 Düsseldorf
The purpose of the present clinical study was to evaluate healing of peri-implantitis
intrabony defects following application of a nanocristalline hydroxyapatite
(Ostim) or a bovine-derived xenograft in combination with a collagen membrane
(BDX+BG).
Twenty-four patients suffering from advanced peri-implantitis, each of
whom displayed 1 intrabony defect (bone loss > 30% of the implant length),
were randomly treated with i) access flap surgery (AFS) and the application
of Ostim (n=12 implants - test), or with ii) AFS and the application of
BDX+BG (n=12 implants - control). The bone defects and implant surfaces
were cleaned with plastic curets + cotton pellets soaked in saline. Clinical
parameters (probing depth - PD, clinical attachment level - CAL) were
recorded at baseline and after 6 months of non-submerged healing.
Postoperative wound healing revealed that Ostim seemed to compromise initial
adhesion of the mucoperiosteal flaps in all patients. In contrast, wound
healing was uneventful in the control group (e.g. no membrane exposure).
At 6 months after therapy, the test group showed a reduction in mean PD
from 7.2±0.8 to 5.0±0.8 mm (P<0.001) and a change in
mean CAL from 7.7±1.1 to 5.8±1.1 mm (P<0.001). In the
control group, the mean PD was reduced from 7.1±0.8 to 4.6±0.7
mm (P<0.001) and the mean CAL changed from 7.5±1.0 to 5.2±0.7
mm (P<0.001). The differences between both groups with respect to PD
reductions and CAL gains were statistically non-significant (P>0.05,
respectively).
Within the limits of the present study, it can be concluded that at six
months following surgery both therapies resulted in statistically significant
PD reductions and CAL gains. However, postoperative wound healing seemed
to be ameliorated following the application of BDX+BG.
Knochenregeneration im Unterkiefer nach Transplantation von autogenen
Osteoblasten oder Spongiosa
Pradel W., Lauer G., Eckelt U.
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität
Dresden, Fetscherstraße 74, 01307 Dresden
Bei der Behandlung von Kieferzysten wird in der Regel die Zyste entfernt
und der Hohlraum am besten mit autogener Spongiosa aufgefüllt. Die
Entnahmemorbidität wird aber als Nachteil betrachtet. Mit dem Tissue
Engineering können als Alternative durch Kultivierung von Osteoblasten
auf Biomaterialien Gewebe für den Knochenersatz hergestellt werden.
Ziel der vorliegenden Untersuchungen war, die Knochenbildung nach Enukleation
von Unterkieferzysten und Transplantation von autogenen Osteoblasten in
einem Biomaterial im Vergleich zur Transplantation von Spongiosa anhand
von Röntgenaufnahmen zu verfolgen.
Bei 20 Patienten wurden 22 Unterkieferzysten (3 - 9 cm groß) untersucht.
Elf Zysten erhielten als Füllung autogene Osteoblasten in einer entmineralisierten
Knochenmatrix (Osteovit®). Als Kontrollgruppe dienten 11 Zysten mit
autogener Spongiosa. Präoperativ, unmittelbar postoperativ, sowie
nach 3, 6 und 12 Monaten wurden Panoramaschichtaufnahmen angefertigt.
Anhand eines Grauwert-Histogramms wurden die Veränderungen in der
Knochendichte als Ausdruck der Knochenregeneration computer analytisch
ermittelt.
Die Histogramme der Röntgenaufnahmen wurden statistisch ausgewertet
und miteinander verglichen. Es stellte sich heraus, dass die Knochenregeneration
insgesamt in beiden Gruppen ähnlich verlief. Unmittelbar postoperativ
und nach 6 Monaten war die Knochendichte in der Kontrollgruppe geringfügig
höher; nach 3 Monaten in der Testgruppe. Nach 12 Monaten war die
Ossifikation nach Transplantation von autogenen Osteoblasten deutlich
besser, aber ohne statistische Signifikanz.
Diese vorläufigen Resultate sprechen für einen klinischen Einsatz
von im Tissue Engineering hergestellten Knochen als Alternative zur Auffüllung
von Zystenhohlräumen.
Sprachentwicklung nach 2 verschiedenen Operationsmethoden zur
Korrektur von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten
Pradel W.1, Senf D.2, Lauer G.1, Eckelt U.1
1 Klinik und Polklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Universitätsklinikum der TU
Dresden, Fetscherstraße 74, 01307 Dresden
2 Klinik und Poliklinik für HNO-Heilkunde, Universitätsklinikum
der TU Dresden,
Fetscherstraße 74, 01307 Dresden
Der Erfolg der Korrektur von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten kann neben dem
ästhetischen Ergebnis auch durch funktionelle Parameter wie der Sprachentwicklung
beurteilt werden.
Ziel der vorliegenden Untersuchungen war, die Sprachentwicklung von Kindern
mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten nach einzeitigem und zweizeitigem Verschluss
der Gaumenspalte zu beurteilen und so Rückschlüsse in Bezug
auf das bessere Behandlungskonzept zu ziehen.
Von insgesamt 24 Kindern (10 Mädchen, 14 Jungen) wurde im Alter von
durchschnittlich 4,1 Jahren ein logopädischer Befund mit Einschätzung
von Resonanz, Durchschlag, Verlagerungen, Mimik und Beurteilung der Umgangssprache
erhoben. Fünf Kinder hatten beidseitige durchgehende Spalten, 13
einseitige durchgehende Spalten und 6 Kinder hatten vollständige
Gaumenspalten. 13 Kinder wurden nach dem zweizeitigen Konzept mit intravelarer
Myoplastik nach Kriens im Alter von 9–12 Monaten und Brückenlappenplastik
nach Langenbeck/Veau/Axhausen zum Verschluss der Hartgaumenspalte im Alter
von 2–3 Jahren operiert. Bei 11 Kindern erfolgte im Alter von 9–12
Monaten der einzeitige Gaumenverschluss unter Verwendung der gleichen
Operationsverfahren.
Die Kinder hatten nach einzeitigem Spaltverschluss einen weniger auffälligen
Sprachklang (Resonanz) und weniger nasalen Durchschlag als die Kinder
nach zweitzeitigem Verschluss. Auch war die Umgangssprache besser verständlich.
Bei den Lautverlagerungen und der Mimik gab es keine Unterschiede.
Der einzeitige Verschluss der Gaumenspalte im Alter von 9 – 12 Monaten
scheint sich im Vergleich zum zweizeitigen Behandlungskonzept günstig
auf die Sprachentwicklung auszuwirken.
Visualisierung gesichtsmorphologischer Veränderungen nach
orthognath-chirurgischen Eingriffen im farbcodierten 3D-Modell
Proll Ch.1, Joos U.1, Dirksen D.2, Kleinheinz J.1
1 Klinik und Poliklinik für Mund- und Kiefer-Gesichtschirurgie,
Universitätsklinikum Münster,
Waldeyer Straße 30, 48129 Münster
2 Labor für Biophysik, Universitätsklinikum Münster, Robert-Koch-Straße
45, 48149 Münster
Nach wie vor werden Veränderungen der Gesichtsmorphologie unter orthognath-chirurgischer
Therapie vorwiegend durch den Vergleich zweidimensionaler prä- und
postoperativ angefertigter FRS-Bilder oder Fotos abgeschätzt. Neue
3D-Messverfahren erlauben jedoch heute das Generieren von 3D-Oberflächenmodellen
oder 2D-Falschfarbenbildern, deren räumliche Komponente in einem
Farbwert wiedergegeben wird. Unser Ziel war die Kombination beider Darstellungsmöglichkeiten
um die morphologischen Veränderungen des Gesichtes nach derartigen
Operationen topografisch sichtbar zu machen. Das Verfahren sollte ohne
Strahlenbelastung für den Patienten durchführbar sein.
Es wurden 15 Patienten exemplarisch aus dem orthognath-chirurgischen Spektrum
ausgewählt (9 monomaxillär, 5 bimaxillär und 1 GNE). Die
Gesichtsoberflächen dieser Patienten wurden prä- und postoperativ
mit Hilfe eines profilometrischen 3D-Meßsystems optisch erfasst.
Über einen mit Referenzpunkten versehenen Gesichtsbogen, der bei
jeder Messung angelegt wurde, konnten die prä- und postoperativ gewonnenen
3D-Oberflächenmodelle überlagert werden. Mit Hilfe einer speziell
entwickelten Software ließen sich die räumlichen Differenzen
orthogonal zu den Oberflächen berechnen und in Falschfarbenbildern
darstellen. Auf diese Weise wurde das Maß der räumlichen Veränderung
in einem Farbwert verschlüsselt. Diese Falschfarbendifferenzbilder
wurden mit den jeweiligen postoperativen 3D-Oberflächenmodellen topografisch
korrekt zu farbcodierten 3D-Modellen zusammengefügt.
Im Ergebnis erwies sich die Methode als geeignet farbcodierte 3D-Modelle
von orthognath-chirurgisch behandelten Patienten zu erstellen. Durch die
Kombination aus räumlicher und farbcodierter Darstellung konnte ein
hohes Maß an visueller und quantitativer Information bezüglich
der gesichtsmorphologischen Veränderungen gewonnen werden.
Farbcodierte 3D-Modelle können dem Behandler schneller und einfacher
über Topografie und Ausmaß der dreidimensionalen gesichtsmorphologischen
Veränderungen Auskunft geben als dies bei Fotos, FRS-Bildern oder
reinen 3D-Oberflächenmodellen möglich ist.
Klinische Studie zur Primärstabilität zweier dentaler
Implantatsysteme mittels Resonanz-Frequenz-Analyse
Rabel A., Köhler S. G.
Zahnärztliche Chirurgie und Röntgenologie, Charité Campus
Benjamin Franklin, Aßmannshauser Straße 4-6, 14197 Berlin
Ziel: Die Primärstabilität ist ein wichtiger Parameter für
die Prognose eines Implantates. Besonders entscheidend ist die Evaluation
der Implantatstabilität für eine mögliche sofortige Belastung.
Ziel dieser Studie war es daher zu überprüfen, ob die Primärstabilität
gemessen anhand der Resonanz-Frequenz-Analyse (RFA) bei einem selbstschneidenden
sowie einem nicht-selbstschneidenden Implantatsystem mit dem Eindrehmoment
korreliert und ob sich die Verläufe der Drehmomentkurven unterscheiden.
Patienten und Methode: Bei 263 Patienten wurden 602 Implantate inseriert.
Dabei kamen zwei dentale Implantatsysteme unterschiedlicher Implantatgeometrie
zur Anwendung (409 Ankylos® / Friadent und 193 Camlog®-Root-Line-Typ
/ Altatec). Intra operationem wurde mit Hilfe der individuell kalibrierten
Bohreinheit Frios® Unit E (Friadent) das jeweilige Implantateindrehmoment
(Torque) mit seinem Verlauf ermittelt und aufgezeichnet. Bei 181 Implantaten
erfolgte zum Vergleich eine zusätzliche RFA mit dem Osstell®-Gerät
(Integration Diagnostics) direkt post implantationem. Diese wurde mit
einer weiteren RFA 3 Monate später nach gedeckter Einheilung und
Implantatfreilegung in Relation gesetzt.
Ergebnisse: Innerhalb eines Jahres kam es zum Verlust
von 9 Implantaten (= 1,5 %). Insgesamt wurde keine Korrelation von Eindrehmoment
und RFA festgestellt (Pearson'sche Korrelationskoeffizient = r = 0,305),
lediglich bei Ankylos®-Implantaten korrelierten die Werte signifikant
(r = 0,621). Beim Ankylos®-System ergaben sich im Vergleich zum Camlog®-System
höhere Drehmomentmaxima bei indifferenten RFA-Werten. Eine signifikante
Korrelation der RFA-Werte direkt postoperativ und nach Implantatfreilegung
konnte nicht beobachtet werden. Auffällig waren die annähernd
linearen Verläufe der Drehmomentkurven bei Camlog®-Implantaten
im Gegensatz zu den konkaven Verläufen bei Ankylos®-Implantaten.
Schlussfolgerung: Die Bestimmung der Implantatstabilität
durch das non-invasive Verfahren der RFA als alleinige Methode kann anhand
unserer Ergebnisse nicht empfohlen werden. Die nicht-selbstschneidenden
konischen Ankylos®-Implantate mit progressivem Gewinde wiesen eine
höhere Primärstabilität im Vergleich zu den selbstschneidenden
Camlog®-Root-Line-Implantaten mit wurzelanaloger Schraubengeometrie
auf und scheinen somit für die sofortige Belastung besser geeignet.
Expressionsanalyse Melanoma Assoziierter Antigene (MAGE) im oralen
Plattenepithelkarzinom durch cDNA-Mikroarray-Analysen
Ries J., Jehle M., Neukam F. W., Nkenke E.
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgische,
Universitätsklinikum Erlangen-Nürnberg, Glückstraße
11, 91054 Erlangen
Ziel der Untersuchung: Ziel
der Studie war es, Hinweise auf die diagnostische Relevanz von
MAGE-Antigenen für das orale Plattenepithelkarzinom zu erhalten.
Material und Methoden: In 5 Proben normaler Mundschleimhaut
gesunder Freiwilliger und in 15 Tumorbiopsien von Patienten, die an einem
oralen Plattenepithelkarzinom litten, wurde eine Expressionsanalyse für
insgesamt 24 MAGE-Antigene über cDNA-Mikroarrays durchgeführt
und die Ergebnisse für die Antigene MAGE A 1-6 und D4 über eine
nested RT-PCR überprüft.
Ergebnisse: Die größte Relevanz für das
orale Plattenepithelkarzinom zeigte die MAGE-A-Antigenfamilie (MAGE A1-12).
Ihre Expression konnte nicht in gesunder Mukosa nachgewiesen werden. Die
Expressionshäufigkeit der Subtypen variierte in den verschiedenen
Tumorproben zwischen 63 und 11 % und war sehr heterogen. Bei der Betrachtung
der Expression von MAGE-A1 bis 6 konnte mindestens ein Antigen in 73 %
der Tumorproben nachgewiesen werden. Die Zahl der positiven Fälle
konnte durch die Hinzunahme der Gene MAGE A8-12 nicht gesteigert werden.
In 54 % der Tumorproben, nicht jedoch in gesunder Mukosa, wurde MAGE D4
exprimiert. Bei der gemeinsamen Analyse der Antigene MAGE A1 bis 6 und
MAGE D4 wurde mindestens eines dieser Antigene in 100 % der Fälle
gefunden. Die Anzahl der coexprimierten Antigene variierte stark. Bei
40 % der Tumorproben konnten mindestens 4 und in 33 % noch 6 verschiedene
MAGE-Antigene nachgewiesen werden. Nur 27 % aller Fälle exprimierten
lediglich eines der Gene.
Schlussfolgerung: Der molekularbiologische Nachweis von
Plattenepithelkarzinomen, der auf der Detektion der Expression der MAGE-Antigene
A1-6 und D4 beruht, scheint mit hoher Sicherheit möglich. Es stehen
hier möglicherweise wichtige zusätzliche diagnostische Marker
zur Verfügung, die es erlauben, maligne okkulte oder disseminierte
Zellen nachzuweisen. Die hohen Koexpressionsraten der MAGE-Antigene A1-12
und D4 könnten zu neuen individuellen immuntherapeutischen Ansätzen
und zur Entwicklung polyvalenter Vakzine gegen das orale Plattenepithelkarzinom
führen.
Interstitielle und perkutane Neodym-YAG-Laserkoagulation von Hämangiomen
- ein Behandlungskonzept
Rittmeier U., Wiltfang J.
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum
Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Arnold-Heller-Straße 16, 24105
Kiel
Problemstellung: Wachsende Hämangiome bei Säuglingen
stellen für die Kinder eine Bedrohung dar. Besonders im Gesicht oder
im Anogenitalbereich gelten sie als ästhetischer Notfall und werden
sofort mit dem Neodym-YAG-Laser oder mit Kontaktkryotherapie behandelt.
Hämangiome sonstiger Lokalisation oder bei älteren Patienten
werden bei Wachstum oder Komplikationen gleichfalls behandelt.
Material und Methode: Von 1992-2005 wurden an unserer Klinik 412 Hämangiome
bei 275 Patienten mit dem Neodym-YAG-Laser behandelt. Oberflächliche
Hämangione werden unter Eiswasserkühlung perkutan mit einer
Laserleistung von 5-12 Watt koaguliert. Bei kutan-subkutanen, subkutanen
und voluminösen Hämangiomen erfolgt die Koagulation interstitiell
mit der Faser, ebenfalls unter Eiskühlung mit 5-12 Watt Laserleistung,
z. T. unter sonographischer Kontrolle.
Ergebnisse: Alle behandelten Hämangiome zeigten
einen Wachstumsstop. Bei 157 Hämangiomen kam es nach nur einer Behandlung
zur totalen Remission. Die anderen 255 Hämangiome zeigten eine partielle
Remission, die weitere Laserbehandlungen erforderten. 187 Patienten hatten
nach einer zweiten Behandlung eine totale Remission des Hämangioms,
28 Patienten nach der dritten Laserbehandlung. Bei den anderen 40 Patienten
waren nach dritten Laserbehandlungen nur noch kleine Reste zu sehen, die
bei einer Narbenkorrektur chirurgisch entfernt werden konnten.
Diskussion: Zur Behandlung von Hämangiomen unterschiedlicher
Größe ist die Neodym-YAG-Laserkoagulation eine gute und schnelle
Behandlungsmöglichkeit. Wir empfehlen daher die frühzeitige
Behandlung von Hämangiomen mit dem Laser, da neben dem Wachstumsstop
des Tumors auch gute ästhetische Ergebnisse erreicht werden.
Vertikale Kieferkammaugmentation mit xenogenen Knochenblöcken
– eine histomorphometrische Studie im Foxhund
D. Rothamel, M. Herten, F. Schwarz und J. Becker
Abteilung für Zahnärztliche Chirurgie, Universitätsklinikum
Düsseldorf, Westdeutsche Kieferklinik, Moorenstraße 5, 40225
Düsseldorf
Die autogene Knochenblocktransplantation gehört heutzutage zu den
etablierten Standardverfahren der präimplantologischen Chirurgie.
Sie kann jedoch mit Nachteilen (Resorption, Entnahmemorbidität) verbunden
sein. Ziel der Untersuchung war es daher zu überprüfen, ob eine
vertikale Kieferkammaugmentation auch mit xenogenen entproteinisierten
Blöcken möglich ist und vergleichbare Ergebnisse zeigen kann
wie die autogene Knochenblocktransplantation.
Bei insgesamt 6 Foxhunden im Alter von über zwei Jahren wurden 3
Monate nach Zahnextraktion pro Unterkieferseite jeweils zwei Blöcke
der Dimension 6 x 10 x 15 mm nach vertikaler Defektsetzung auf den verbleibenden
Unterkieferkamm aufgebracht. Die Augmentationen erfolgten unter der Verwendung
von drei Gruppen: [A] xenogener Block ohne Membran; [B] xenogener Block
mit chemisch quervernetzter Kollagenmembran; [C] autogener Block in Inlay-Technik,
entnommen auf der Gegenseite. Die Fixation eines jeden Blockes erfolgte
mit einem 13 mm - Standardimplantat (Camlog Promote®, Altatec, Wimsheim)
und einer Osteosyntheseschraube. Die Schrauben wurden drei Monate später
entfernt und ebenfalls durch Implantate ersetzt. Nach einer finalen Heilungsperiode
von weiteren drei Monaten wurden die Tiere getötet und mit 4%iger
Formalinlösung intraarteriell fixiert. Alle Proben wurden in Semidünnschlifftechnik
nach Donath aufbereitet und im Durchlichtmikroskop histomorphometrisch
beurteilt.
Während der primären Heilungsperiode kam es bei insgesamt 3
von 12 Kieferhälften (2 x xenogen mit Membran, 1 x autolog) zu einer
Infektion, in dessen Folge das Augmentat entfernt werden musste. Bei den
übrigen Proben zeigte sich, dass sowohl die autologen als auch die
xenogenen Blöcke einer zum Teil sehr starken Resorption unterlagen.
Hierbei war die bukkale Seite stärker betroffen als die linguale.
Hinsichtlich der Osteokonduktivität der xenogenen Blöcke zeigte
sich eine zumeist gute Osseointegration.
Es ließ sich schlussfolgern, dass eine vertikale Augmentation auch
mit xenogenen Blöcken möglich ist. Sie kann jedoch vor allem
auf der bukkalen Seite ebenso wie die autologe Knochenblocktransplantation
starken Resorptionen unterliegen.
Gedeckte oder offene Einheilung dentaler Implantate nach knöcherner
Augmentation?
Rücker M.1, Binger T.2, Bormann K.-H.1, Spitzer W. J.2
1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Medizinische Hochschule Hannover, Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
2 Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universität
des Saarlandes,
Kirrberger Straße, 66421 Homburg/Saar
Ziel der Untersuchung:
Die Insertion dentaler Implantate erfordert oft eine vorangehende knöcherne
Augmentation des Alveolarkamms. Dabei wird kontrovers diskutiert, ob die
klinische Erfolgsrate offen einheilender dentaler Implantate derjenigen
gedeckt einheilender vergleichbar ist. Daher war das Ziel dieser retrospektiven
Studie die klinische Erfolgsrate offen und gedeckt einheilender ITI-Implantate
nach ihrer Insertion in augmentierte Kieferkammbereiche zu vergleichen.
Methode: 110 ITI-Implantate (50 gedeckt, 60 offen einheilend) wurden 6
Monate nach knöcherner Augmentation inseriert. Die dentalen Implantate
wurden nach weiteren 6 Monaten mit festen und herausnehmbaren Prothesen
belastet. Klinische und radiologische Untersuchungen erfolgten 1 Jahr
nach Beginn der funktionellen Belastung. Eine Insertion wurde als erfolgreich
definiert, wenn keine Beweglichkeit, keine Infektion und kein signifikanter
krestaler Knochenverlust erkennbar waren. Zur statistischen Analyse wurde
entweder der X-Quadrat-Test oder nach Testung auf Normalverteilung der
t-Test oder der Wilcoxon Rangsummen-Test verwendet.
Ergebnisse: Gedeckt und offen einheilende Implantate
waren in Läge (gedeckt: 11,5±0,1mm; offen: 11,5±0,1mm)
und Durchmesser (4,0±0,04; 4,0±0,03mm) vergleichbar. Die
Erfolgsrate nach einem Jahr betrug insgesamt 94% in der Gruppe der gedeckt
und 96,7 % in der Gruppe der offen einheilenden Implantate. Statistisch
signifikante Unterschiede bestanden nicht.
Schlussfolgerung: Unsere Studie zeigt, dass eine vorangehende
knöcherne Augmentation die erfolgreiche Insertion von dentalen Implantaten,
die eine für die Osseointegration ideale Größe aufweisen,
ermöglicht. Der klinische Erfolg war unabhängig davon, ob die
Implantate gedeckt oder offen einheilten. Daher wird die offene Einheilung
auch nach Knochenaugmentation in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen.
Auswirkung der Weichgewebsunterminierung auf die periostale Perfusion
im Mittelgesicht
Rücker M.1, Deltcheva K.2, Schramm A.1, Binger T.2
1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Medizinische Hochschule Hannover, Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
2 Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universität
des Saarlandes,
Kirrberger Straße, 66421 Homburg/Saar
Ziel der Untersuchung: Operative Eingriffe
im Gesicht erfordern oft ausgedehnte Weichgewebsunterminierungen. Im Tierexperiment
führte die epiperiostale nicht aber die subperiostale Weichgewebsunterminierung
zu einer Wachstumshemmung des Mittelgesichtes. Da die zugrunde liegenden
Mechanismen nicht schlüssig geklärt sind, war das Ziel dieser
Studie, zu untersuchen, inwieweit die nutritive Perfusion des Periostes
durch die chirurgische Präparation beeinträchtigt wird.
Material und Methoden: Nach behördlicher Genehmigung
des Versuchs-vorhabens wurde durch eine paramarginale Inzision vestibulär
im Oberkiefer von sechs anästhesierten Kaninchen jeweils auf der
einen Seite ein Mukoperiostlappen und auf der Gegenseite ein reiner Mukosalappen
gehoben. Mittels Fluoreszenzmikroskopie war so der quantitative Vergleich
der periostalen Perfusion nach epiperiostaler und subperiostaler Weichgewebsunterminierung
in vivo möglich.
Ergebnisse: Im Periost der Maxilla war der Anteil der
perfundierten Kapillardichte an der gesamten Kapillardichte (Länge
der Kapillaren pro Fläche) nach epiperiostaler Weichgewebsunterminierung
(18,3 ± 8,0 %) signifikant (p < 0,05) niedriger als nach subperiostaler
Unterminierung (50,3 ± 9,3 %).
Schlussfolgerung: Die periostale Perfusion ist nach epiperiostaler
Weichgewebs-unterminierung signifikant schlechter als nach subperiostaler
Unterminierung. Somit stellt die durch die epiperiostale Weichgewebsunterminierung
verursachte Beeinträchtigung der periostalen Perfusion eine mögliche
Ursache für eine Wachstumshemmung des Mittelgesichtes nach operativen
Eingriffen im Kindesalter dar.
Isolierung und osteogene Differenzierung von mesenchymalen Stammzellen
aus menschlichen Zähnen
Scheer M.1, Richter I.2, Arnhold S.2, Zöller J. E.1
1 Klinik und Poliklinik für zahnärztliche Chirurgie und für
Mund-, Kiefer- und Plastische
Gesichtschirurgie der Universität zu Köln, Joseph-Stelzmann-Strasse
9, 50931 Köln
2 Institut für Anatomie I, Universität zu Köln, Joseph-Stelzmann-Strasse
9, 50931 Köln
Mesenchymale Stammzellen besitzen die Fähigkeit, sich in Nerven-,
Fett-, Knorpel- oder Knochenzellen zu differenzieren. Somit besteht die
Möglichkeit, im Rahmen der zellgesteuerten Regeneration auch Knochengewebe
im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich zu ersetzen. Das Ziel der Untersuchung
war es, mesenchymale Stammzellen aus der Pulpa von Zähnen der ersten
und zweiten Dentition zu isolieren und eine osteogene Differenzierung
der kultivierten Zellen zu bewirken.
Es wurde die Pulpa von exfoliierten Milchzähnen, Weisheitszahnkeimen
und überzähligen Zähnen der zweiten Dentition steril entnommen
und nach Zerkleinerung kultiviert. Nach 10-15 Tagen war eine 80 % Konfluenz
von adhärent wachsenden Zellen festzustellen. Die Isolierung der
mesenchymalen Stammzellen wurde mit Hilfe der Magnet assoziierte Zell-Sortierung
(MACS) unter Aufreinigung der CD106-positiven Zellen durchgeführt
Zur weiteren Charakterisierung wurde mit Hilfe der Fluoreszenz assoziierten
Zell-Sortierung (FACS) der Anteil der CD105 und CD106 positiven Zellen
in der Suspension bestimmt. Eine osteogene Differenzierung der Zellen
wurde mit einem Differenzierungsmedium, bestehend aus Dexamethason, Ascorbinsäure
und Glycerinphosphat, induziert.
Die bisherigen Ergebnisse an 9 Zähnen ergaben, dass in allen Fällen
eine Proliferation von Zellen aus Pulpagewebe nachweisbar war. Der Anteil
and CD105 und CD106 positiven Zellen in der FACS- Analyse betrug durchschnittlich
57 %. Nach MACS- gestützter Aufreinigung der Zellsuspension und Zugabe
des Differenzierungsmediums konnte nach 3- und 6-wöchiger Inkubation
eine Zunahme der alkalischen Phosphatase-Aktivität im Vergleich zur
Kontrolle nachgewiesen werden.
Mittels des vorgestellten Verfahrens bietet sich die Möglichkeit,
körpereigene Stammzellen ohne einen Sekundäreingriff zu gewinnen
und eine Differenzierung zu Osteoblasten zu erreichen. Inwieweit sich
dieses Vorgehen dazu eignet, im Rahmen der zellgesteuerten Geweberegeneration
Knochen zu ersetzen, muss noch anhand weiterer in vitro und in vivo Untersuchungen
geklärt werden.
Einfluss der LeFort-I-Osteotomie auf Nasenform und Breite
Schneider M., Zeug S., Lauer G.
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Universitätsklinikum der TU Dresden, Fetscherstraße 74, 01307
Dresden
Der Einfluss der Oberkieferverlagerung auf die Nasenform ist eine selten
diskutierte Problematik. Dabei wird auf diese Veränderungen nur selten
gezielt Einfluss genommen. Im Vordergrund der Oberkieferverlagerung steht
die Okklusion und weitere dominierende Profilrelationen. Die Analyse der
Veränderungen des Weichteilprofils orientiert sich vor allem an der
Fernröntgenseitenaufnahme. Die Verbreiterung der Nasenweichteile
und die ästhetischen Folgen werden häufig nicht in die Planungsüberlegungen
einbezogen.
Die Arbeit untersucht 20 Patienten mit Oberkieferverlagerungen im Rahmen
bimaxillärer Dysgnathieoperationen in den Jahren 2002 und 2003. Zur
Bestimmung der Nasenbreite wurden standardisierte en Face Aufnahmen präoperativ
und 6 Monate post operationem ausgewertet. Die Nasenbreite wurde als der
Abstand zwischen den am weitesten lateral gelegenen Punkten der Nase definiert.
Als Referenz diente jeweils der Pupillenabstand.
Die mittlere Verbreiterung der Nase lag bei 8,5 % (SD 7,5 %). Das Maximum
der Verbreiterung lag bei einer Oberkieferrückverlagerung mit deutlicher
anteriorer Kranialisation bei 25 %. Im Durchschnitt ist bei der Oberkieferverlagerung
mit einer Verbreiterung der Nase um 2,5 mm zu rechnen.
Die sekundären Veränderungen der Nase im Rahmen orthognather
Eingriffe sind vielfältig. Besonders bei extremen Verlagerungsdistanzen
ist es wichtig, diese Effekte zu kennen und durch gezielte operative Maßnahmen
und Kompensationsbewegungen zu vermeiden. Die Nasenverbreiterung ist in
erster Linie durch Veränderung der knöchernen Basis, die insbesondere
bei der anterioren Kranialisation des Oberkiefers auftritt, bedingt. Diese
Verlagerungsrichtung führt zu einer Verkürzung der Apertura
piriformis. Weitere Grunde sind die Ablösung der mimischen Muskulatur
am Oberkiefer sowie die Auslösung und Destruktion des muskulären
Nasenschlauches. Um diese negativen Auswirkungen zu minimieren, wäre
eine Refixation der Muskulatur und eine gezielte Verschmälerung der
Nase durch Fixierungsnähte, wie aus der Spaltchirurgie bekannt, sinnvoll.
Intra- versus extraorale Distraktion zur Behandlung spaltbedingter
Mittelgesichtshypoplasien
Schneider M.1, Pilling E.2, Lauer G.1, Eckelt U.1
1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Universitätsklinikum der TU Dresden, Fetscherstraße 74, 01307
Dresden
2 Praxis für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Bautzener Straße
96, 01099 Dresden
Die Distraktionsosteogenese des Oberkiefers hat sich zu einem wichtigen
Verfahren entwickelt, um spaltbedingte Mittelgesichtshypoplasien erfolgreich
zu behandeln, da die konventionelle Verlagerung des Oberkiefers beim Spaltpatienten
oftmals nur beschränkt möglich ist und mit einer hohen Rezidivquote
einhergeht. Ziel der Untersuchung war es, die Indikation von intra- gegenüber
extraoraler Distraktion abzugrenzen.
Klinisch und kephalometrisch untersucht wurden 11 Patienten, von denen
5 (17 bis 27 J) mit einem extraoralen System (Red II) und 6 (11 bis 48
J) mit einem intraoralen System (Modell Zürich) behandelt wurden.
Während die intraoralen Systeme bis zur Konsolidierung der Distraktionszone
belassen wurden, erfolgte bei den extraoralen Systemen eine Entfernung
3 Wochen nach Ende der Distraktionsphase und die Fixation über Miniplatten.
Bei allen Patienten konnte eine Verbesserung der maxillären Hypoplasie
erreicht werden. Die Analyse der prä- und postoperativen Fernröntgenaufnahmen
zeigte ein signifikantes Advancement der Maxilla. Bei den Studienteilnehmern,
die mit einem extraoralen System behandelt wurden, war in allen Fällen
die geplante Zielokklusion sowohl in sagittaler als auch in vertikaler
Dimension stabil realisierbar. In der Patientengruppe die mit intraoralen
Systemen behandelt wurden, kam es bei den 2 erwachsenen Patienten zu einer
Deformation des Distraktionssystems vor Erreichen des geplanten Advancements.
In einem Fall konnte der geplante Overjet nur durch eine zusätzliche
Unterkieferosteotomie erreicht werden.
Ein Vorteil der intraoralen Geräte ist die höhere Akzeptanz
durch den Patienten und die komplikationslose Integration. Immer wenn
der Distraktion höhere Kräfte erwarten lässt, dies ist
fast regelmäßig beim Erwachsenen der Fall, ist dem extraoralen
System der Vorzug geben. Die intraoralen Systeme sollten deshalb insbesondere
beim jungen Spaltpatienten zum Einsatz kommen. Ist über das Advancement
hinaus eine steuerbare Verlagerung in vertikaler Dimension notwendig,
ist ein extraorales System indiziert. Die frühzeitige Entfernung
des extraoralen Distraktionssystems und die Überführung in eine
konventionelle Plattenosteosynthese senkt die Morbidität und erhöht
die Akzeptanz durch den Patienten.
Analyse prognostischer Faktoren für das Auftreten sekundärer
lokoregionaler Metastasen des primären Mundhöhlenkarzinoms nach
elektiver selektiver Neck dissection
Schrader J., Brachvogel P., Eckardt A., Gellrich N.-C.
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Medizinische Hochschule Hannover, Carl Neuberg Straße 1, 30625 Hannover
Ziel der hier vorgestellten retrospektiven Analyse war die Bestimmung
prognostischer Faktoren für die Entstehung sekundärer Metastasen
des primären Mundhöhlenkarzinoms nach elektiver selektiver Neck
dissection bei histopathologisch metastasenfreiem Hals.
In die Auswertung wurden 331 Patienten mit einem primären Plattenepithelkarzinom
der Mundhöhle einbezogen, bei denen im Zeitraum von Januar 1986 bis
Dezember 2002 insgesamt 431 elektive selektive Neck dissections durchgeführt
wurden. Es wurden potentiell prognostische Faktoren wie das Alter und
das Geschlecht des Patienten, das histopathologische T-Stadium sowie der
Differenzierungsgrad des Tumors, die Ausdehnung der Halsymphknotenausräumung
und die Durchführung einer (neo)adjuvanten Radio(chemo)therapie evaluiert.
Die kumulative Metastasenfreiheit des Halses nach der Durchführung
einer elektiven selektiven Neck dissection nach zwei Jahren betrug 95,3
%. Einen signifikanten Einfluss auf das Auftreten von Sekundärmetastasen
hatte lediglich das Ausmaß der Ausräumung. Bei Aussparung des
Bereiches um die Carotisbifurkation traten signifikant häufiger Sekundärmetastasen
auf (p=0.0005). Das Alter oder das Geschlecht des Patienten, die Durchführung
einer (neo)adjuvanten Radio(chemo)therapie oder tumorspezifische Faktoren
wie der Differenzierungsgrad und das histopathologische T-Stadium hatten
keinen signifikanten Einfluss auf die Entwicklung sekundärer lokoregionaler
Metastasen nach elektiver selektiver Neck dissection.
Angesichts dieser Ergebnisse sollte, unabhängig von patienten- und
tumorassoziierten Faktoren, eine selektive Neck dissection beim primär
histopathologisch metastasenfreiem Hals grundsätzlich immer das kraniale
Carotisdreieck beinhalten.
Voxel-basierte Planung und Therapie in der Dysgnathiechirurgie
- sind rechnergestützte Verfahren bei komplexen Fehlstellungen noch
entbehrlich?
Schramm A.1, Barth E.L.1, Schwestka-Polly R.2, Gellrich N.C.1
1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Medizinische Hochschule Hannover, Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
2 Abteilung für Kieferorthopädie, Medizinische Hochschule Hannover,
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
Ziel der Behandlung von Dysgnathien und kraniofazialen Fehlbildungen ist
die Herstellung von Funktion und befriedigenden Ästhetik. Fortschritte
in der Hard- und Softwaretechnologie erlauben heute, die konventionellen
Planungsmethoden mit Verfahren der computerunterstützten präoperativen
Planung zu ergänzen und durch detailliertes räumliches Verständnis
eine Verbesserung der Behandlungs- und Operationsplanung zu erreichen.
Durch eine 3D-Visualisierung in Echtzeit und die Möglichkeit, Objekte
mittels virtueller Schneide- und Verformungswerkzeuge zu modifizieren,
wurde die präoperative Analyse und Planung um eine exakte Simulation
des operativen Eingriffs ergänzt. Die Übertragung der Simulation
erfolgte anschließend durch CT-basierte präoperative Splinterstellung
und intraoperative Navigation.
Vorgestellt werden abgeschlossene Therapien von 11 Patienten mit Gesichtsdeformitaten,
welche basierend auf den Daten eines axialen Spiral-CT bzw. eines DVT-Datensatzes
mittels dreidimensionaler Planungssoftware und intraoperativer Navigation
durchgeführt wurden. Es erfolgte hierbei als Neuerung die computerbasierte
Herstellung virtueller und echter Operationsschablonen, die bei diesen
komplexen Umstellungsosteotomien zum Einsatz kamen.
Die patienten-individuelle virtuelle Operationsplanung mit Hilfe von Voxel-basierten
CT- bzw. DVT-Datensatzen ermöglicht dem Chirurgen nicht nur einen
genauen Einblick in die Anatomie des Patienten sondern auch eine eindeutige
metrische Beurteilung der Gesichtsasymmetrie. Der operative Eingriff sowie
das zu erwartende Operationsergebnis können präoperativ am Computer
simuliert werden und eine präzise intraoperative Umsetzung der Simulation
ist sowohl mit Hilfe der intraoperativen Navigation als auch durch CT-basierte
Operationssplinterstellung möglich. Die postoperative Kontrolle durch
Bildfusion der Datensatze ermöglicht eine millimetergenaue Evaluation
des Rekonstruktionsergebnisses, wie sie für komplexe Fehlbildungen
zu fordern ist.
Chronisch rezidivierende multifokale Osteomyelitis – eine
Differentialdiagnose zu nicht odontogenen Tumoren
Schuck N.1, Hoffmann J.1, Xydeas T.2, Reinert S.1
1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Universitätsklinikum Tübingen, Osianderstraße 2-8, 72076
Tübingen
2 Abteilung für Radiologische Diagnostik, Universitätsklinikum
Tübingen,
Hoppe-Seyler-Straße 3, 72076 Tübingen
Wir berichten über eine 37-jährigen Patientin, die sich zur
Abklärung einer kranio-mandibulären Dysfunktion vorstellte.
Die Patientin gab anamnestisch eine seit Monaten persistierende druckdolente
Schwellung am linken Unterkieferrand und im umliegenden Weichteilgewebe
sowie Schmerzen an der Halswirbelsäule an.
Nach skelettszintigrafischer und computertomografischer Diagnostik bestand
zunächst der dringende Verdacht auf Skelettmetastasen bei unbekanntem
Primärtumor. Die histopathologische Beurteilung der knöchernen
Biopsate vom Unterkiefer sowie des Punktates aus der Wirbelsäule
ergaben osteosklerotische Knochenherde mit diffuser Myelofibrose. Die
perimandibulär entnommene Weichteilbiopsie zeigte Granulations- und
Narbengewebe mit lymphoiden Infiltraten. In mikrobiologischen Untersuchungen
fand sich kein Erreger.
Die Therapie bestand in einer antiphlogistischen sowie immunsuppressiven
Kombination aus Sulfasazalin und Prednisolon. Die klinischen, laborchemischen
und radiologischen Untersuchungen zeigten hierunter einen deutlichen Rückgang
des Krankheitsbildes. Derzeit ist die Patientin beschwerdefrei. Es besteht
aktuell kein weiterer Therapiebedarf.
Bei der chronisch rezidivierenden multifokalen Osteomyelitis lässt
sich im Gegensatz zur bakteriellen Osteomyelitis kein Erreger nachweisen.
Radiologisch ist sie schwierig von Osteolysen abzugrenzen, zumal sie an
verschiedenen Lokalisationen gleichzeitig auftreten kann. Sie stellt somit
eine Ausschlussdiagnose dar, deren Abgrenzung gegenüber Malignomen
und anderen entzündlichen Erkrankungen therapeutisch entscheidend
ist, zumal die Prognose günstig ist.
Mesenchymale Stammzellen: Charakterisierung und chemotaktische
Aktivierung durch Blutplasma und Wundsekret
Seitz O.1, Henschler R.2, Sader R.1, Klein C.1
1 Klinik für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie, Johann
Wolfgang Goethe
Universität Frankfurt, Theodor-Stern-Kai 7, 60596 Frankfurt am Main
2 Institut für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie, Sandhofstraße
1, 60528 Frankfurt
Humane mesenchymale Stammzellen (hMSC) konnten erfolgreich u.a. in Patienten
mit Osteogenesis imperfecta intravenös infundiert werden. Das Homing
und Migrationsverhalten der Zellen ist jedoch nahezu unbekannt und deren
Regulierung unklar. Wir gingen daher speziell der Frage nach, ob hMSC
durch chemotaktische Stoffe, die von Wundregenerationszonen freigesetzt
werden, zur Migration und zum Homing angeregt werden können.
Mesenchymale Vorläuferzellen wurden sowohl als immortalisierte Zelllinie
kultiviert als auch aus menschlichem Knochenmark isoliert, expandiert
und charakterisiert. Eine modifizierte Boyden Kammer Untersuchung wurde
zur Detektion der chemotaktischen Aktivierung und Migration entwickelt.
Das Homing Verhalten wurde in einem NOD/SCID Mausmodell untersucht.
Wir erzielten eine reproduzierbare, effiziente Expansion von hMSC mit
vielfältiger Differenzierungskapazität über 3-4 log Stufen.
Es zeigte sich, dass nicht nur Platelet Derived Growth Factor (PDGF-BB),
sondern auch Wundsekret und Blutplasma bei Vorläuferzellen eine Dosis
abhängige Transmigration über 3-6 Stunden stimulieren können.
Die tatsächlichen Konzentrationen betrugen etwa 10 pg/ml für
PDGF-BB und 2-20 % für Blutplasma und Wundsekret. Die Blutplasma
induzierte Transmigration konnte durch Zugabe verschiedener BMPs moduliert
werden. Bei der Untersuchung von hMSC 24h nach Infusion in immundefiziente
NOD/SCID Mäuse wurden die meisten Zellen in der Lunge, aber auch
eine geringere Anzahl in anderen Organen (u.a. Leber) gefunden.
Diese Daten zeigen, dass mesenchymale Vorläuferzellen chemotaktisch
aktiviert werden. Die Modulation der hMSC Migration durch BMPs könnte
zu neuen Einsichten in den vielschichtigen Ablauf der Knochenregeneration
führen. Weitere Erkenntnisse über diese Mechanismen würden
zu verbesserten Konzepten für ein Tissue Engineering mit Stamm- oder
Vorläuferzellen in der rekonstruktiven Chirurgie führen.
Vitalitätsbestimmung bei gleichzeitiger Kultivierung von
Gingivakeratinozyten und Osteoblasten auf Kollagen
Sendic M.1, Wiedmann-Al-Ahmad M.2, Schramm A.1, Gellrich N.-C.1
1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Medizinische Hochschule Hannover, Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
2 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Hugstetterstraße 55, 79106
Freiburg
Die Kokultivierung zweier oder mehrerer Zelltypen zur Untersuchung und
Simulation komplexer Gewebeverbände wird derzeit im Bereich des Tissue
Engineering intensiv erforscht.
In dieser Studie wurde das Wachstum von humanen Gingivakeratinozyten und
Osteoblasten auf einer Kollagenmembran (Tissue Foil E) untersucht. Die
zu untersuchenden Zellen stammten aus Knochen- und Gingivabiopsien von
sechs verschiedenen Patienten und wurden vor der Applikation auf die Membran
jeweils einzeln kultiviert. Anschließend wurden die Zellen voneinander
getrennt oder anhand der Tröpfchentechnik nebeneinander in einem
Zeitraum von sieben Tagen auf der Kollagenmatrix kultiviert. Die Proliferationsrate
und Morphologie der Zellen wurde mittels EZ4U-Test, licht- und elektronenmikroskopischen
Aufnahmen untersucht. Die Charakterisierung von Osteoblasten erfolgte
durch die Bestimmung der Alkalischen Phosphatase, Kollagen Typ I sowie
von Osteocalcin. Die Charakterisierung der Gingivakeratinozyten erfolgte
durch den Nachweis von Cytokeratin 13.
Adhärente Gingivakeratinozyten oder Osteoblasten, zumeist als dichte
Zellansammlungen, konnten rastelelektronenmikroskopisch auf allen Membranen
beobachtet werden. Generell wiesen Osteoblasten höhere Proliferationsraten
auf als Gingivakeratinozyten. Beide Zellarten wiesen bei der Verwendung
von RPMI 1640- Medium höhere Proliferationsraten auf als bei der
Verwendung der zellselektiven Medien (DF-Medium bzw. Opti-MEM). Die Ergebnisse
des EZ4U-Tests mit beiden Zellarten auf Kollagen zeigten, dass die Zelltypen
getrennt voneinander ein besseres Wachstum aufweisen als in unmittelbarer
Nachbarschaft.
Bei direktem Zellkontakt hemmen sich die Zellen in ihrem Wachstum. Daher
empfiehlt sich zur Optimierung der Proliferationsrate die Applikation
einer Trennbarriere.
Die Kollagenmembran Tissue Foil E ist ein geeignetes Trägermaterial
für beide Zellarten und eignet sich zum Einsatz in der Grundlagenforschung
zur Untersuchung des Zellwachstumsverhaltens sowie bei der Entwicklung
therapeutischer Anwendungsmöglichkeiten.
„Tissue engineering“ zur Regeneration peripherer
Nerven aus adulten mesenchymalen Stammzellen
Smeets R., Gerressen M., Stoll C., Riediger D.
Klinik für Zahn-, Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie,
Universitätsklinik Aachen, Pauwelsstraße 30, 52074 Aachen
Zur Rekonstruktion peripherer Nerven stehen neben der klassischen mikrochirurgischen
Nahttechniken autologe Nervinterponate (z.B. N. suralis) zur Verfügung.
Bei der axonalen Regeneration dieser Interponate spielen neurotrophe Faktoren
der Schwannzellen und die Vaskularisierung des Transplantatlagers eine
wichtige Rolle. Die autologe Nervtransplantation ist jedoch unter anderem
durch die begrenzte Menge an Spendernerven und die Entnahmemorbidität
in der Spenderregion limitiert. Eine mögliche Alternative könnten
hier resorbierbare kollagene Bioträger, besiedelt mit autologen Zellen,
darstellen.
Bei Lewis-Ratten wurden nach mikrochirurgischer Präparation und Explantation
des N. ischiadicus Schwannzellen, entsprechend einer modifizierten Technik
von Vroemen und Weidner (2003), kultiviert. Die Isolation von mesenchymalen
(adulten) Stammzellen aus dem Femurknochen sowie die Differenzierung zu
Schwannzellen wurden anhand der Methode von Azizi et al. (1998) durchgeführt.
Der resorbierbare kollagene Bioträger wurde alternativ mit Schwannzellen
oder mit differenzierten Stammzellen besiedelt.
Die Differenzierung der mesenchymalen Knochenmarkstammzellen zu „Schwannzellen“
konnte morphologisch und immunzytochemisch (u.a. p75, S100 etc.) nachgewiesen
werden. Unter in vitro Kulturbedingungen zeigten undifferenzierte und
differenzierte Stammzellen im Vergleich zu primär gewonnen Schwannzellen
eine höhere Proliferations- und Vitalitätsrate. Rasterelektronenmikroskopische
Untersuchungen ließen eine Orientierung der Zellfortsätze entlang
der longitudinalen Strukturen des Trägers erkennen.
Der vorliegende Ansatz nutzt bedeutende Vorteile des „Tissue engineerings“
zur Regeneration peripherer Nerven: Der Einsatz von Stammzellen könnte
das Problem des begrenzt verfügbaren autologen Nervenmaterials lösen
und die damit verbundene Entnahmemorbidität vermeiden. Außerdem
zeigen die Regenerate eine durch hohe Proliferationsrate und Robustheit
gekennzeichnete hervorragende Kultivierungseigenschaft.
Analyse der Zellantwort auf resorbierbare textile Zellträgerstrukturen
im Tissue Engineering.
Smeets R., Gerressen M., Wöltje M., Riediger D.
Klinik für Zahn-, Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie,
Universitätsklinik Aachen, Pauwelsstraße 30, 52074 Aachen
Ziel unserer Untersuchungen war die Generierung grundlegender Ergebnisse
zur Klärung der Frage, ob sich resorbierbare Textilien für den
Einsatz im Tissue Engineering von Knochen, Mundschleimhaut oder Knorpel
eignen.
Resorbierbare Textilträger aus BAK- (Polyesteramid; Copolymer aus
Butandiol, Caprolactam und Adipinsäure), PGA- (Polyglykolidsäure)
und PDLA-(Poly-D-L-laktidsäure) Textilträgerstrukturen (z.B.
Textilschläuche oder Textilvliese) wurden mit adulten Stammzellen
(die zu Knochenzellen differenziert wurden), Gingivakeratinozyten oder
Chondrozyten kultiviert und das Wachstumsverhalten sowie die Zellantwort
auf die textilen Trägermaterialien analysiert.
Die drei verschiedenen Zelltypen (adulte Stammzellen, Gingivakeratinozyten
und Chondrozyten) wuchsen auf den verwendeten Zellträgern. Darüber
hinaus zeigten sich keine zytotoxischen Effekte als Zellantwort auf den
Kontakt mit den verwendeten textilen Trägern. Nach Abschluss der
Zellkultur wurden die Proben immunhistologisch mittels spezifischer Marker
für das jeweilige Gewebe untersucht.
Die Textilträger können je nach Defektgröße individuell
passend angefertigt werden und zeigen bei ihrer Autolyse nicht das Phänomen
der Bulk-Reaktion (Autolyse mit säurekatalysierter Hydrolyse im Innern
der textilen Trägermaterialien), was für die Gewebeinteraktion
von entscheidender Bedeutung ist. Ferner bieten sie die Möglichkeiten
der Kopplung von Wachstumsfaktoren oder Puffersystemen, die eventuell
auftretende unerwünschte pH-Wert-Absenkungen während der Degradation
verhindern könnten. Dies macht textile Strukturen zu geeigneten Scaffolds
im Tissue Engineering.
Kraniektomie und Anwendung des BMP-Antagonisten Noggin im wachsenden
Modell
Springer I.N.G.1, Warnke P.H.1, Wiltfang J.1, Açil Y.1, Bühlhoff
A.1, Bolte H.2, Terheyden H.1
1 Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum
Kiel,
Arnold-Heller-Straße 16, 24105 Kiel
2 Klinik für diagnostische Radiologie, Universitätsklinikum
Kiel, Arnold-Heller-Straße 16,
24105 Kiel
Einleitung: Noggin ist ein Antagonist von BMP-2, -4 und
-7. Bislang ist wenig zur klinischen Wirkung bekannt. Ziel dieser Untersuchung
war zu klären, ob die spontane Knochenregeneration der Schädelkalotte
durch die Anwendung von Noggin verringert wird.
Material und Methoden: Ein einseitiger vollschichter
Defekt des Scheitelbeins (2 x 4 cm) wurde bei 2 Monate alten Minischweinen
(n=10) angebracht. Gruppe 1: keine weitere Behandlung (n=5); Gruppe 2:
Applikation von Noggin (2 ml, 1.05 mg/ml) (n=5). Nach einem Versuchszeitraum
von 4 Monaten mit polychromer Fluoreszenzmarkierung wurden Computerchromographien
und Hartschliffhistologien angefertigt.
Ergebnisse: Am Ende der Versuchszeit waren Kalottenrestdefekte
identischer Größe bei Tieren der Gruppe 1 und 2 nachweisbar.
Das durchschnittliche Knochenvolumen der Schädelkalotten der kraniektomierten
Seiten der Gruppe 1 und unterschied sich nicht signifikant von dem Knochenvolumen
der Gruppe 2 (p=0,117). Im intraindividuellen Vergleich der durchschnittliche
Volumina der unbehandelten mit den kraniektomierten Seiten war ein signifikanter
Unterschied der Volumina der Schädelkalotten in Gruppe 1 (p=0,043)
und Gruppe 2 (p=0,043) nachweisbar. Die Knochendichten waren bei Vergleich
der kraniektomierten Seiten der Gruppe 1 mit den kraniektomierten Seiten
der Gruppe 2 nicht signifikant unterschiedlich (p>0,05). Die Schädeldurchmesser
nahmen um 16.4 % zu, die physiologische zentrifugale kraniale Expansion
blieb ungestört.
Diskussion: Unser Versuch hat gezeigt, dass Quantität
und Qualität der spontanen Knochenregeneration durch eine einzige
Applikation von Noggin nicht beeinflusst werden. Möglicherweise wäre
hier der Gentransfer mittels einer Transfektionsmethode geeignet, um eine
ausreichende Konzentration von Noggin über einen längeren Zeitraum
zu erreichen.
Das FDC-Sarkom – eine rare Entität mit anspruchsvoller
Diagnostik und Therapie
Sproll K.C.1, Ramp U.2, Rohr U.3, Kübler N.R.1
1 Klinik für Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, Westdeutsche
Kieferklinik,
Heinrich-Heine-Universität, Moorenstraße 5, 40225 Düsseldorf
2 Institut für Pathologie, Heinrich-Heine-Universität, Moorenstraße
5, 40225 Düsseldorf
3 Klinik für Hämatologie, Onkologie und Klinische Immunologie,
Heinrich-Heine-Universität,
Moorenstraße 5, 40225 Düsseldorf
Das Sarkom der follikulären dendritischen Retikulumzellen (FDC-Sarkom)
wurde vor zwanzig Jahren zuerst beschrieben und stellt mit ca. 80 bisher
publizierten Fällen eine sehr seltene Entität dar. Es hat seinen
Ursprung in akzessorischen Immunzellen der B-Reihe und tritt in 60 % der
Fälle primär in Lymphknoten (zervikal, axillär, mediastinal)
und in ca. 40 % extranodal in sekundären lymphatischen Organen des
Magen-Darm-Traktes (wie etwa den Tonsillen, dem Waldeyer-Rachenring oder
dem MALT) auf.
Wir berichten über einen 69jährigen Patienten, bei welchem im
Jahr 2002 bei einer persistierenden Halslymphknotenschwellung alio loco
eine Lymphknotenentfernung zervikal rechts durchgeführt wurde. Die
histologische Aufarbeitung ergab zunächst die Diagnose einer Metastase
eines mäßig proliferativ aktiven Sarkoms, z.B. eines Fibrosarkoms
oder eines malignen Nervenscheidentumors. Nach klinischem und radiologischem
Ausschluss eines Primarius oder weiterer Metastasen wurden die histologischen
Präparate konsiliarisch im Sarkom-Referenzzentrum untersucht. Dort
wurde an Hand der Koexpression von CD21 und CD35 die Diagnose eines FDC-Sarkoms
gestellt. Nach dreijährigem unauffälligem Verlauf wurde der
Patient jetzt in unserer Klinik vorstellig mit einer erneuten Schwellung
im Bereich der alten Operationsnarbe. Nach erneuten ausgedehnten Staginguntersuchungen
ohne weiteren Befund wurden die zervikal nachweisbaren vier Raumforderungen
in toto exzidiert und histologisch als extranodale Rezidive des vorbekannten
FDC-Sarkoms identifiziert. Von einer adjuvanten Behandlung wurde –
wie schon im Jahre 2002 – wegen der unsicheren Datenlage abgesehen.
Von besonderer klinischer Relevanz ist, dass Sarkome primär in Lymphknoten
der Kopf-Hals-Region vorkommen können und nicht unbedingt Metastasen
darstellen müssen. Die Diagnose des FDC-Sarkoms basiert auf der charakteristischen
immunhistochemischen Markerkonstellation und sollte erst nach Konsultation
eines Referenzzentrums gestellt werden. Aufgrund der häufig sehr
langen Latenzzeit bis zum Auftreten eines Rezidivs oder von Metastasen
wird der Malignitätsgrad aktuell als intermediär eingestuft.
Patienten mit FDC-Sarkom bedürfen einer lebenslangen Tumornachsorge.
Einfluss der Extrazellulären Matrix auf Implantatstabilität
und Osseointegration
Stadlinger B., Pilling E., Mai R., Eckelt U.
Klinik für Mund- Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum
der TU Dresden, Fetscherstraße 74, 01309 Dresden
Einleitung: Ziel der vorliegenden Arbeit war es, zu untersuchen,
inwiefern Bestandteile der Extrazellulären Matrix als Oberflächenbeschichtung
dentaler Implantate zu einer gesteigerten Osseointegration und höheren
Implantatstabilität führen.
Material und Methoden: 20 Minischweinen wurden 120 experimentelle
Titan Implantate in den Unterkiefer inseriert. Drei verschiedene Oberflächenbeschichtungen
wurden untersucht: (1) Kollagen Typ I (Koll), (2) Kollagen Typ I / Chondroitin
Sulfat (Koll/CS), (3) Kollagen Typ I / Chondroitin Sulfat /BMP-4 (Koll/CS/BMP).
Die Resonanz Frequenz Analyse diente zur Bestimmung der Implantat Stabilität
drei, fünf, sieben und 22 Wochen nach der Implantation. Nach 22 Wochen
wurde die peri-implantäre Knochenneubildung innerhalb einer definierten
Defektzone entlang der Längsachse des Implantats ausgewertet. Mittels
Histomorphometrie und Mikro-CT Untersuchungen wurde der Knochen-Implantat
Kontakt und die Knochendichte innerhalb des Defekts bestimmt.
Resultate: Die Resonanz Frequenz Analyse zeigte einen beschichtungs-unabhängigen
Verlust an Stabilität bis zur siebten Woche. Nach 22 Wochen war ein
Wiederanstieg an Stabilität für alle Beschichtungen zu verzeichnen.
Die höchste Endstabilität wurde für Kollagen beschichtete
Implantate gemessen, p=0.051. Der höchste prozentuale Knochen-Implantat
Kontakt wurde für Koll/CS gemessen, gefolgt von Koll, p=0.082. Die
Mikro CT Analyse zeigte eine Steigerung der Knochendichte für Kollagen
beschichtete Implantate, die jedoch nicht signifikant war.
Schlussfolgerung: Die Oberflächenbeschichtungen
Koll und Koll/CS haben einen fördernden Einfluss auf die peri-implantäre
Knochenneubildung. Die zusätzliche Integration von BMP-4 zeigt eine
negative Wirkung auf die Knochenneubildung und Implantatstabilität.
Vereinfachte, intraoperative Lokalisierung von Projektilen im Mund-, Kiefer-
und Gesichtsbereich
Stockmann P., Neukam F. W., Nkenke E.
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Universitätsklinikum Erlangen-Nürnberg, Glückstraße
11, 91054 Erlangen
Problemstellung: Die Lokalisierung von Projektilen im
MKG-Bereich kann häufig erhebliche Probleme bereiten. Dies gilt insbesondere
für Luftgewehrkugeln geringer Größe. Der vorliegende Fallbericht
beschreibt ein einfaches Verfahren zur exakten, intraoperativen Bestimmung
der Position dieser solcher Projektile.
Fallbericht: Ein 59jähriger Mann brachte sich mit einem Luftgewehr
in suizidaler Absicht eine Schussverletzung im Bereich der rechten Schläfe
zu. Nach Anfertigung einer Computertomographie zur Lokalisierung des Projektils
erfolgte zunächst ein Entfernungsversuch in Lokalanästhesie,
der jedoch misslang. Bei der Fortführung des Eingriffs in Intubationsnarkose
konnte das Projektil ebenfalls nicht aufgefunden werden. Es bestand nun
der Verdacht, dass die Kugel aus der ursprünglichen Position, die
sie in der CT-Untersuchung eingenommen hatte, verlagert war. Der Versuch,
das Projektil mittels einer Ultraschalluntersuchung intraoperativ erneut
aufzufinden, misslang ebenfalls. Nach Anbringen von zwei röntgenopaken
Referenzkugeln im Schläfenbereich wurden mit einem mobilen Zahnfilmröntgengerät
und steril verpackten Röntgenfilmkassetten je eine „Schädel
seitlich“-Aufnahme und eine „Schädel p.a.“-Aufnahme
angefertigt. Durch die Referenzkugeln konnte das Projektil nun sicher
lokalisiert und aus der Fossa infratemporalis rechts medial des Jochbogens
entfernt werden.
Diskussion: Die Anfertigung einer CT erlaubt eine präzise
Lokalisierung von Projektilen. Wird das Projektil jedoch beim Versuch
der Entfernung aus seiner Position gedrängt, sind die Schnittbilder
nicht mehr verwertbar. Da eine Wiederholung der CT intraoperativ meist
nicht möglich ist, kommen in solchen Situationen Ultraschalltechniken
zum Einsatz, die jedoch immer dann versagen, wenn die Kugel hinter knöchernen
Strukturen, wie z.B. dem Jochbogen, zu liegen kommt. In einer solchen
Situation schafft die Anfertigung von „Schädel p.a.“-
und „Schädel seitlich“-Aufnahmen mit einer mobilen Zahnfilmröhre
eine Alternative, die durch die Anwendung von Referenzkörpern sogar
in allen drei Dimensionen metrisch ausgewertet werden kann. Wegen der
begrenzten Strahlenbelastung kann bei erneuter Lageveränderung des
Projektils intraoperativ auch an eine Wiederholung der Aufnahmen bei geringem
Zeitaufwand gedacht werden.
Zum klinischen Einsatz von Camlog® Schrauben-Zylinder-Implantaten
mit partikelgestrahlter, säuregeätzter Oberfläche
- Ergebnisse einer prospektiven Studie unter besonderer Berücksichtigung
kurzer Implantate.
Strietzel F.P., Reichart P.A.
Zentrum für Zahnmedizin, Abteilung für Oralchirurgie und zahnärztliche
Röntgenologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin,
Campus Virchow-Klinikum, Augustenburger Platz 1, 13353 Berlin
Der Einsatz kurzer (je nach Implantatsystem 7 bis 11 mm langer) Implantate
wurde in verschiedenen klinischen Studien bislang mit einer verkürzten
Verweildauer prognostiziert, bei Anwendung neuer mikrostrukturierter Oberflächen
zeigten sich jedoch deutlich höhere Implantatüberlebensraten.
Ziel der vorliegenden Studie war die Einschätzung der klinischen
Ergebnisse nach Einsatz eines neuen Implantatsystems mit einer partikel-gestrahlten
und geätzten (Promote®-) Oberfläche sowie einer neuen internen
Tube-in-Tube Verbindung zwischen Implantat und Abutment unter besonderer
Berücksichtigung kurzer Implantate (9 und 11 mm Länge) im Vergleich
zu langen Implantaten (13 und 16 mm Länge).
Insgesamt 333 Camlog®-Schrauben-Zylinder-Implantate mit Promote®-Oberfläche
wurden bei 133 konsekutiv inkludierten Patienten eingesetzt. 325 Implantate
bzw. 129 Patienten standen zu Nachuntersuchungen im Rahmen des Recalls
zur Verfügung. Neben klinischen und röntgenologischen Parametern
zur Beurteilung der periimplantären Hart- und Weichgewebe wurden
Daten zur allgemeinen Anamnese, Komplikationen, subjektiver Beurteilung
der Behandlung durch den Patienten erhoben. Die statistische Auswertung
erfolgte sowohl implantatbezogen als auch bezogen auf ein randomisiert
ermitteltes Implantat pro Patient.
Der Median der Beobachtungszeit betrug 33 Monate (Q25 26; Q75 38). Nach
einer maximalen Beobachtungszeit von 55 Monaten betrug nach Kaplan-Meier-Überlebensanalyse
die Implantatverweilrate kurzer Implantate (n=59, patientenbezogen) 98,3
%, die der langen 95,7 % (n=70, patientenbezogen) (p=0,162). Die Implantatverweilrate
unterschied sich nicht signifikant im Ober- (98,7 %) und Unterkiefer (98,2
%). Einen signifikanten Einfluss auf die Verweilprognose hatten nach stratifizierter
Analyse für kurze Implantate das Auftreten vorzeitiger Expositionen
der Deckschrauben bei zunächst mukosal gedeckter Einheilung (p=0,02)
sowie das Rauchen (p=0,008). Diese Einflüsse waren bei langen Implantaten
nicht signifikant.
Der Einsatz kurzer Camlog®-Implantate hat eine mit langen Implantaten
vergleichbar gute Prognose und stellt somit eine erwägenswerte Alternative
zu aufwändigen präimplantologischen augmentativen Behandlungen
vor bzw. beim Einsatz von längeren Implantaten dar. Ihr Einsatz sollte
jedoch bei Rauchern kritisch abgewogen werden. Beim chirurgischen Vorgehen
sollte eine Minimierung des Risikos vorzeitiger Expositionen der Deckschrauben
besonders beachtet werden.
Acetylsalicylsäure vor dentoalveolären Operationen absetzten
oder nicht? Eine prospektive, laborkontrollierte Studie.
Terheyden H., Hasche H., Warnke P. H., Springer I.N.G., Wiltfang J.
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum
Schleswig-Holstein Campus Kiel, Arnold-Heller-Straße 16, 24105 Kiel
Ziel der Studie war, das Nachblutungsrisiko dentoalveolärer
Eingriffe bei Fortsetzten oder Absetzen der ASS Medikation zu bestimmen
und dessen Vorhersagemöglichkeit durch prospektiv erhobene Laborparameter
zu prüfen.
Material und Methoden: Bei 95 Patienten unter ASS Medikation
(88 x regelmäßig 100-750 mg, 7 x kurzfristig 500 – 5000
mg) wurde prospektiv am Eingriffstag neben der plasmatischen Gerinnung
die induzierte Thrombozytenaggregation (ADP, Kollagen, Ristocetin) bestimmt.
67 Patienten hatten die ASS Medikation fortgeführt und 28 Patienten
eine Woche präOP abgesetzt (nicht randomisert). Bei allen Eingriffen
(13 x einwurzeliger Zahn, 21 x mehrwurzeliger Zahn, 25 x Reihenextraktion,
36 x operative Zahnentfernung) wurde prophylaktisch Kollagenvlies eingelegt
und eine adaptierende Naht durchgeführt. Alle Patienten wurden am
ersten und siebenten postOP Tag bzw. bei akuter Nachblutung untersucht
bzw. befragt. Als Nachblutung wurde nur eine Blutung gewertet, die später
als 24 nach dem Eingriff auftrat.
Ergebnis: Bei sechs der Patienten aus der Gruppe der
nicht abgesetzten Medikation (9,4 %) trat eine Nachblutung 2 - 7 Tage
postOP auf (4 Fälle Grad I [keine besonderen Maßnahmen], ein
Fall Grad II [konservative Blutstillung durch Arzt], ein Fall Grad IV
[umfangreiche operative Blutstillung am 5. PostOP Tag] bei 2,5 g ASS präoperativ].
Die Blutungswahrscheinlichkeit lag für die größeren Eingriffe
bei 15,0 % und bei 0 % für die kleineren Eingriffe. Die Thromboplastinzeit
(Quick-Wert) lag in der Nachblutungsgruppe signifikant (p<0,01) niedriger
(80 %) als in der Gruppe ohne Nachblutungen (96 %), allerdings in beiden
Gruppen über der unteren Normgrenze (70 %). Die PTT, Thrombozytenzahl
zeigten keine signifikanten Unterschiede. Die Aggregationswerte korrelierten
nicht, bei Absetzen des ASS nur knapp nicht (p=0,056, U-Test) mit dem
Nachblutungsrisiko.
Schlussfolgerung: Bei kleineren Eingriffen war trotz
fortgeführter ASS Medikation das Nachblutungsrisiko bei Einlage von
Kollagenvlies und Nahtversorgung gering. Auch bei Einlage von Kollagenvlies
und Nahtversorgung sollte bei Reihenextraktionen und operativen Zahnentfernungen
nach den vorliegenden Daten (15 % Blutungsrisiko) wenn möglich das
Absetzen des ASS eine Woche präOP abgewartet werden. Eine Vorhersagemöglichkeit
anhand der Aggregationswerte bestand nicht.
Die transantrale Distraktion des Oberkiefers
Wangerin K., Kretschmer W., Fassnacht J., Zoder W.
Klinik für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie, Marienhospital
Stuttgart, Böheimstraße 37, 70199 Stuttgart
Ziel der Untersuchung: Die LeFort I
Osteotomie zur Vorverlagerung des OK führte bei LKG- Spaltpatienten
trotz funktionsstabiler Fixierung durch Miniosteosyntheseplatten zu einer
Rezidivrate von ca. 50 %. Die extraorale Oberkieferdistraktion führte
zwar zu einer fast uneingeschränkten Vorverlagerung des OK, aber
wegen der Sichtbarkeit des Distraktors mit gesellschaftlicher Einschränkung
zur Verkürzung der Retentionszeit, so dass auch hier eine Reduktion
der Distraktionsstrecke von 10-25 % resultierte. Ziel war die Entwicklung
eines Distraktors, der die fast uneingeschränkte Vorverlagerung des
Oberkiefers ohne Sichtbarkeit bei gleichzeitiger Uneingeschränktheit
der Retentionszeit ermöglicht.
Material und Methoden: Der neu entwickelte transantrale
Distraktor wird nach LeFort I Osteotomie und down fracture beidseits der
sagittalen Länge des Oberkiefers individuell angepasst, in der Kieferhöhlenrückwand
fixiert und mit einer Miniplatte an der Apertura piriformis beidseits
in paralleler Ausrichtung zueinander befestigt. Er läuft beidseits
frei durch das Lumen der Kieferhöhle hindurch. Danach wird der mobile
Oberkiefer zurückgeklappt und mit weiteren Miniplatten des Distraktors
an der Fossa canina verschraubt. Nun kann der OK durch Distraktion monodirektional
vorgeschoben werden. Ein gelenkiges Verlängerungsstück ermöglicht
die Distraktion durch das Oberkiefervestibulum, bis es am Ende des Distraktionsvorgangs
abgezogen wird, so dass keine Verbindung mehr in die Mundhöhle besteht.
Ergebnisse: Bis heute wurden 10 Patienten mit einer Distraktionsstrecke
von 8-25 mm operativ behandelt. 9x war der Verlauf komplikationslos, 1x
musste die Distraktion nach 12 mm in Kopfbissstellung wegen Schmerzen
beendet werden. Alle Distraktionen erfolgten im Zuge einer kombinierten
kieferorthopädisch-kieferchirurgischen Behandlung. In 3 Fällen
konnte lediglich mit der Distraktion eine neutrale Okklusion erzielt werden,
in 2 weiteren Fällen mit zusätzlichen prothetischen Maßnahmen
und in 5 weiteren Fällen erfolgte ein Jahr später entweder eine
zusätzliche UK-Verlagerung oder ein bignathe Osteotomie.
Schlussfolgerung: Bisher hat der transantrale Distraktor
seine Erwartungen erfüllt. Wir haben noch keine knöchernen Rezidive
im OK oder Verschlechterung der Okklusion gesehen. Wir können deshalb
den Einsatz dieses neuen Distraktors in schweren Fällen maxillärer
Hypoplasien und vielfach voroperierten LKG-Spalten zur Verbesserung der
bisherigen Behandlungsmaßnahmen empfehlen.
Ein unbekanntes Immunsystem aus antimikrobiellen Peptiden im Knochen
Warnke P.H., Springer I.N.G., Essig H., Wiltfang J., Terheyden H., Açil
Y.
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum
Kiel, Arnold-Heller-Straße 16, 24105 Kiel
Einleitung: Einfache oralchirurgische Eingriffe führen
erfahrungsgemäß auch ohne antibiotische Prophylaxe nur selten
zur Infektion, obwohl der Kieferknochen immer mit Mundhöhlenflora
kontaminiert wird? Ziel war es, zu prüfen, ob im Knochen ein eigenes,
bisher unbekanntes Immunsystem basierend auf antimikrobiellen Peptiden
existiert. Beta-Defensine sind antimikrobielle Peptide, die zuvor auf
Haut- und Schleimhäuten beschrieben wurden und kommensale sowie pathogene
Flora abwehren können.
Material und Methoden: 12 Knochenbiopsien von humanem
infiziertem (Osteoradionekrose) und nicht infiziertem Mandibulaknochen
wurden verglichen mit 30 Biopsien von Fibula-, Scapula- und Beckenknochen.
Immunhistochemische Färbungen wurden gegen die antimikrobiell wirksamen
humanen Beta-defensine -1, -2 und -3 durchgeführt. Ergänzend
wurden 10 Osteoblastenzellkulturen auf mRNA Expression aller 3 Defensine
untersucht (PCR), die ebenfalls auch immunhistochemisch gesucht wurden.
Eine semiquantitative Analyse der Immunreaktion wurde durchgeführt
(maximaler Punktwert = 12).
Ergebnisse: Alle 3 humanen Beta-Defensine wurden im Mandibulaknochen
innerhalb der mineralisierten Matrix, aber auch in den Osteozyten gefunden.
In infizierter Mandibula ist die Präsenz am höchsten (Punktwert
12) und nicht-infizierte Mandibula erreicht zweithöchste Werte (7).
Somit ist die Peptidexpression im infizierten Knochen hochreguliert. In
den weiteren skelettalen Knochenproben ist die Expression vorhanden, aber
geringer (<4). Auch die Osteoblastenkulturen verfügen über
antimikrobielle Defensine.
Schlussfolgerung: Diese Studie weist eine bisher unbekannte
immunologische Funktion von Osteozyten in Form eines antimikrobiellen
peptidbasierenden Immunsystem im Knochen nach. Die anscheinend mögliche
Induktion der Peptidexpression öffnet neue Forschungsansätze
für zukünftige therapeutische Nutzung der Peptide in der Infektionsprohylaxe
bei chirurgischen Eingriffen.
Integrin a2ß1 zur Reduktion fibroproliferativer Wundheilungsstörungen
im bestrahlten Kopf-Hals-Bereich?
Wehrhan F., Thorwarth M., Hyckel P., Schultze-Mosgau S.
Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie/Plastische
Chirurgie, Klinikum der Friedrich-Schiller Universität Jena, Erlanger
Allee 101, 07747 Jena
Ziel der Untersuchung: Wundheilungsstörungen
limitieren den klinischen Erfolg freier Weichgewebetransplantate im fibrotischen,
vorbestrahlten Kopf/Hals-Bereich. Die radiogene Stimulation des fibroproliferativ
wirksamen Zytokins TGFß1 resultiert in einer verminderten Vaskularisation
und einer Akkumulation extrazellulärer, fibrotischer Matrix. TGFß1-neutralisierende
Antikörper konnten experimentell Fibrose inhibieren. Das Integrin
a2ß1 ist an der Regulation der Vasculogenese und der Matrixdegradation
beteiligt. Ziel der experimentellen Studie ist die Evaluation der Applikation
von anti-TGFß1 mit dem Ziel einer synergistischen Fibrosereduktion
und Angiogenesestimulation durch Integrin a2ß1-Stimulation.
Material und Methoden: 32 Wistarratten (300-500 g) wurden
einer präoperativen Bestrahlung der Kopf-/Hals-Region mit 40 Gy unterzogen.
Ein freier Lappen wurde aus der Leistenregion in den Halsbereich transplantiert
(48 Tiere) und mikrochirurgisch an A. carotis und V. jugularis anastomosiert
(unbestrahlte Kontrollgruppe 16 Tiere, Gruppe 1). Bei jeweils 16 vorbestrahlten
Tieren wurden 10 ng anti-TGFß1 (Gruppe 2), 0,5 ml PBS-Puffer (Gruppe
3) intradermal in das Transplantatlager appliziert. An den postoperativen
Tagen 0, 14 und 28 wurden Hautproben aus dem Übergangsbereich zwischen
Transplantat und Lager proteinchemisch und immunhistochemisch (TGFß1,
Integrin a2ß1) analysiert.
Ergebnisse: Die Applikation von anti-TGFß1 resultierte
in einer gegenüber der bestrahlungsassoziierten, endogenen Expression
in einer verminderten Expression und Verminderung der TGFß1 exprimierenden
Fibroblasten (p< 0.05). Integrin a2ß1 war bestrahlunsassoziiert
signifikant vermindert exprimiert (p<0.05). Eine signifikante Änderung
der Integrin a2ß1-Expression nach anti-TGFß1-Modulation wurde
nicht gesehen.
Schlussfolgerung: Die Applikation von anti-TGFß1
erscheint suffizient zur Verminderung der endogenen TGFß1-Expression.
Die bestrahlungsassoziiert verminderte Expression von Integrin a2ß1
scheint keine TGFß1-Abhängigkeit aufzuweisen. Weitere Studien
sollten den Einfluss ebenfalls strahlenregulierter Effektoren der Matrixsynthese
und Vaskularisation, wie NF kappa B und ERK 1,2 auf die Synthese von Integrin
a2ß1 klären.
Einfluss unterschiedlicher Kulturbedingungen auf die Differenzierung porciner
multipotenter Zellen
Zimmermann C.E., Döhring A., Springer I., Terheyden H., Wiltfang
J.
Klinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum
Schleswig-Holstein Campus Kiel, Arnold-Heller-Strasse 16, 24105 Kiel
Humane mesenchymale Stammzellen (hMSC) besitzen die Fähigkeit zur
adipogenen und osteogenen Differenzierung, welche in vitro durch Zusatz
von Insulin, Indomethacin, 1-Methyl-3-isobutylxanthin und Dexamethason
bzw. von ß-Glycerolphosphat, Ascorbin-2-phosphat und Dexamethason
zum Kulturmedium induziert werden kann (Pittenger et al. 1999).
Ziel der vorliegenden Studie war es, den Einfluss von nach Pittenger et
al. (1999) modifizierten osteogenen bzw. adipogenen Induktionsmedien auf
die Differenzierung porciner multipotenter mesenchymaler Zellen zu untersuchen.
Für die Versuche wurden Explantkulturen aus Beckenkammspongiosa adulter
Minischweine (n=9) gewonnen. Die Kultivierung erfolgte unter konstanten
Bedingungen in einem Brutschrank bei 37° C (5 % CO2, in Wasserdampf
gesättigte Atmosphäre) mit 3- bis 4-tägigem Wechsel des
Mediums. Zur osteogenen bzw. adipogenen Differenzierung wurden die adhärenten
Zellen der 1. bis 3. Passage mit den zu testenden Induktionsmedien (adipogenes
bzw. osteogenes Medium 1) für 14 Tage inkubiert. Als Kontroll-Induktionsmedien
dienten kommerziell erhältliche Standardmedien für hMSC (adipogenes
bzw. osteogenes Medium 2). Mit Kulturmedium inkubierte Ansätze ohne
Induktionsfaktoren dienten als Negativ-Kontrollen. Das Ergebnis der Induktion
wurde mittels Alizarin Rot- und Oil Red O-Färbung unter Verwendung
einer 4-Punkte-Skala (0 = keine, 1 = schwach, 2 = mittel, 3 = stark ausgeprägte
Differenzierung) ermittelt.
Eine osteogene Differenzierung der induzierten porcinen Zellen war bei
allen drei Passagen zu verzeichnen. Sie war mit Medium 1 stärker
ausgeprägt als mit Medium 2 (durchschnittlicher Punktwert: 2,8 vs.
1,5). In den nicht induzierten Kontrollen trat in nur einem von neun Ansätzen
eine schwach ausgeprägte osteogene Differenzierung ein.
Eine adipogene Differenzierung war ebenfalls bei allen drei Passagen zu
verzeichnen. Der Grad der Differenzierung nahm mit steigender Passagezahl
ab und war mit Medium 2 ausgeprägter als mit Medium 1 (durchschnittlicher
Punktwert: 2,3 vs. 1,0). In den nicht induzierten Kontrollansätzen
war keine adipogene Differenzierung nachweisbar.
Im vorliegenden Tiermodell waren das adipogene Medium 2 und das osteogene
Medium 1 den jeweiligen Vergleichsmedien überlegen. Die Abnahme des
Differenzierungsgrades in den höheren Passagen spiegelt eine mögliche
Abnahme der Multipotenz oder auch eine Abnahme in der Repräsentanz
multipotenter Zellen in höheren Passagen wider. Eine Klärung
dieser möglichen Ursachen ist nicht nur für weitere experimentelle
Ansätze, sondern insbesondere für einen potentiellen klinischen
Einsatz essentiell.
Planungskriterien und Therapiemöglichkeiten bei der transversalen
Dehnung des Oberkiefers
Zoder W., Kuder J., Schrempf R.
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Marienhospital
Stuttgart, Böheimstraße 37, 70199 Stuttgart
Ziel der Untersuchung: Dysgnathien werden
häufig von transversalen Diskrepanzen zwischen Oberkiefer und Unterkiefer
begleitet. Deren dentale Kompensation im Rahmen der kieferorthopädischen
Behandlung des schmalen Oberkiefers ist häufig aufgrund des skelettalen
Defizites der Kieferbasis unzureichend. Zudem verlangen verschiedene Ausprägungen
der Zahnbogendeformierung eines schmalen Oberkiefers unterschiedliches
therapeutisches Vorgehen.
Material und Methode: Seit 2001 wurden etwa 208 chirurgisch assistierte
Gaumennahterweiterungen in unserer Klinik durchgeführt. Neue Lösungsansätze
waren für Fälle zu entwickeln, in denen die klassische Hyraxschraube
keine befriedigende Therapieoption darstellte. So kam es zur Entwicklung
der Fächerdehnschraube sowie verschiedenen knochenverankerten Distraktionsgeräten
mit unterschiedlicher Mechanik.
Ergebnisse: Der Vorteil der vorgestellten Auswahl von
Distraktionsgeräten liegt in der genauen Abstimmung der Therapie
auf die Behandlungsziele. So kann im Oberkiefer auch bei Kontraindikationen
zur dentalen Verankerung distrahiert werden oder auf unterschiedliche
transversale Defizite im anterioren und posterioren Oberkiefer Rücksicht
genommen werden
Schlussfolgerungen: Diese Ergebnisse machen die transversale
Entwicklung des Oberkiefers insbesondere im Bereich zwischen 5 und 14
mm Distraktionsstrecke planbar und die Koordinierung zwischen OK- und
UK-Zahnbogen zuverlässiger.
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