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Abstracts der 27. Jahrestagung des Arbeitskreises für Oralpathologie und Oralmedizin vom 25. - 27. Mai 2006 in Wiesbaden

Multimodale Rehabilitation eines Patienten mit Opitz´C-Syndrom und erheblichen kraniofazialen Fehlbildungen

Ballon A., Landes C. A., Kovacs A. F., Sader R.

Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt/Main, Theodor-Stern-Kai 7, 60596 Frankfurt/Main


Multipel fehlgebildete Neugeborene profitieren von multidisziplinärer Rehabilitation für ein weitgehend normales Leben. Dies soll anhand eines Patienten dargestellt werden, der Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgische, Neurochirurgische, Kieferorthopädische, HNO und Prothetische Rehabilitation erhalten hat.
Ein mittlerweile 24 jähriger Patient mit C-Syndrom und multiplen kongenitalen Fehlbildungen wird vorgestellt: Trigonozephalie, Augen- und Ohrfehlbildungen, offener Biss, Oligodontie, Gesichtsskoliose, hoher Gaumen sowie weiteren körperlichen Fehlbildungen (Skoliose). Der Patient befand sich während seines gesamten Lebens wiederholt in der Behandlung der verschiedenen Fachabteilungen unseres Klinikums.
Es erfolgte im Neugeborenenalter die Kranioplastik, Sonderpädagogik mit Frühförderung der Sprachbildung, Kieferorthopädie, chirurgisch unterstützte Gaumennahtdehnung, Wirbelsäulen-Skoliosekorrektur, bimaxilläre Umstellungsosteotomie, kieferorthopädische Nachbehandlung, Implantate, Suprakonstruktionen.
Dieser Case-Report soll zeigen, wie Patienten mit multiplen kongenitalen Fehlbildungen von umfassenden Maßnahmen zu unterschiedlichen Lebenszeitpunkten abgestimmt profitieren und wie weit diesen Maßnahmen heute bei entsprechender Patienten (Familien-)Compliance gehen können. Es soll außerdem die Wichtigkeit der Kooperation der verschieden Fachrichtungen herausgestellt werden.


Seltene Komplikationen bei der chirurgischen Behandlung von Dysgnathien

Barth E.-L.1, Teltzrow T.2, Brachvogel P.1, Schwestka-Polly R.3, Gellrich N.-C.1

1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Medizinische Hochschule
Hannover, Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
2 Abteilung für Gesichts- und Plastische Chirurgie, Fachklinikum Hornheide,
Dorbaumstraße 300, 48157 Münster
3 Abteilung für Kieferorthopädie, Medizinische Hochschule Hannover,
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover

Die Techniken der chirurgischen Therapie von Dysgnathien wurden zunehmend standardisiert. Die heute überwiegend angewandte Technik zur Verlagerung des zahntragenden Unterkieferanteils ist die Osteotomie durch sagittale Spaltung nach Obwegeser und Dal Pont und zur Verlagerung des Oberkiefers die Osteotomie in der Le Fort-I-Ebene. Da es sich bei beiden Eingriffen um elektive Eingriffe handelt, ist insbesondere eine niedrige Komplikationsrate von Bedeutung. Trotz sorgfältiger Präparation zeigen sich nach Literaturangaben bei jedem zweiten Patienten postoperativ Funktionsstörungen des N. alveolaris inferior, die sich allerdings im Verlauf eines Jahres bei mehr als 90 % der betroffenen Patienten zurückbilden. Neben dieser bekannten Komplikation beobachteten wir jedoch auch einige äußerst selten vorkommende Komplikationen.
Wir führten eine retrospektive Untersuchung zu Komplikationen nach kieferorthopädisch-chirurgischer Therapie im Zeitraum von 1982 bis 2005 an einem Patientenkollektiv von n = 1380 Patienten durch.
In Einzelfällen beobachteten wir im eigenen Patientenkollektiv unvorteilhafte Frakturverläufe bei der sagittalen Spaltung (bad split), eine Schädigung des N. facialis, eine septische Knochennekrose, eine Pseudarthrose im Bereich des ehemaligen Osteotomiespaltes und eine mechanische Überlastung mit plastischer Verformung des Osteosynthesematerials. Diese intraoperativ oder kurze Zeit nach der Operation auftretenden Komplikationen können für den Patienten teilweise schwerwiegende Folgen haben. Allerdings traten die angeführten Komplikationen in weniger als 1% der Fälle auf.
Zusammengefasst stellt die orthognathe Chirurgie nach Einführung einer wirksamen perioperativen Antibiotikaprophylaxe und moderner Osteosyntheseverfahren ein Routineverfahren innerhalb der Mund-, Kiefer- und Gesichts-Chirurgie dar. Durch die kritische Aufarbeitung auch seltener Komplikationen wird die Dysgnathiechirurgie sicherer und ihre Ergebnisse kalkulierbar.


Apoptosen während der Entwicklung des orofazialen Systems

Bienengräber V.1, Weingärtner J.2 , Fanghänel J.3, Kirchhoff M1., Gedrange T.3

1 Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, Universität Rostock,
Strempelstraße 13, 18057 Rostock
2 Institut für Anatomie und Zellbiologie, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald,
Friedrich-Loeffler-Straße 23c, 17487 Greifswald
3 Poliklinik für Kieferorthopädie, Abteilung Orale Anatomie, Rotgerberstraße 8,
17489 Greifswald


Apoptose ist der programmierte, physiologische Zell- bzw. Gewebetod. Die embryonale Entstehung des Gesichtes beruht auf der Entwicklung verschiedener Wülste und deren späteren Fusion. Dabei treffen intakte Epithelien aufeinander, die nur miteinander fusionieren können, wenn apoptotische Prozesse regional induziert werden. Zudem werden vorgegebene Kanäle oder Ausstülpungen embryonaler Gewebe rekanalisiert, denen Apoptosen vorausgehen.
Es wurden Untersuchung an 38 LEW.1A Ratten-Embryonen am 13,5 Tag post conceptionem durchgeführt, deren Köpfe histologisch in 35 fronalen Schnittstufen aufgearbeitet wurden. Die Auswertung erfolgte nach Hemalaun-Eeosin- resp. Goldner Färbung.
Ausgewählte Ergebnisse werden dargestellt. Entscheidend zur Entstehung des Gesichtes tragen Unter- und Oberkieferwülste sowie Nasenwülste und Nasenanlagen bei. Eine separate Ausprägung ohne spezielle Fusionen hat Gesichtsspalten und -verformungen zur Folge. Die Fusionen des Oberkieferwulstes mit dem lateralen und medialen Nasenwulst und mit dem Unterkieferwulst sowie beider Nasenwülste miteinander gehen mit Apoptosen einher. Der primitive Nasengang reißt mit apoptotischer Hilfe ventral ein. So entsteht der primitive Oronasalraum, der später durch das Aufeinanderzuwachsen der Oberkieferwülste und apoptotische Fusionen zwischen diesen und dem Nasenseptum in Mund- und Nasenraum separiert wird.
Somit besitzt nicht nur das normative Wachstum sondern auch der gezielte apoptotische Zelltod eine große Bedeutung für die embryonale Entwicklung des orofazialen Systems. Störungen apoptotischer Vorgänge während der Embryogenese erklären das Auftreten von Spaltbildungen und Anomalien.


Langzeitergebnisse nach ausschließlich intraoral endokopisch versorgten Unterkiefergelenkfortsatzfrakturen

Block Veras R., Kriwalsky M. S., Eckert A.W., Maurer P.

Klinik und Poliklinik für Mund- Kiefer, und Plastische Gesichtschirurgie, Martin Luther Universität Halle- Wittenberg, Ernst-Grube-Straße 40, 06097 Halle (Saale)


Einleitung: Die Indikation zur chirurgischen Versorgung von Unterkiefergelenkfortsatzfrakturen wird kontrovers diskutiert. Ziel der vorliegenden Studie war, die klinischen und radiologischen Langzeitergebnisse nach osteosynthetischer endokopischer Versorgung von Unterkiefergelenkfrakturen über einen ausschließlich intraoralen Zugang zu evaluieren.
Material und Methode: 19 Patienten (m=14, w=5) mit 22 Unterkiefergelengfortsatzfrakturen wurden klinisch und röntgenologisch nachuntersucht. Die klinische Untersuchung umfasste den Helkimo-Index und das RDC/TMD (Research Dygnostic Criteria/Temporo Mandibular Dysfunction) Protokoll. Röntgenologisch waren die Frakturen gemäß der Loukota-Klassifikation unterteilt worden.
Ergebnisse: Die mittlere Dauer der IMF (intermaxilläre Fixation) betrug 3 Tage. Alle Frakturen waren Gelenkfortsatzbasisfrakturen. Davon waren 8 nach medial verlagert gewesen, 6 nach lateral und 8 hatten keine Dislokation aufgewiesen. Zusätzlich hatten 11 Patienten Zweitfrakturen, die simultan osteosynthetisch versorgt worden waren. In allen Fallen gelang eine röntgenologisch korrekte Reposition der Fragmente. Postoperativ kam es bei keinem Patienten zu Wundheilungsstörungen oder zu Ausfällen des N. facialis. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 29,5 Monate. 5 Patienten wiesen einen Helkimo-Index DiO, 11 Patienten einen Helkimo-Index Di1 und 3 Patienten einen Helkimo-Index Di2 auf. Die mittlere Schneidekantendistanz bei maximaler Mundöffnung betrug 42 mm, die Laterotrusion im Mittel 8,5 mm. Kein Patient gab Schmerzen bei der Mundbewegung oder bei Palpation der Kaumuskulatur an.
Schlussfolgerung: Bei der Verwendung von geeignetem Instrumentarium ist ein ausschließlich intraoraler Zugang bei der endoskopischen Versorgung von Unterkiefergelengfortsatzbasisfraktur möglich und garantiert bei geringerer Traumatisierung (potentielle Schadigung des N. facialis) eine schnellere Rückkehr zu einem ungestörten physiologischen Bewegungsmuster.

Lebensbedrohliche Komplikation nach Implantatfreilegung im stark atrophierten Kiefer

Budihardja A.1, Haarmann S.1, Pytlik Ch.2, Wolff K. D.1

1 Universitätsklinik für Mund, Kiefer und Plastische Gesichtschirurgie, Ruhr Universität
Bochum, In der Schornau 27, 44892 Bochum
2 Neustädter Straße 29, 33602 Bielefeld


Die interforaminale Insertion enossaler Zahnimplantate im Unterkiefer wird als sicherer und meist einfacher Routineeingriff angesehen. Selten werden schwere Blutungen und die Entstehung eines Mundbodenhämatoms infolge des chirurgischen Primäreingriffs als Komplikationen beschrieben.
Bei subperiostaler Einheilung der Implantate wird ein Zweiteingriff notwendig, um die Implantate freizulegen und eine entsprechende prothetische Versorgung zu ermöglichen.
Der folgende Fall beschreibt eine lebensbedrohliche Blutung in den Mundboden im Zuge der Implantatfreilegung.
Die Implantatinsertion erfolgte primär bei stark atrophiertem Ober- und Unterkiefer mit konsekutiver Pseudo-Klasse III. Die durch die bereits eingegliederte Oberkieferprothese vorgegebene Bissrelation sollte bei der Implantatversorgung im Unterkiefer beibehalten werden. Dies führte zu einer Reklination der Implantate und einer ausgeprägten weichgewebigen Deckung der Fixturen. Bei der operativen Freilegung kam es zu einem fulminaten Mundbodenhämatom infolge einer arteriellen Blutung, welches in Intubationsnarkose notfallmäßig entlastet werden musste.
Schlussfolgerungen: In der Literatur wurden bisher ausschließlich seltenen Fälle von lebensbedrohlichen Blutungen, die bei der Implantationinsertion durch Perforation der lingualen Knochenkompakta und Verletzung der A. sublingualis verursacht worden waren, beschrieben.
Im vorliegenden Fall trat diese Komplikation bei der vermeintlich trivialen Implantatfreilegung auf.
Gerade die veränderten anatomischen Strukturen durch ausgeprägte Knochenatrophie erhöhen das Komplikationsrisiko. Um eine optimale Achsstellung der Implantate zu erzielen, sind gegebenenfalls operative Maßnahmen zur Verbesserung des Implantatlagers respektive der Bisslage notwendig.


Angiosarkome im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich

Driemel O.1, Berndt A.2, Müller-Richter U.1, Reichert T. E.1, Kosmehl H.3

1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Klinikum der Universität
Regensburg, Franz-Josef-Strauss-Allee 11, 93053 Regensburg
2 Institut für Pathologie, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Ziegelmühlenweg 1, 07743 Jena
3 Institut für Pathologie, HELIOS-Klinikum Erfurt, Nordhäuser Straße 74, 99089 Erfurt


Zielstellung: Klinisch-pathologische Studie zum typischen Erscheinungsbild oraler und perioraler Angiosarkome, Verlauf unter Therapie mit Analyse der immunhistochemischen Differenzialdiagnose der tumorspezifischen Hohlraumbildungen.
Patienten und Methoden: Vier männliche Patienten (1 x Unterkieferalveolarfortsatz, 1 x Kieferhöhle und 2 x Wange) im Alter von 63-78 Jahre. Histologie: Paraffin eingebettete chirurgische Bioptate, H&E, PAS, Gömörri. Immunhistochemie: Panzytokeratin Klone AE1/AE3, glattmuskuläres Aktin Klon 1A4, CD 31 Klon JC/70A, FaktorVIII-assoziiertes Antigen Klon F/86, Fli-1 polyklonal (Zymed, USA), Tenascin-C (Tn-C): BC4 (Prof. L. Zardi), Laminin-5 (Ln-5): D4B5. Detektion: AP-ChemMate (Dako, Dänemark).
Ergebnisse: Therapie: Resektion, Radiatio, antiangiogenetische Chemotherapie. Tumorprogression und Tod zweieinhalb Jahre nach Erstdiagnose (0,2-2,5 Jahre). Alle Angiosarkome partiell FaktorVIII-assoziiertes Antigen- und CD 31-positiv. 1/4 Angiosarkomen mit AE1/AE3-positiven Tumorzellgruppen; 2/4 Angiosarkomen mit Ln-5 positiven Tumorzellen (in Nachbarschaft von Epithel). Strukturstörung der Gefäßwand mit partiellem Perizyten-Verlust (glattmuskuläres Aktin) und Tn-C-Verlust (4/4 Fälle).
Schlussfolgerungen: (1.) Trotz multimodaler Therapie ungünstiger Verlauf.
(2.) Zytokeratin und Ln-5-Positivität schließen ein Angiosarkom nicht aus, diagnostisch sind FaktorVIII-assoziiertes Antigen und CD 31.
(3.) Partieller Perizyten-Verlust und Tn-C-Verlust indizieren die neoplastische Gefäßwandstörung.

Erster Einsatz einer neuen Kiefergelenkkopfprothese aufgrund beidseitiger Kiefergelenkankylose bei SAPHO-Syndrom

Driemel O., Moertl M., Buch R.S.R., Wagener H., Reichert T. E.

Klinik und Poliklinik für Mund- Kiefer- und Gesichtschirurgie, Klinikum der Universität Regensburg, Franz-Josef-Strauss-Allee 11, 93053 Regensburg


Es wird der Fallbericht einer 42-jährigen Patientin mit einer beidseitigen Kiefergelenkankylose als seltene Komplikation eines SAPHO-Syndroms (Synovitis, Akne, palmo-plantare Pustulose, Hyperostosen, Osteitis) präsentiert. Die unter konservativer Therapie (Antirheumatika, Krankengymnastik, Mundöffnungsübungen, passive Munddehnung in Allgemeinnarkose) fortschreitende Einschränkung der Mundöffnungsbewegungen erforderte als ultima ratio die großzügige Resektion beider Kiefergelenkfortsätze. Beide Disci articulares ließen sich nicht mehr vom umgebenden Bindegewebe differenzieren. Zur Verhinderung einer Reankylosierung wurden die ehemaligen Gelenkpfannen mit gestielten Muskelfazienlappen der Musculi temporales ausgekleidet. Die Kiefergelenkfortsätze wurden beidseits primär alloplastisch rekonstruiert. Zum ersten Mal wurde hierzu eine von der eigenen Arbeitsgruppe neu entwickelte Kiefergelenkkopfprothese implantiert, welche eine intraoperative vertikale Justierung ermöglicht. Die ersten intraoperativen Erfahrungen bei der Anwendung des neuen Condylusersatzes, die postoperativen funktionellen (maximale SKD, Protrusion, Laterotrusion, Gelenkgeräusche) und ästhetischen Ergebnisse (Narbenbildung, Facialis-Funktion), sowie der Gewinn an Lebensqualität für die Patientin werden vorgestellt.

Kosten-Effektivitäts-Analyse der Eigenblutspende in der bimaxillären orthognathen Chirurgie.

Fenner M., Nkenke E., Neukam F. W., Kessler P.

Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgische Klinik, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Glückstraße 11, 91054 Erlangen


Der Kostendruck im Gesundheitswesen sowie die im Transfusionsgesetz geforderte „ökonomische Handlungsweise“ im Umgang mit Blut und Blutprodukten machen eine kritische Evaluation der Wirtschaftlichkeit der Eigenblutspende erforderlich. Gegenstand dieser Studie ist eine Analyse der Kosten-Effektivität der Eigenblutspende in der bimaxillären orthognathen Chirurgie.
Im Rahmen einer retrospektiven Untersuchung wurde die Transfusionswahrscheinlichkeit bei bimaxillären Eingriffen in einem Kollektiv von 70 Patienten ermittelt. Risiken und Kosten transfusionsassoziierter Komplikationen wurden aus der Literatur zusammengestellt. Die Alternativen „Eigenblutspende“ und „Nicht-Eigenblutspende“ wurden in einem Entscheidungsbaum gegenübergestellt und Kosten- bzw. Nutzenwerte sowie die Kosten-Effektivität errechnet (TreeAge Data Inc., USA). Als Nutzen wurde die Vermeidung einer transfusionsbedingten Einschränkung der Lebenserwartung definiert. Zusätzlich erfolgte eine Sensitivitätsanalyse anhand in der Literatur verfügbarer Daten zur Transfusionswahrscheinlichkeit in der orthognathen Chirurgie.
Auf der Grundlage dieses entscheidungstheoretischen Modells betrugen die Kosten von Transfusion und transfusionsassoziierten Komplikationen bei einer Transfusionswahrscheinlichkeit von 3 % in der Fremdblutgruppe (n=35) und 13 % in der Eigenblutgruppe (n=35) 2,51 Euro bzw. 165,97 Euro pro Patient. Die Nutzen-Betrachtung zeigte, dass die theoretische transfusionsbedingte Einschränkung der Lebenserwartung in der Eigenblutgruppe mit 0,000105 Jahren pro Patient höher ist, als in der Fremdblutgruppe mit 0,000023 Jahren pro Patient. Ein negativer Nutzenwert zeigte sich ebenfalls in der Sensitivitätsanalyse, die von anderen Arbeitsgruppen berichtete Transfusionsraten berücksichtigt. Für die Eigenblutspende ergibt sich eine Kosten-Effektivität von –2.003.110 Euro pro Lebensjahr.
Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, dass die Eigenblutspende in der bimaxillären orthognathen Chirurgie derzeit in der Kosten-Nutzen-Betrachtung keine Vorteile für den Patienten bietet.

Intentionelle Replantation ankylosierter Zähne – Ergebnisse nach sieben Jahren

Filippi A.1, von Arx T.2, Pohl Y.3

1 Klinik für Zahnärztliche Chirurgie, -Radiologie, Mund- und Kieferheilkunde,
Universität Basel, Hebelstraße 3, 4056 Basel, Schweiz
2 Klinik für Oralchirurgie und Stomatologie, Universität Bern, Freiburgstraße 7,
3010 Bern, Schweiz
3 Poliklinik für Chirurgische Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Universität Bonn,
Welschnonnenstraße 17, 53111 Bonn


Ziel der Untersuchung: Schwere parodontale Verletzungen nach Zahntrauma bei Kindern resultieren häufig in einer Ankylose und Ersatzgewebsresorption des Zahnes. Die Folgen sind lokale Wachstumsstörungen mit vertikalem Knochenverlust; der Zahn geht innerhalb weniger Jahre verloren. Ankylosierte Zähne sollten daher bei Kindern entfernt werden. Prospektiv wird der Frage nachgegangen, ob eine intentionelle Replantation unter Einsatz von Emdogain® zur parodontalen Regeneration führen kann.
Material und Methode: Im Untersuchungszeitraum von 7 Jahren wurde bei 16 Kindern und Jugendlichen (Durchschnittsalter zum Zeitpunkt des Eingriffs 14.4 Jahre) die Diagnose „Ankylose“ gestellt. Die Zähne standen bis zu 7 mm in Infraposition und zeigten reduzierte oder negative Periotest-Werte (PTW). Die Zähne wurden entfernt und extraoral endodontisch behandelt (retrograde Stiftinsertion). Auf die Wurzeloberfläche und in die Alveole wurde ohne vorherige Konditionierung Emdogain® appliziert. Die Zähne wurden replantiert bzw. bei bestehender Infraposition in ihre korrekte Position gestellt und für kurze Zeit geschient. Es folgten regelmäßige klinische und radiologische Kontrollen. Untersuchungsparameter waren der Perkussionsschall (PS), die PTW, jeweils verglichen mit den Nachbarzähnen sowie radiologische Befunde.
Ergebnisse: Sieben im Mittel 64.3 Monate (36-80) kontrollierte Zähne zeigten bis heute keine erneute Ankylose. Acht Zähne hatten nach im Mittel 12 Monaten (4-26) ein Rezidiv. Sechs der sieben erfolgreich replantierten Zähne standen präoperativ in deutlicher Infraposition bei gleichzeitig reduziertem aber noch positivem PTW und normalem PS, was mit einer kleinflächigen Ankylose korrespondiert. Die meisten erfolglos replantierten Zähne hatten präoperativ eine normale Position bei negativem PTW und erhöhtem PS, was einer großflächigen Ankylose entspricht. Zwischen diesen präoperativen Befunden und dem Behandlungsergebnis zeigten sich deutliche statistische Hinweise auf Unterschiede (p=0.031).
Schlussfolgerung: Die intentionelle Replantation mit Emdogain® verhindert in Fällen mit kleinflächiger Ankylose nach Zahntrauma ein Rezidiv. Die Behandlung ermöglicht jungen Patienten den biologischen Abschluss des Kieferwachstums ohne ästhetische und funktionelle Kompromisse


Koorganisation von Laminin-5 (Ln-5) und Tenascin-CL (Tn-CL) in der Invasionsfront oraler Plattenepithelkarzinome (OSCC)

Franz M.1, Kosmehl H.2, Hyckel P.3, Berndt, A.1

1 Institut für Pathologie, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Ziegelmühlenweg 1, 07743 Jena
2 Institut für Pathologie, HELIOS-Klinikum Erfurt, Nordhäuser Straße 74, 99089 Erfurt
3 Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie/Plastische Chirurgie,
Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Erlanger Allee 101, 07747 Jena


Ziele: OSCC-Invasion ist mit einer Reorganisation der extrazellulären Matrix (ECM) verbunden. Ln-5 als Basalmembranen (BM)-Bestandteil unterliegt dabei einem proteolytischen Processing mit Bildung migrationsfördernder Fragmente. Die wenig gespleißten Varianten von Tenascin-C (Tn-CL) treten als Modulator der zellulären Adhäsion vorwiegend bei Gewebsumbauprozessen auf und haben ebenfalls migrationsfördernde Eigenschaften. Beide Proteine zeigen in der OSCC Invasionsfront ein vergleichbares Verteilungsmuster. Ziel der Studie war der Nachweis der molekularen Interaktionen von Ln-5 und Tn-CL im OSCC Zellkulturmodell und die Definition von Kolokalisationsmustern in der OSCC-Invasionsfront in Beziehung zum Malignitätsgrad.
Methoden: Die Interaktion von Tn-CL und Ln-5 wurden sowohl in einem Tumorzell/Fibroblasten-Kokulturmodell als auch im schock-gefrorenen Gewebe von OSCC unterschiedlichen Malignitätsgrades mittels Koimmunopräzipitation (Ko-IP), Laser Scanning-Mikroskopie (LSM) und LSM-basierter quantitativer Kolokalisationsanalyse untersucht.
Ergebnisse: Im Gegensatz zu reinen Tumorzellkulturen zeigt Ln-5 in der Kokultur eine fibrilläre extrazelluläre Matrixorganisation in Kolokalisation zu fibrillär organisiertem Tn-CL. Ko-IP-Untersuchungen belegen eine stabile molekulare Interaktion beider Proteine. In situ konnten verschiedene Kodepositionsmuster von Tn-CL und Ln-5 definiert werden: (1) eine band-förmige Kolokalisation in der reorganisierten BM, (2) “dot-like” Kodepositionen im Stroma im Bereich rupturierter BM und (3) fibrilläre Kolokalisationen im Stroma größerer Tumorzellkluster. Die quantitative Analyse von Ln-5-assoziiertem Tn-CL in Invasionsfront-nahen BM zeigte eine statistisch signifikante Korrelation zum Malignitätsgrad.
Schlussfolgerungen: Die Interaktion von Fibroblasten und OSCC-Zellen induziert eine strukturelle Reorganisation der Ln-5-Matrix unter Bildung von Multiproteinkomplexen mit Tn-CL. Die in situ detektierbaren Kolokalisationsmuster lassen eine Bedeutung für die Tumorinvasion vermuten und repräsentieren Stufen der sequenziellen Matrixreorganisation während des Invasionsprozesses. Die Grading-abhängige signifikante Zunahme von Tn-CL in der BM wird als präinvasive Strukturmodulation der BM im Sinne einer Flexibilitätszunahme interpretiert.

Prothetische Bewertungskriterien zur Erfolgsbeurteilung von Implantaten

Gerlach T., Hösl H., Schüsselbauer U., Driemel O., Buch R.S.R

Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Klinikum der Universität Regensburg, Franz-Josef-Strauß-Allee 11, 93053 Regensburg


Einleitung: Heute erreichen nahezu alle auf dem Markt verfügbaren Implantatsysteme Erfolgsraten von über 90 %. Trotz zunehmender Indikationsstellung und Implantationshäufigkeit werden prothetische Bewertungskriterien zur Erfolgsbeurteilung von Implantaten nur unzureichend herangezogen.
Material und Methoden: Daher wurden im Rahmen einer retrospektiven Studie von 2004 bis 2005, 111 Patienten mit insgesamt 456 prothetisch versorgten enossalen Implantaten (ITI, Straumann, Basel, Schweiz) nach einer durchschnittlichen Liegedauer von 3,5 Jahren (1,3-10 Jahre) eingeschlossen. Implantate und prothetische Konstruktionen wurden klinisch und radiologisch nachuntersucht und die Patienten zusätzlich um eine subjektive Beurteilung (Skala deutsches Schulnoten-System: 6=unzufrieden, 1=äußerst zufrieden) der prothetischen Versorgung gebeten.
Ergebnisse: Die Überlebensrate der prothetischen Suprakonstruktionen liegt bei 100 %. Prothetische Komplikationen wurden sowohl direkt am Implantataufbau, als auch an den Suprakonstruktionen (festsitzend 31,6 %, herausnehmbar 46,9 %) beobachtet. Die allgemeine Zufriedenheitsanalyse ergab bei 98,2 % der Patienten gute oder äußerst zufriedene Ergebnisse für die Versorgung. Funktionelle Kriterien (Tragekomfort, Halt, Kauen, Sprechen) wurden von 96,0 % mit gut oder äußerst zufrieden bewertet und zeigen keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen festsitzendem und herausnehmbaren Zahnersatz (ZE). Die klinische Bewertung der Mundhygiene (PI, PSI) zeigte bei günstiger anatomischer Gestaltung des Zahnersatzes bei >80 % der Patienten eine gute bis sehr gute Implantatreinigung. Die Bewertung des ästhetischen Gesamtergebnisses wurde von 95,9% % der Patienten als sehr gut beurteilt.
Schlussfolgerungen: Die Erfolgsbeurteilung von Implantaten definiert sich maßgeblich durch die Patientenakzeptanz von Funktion, Ästhetik und Mundhygienefähigkeit des ZE. Die untersuchten Parameter bestimmen die erfolgreiche funktionelle Belastung eines Implantates und die Erhaltung der periimplantären Strukturen, die bisher alleinig zur Bestimmung des Implantaterfolges herangezogen werden. Für die Zukunft wäre ein Erfolgs-Score für Implantate wünschenswert, der von klinischen und prothetischen Parametern sowie von der Patientenzufriedenheit getragen wird.


Fallbericht eines high-grade Osteosarkoms der Kieferhöhle

Gerressen M.1, Ghassemi A.1, Riediger D.1, Donner A.2

1 Klinik für Zahn-, Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, Universitätsklinikums der
RWTH Aachen, Pauwelsstraße 30, 52074 Aachen
2 Institut für Pathologie, Universitätsklinikums der RWTH Aachen, Pauwelsstraße 30,
52074 Aachen


Im vorliegenden Fall berichten wir über einen 60jährigen Patienten, der sich zur Abklärung einer neu aufgetretenen Schleimhautwucherung im Bereich des rechten Oberkieferalveolarfortsatzes in unserer Klinik vorstellte. Bei der klinischen Untersuchung war ein unregelmäßiger, polypöser Tumor, der aus der Kieferhöhle nach intraoral vorwuchs, zu erkennen. Im NNH-Röntgen zeigte sich eine Totalverschattung des rechten Sinus maxillaris. Wir entnahmen daraufhin mehrere Biopsien aus dem intraoralen Tumoranteil, deren histologisches Bild einer myxoiden, polypösen Läsion im Sinne eines Granulationsgewebspolypen entsprach. Im weiteren Verlauf führten wir eine transmaxilläre Ausräumung der Kieferhöhle durch. In der histologischen Aufarbeitung des Resektates waren ausgedehnte Infiltrate eines gering differenzierten, zum Teil myxoiden Sarkoms (G3) erkennbar. Nach konsiliarischer Stellungnahme von Prof. Jundt aus Basel (Knochentumor-Referenzzentrum) konnte schließlich die endgültige Diagnose eines high-grade Osteosarkoms mit chondroblastischer Komponente gestellt werden. Im daraufhin eingeleiteten Tumor-Staging (u.a. PET, CT) zeigten dich persistierende Malignomanteile im Bereich der rechten Maxilla; eine Metastasierung war zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht nachweisbar. Da der Patient eine radikale, entstellende OP ablehnte, führten wir erneut eine palliative Verkleinerung des rasch wachsenden Sarkoms durch und fertigten zur Deckung der breitbasigen MAV eine Obturatorprothese an. Bei Tumorausläufern in nahezu allen Randschnitten leiteten wir die Weiterbehandlung durch unsere hämato-onkologischen Kollegen ein. Bei nun CT-graphisch nachweisbarer diffuser pulmonaler Metastasierung erhielt der Patient zunächst einen Zyklus Chemotherapie mit den Substanzen Cisplatin und Doxorubicin mit konsekutiver Größenregredienz des Tumors. Die folgenden Zyklen mit Ifosfamid und Cisplatin bzw. Doxorubicin konnten keine weitere Tumorrückbildung bewirken. Der Patient verstarb schließlich bei progredienter respiratorischer Insuffizienz.
Das high-grade Osteosarkom ist ein rasch und destruierend wachsender Tumor, der frühzeitig in die Lunge metastasiert. Ein kurativer Therapieansatz sollte die frühzeitige radikale Tumorresektion zum Ziel haben. Die Ansprechrate auf eine Chemotherapie ist gerade im Kiefer-Gesichts-Bereich relativ gering.


Die semiautomatische räumliche Quantifizierung der Orbita

Grotzer D. P., Schramm A., Dini A., Gellrich N.-C.

Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Medizinische Hochschule Hannover, Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover


Die zwei- und dreidimensionale Quantifizierung orbitaler Deformitäten in der internationalen Literatur folgt unterschiedlichen Auswertungsschemata, die zumeist einen entscheidenden Nachteil haben: intraindividuelle Vergleiche beziehen sich in der Regel auf Voxel-basierte Datensätze in unterschiedlichen Koordinatensystemen, die nicht aufeinander abgestimmt werden.
In einer interdisziplinären Kooperation erfolgte die Erstellung einer semiautomatischen Quantifizierungsmethode, die sowohl auf CT-/DVT- als auch auf NMR-basierte Datensätze anwendbar ist und den intra- sowie interindividuellen 2- und 3D-Vergleich vor und nach rekonstruktiven Orbitaeingriffen im Hinblick auf orbitale Fehlstellungen/Veränderungen erlaubt. Der Analyseprozess startet mit der Ausrichtung der Datensätze an einem einheitlichen Koordinatensystem. Insgesamt sind 6 Punkte zu definieren, 8 Strecken (Längen, Höhen, Transversaldurchmesser) werden reproduzierbar und zeiteffektiv bestimmbar. Es wurde ein korrigierter Hertel-Index erstellt, der unabhängig vom knöchernen orbitalen Rahmen eine exakte Projektionsbestimmung des Bulbus in der Sagittalen erlaubt.
An 20 Datensätzen von orbitalen Fehlstellungen wurde die semiautomatische Quantifizierung der Orbita evaluiert. Im Vortrag wird in einer Power-Point-gestützen Videoanimation diese neue Meßmethode, die eine Modifikation im Modul Skeleton der Software VOXIM (IVS-Solutions AG, Chemnitz) darstellt, vorgeführt.
Die vorgestellte Methode stellt eine im klinischen Alltag erprobte und bewährte Möglichkeit der Datensatz-Auswertung zur präoperativen Planung und Qualitätskontrolle des Operationsergebnisses dar.

Entfernung eines in die Weichgewebe luxierten Zahnkeimes – Ein Fallbericht

Grotzer D. P., Schramm A., Dini A., Gellrich N.-C.

Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Medizinische Hochschule Hannover, Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover


Die Germektomie der oberen Weisheitszähne ist ein oftmals im Rahmen einer kieferorthopädischen Behandlung indizierter Eingriff. Als mögliche Komplikationen sind vor allem die Luxation des Zahnkeimes in die Kieferhöhle oder die benachbarten Weichgewebe zu berücksichtigen.
Bei nachfolgend beschriebenem Fall einer 16-jährigen Patientin wurde der Zahnkeim 28 beim Versuch der Germektomie alio loco ins Weichgewebe luxiert. Mittels computertomographischer Bildgebung wurde die dreidimensionale Lage des Zahnes im Gewebe ermittelt. Der erhobene voxelbasierte Datensatz wurde mit Hilfe der Visualisierungs-, Planungs- und Navigationssoftware Voxim der Firma IVS Solutions AG zur exakten präoperativen Planung verwendet. Für die Übertragbarkeit der virtuellen Planung in den Operationssitus wurde eine Tiefziehschiene zur Referenzierung angefertigt.
In dem folgenden in ITN vorgenommenen Eingriff war es durch diese genaue Planung in Verbindung mit der intraoperativen Navigation möglich, den verlagerten Zahn innerhalb weniger Minuten unter Schonung aller im entsprechenden Gebiet verlaufenden Strukturen aufzufinden und zu entfernen. Der postoperative Verlauf gestaltete sich völlig komplikationsfrei.
Schlussfolgerung: Durch die moderne Visualisierungs- und Planungssoftware ist es heute möglich, die routinemäßig erhobenen Bild-Daten vollständiger und exakter auszuwerten. Aufgrund der Nutzbarkeit der präoperativen Planung für die intraoperative Navigation können auch bei nicht standardisierten dentoalveolären Eingriffen mögliche Komplikationen weiter minimiert werden.


Bedeutung vertikaler Anomalien für das Weichteilprofil der Dysgnathiepatienten

Gülicher D., Waldmüller J., Krimmel M., Reinert S.

Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Tübingen,
Osianderstraße 2-8, 72076 Tübingen


Bei Dysgnathiepatienten stellt man z. T. eine Diskordanz zwischen kephalometrischer Anomalie und Profiltyp fest. Hier scheinen die vertikalen Parameter entscheidenden Einfluss zu haben. Ziel der Studie war es, die Auswirkung des vertikalen Gesichtsschädelaufbaus auf das Profil zu untersuchen.
Von 140 Dysgnathiepatienten wurden die kephalometrischen Daten, die die sagittale und die vertikale Anomalie beschreiben, analysiert und mit der Weichteilanalyse korreliert. Die Auswirkungen wurden deskriptiv und mit einer Teststatistik überprüft.
56 Patienten hatten eine Klasse II- und 84 eine Klasse III-Anomalie. Der Basiswinkel als zentraler Parameter für eine vertikale Anomalie lag in 72 % außerhalb der Norm, bei 35% war er stark vergrößert (high angle) und bei 13 % stark verkleinert (low angle). Nur bei einem kleineren Anteil der Patienten war eine vertikale Anomalie mit einem entsprechenden offenen bzw. tiefen Biss kombiniert. Die high angle Anomalie betraf jeweils ca. 1/3 der Klasse II- und III-Patienten, die low angle Anomalie 11 bzw. 17 %.
Bei den Klasse III-Patienten führte die high angle Anomalie zu einer deutlichen posterioren Rotation des UK von im Mittel 42°. Dies ging mit einer Kinnprojektion nach kaudal einher, wodurch das Kinn mit 82° metrisch kaum zu prominent war. Es resultierten ein trotz Klasse III im Mittel gerader Profiltyp (-0,1 mm) und eine nahezu normale Gesichtskonvexität (7,6°). Bei den Klasse II-Patienten mit high angle Anomalie lag eine extreme posteriore Rotation des UK von im Mittel 46° vor. Bei diesen Patienten resultierte eine Akzentuierung der bei Klasse II typischen Kinnrücklage. Entsprechend war das Profil im Mittel um 1 cm nach hinten schief, die Konvexität auf 21,4° vergrößert. Fast alle Auswirkungen waren statistisch signifikant. Die Auswirkungen des high angle auf die Länge des unteren Gesichtsdrittel waren unerwarteter Weise gering und nur z. T. signifikant. Die low angle Anomalie führte durch anteriore UK-Rotation zur Akzentuierung der Kinnprojektion bei Klasse III und zur Reduktion des schiefen Profils bei Klasse II. Die Auswirkungen auf die Länge des Untergesichts waren beim low angle deutlicher i. S. einer Verkürzung des unteren Drittels.
Vertikale Anomalien sind häufig und entscheidend an der Ausprägung der Dysgnathien beteiligt. Ihre Analyse und Berücksichtigung bei der Therapieplanung ist v. a. in ästhetischer Hinsicht unbedingt erforderlich.

Multifokale onkozytäre adenomatöse Hyperplasie beider Ohrspeicheldrüsen - Fallbeispiel eines seltenen Krankheitsbildes

Gülicher D.1, von Herbay A.2, Wehrmann M.3, Reinert S.1

1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Universitätsklinikum Tübingen, Osianderstraße 2-8, 72076 Tübingen
2 Medizinische Klinik I, Universitätsklinikum Tübingen, Ottfried-Müller-Straße 10,
72076 Tübingen
3 Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Tübingen, Liebermeisterstraße 8,
72076 Tübingen


Ein 67jähriger Mann wurde zur Abklärung einer Schwellung beider Ohrspeicheldrüsen zugewiesen. Bei der klinischen Untersuchung erwiesen sich beide Gll. parotides als diffus vergrößert. Der Speichelfluss war regelrecht auslösbar, die Funktion des N. facialis intakt. Sonographisch fanden sich multiple bis 2 cm große, scharf begrenzte, echoarme Raumforderungen in beiden Drüsen. Duplexsonographisch konnte in einem Teil der Läsionen eine sehr starke Perfusion dargestellt werden, während andere nur gering perfundiert waren. In der CT zeigten sich die Läsionen als hyperdense, KM-affine rundliche Raumforderungen. Die übrigen Speicheldrüsen stellten sich unauffällig dar. Zur histologischen Abklärung wurden sonographisch kontrolliert aus beiden Drüsen Stanzbiopsien gewonnen. Sie führten zur Diagnose einer multifokalen onkozytären adenomatösen Hyperplasie. Weitere Nachforschungen ergaben, dass bei dem Patienten ebenfalls onkozytäre Läsionen in beiden Nieren bekannt waren.
Bei dem vorgestellten Krankheitsbild handelt es sich um seltene tumorähnliche Läsionen der großen Speicheldrüsen. Dabei treten noduläre Raumforderungen vornehmlich in den Ohrspeicheldrüsen auf. Histologisch sind sie durch onkozytär transformierte Epithelien mit rundlichen Kernen und granuliertem eosinophilem Zytoplasma gekennzeichnet. Je nach Anzahl, Abgrenzbarkeit und klinischem Verhalten werden in der WHO-Klassifikation das onkozytäre Adenom (Onkozytom), die multifokale und die diffuse onkozytäre adenomatöse Hyperplasie der Speicheldrüsen unterschieden. Die Grenzen zwischen den Entitäten sind fließend. Sie müssen von malignen Speicheldrüsentumoren mit ähnlichem histologischem Bild unterschieden werden. Onkozytäre Läsionen wurden außer in den Speicheldrüsen u. a. auch in Schilddrüse, Larynx, Pankreas, Leber und Nieren beschrieben. Nach unserer Kenntnis ist dies aber der erste Fall mit synchronem Auftreten onkozytärer Läsionen in verschiedenen Organsystemen. Bei den onkozytären adenomatösen Hyperplasien handelt es sich um benigne nicht-neoplastische Läsionen. Die therapeutischen Empfehlungen sind nicht eindeutig. Aufgrund der hohen Invasivität bei Befall mehrerer Organe und aufgrund zahlreicher Begleiterkrankungen wurde bei dem vorgestellten Patienten ein konservatives Vorgehen mit regelmäßigen Verlaufskontrollen gewählt. Die Sonographie ist hierzu die Methode der Wahl und kann im Bedarfsfall durch weitere Stanzbiopsien ergänzt werden.


Wechselwirkung verschiedener Biomaterialien mit undifferenzierten embryonalen Stammzellen

Handschel J., Berr K., Depprich R., Meyer U.

Klinik für Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie der Heinrich-Heine-Universität, Moorenstraße 5, 40225 Düsseldorf


Embryonale Stammzellen (ESC) sind totipotent und vermutlich nicht immunogen. Sie haben im Gegensatz zu mesenchymalen Progenitorzellen ein nahezu unbegrenztes Erneuerungspotenzial und stellen somit eine sehr viel versprechende Zelllinie für das Tissue Engineering von Knochen dar. Es konnte bereits von uns gezeigt werden, dass ESC sich in vitro in osteoblastenähnliche Zellen differenzieren können. Unklar sind jedoch die Wechselwirkungen zwischen ESC und Knochenersatzmaterialien, die als Trägersubstanzen für den klinischen Einsatz notwendig sind. Ziel unserer Studie war es, den Einfluss verschiedener Biomaterialien auf Proliferation und Differenzierungsgrad von ESC zu überprüfen.
Material und Methode: Murine ESC wurden in Feederzell-freien Medien kultiviert. Auf die Zellkulturen wurden verschiedene Probenkörper appliziert (bovines Knochenmineral, ß-Tricalciumphosphate verschiedener Porosität, PLA/PGA). Die Proliferation der Zellen wurde mittels CyQuant®-Assay, die Besiedlung mittels Rasterelektronenmikroskopie und der Differenzierungsgrad der Zellen durch real time RT-PCR nach insgesamt einer Woche in Kultur analysiert.
Ergebnisse: Beide ß-Tricalciumphosphate (ß-TCP) wiesen die höchsten Zellproliferationswerte auf. Dabei lag die Zellzahl bei der poröseren ß-TCP-Variante noch einmal um 60 % höher als beim niedrigporösen ß-TCP. Die Rasterelektronischen Aufnahmen bestätigten diese Ergebnisse. Bezüglich des Einflusses auf die Zelldifferenzierung, der anhand des Expressionsmusters der osteoblastentypischen Marker Osteocalcin, Alkalische Phosphatase und Kollagen Typ I bestimmt wurde, unterschieden sich die verschiedenen Biomaterialien nicht von einander und entsprachen dem Expressionsmuster von sich spontan und ungerichtet differenzierenden ESC.
Von den untersuchten Biomaterialien erscheint das grobporige ß-TCP am geeignetsten um als Trägermaterial für ESC beim Knochen Tissue Engineering zu fungieren.


Offene und gedeckte Heilung Ligatur-induzierter periimplantärer Knochendefekte im Hundemodell

Herten M., Schwarz F., Rothamel D., Becker J.

Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie und Aufnahme, Universitätsklinikum Düsseldorf, Moorenstraße 5, 40225 Düsseldorf


Das Ziel der vorliegenden Untersuchung war, den Einfluss verschiedener Therapiemethoden bei der offenen (o) und gedeckten (g) Heilung periimplantärer Infektionen im Hundemodell zu untersuchen.
Die Induktion periimplantärer Knochendefekte erfolgte in 5 Beagle Hunden durch Einlage von Ligaturen über einen Zeitraum von 3 Monaten (n=30 Implantate). Die entstandenen Defekte wurden randomisiert im Split-mouth Design entweder a) nichtchirurgisch - o, oder b) chirurgisch - g unter Verwendung eines Er:YAG Lasers (ERL), eines Ultraschallsystems (VUS) oder von Kunststoffküretten + Metronidazol Gel (PCM) behandelt. Klinische, radiologische und histologische (u.A. Knochen-Implantat-Kontakt – BIC) Parameter wurden jeweils zu Beginn der Untersuchung, sowie nach 3 Monaten erhoben.
Alle Behandlungsmethoden führten sowohl im Rahmen der o-, als auch g- Heilung nach 3 Monaten zu einer signifikanten Verbesserung aller klinischer Parameter (p=0,001; respektive). Die radiologische Auswertung zeigte lediglich nach g- Heilung eine in allen Gruppen vergleichbare signifikante Zunahme der periimplantären Radioopazität (p=0,01, respektive). Die histomorphometrische Analyse ergab, dass die o- Heilung in allen Behandlungsgruppen zu vergleichbaren (p=0,05, respektive) niedrigen BIC Werten im apikalsten Bereich der Defekte führte (ERL: 1,3 %; PCM: 1,3 %; VUS: 1,6 %;). Im Gegensatz hierzu waren die entsprechenden BIC Werte nach g- Heilung in allen Gruppen statistisch signifikant höher: ERL: 49,7 %; PCM: 22,4 %; VUS: 11,4 % (p=0,001; p=0,05; p=0,001; respektive). Die Knochenregeneration und Re-Osseointegration war jedoch auf die intraossäre Defektkomponente begrenzt.
Die Ergebnisse dieser Untersuchung haben gezeigt, dass (i) ERL zu einer signifikant höheren Re-Osseointegration kontaminierter Implantatoberflächen führte als PCM und VUS, und (ii) das Behandlungsergebnis durch eine gedeckte Heilung signifikant verbessert werden kann


Frühbelastung und Knochentraining enossaler Implantate statt langem unbelasteten Einheilungsintervall

Hess P., Thiele P., Nentwig G. H.

Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie und Implantologie, Zentrum der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der J.W. Goethe Universität, Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt


Ziel dieser prospektiven klinischen Studie ist es, die ursprünglich in der implantologischen Literatur propagierte Einheilzeit von sechs Monaten im Oberkiefer und drei Monaten im Unterkiefer auf der Grundlage valider Daten auf ein Routineprotokoll von sechs Wochen zu reduzieren. Sechs Wochen Einheilzeit entspricht bereits den Empfehlungen des ITI für das Straumann-Implantatsystem, allerdings wird hier kein Knochentraining angeschlossen.
Seit November 2002 wurden bei bislang 179 Patienten insgesamt 324 Ankylos-Implantate (Dentsply, Mannheim) inseriert. Diese Implantate sind rauhstrukturiert durch ein Strahlverfahren. Bei reduzierter Knochenqualität wurde das Implantatbett kondensierend mit Bone-Spreadern (Ustomed, Tuttlingen) aufbereitet. Unser Studienprotokoll sieht die Freilegung nach sechs Wochen und anschließende Versorgung mit provisorischen Kronen für weitere sechs Wochen vor. Diese Phase wird als Trainingsphase für den periimplantären Knochen genutzt (weiche Diät). Unmittelbar zu Beginn sowie zum Abschluss der provisorischen Versorgung wurde der Periotest-Wert erhoben. Danach erfolgte die definitive prothetische Versorgung.
Bis heute sind von den insgesamt 324 inserierten Implantaten 315 Implantate länger als drei Monate prothetisch versorgt. Von diesen befinden sich 116 Implantate im Oberkiefer und 199 Implantate im Unterkiefer. Die Funktionsdauer liegt im Mittel bei 15,33 Monaten. Die Periotest-Werte verbesserten sich vom Zeitpunkt der Freilegung bis zum Ende der Trainingsphase nach sechs Wochen im Mittel von -2,00 auf -2,89, wobei sich erwartungsgemäß eine deutliche Differenzierung zwischen Ober- und Unterkiefer ergab (OK von –0,72 auf –1,94, UK von –2,76 auf –3,45). Diese Änderung der Periotest-Werte wies nach dem t-Test eine hohe statistische Signifikanz auf. Von den insgesamt 324 Implantaten gingen 7 (2,1 %) verloren, davon fünf zum Zeitpunkt der Freilegung (UK). Ein Implantat musste während des Knochentrainings explantiert werden (UK). Ein weiteres ging nach definitiver Versorgung verloren (OK). Zwei weitere Implantate wiesen zum Zeitpunkt der Freilegung eine periimplantäre Entzündung auf und wurden somit nicht frühversorgt. Dies entspricht einer Erfolgsrate von 97,3 %.
Auf Grund dieser hohen Erfolgssicherheit kann die Frühbelastung von raustrukturierten Implantaten mit anschließendem Knochentraining als sichere und zuverlässige Routinebehandlung in der klinischen Praxis empfohlen werden.

Prospektive Ergebnisse eines chirurgischen Behandlungskonzepts für bisphosphonatinduzierte Osteochemonekrosen des Kiefers

Hoefert S, Eufinger H.

Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie - Plastische Operationen -,
Akademisches Lehrkrankenhaus der Ruhr-Universität Bochum, Dorstener Straße 151,
45657 Recklinghausen


Osteochemonekrosen der Kiefer bei Bisphosphonaten stellen ein seit 2004 beschriebenes therapieresistentes Krankheitsbild dar. Bei zunehmenden Kenntnissen der Pathomechanismen fehlen richtungsweisende Therapiekonzepte. Im Rahmen unserer Bisphosphonatsprechstunde werden Patienten mit Osteochemonekrosen nach festgelegten Therapieschemata behandelt. 14 von 23 Patienten mit einer aktiven Osteochemonekrose wurden einer operativen Intervention am Unterkiefer zugeordnet und prospektiv ausgewertet, darunter 12 der High-Risk-Gruppe (Pamidronat, Zoledronat). Nach dem standardisierten Protokoll erfolgten intravenöse Antibiotikatherapien perioperativ und Spangenresektionen mit Drainage nach extraoral.
Acht Tage postoperativ zeigten 69 % der Patienten eine unauffällige Wundsituation. Im weiteren Verlauf (1–12 Monate) konnte, bei einem Drop Out von zwei Todesfällen mit postoperativer primärer Dehiszenz, weiterhin eine unauffällige Schleimhautsituation in 70 % beobachtet werden. Während in der High-Risk-Gruppe (Pamidronat, Zoledronat) in 12,5 % erneute Fistelungen auftraten, zeigte eine Patientin aus der Low-Risk-Gruppe (Alendronat) unter laufender Bisphosphonattherapie eine Ausheilung einer postoperativen Wunddehiszenz. Die postoperativen Wunddehiszenzen aller Patienten zeigten außerdem im Vergleich zum Ausgangsbefund eine gute Beherrschbarkeit durch eine konservative Lokaltherapie.
In der Literatur fehlen konkrete Therapievorschläge mit Angaben über prozentuale Therapieerfolge. Mit unserem Behandlungskonzept konnten wir in der operativen Gesamtgruppe einen 70%igen Behandlungserfolg von Osteochemonekrosen sowie einen 100%igen Therapieerfolg bei Osteochemonekrosen der Low-Risk-Gruppe längerfristig nachweisen. Für die Low-Risk-Patientengruppe kann somit unser Therapiekonzept empfohlen werden, in wie weit jedoch eine „Übertherapie“ erfolgte, bleibt zu klären. Ob sich in der High-Risk-Gruppe bessere Therapierfolge überhaupt erreichen lassen, muss noch weitergehend untersucht werden.



Retrograde Anastomosierung als Alternative zum Grundprinzip des anterograden mikrochirurgischen Gefäßanschlusses in der Kieferchirurgie

Hölzle F., Wysluch A., Kesting M., Swaid S., Wolff K.-D.

Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, Ruhr-Universität Bochum,
In der Schornau 23-25, 44892 Bochum


Perforans-Lappen werden erst seit kurzer Zeit für Rekonstruktionen in der Kieferchirurgie eingesetzt. Die Anastomose an konventionelle Anschlussgefäße im Kopf-Halsgebiet ist aufgrund des kurzen Gefäßstieles häufig schwierig. Das Ziel dieser anatomischen, histomorphometrischen und rheologischen Untersuchungen der A. facialis war es herauszufinden, ob die distale A. facialis mit retrogradem Fluss über einen ausreichenden Blutfluss und -druck verfügt, um Perforans-Lappen suffizient zu versorgen. Außerdem bestand die Hoffnung, dadurch ein Anschlussgefäß zu etablieren, welches zu der im Durchschnitt nur 1,3 mm großen Perforans-Arterie eine optimale Passform aufweisen würde.
An 12 frischen Leichen erfolgten selektive Farbstoffinjektionen, um die vaskulären Territorien der A. facialis zu bestimmen und auf Anastomosierungen mit der kontralateralen Fazialarterie zu überprüfen. Zur Erfassung rheologischer Eigenschaften der A. facialis wurde der anterograde und retrograde Blutdruck vor und nach Ligatur der kontralateralen A. facialis bei zusätzlich 50 Patienten intraoperativ bestimmt. Bei diesen Patienten wurden 50 Gefäßpaare der A. facialis auf Höhe des Corpus mandibulae entnommen und einer histomorphometrischen Untersuchung zugeführt.
Durchschnittlich lag der arterielle Mitteldruck der distalen A. facialis mit retrogradem Fluss bei 76 % des systemischen Blutdruckes, gemessen in der A. radialis bei Lagerung auf Herzvorhoflevel. Der systemische Mitteldruck konnte mit dem Druck in der proximalen A. facialis mit anterogradem Fluss nahezu gleichgesetzt werden. Nach Ligatur der Gegenseite, wie es bei Tumorresektionen häufig notwendig ist, sank der Mitteldruck in der distalen A. facialis auf immer noch ausreichende 70 % ab. Der mittlere äußere Durchmesser der distalen A. facialis lag bei 1,7 mm. Damit wies er eine ähnliche Größe wie der Durchmesser der Perforansarterien mit 1,3 mm auf. Mit Kenntnis dieser Ergebnisse gelang eine unkomplizierte und erfolgreiche End-zu-End-Anastomose eines Perforans-Lappens an die distale A. facialis mit retrogradem Blutfluss bei zehn Patienten.
Somit konnte ein alternatives Anschlussgefäß, das eine sehr gute Option zur Anastomosierung von Perforans-Lappen bei intra- und extraoralen Defektdeckungen in der Kieferchirurgie darstellt und auch nach Neck dissection immer vorhanden ist, wissenschaftlich geprüft und klinisch erprobt werden.


Immunhistochemische Differenzierung der individuellen Überlebenszeitprognose mit dem Proliferationsmarker MIB-1.

Hoffmann J.1, Alexander D.2, Munz A.2, Reinert S.1

1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum
Tübingen, Osianderstraße 2-8, 72076 Tübingen
2 Forschungslabor der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Universitätsklinikum Tübingen, Osianderstraße 2-8, 72076 Tübingen


Einleitung: Der immunhistochemisch anfärbbare Proliferationsmarker MIB-1 ist ein monoklonaler Mausantikörper, der ein nukleäres Antigen, welches zellzyklusassoziiert exprimiert wird, identifiziert. Bei verschiedenen soliden Tumoren konnte eine hohe Expression von MIB-1 als signifikanter, unabhängiger prognostischer Indikator nachgewiesen werden.
Fragestellung: Ziel unserer experimentellen Untersuchung war, die Korrelation zwischen klinischem Ausgangsbefund, der immunhistochemischen MIB-1-Expression und der individuellen Langzeitüberlebensprognose von Patienten mit Mundhöhlenkarzinomen zu untersuchen.
Patientengut und Methodik: Wir untersuchten an einem Krankengut von 211 Patienten mit unterschiedlicher Stadien paraffineingebettetes Tumorgewebe. 5 µm dünne Gewebeschnitte wurden mittels eines monoklonalen Antikörpers (Dako Diagnostica, Hamburg) immunhistochemisch automatisiert markiert. Der Einfluss von Alter, Tumorgröße und Tumordifferenzierung auf die Expression des MIB-1-Antikörpers wurde mittels des zwei-Gruppen-T-Tests (falls notwendig, mit der Korrektur für ungleiche Varianzen) bestimmt. Die Bewertung des Einflusses des MIB-1-Nachweises auf die Überlebenszeitprognose erfolgte nach Kaplan und Maier.
Ergebnisse: Wir fanden eine hohe interindividuelle Variabilität der Anfärbbarkeit. Die statistische Analyse ergab eine nur geringe Korrelation zwischen Expression und Alter, Differenzierungsgrad sowie Tumorlokalisation. Dahingegen war ein signifikanter Zusammenhang (p<0,05) mit der Langzeitprognose betroffener Patienten festzustellen.
Schlussfolgerung: In Übereinstimmung mit den Ergebnissen entsprechender Untersuchungen an anderen epithelialen Tumoren sehen wir eine hohe Bedeutung des Nachweises von MIB-1-Antikörpern für die individuelle Bestimmung der Tumorproliferation und somit der Überlebenszeitprognose.



Carcinoma cuniculatum – ein seltener und spät erkannter Tumor der Mundschleimhaut

Hoheisel A.1, Hölzle F1., Ebsen M.2, Becker C.3, Wolff K.-D.1

1 Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, Ruhr-Universität Bochum,
In der Schornau 23-25, 44892 Bochum
2 Institut für Pathologie der Ruhr-Universität Bochum, Bürkle-de-Camp-Platz 1,
44789 Bochum
3 Praxis für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Richard-Matthaei-Platz 1, 59065 Hamm


Fallbericht:: Ein damals 50jähriger Patient bemerkte im August 2004 eine Veränderung im anterioren Mundboden mit Zahnlockerungen, worauf er sich bei seinem Hauszahnarzt vorstellte. Zwei von diesem entnommene Gewebeproben (Januar 2005 und März 2005) zeigten eine mittelgradig chronisch granulierende Gingivitis mit Hyperkeratose des Plattenepithels. In der histologischen Aufarbeitung der dritten Probe (April 2005), die aufgrund des ungewöhnlichen klinischen Befundes erfolgte, zog der Pathologe differentialdiagnostisch ein Carcinoma cuniculatum in Erwägung. Die geforderte weitergehende Abklärung dieses Befundes wurde vom behandelnden Zahnarzt nicht weiter verfolgt. Erst nach einer viermonatigen Fortsetzung der Behandlung mit Aloe Vera-Produkten durch den Hauszahnarzt und Verschlechterung des klinischen Befundes zog er im August 2005 einen MKG-Chirurgen hinzu. Inzwischen imponierte ein ausgeprägtes Ulcus vom Kieferwinkel links bis regio 43 mit freiliegendem Knochen. Röntgenologisch zeigte sich dort eine ausgeprägte Osteolyse. Eine durch den MKG-Chirurgen durchgeführte repräsentative Probeexzision bestätigte nun den Verdacht des Carcinoma cuniculatum. Der Patient wurde daraufhin umgehend an unsere Klinik überwiesen und ein Staging durchgeführt. Bei keinen weiteren pathologischen Befunden erfolgte die Tumor- inklusive Unterkiefer-Kontinuitätsresektion mit beidseitiger funktioneller Neck dissection und Rekonstruktion mittels osteokutanem Fibula-Transplantat.
Der Name cuniculatum leitet sich vom lateinischen cuniculus (Kaninchenbau) ab, womit die histologisch charakteristischen endophytischen und unregelmäßigen verzweigten Gänge beschrieben werden. Dieses Karzinom ist eine seltene Variante des verrukösen Karzinoms (Ackermann-Karzinom). Typischerweise manifestiert sich das Carcinoma cuniculatum im Bereich der Extremitäten, selten im oralen Bereich. Klinisch zeigt der Tumor bei häufig langer Anamnese maligne Charakteristika mit Zahnlockerungen, Ulzerationen sowie freiliegendem oder destruiertem Knochen. Die besondere Problematik, dass der Tumor oft als benigne, papillomatöse Läsion oder als pseudoepitheliomatöse Hyperplasie verkannt werden kann, wird dargestellt.


Hochgradiges myofibroblastisches Sarkom der Zunge

Höpner C.1, Thomas M.2, Pistner H.1, Kosmehl H.2

1 Klinik für Zahn-, Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, HELIOS Klinikum Erfurt,
Nordhäuser Straße 74, 99089 Erfurt
2 Institut für Pathologie, HELIOS-Klinikum Erfurt, Nordhäuser Straße 74, 99089 Erfurt


Die aktuelle WHO-Klassifikation (2002) der Weichgewebstumoren beinhaltet ausschließlich niedriggradige myofibroblastische Sarkome, die aus gering atypischem Myofibroblasten bestehen und ein fibromatoseähnliches Erscheinungsbild aufweisen. Die Vorzugslokalisation ist die Kopf-Hals-Region.
Wir berichten über einen 53jährigen Patienten mit einem 3,6 cm großen spindelzelligen Tumor der Zunge, mit mehr als 20 Mitosefiguren pro 10 hochauflösende Gesichtsfelder und mit Einschluss von multifokalen anämischen Geschwulstnekrosen, die 20 % der Tumorfläche einnehmen. Im reichlichen Zytoplasma der irregulären Spindelzellen ein eosinophiles feinfibrilläres Muster. Reichliches kapilläres Gefäßmuster. Die Tumorzellen sind geschlossen positiv für das glattmuskuläre Aktin und für CD 10. Der Ki 67-Index beträgt 60 %. Das S 100-Protein, melanomassoziierte Antigene, CD 31 und Faktor VIII-assoziiertes Antigen, Caldesmon, Desmin sowie EMA und Panzytokeratin (AE1/AE3) sind negativ. Zwischen den Tumorzellen eine Laminin- und Kollagen Typ IV-positive extrazelluläre Matrix.
Der Phänotyp der Tumorzellen mit dem reichlichen fibrillären eosinophilen Zytoplasma sowie die diffuse Positivität für das glattmuskuläre Aktin und die Matrixbildung sind diagnostische lichtmikroskopische Kriterien der Myofibroblasten. Aufgrund der zellulären Atypie, der Nekrosen sowie der hohen proliferativen Aktivität liegt entsprechend den FNCLCC-Kriterien ein hochgradiges Sarkom vor.
In der Synopsis sind nicht nur niedriggradige myofibroblastische Sarkome in der Kopf-Hals-Region, sondern auch selten myofibroblastisch differenzierte Sarkome mit hohem Malignitätsgrad in der Kopf-Hals-Region zu berücksichtigen.
Die vorgestellte Fallbeobachtung ist ein Argument für die konzeptionelle Erweiterung der diagnostischen Gruppe der myofibroblastischen Sarkome um hochgradige Varianten.


Handschuhperforationen in der ambulanten Zahnärztlichen Chirurgie

Jackowski J., Dirsch P., Bernhardt M., Dirschka T.

Abteilung für Zahnärztliche Chirurgie und Poliklinische Ambulanz, Fakultät für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Universität Witten/Herdecke, Alfred-Herrhausen-Straße 50, 58448 Witten


Ziel der vorliegenden Studie war es, festzustellen, wie oft bei Extraktionen, Osteotomien und Wurzelspitzenresektionen an den Operationshandschuhen Perforationen auftreten.
Von Januar bis Juni 2005 wurden 1011 Handschuhpaare von drei Operateuren postoperativ auf Dichtigkeit untersucht. Zur Dichtigkeitsprüfung wurde der „water-leak-test“(ASTM) verwendet. Alle drei Behandler benutzten OP-Handschuhe desselben Fabrikats mit der gleichen Größe. Zur Kontrolle wurden jeweils 100 ungebrauchte Handschuhpaare derselben Marke und Größe auf Perforationen geprüft. Alle drei Operateure waren Rechtshänder, Operateur A benutzte einen offenen Nadelhalter und traumatisches Nahtmaterial, die Operateure B und C einen geschlossenen Nadelhalter und atraumatisches Nahtmaterial. Bei den statistischen Tests wurde ein Signifikanzniveau von 0.05 festgelegt. Das Risiko für eine Perforation im Rechts-Links-Vergleich wurde mit dem Odds ratio angegeben.
Die Kontrolluntersuchung von 100 Paar ungebrauchten Handschuhen ergab keine Perforationen. Insgesamt zeigte sich bei 5,7 % der Handschuhe mindestens eine Perforation. Perforationen waren links häufiger (6,7 %) als rechts (4,8 %) nachweisbar. Das Risiko für eine Perforation war links jedoch nicht signifikant größer als rechts (OR = 1,4, p = 0,056). Beim Operateur A traten Perforationen signifikant häufiger auf als bei den Operateuren B und C (OR = 1,8, p = 0,004). Perforationen waren bei Osteotomien signifikant seltener als bei Extraktionen und Wurzelspitzenresektionen (OR = 0,7, p = 0,045). Es deutet sich an, dass Perforationen bei Wurzelspitzenresektionen häufiger sind (OR = 1,4, p = 0,099).
Da OP-Handschuhe während dentoalveolärer Eingriffe hohen Belastungen ausgesetzt sind, sollte intraoperativ auf Leckagen geachtet werden und nach erkennbaren Perforationen ein Austausch erfolgen. Die größere Perforationshäufigkeit an der non-dominaten Hand ist wahrscheinlich durch Anfassen der Nadel bedingt und kann durch Benutzung von Pinzetten weitgehend vermieden werden. Das Tragen von zwei Paar OP-Handschuhen übereinander bzw. von Indikationshandschuhen ist im Einzellfall in Erwägung zu ziehen.

„Zahnlängsextraktion“ im Vergleich zu konventioneller Extraktion

Janssen N., Skischus M., Pohl Y.

Poliklinik für Chirurgische Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Universitätsklinik Bonn, Welschnonnenstrasse 17, 53111 Bonn


In einer prospektiven Studie wurde das Zalex®-System zur „Zahnlängsextraktion“ mit konventioneller Extraktion verglichen.
Nach kieferorthopädischer Indikationsstellung zu entfernende gesunde Prämolaren wurden extrahiert. Das Widerlager für die sog. Hebezange des Zalex®-Systems stellen die mesialen Nachbarzähne dar. Präoperativ und postoperativ über bis zu 6 Monate wurden die Sensibilität auf applizierte Kälte und die Dämpfung bei Zahnauslenkung (Periotest®-Gerät) bestimmt. Intraoperative Komplikationen wie Zahn- und Wurzelfrakturen oder Gingivarupturen sowie postoperative Komplikationen wie Wundheilungsstörungen wurden erfasst.
Nach dem Zufallsprinzip wurden 30 Zähne mit konventioneller Methodik und 30 Zähne mit dem Zalex®-System extrahiert. Alle Zähne reagierten vor Entfernung sensibel auf applizierte Kälte und waren parodontal gesund. Durch den Einsatz des speziellen Extraktionssystems kam es zu keinerlei Komplikationen an den Nachbarzähnen. Sowohl nach konventioneller Methodik wie nach „Zahnlängsextraktion“ zeigten sich die Nachbarzähne eine Woche nach Extraktion erhöht gelockert. Wurzel- oder Knochenfrakturen wurden nicht beobachtet. Bei konventioneller Extraktion kam es in Einzelfällen zu Papillenrupturen, die bei Zahnlängsextraktion nicht beobachtet wurden. Insbesondere bei verschachtelter Zahnstellung erleichtert die „Zahnlängsextraktion“ das Entfernen der Zähne.
Die „Zahnlängsextraktion“ von Prämolaren führte im Beobachtungszeitraum zu keinen erkennbaren Schäden an den Nachbarzähnen. Intra- oder postoperative Komplikationen wurden nicht beobachtet. Das Vermeiden ausgeprägter Luxationsbewegungen vermindert Quetschungen bzw. Frakturen des Alveolarfaches und Gingiva- bzw. Papilleneinrisse. Die Methodik erfordert zusätzliches Instrumentarium und ein Umgewöhnen im technischen Ablauf der Extraktion.


Stellenwert der Osteodistraktion in der kraniofazialen Korrekturchirurgie

Keßler P. ¹, Nkenke E. ¹, Hirschfelder U. ² , Neukam F.W. ¹

¹ Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgische Klinik der Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg, Glückstraße 11, 91054 Erlangen
² Abteilung für Kieferorthopädie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg,
Glückstraße 11, 91054 Erlangen


Zwischen Januar 1996 und Dezember 2000 wurden bei 10 Patienten mit ausgeprägten syndromalen Fehlbildungen des kraniofazialen Skelettes Distraktionsbehandlungen in Ober- und Unterkiefer vor Wachstumsabschluss durchgeführt. Langfristige Nachuntersuchungen sollten die Stabilität des Behandlungsergebnisses dokumentieren, um einen Behandlungsalgorhythmus aufzustellen.
Es handelte sich dabei um 6 Patienten mit Beteiligung des Unterkiefers (5 Goldenhar-Syndrome, 1 Pierre-Robin-Syndrom) und 4 mit Beteiligung des Mittelgesichtes (2 Apert-Syndrome, 1 Klippel-Feil-Syndrom, 1 Dysostosis cleidocranialis). Die Distraktionsbehandlungen (9 extraoral, 1 intraoral) verliefen in allen Fällen erfolgreich. Radiologische (Panoramaschichtauf-nahmen, Fernröntgenseitaufnahmen) und klinische Langzeitbeobachtungen wurden bis Ende Oktober 2005 (Ø 62.4m) durchgeführt. Alle Patienten wurden vor, während und nach Abschluss der chirurgischen Behandlung aktiv kieferorthopädisch behandelt.
Die durchschnittliche sagittale Vorverlagerung im Bereich von Maxilla und Mittelgesicht betrug 14.4 mm. Die Distraktionen im Bereich des Unterkiefers führten in allen Fällen zu einem sagittalen und vertikalen Ausgleich des knöchernen Defizits der betroffenen Seite. Okklusale Schieflagen wurden in allen Fällen ausgeglichen. Die langfristigen Nachuntersuchungen zeigten nach Mittelgesichtsdistraktionen stabile Ergebnisse: SNA -1.7°. Im Unterkiefer kam es zu einem ausgeprägten Wachstumsstillstand, der die Tendenz der zugrunde liegenden Fehlbildung in unterschiedlichem Maß erneut deutlich zu Tage treten ließ.
Bei Patienten mit ausgeprägten kraniofazialen Wachstumsdefiziten syndromalen Ursprungs stellt die Distraktionsbehandlung bereits während des Wachstumsalters eine gute Behandlungsoption dar. In einigen Fällen wird eine spätere Korrektur unvermeidlich sein, in schweren Fällen kann durch die Distraktion erst die Grundlage für eine spätere Korrektur geschaffen werden.



Enoraler Weichgewebstumor mit metaplastischer Ossifikation: Eine schwierige Differentialdiagnose

Klein M. O.1, Hansen T.2, Kunkel M.1

1 Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Augustusplatz 2, 55131 Mainz
2 Institut für Pathologie Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität Mainz,
Augustusplatz 2, 55131 Mainz


Subepitheliale Raumforderungen im Bereich des harten Gaumens sind klinisch differentialdiagnostisch oft schwer einzuordnen. Wir berichten über einen 42jährigen männlichen Patienten mit einer seit 2 Jahren stetig progredienten exophytischen Läsion im Bereich des linken Hartgaumens. Klinisch imponierte ein schmerzloser, das Gaumenvolumen subtotal ausfüllender (3,5 x 2,0 x 1,5cm) polypoider derber Tumor. Der Befund wurde in Allgemeinnarkose vollständig entfernt, klinisch war die Gaumenplatte vollständig erhalten.
Die feingewebliche Aufarbeitung des Resektates zeigte einen Tumor mit isomorphen, überwiegend rundlichen Zellelementen in einer fibromyxoiden Matrix ohne Zeichen einer erhöhten Mitoserate bzw. Nekrose. Auffällig war ein prominenter Ringwall aus Knochenformationen. Immunhistochemisch zeigte sich eine starke Expression von glattmuskulärem Aktin neben einzelnen S100-positiven Zellelementen. Abschließend ergab sich die Diagnose eines ossifizierenden fibromyxoiden Tumors (OFMT).
Da diese insgesamt sehr seltene Entität vor allem am Körperstamm bzw. an den proximalen Extremitäten und nur extrem selten in der Mundhöhle vorkommt, wurde anlässlich der wissenschaftlichen Aufarbeitung für die aktuelle Tagung noch einmal eine Bewertung am Referenz- und Konsultationszentrum für Weichgewebstumoren (Prof. Katenkamp, Jena) eingeholt. Hier wurde die abschließende Diagnose einer fibromyxoiden Epulis mit metaplastischer Ossifikation gestellt. Auch für diese Läsion ist die Einbettung metaplastischer Knochenformationen in eine fibromyxoide Matrix charakteristisch Die 12-Monats-Kontrolle ergab bislang keinen Anhalt auf ein Rezidiv.
Der vorliegende Fall zeigt die auch für den Pathologen schwierige Einordnung oraler myxoider Weichgewebsläsionen mit metaplastischer Ossifikation. Beide genannten Läsionen sind bei der Lokalisation am Gaumen klinisch gegen das ACC und anderen Speicheldrüsentumoren, aber auch gegen seltene Entitäten wie das Schleimhautmyxom oder auch das fibromyxoide Sarkom abzugrenzen.

Entwicklung eines prädiktiven Transfusionsmodells bei operativer Therapie oraler Plattenepithelkarzinome

Kleinheinz J., Langer E., Kruse-Lösler B., Jinaporntham S.

Klinik und Poliklinik für Mund- Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Münster, Waldeyerstraße 30, 48129 Münster


Ziel der Studie war es, geeignete prognostische Parameter zu finden, die eine Vorhersage über die Transfusionshäufigkeit bei der operativen Therapie oraler Plattenepithelkarzinome erlauben und somit ein prädiktives Transfusionsmodell (TPM/Transfusion Prediction Model) zu entwickeln.
Hierzu wurden in einer retrospektiven Studie die Daten von 150 Patienten mit Zustand nach Tumoroperation ausgewertet. Präoperativ wurden bei jedem Patienten 17 klinische Parameter untersucht. Die statistische Auswertung und Entwicklung eines prädiktiven Transfusionsmodells wurde mittels logistischer Regression durchgeführt.
Insgesamt erhielten 41 Patienten (27,3 %) eine Transfusion. Die Relation zwischen Bereitstellung von Transfusionsmitteln und Transfusion lag bei 4,7:1. Der Median der transfundierten Erythrozytenkonzentrate lag bei 2,0. Als statistisch signifikante Einflussfaktoren für die Transfusionshäufigkeit zeigten sich die Parameter Neck dissection und das gewählte Rekonstruktionsverfahren. Auf diesen Variablen basierend gelang die Entwicklung eines prädiktiven Transfusionsmodells (TPM). Es zeigte sich, dass Patienten die keine oder nur eine einseitige Neck dissection und ohne Rekonstruktion mit 4,5 % das niedrigste Transfusionsrisiko hatten, gefolgt von Patienten mit beidseitiger Neck dissection und ohne Rekonstruktion mit 11,2 %. Patienten mit Weichgewebs-Rekonstruktion zeigten mit 22,7-67,2 % das höchste Transfusionsrisiko. Auf Basis des TPM wurde ein Modell für das Transfusions-Management entwickelt.
Der Einsatz des TPM erlaubt eine medizinisch sinnvolle Bereitstellung von Transfusionsmitteln, sichert das peri- und postoperative Management von Tumorpatienten und ermöglicht eine wirtschaftliche Bedarfsplanung.


Nahtmaterialien in der Zahnärztlichen Chirurgie – eine systematische Literaturübersicht

Klück I.1, Zelener F.2, Strietzel F. P.3, Schmidt-Westhausen A. M.1

1 Zahnärztliche Chirurgie und Röntgenologie der Klinik für Kieferchirurgie und plastische
Gesichtschirurgie, Charité, Universitätsmedizin Berlin, Aßmannshauser Straße 4-6,
14197 Berlin
2 Ilsenburger Tagesklinik Dr. M. Liokumowitsch, Knesebeckstraße 35-37, 10623 Berlin
3 Zentrum für Zahnmedizin/CVK Abteilung für Oralchirurgie und zahnärztliche Röntgenologie,
Charité, Universitätsmedizin Berlin, Föhrer Straße 15, 13353 Berlin


Etablierte Therapiemethoden in der zahnärztlichen Chirurgie unterliegen dem wissenschaftlichen Fortschritt und sollten daher mit dem Maßstab bestehender externer Evidenz in bestimmten zeitlichen Abständen einer kritischen Revision unterzogen werden.
Ziel der Untersuchung: Folgende fokussierende Fragestellung wurde formuliert: Hat ein polyfiles, nicht resorbierbares Nahtmaterial einen Vorteil gegenüber monofilem, nicht resorbierbarem Nahtmaterial bei der Anwendung an der Mundschleimhaut?
Material & Methode: Die fokussierende Frage soll mittels systematischer Literaturübersicht beantwortet werden. Hierzu wurden nach Formulierung von Ein- und Ausschlusskriterien die Datenbanken der Cochrane Collaboration, PubMed und Embase nach Literaturquellen mit Erscheinen von 1968 bis 11/2005 mit folgenden Suchwörtern durchsucht: „"Surgery, Oral"[MeSH]OR dental AND "Sutures"[MeSH]“. Eine weitere Recherche nach Analyse erster Ergebnisse wurde mittels Handsuche durchgeführt. Die Abstracts wurden von zwei unabhängigen Reviewern anhand der Einschlusskriterien beurteilt. Die zutreffenden Artikel wurden gemäß ihrer Evidenzgrade eingeteilt. Eingeschlossen wurden Reviews und klinische Studien. Die Einschlusskriterien für klinische Studien waren: Probandenzahl > 10 pro Gruppe, männliche Probanden, keine zusätzliche Medikation, Verblindung der Untersucher und Randomisierung der Probanden. Als Intervention sollte der Wundverschluss eines intraoral gebildeten Mukoperiostlappens beurteilt werden. Das zu bewertende Ergebnis sollte die Wundheilung sein (Dehiszenz, Infektion, klinisches Erscheinungsbild, Zufriedenheit des Chirurgen mit dem Wundverschluss und Materialkosten).
Ergebnisse: Die vorliegende Recherche ergab 3 in vitro Studien und 6 Tierversuche, die zeigten, dass polyfiles Material, wie z.B. Seide, zu einer verzögerten Wundheilung führt. Klinische Studien mit hohem Evidenzniveau liegen nicht vor.
Schlussfolgerung: Obgleich in vitro – und tierexperimentelle Untersuchungen auf eine schlechtere Wundheilung bei Verwendung von polyfilem Nahtmaterial hindeuten, gibt es in klinischen Studien keinen Beweis, dass monofiles, nicht resorbierbares Nahtmaterial gegenüber polyfilem Nahtmaterial einen Vorteil in Bezug auf die Wundheilung bietet.

Kongenitale Epulis – Entfernung in den ersten Lebensstunden

Koch F.1, Coerd W.2, Kunke M.1

1 Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz,
Augustusplatz 2, 55131 Mainz
2 Abteilung für Kinderpathologie, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Augustusplatz 2,
55131 Mainz

Nur wenige angeborene pathologische Befunde der Mundhöhle erfordern eine unmittelbare perinatale chirurgische Intervention. Wir berichten daher über eine ausgedehnte, gestielte kongenitalen Epulis, die, vor dem Hintergrund der Gefahr einer Inkarzeration nach Stieldrehung, unmittelbar post partum entfernt wurde.
Ein weibliches Neugeborenes (zweieiiges Zwillingskind, 38 SSW, 3110g) wurde unmittelbar nach Sectio caesarea mit einem ausgedehnten Tumor, gestielt am linken oberen Alveolarkamm zugewiesen. Der Tumor wies nur einen zarten Gefäßstiel auf und füllte die vordere Mundhöhle des Kindes nahezu aus. Während der Schwangerschaft hatten sich keine Auffälligkeiten ergeben. Bei der Ultraschallkontrolle einen Tag vor Geburt war die Läsion erstaunlicherweise nicht aufgefallen. Wegen der hohen Mobilität sahen wir die Gefahr einer Stieldrehung mit unkontrollierter Ablösung des Befundes und entschlossen uns daher zur unmittelbaren Entfernung in lokaler Infiltrationsanästhesie unter anästhesiologischer Überwachung in den ersten Lebensstunden.
Bei der histologischen Aufarbeitung zeigte sich das typische Bild solider Verbände von Granularzellen mit kleinen, teilweise hyperchromatischen Zellkernen und eosinophilem Zytoplasma. Das Resektat war von einem schmalen, regelrecht aufgebauten Plattenepithel überzogen.
Obwohl chirurgische Eingriffe in der unmittelbaren perinatalen Adaptationsphase nur unter strengsten Indikationen vorgenommen werden sollten, können ausgedehnte orale Läsionen in seltenen Fällen ein solches Vorgehen begründen.

Graduierung des biologischen Potentials von Weichgewebstumoren: Typing plus Grading

Kosmehl H.

Institut und Praxis für Pathologie, HELIOS-Klinikum Erfurt, Nordhäuser Straße 74, 99089 Erfurt


Übersicht zur differenzierten Bewertung der Dignität von Weichgewebstumoren entsprechend der WHO-Klassifikationen (WHO 2002).
Die Kategorie BENIGNE umfasst Weichgewebstumoren, die nur selten oder nicht rezidivieren. Die seltenen Rezidive sind nicht destruktiv.
Zwischen den Kategorien BENIGNE und MALIGNE wird die Kategorie INTERMEDIÄR eingeführt, die 2 Untereinheiten besitzt: Weichgewebstumoren der Kategorie INTERMEDIÄR, LOKAL - AGGRESSIV besitzen eine hohe lokale Rezidivneigung und zeigen ein lokal destruktives Wuchsbild. Metastasen treten niemals auf.
Die Kategorie INTERMEDIÄR – SELTEN METASTASIEREND umfasst Tumoren mit lokal aggressivem Wuchsmuster, hoher Rezidivrate und einer Metastasierungspotenz von unter 2 %.
MALIGNE Weichgewebstumoren wachsen lokal aggressiv, rezidivieren lokal und besitzen ein signifikantes Risiko der Metastasierung. In Europa wird die Diagnose eines Weichgewebssarkoms durch das French Federation Nationale des Centres de Lutte Contre le Cancer (FNCLCC)-Grading ergänzt. Die Parameter des FNCLCC-Grading, die jeweils in einem Score-Wert 0 bis 3 erfasst werden, sind die Tumordifferenzierung/Typing, die Mitosezahl und das Ausmaß der Tumornekrosen. Die Score-Werte von 2 und 3 entsprechen Grad 1, Score-Werte von 4 und 5 Grad 2 und Score-Werte von 6 bis 8 Grad 3. Die Mehrzahl der histologisch niedriggradigen Sarkome hat ein Metastasierungsrisiko von 2 bis 10 %.
Mitosezahl und zelluläre Atypie sind allgemeine histologische Merkmale der Malignität. Im Fall der Weichgewebstumoren müssen sie obligat im Rahmen des histologischen Kontexts interpretiert werden, da Atypie und Mitosereichtum nicht in allen Weichgewebstumortypen zuverlässige Malignitätskriterien sind.
Folglich bedarf es zur Einschätzung allgemeiner histologischer Merkmale der Dignität und zur Bewertung der biologischen Potenz sowohl der Bestimmung des Tumortyps (Typing) als auch des Tumorgrades (Grading).


Die vertikale Positionierung des Oberkiefers bei bignathen Eingriffen

Kretschmer W.

Klinik für Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie, Marienhospital Stuttgart, Böheimstraße 37,
70199 Stuttgart


Die vertikale Positionierung des Oberkiefers ist einer der entscheidenden Faktoren für das ästhetische Ergebnis eines bignathen Eingriffes. In der vorliegenden Studie soll die Präzision der vertikalen Oberkieferverlagerung mit einem neu entwickelten Referenzpinverfahren aufgezeigt werden.
In einer prospektiven Studie an 100 Patienten mit bimaxillären Osteotomien von 7/2004 bis 4/2005 wurde die vertikale Oberkieferposition über einen im Bereich der Glabella angebrachten Referenzpin und einen Zirkel bestimmt. Der Pin wurde analog einem Kirschnerdraht mit einem chirurgischen Handstück eingebracht. Der Abstand vom Referenzpin zum Multibandbogen diente als Maß für die zu verändernde vertikale Position des Oberkiefers. Die Bestimmung der tatsächlich erreichten vertikalen Veränderungen erfolgte durch Überlagerung der prae- und postoperativen Fernröntgenbilder anhand stabiler Strukturen der anterioren Schädelbasis nach Björk und Skieller.
Bei keinem Patienten traten Komplikationen im Bereich des Pins auf. Das Ziel der vertikalen Positionierung war eine Schneidezahnschau von 2 mm. Die geplanten vertikalen Bewegungen reichten von 8 mm Extrusion bis 7,25 mm Intrusion. Die durchschnittliche Abweichung der tatsächlich erreichten von der geplanten Position betrug +0,17 mm und war statistisch nicht signifikant. 87 % der Werte zeigten eine Abweichung von maximal 1,0 mm. In 62 % der Fälle lag sie bei maximal 0,5 mm. Die maximale Abweichung betrug 2,0 mm.
Die aufgezeigte Präzision liegt deutlich höher als bei den meisten in der Literatur beschriebenen Verfahren mit intra- und extraoralen Referenzpunkten. Aufgrund der einfachen und schnellen Applikation sowie der geringen Kosten des neuen Referenzpins hat sich dieses Verfahren in unserer Klinik als Standard durchgesetzt.


Die vertikale Distraktion des Unterkiefers bei einseitiger hemifazialer Mikrosomie

Kuder J., Faßnacht J., Kretschmer W., Wangerin K.

Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Marienhospital Stuttgart, Böheimstraße 37, 70199 Stuttgart


Ziel der Untersuchung: Untersuchung der Längenentwicklung der aufsteigenden Äste post distractionem
Material und Methoden: Es wurden 21 Patienten im Alter von 4,5 - 15 Jahren von enoral distrahiert. Anwendung fanden vertikale Unterkieferdistraktoren der Firma Medicon. Nach Distraktionsende wurde die erreichte Distraktionsstrecke bis zur knöchernen Konsolidierung mittels interokklusalem Splint stabilisiert und anschließend kieferorthopädisch nachbehandelt. Die Auswertung erfolgte durch Ausmessungen an Panoramaschichtaufnahmen. Der Nachuntersuchungszeitraum betrug 13 - 86 Monate.
Ergebnisse: Durch die vertikale Distraktion konnte eine Verbesserung der Asymmetrie erzielt werden. Nach Distraktorentfernung und im Verlaufe des weiteren Wachstums verschlechterte sich allerdings das erzielte Ergebnis wieder. Die Gründe liegen hierfür zum Teil im verminderten Wachstum der betroffenen Seite, aber auch in mangelnder Stabilität. Die Asymmetrie konnte nur in wenigen Fällen lediglich durch eine Distraktion behoben werden, in allen anderen Fällen waren zusätzliche Osteotomien notwendig,
Schlussfolgerung: Die Distraktionsosteogenese verbessert die Asymmetrie der hemifazialen Mikrosomie bereits während des Wachstums. Da weiteres Wachstum das ursprünglich gute Ergebnis wieder verschlechtern kann, sind Überkorrekturen notwendig. Die Langzeitstabilität ist nicht in allen Fällen befriedigend.
Eine zweite Distraktion bei wiederkehrender ausgeprägter Asymmetrie ist möglich. Die Durchführung einer bimaxillären Osteotomie zur abschließenden Korrektur ist oft notwendig und wird durch die Distraktion oft erst ermöglicht.

Einfluss des Transplantatlagers auf die Einheilung freier Knochentransplantate

Kübler A., Reuther T., Adeyemo L., Zöller E.J.

Klinik und Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie und Mund- Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, Klinikum der Universität zu Köln, Kerpener Straße 62, 50937 Köln


Ziel der tierexperimentellen Studie war es, den Einfluss verschiedener Konditionierungen des Transplantatlagers auf die Einheilung freier Knochentransplantate des Beckens zu untersuchen.
Bei 15 Schafen wurden monokortikale Beckenspantransplantate entnommen und im Bereich des Unterkiefers (UK) über einen extraoralen Zugang augmentiert. Die Transplantate waren 2x1x0,5 cm groß und wurden jeweils mit zwei Mikroschrauben an der Außenkortikalis des UK fixiert. An jedem UK konnten 4 Proben gleichzeitig augmentiert werden (2 li/2 re). Insgesamt wurden 6 Verfahren zur Konditionierung des Transplantatlagers angewandt:
1. alleinige Schraubenfixation (SF). 2. Perforation des Transplantatlagers (Kortikalis) mittels 1,5mm Rosenbohrer und SF. 3. SF und Exzision des bedeckenden Periostes. 4. SF und Abdeckung mittels resorbierbarer Kollagenmembran. 5. SF und Auflagerung von BioOss und Abdeckung mittels resorbierbarer Kollagenmembran. 6. Einlagerung einer undurchlässigen Silikonmembran zwischen UK und Transplantat und SF.
Die Tiere wurden nach zeitversetzter Applikation von 4 verschiedenen Fluorochromen nach 4, 8, 12 oder 16 Wochen getötet. Von den Proben wurden quantitative CTs angefertigt. Anschließend wurden Trenn-Dünnschliffe und entkalkte Schnitte für histologische und immunhistochemische Untersuchungen angefertigt.
Klinisch und histologisch zeigte sich, dass in der Gruppe 3 (Periostexz.) die stärkste Atrophie des Augmentats auftrat. In Gruppe 6 (Silikonfolie) kam es zu keiner Verknöcherung mit der Unterlage, das Transplantat zeigte ebenfalls eine deutliche Atrophie. Gruppe 1 (nur SF), 2 (Perforation) und 4 (Membran) zeigten keine wesentlichen Unterschiede. Die Transplantate waren fest mit der Unterlage verknöchert und wiesen eine geringere, nach 16 Wochen aber deutliche, Atrophie auf. Die Gruppe 5 (BioOss + Membran) zeigte keine Atrophie und das Transplantat war fest verknöchert. Allerdings zeigte diese Gruppe die einzigen Wundheilungsstörungen.
Die radiologischen, fluoreszenzmikroskopischen, histologischen und immunhistochemischen Untersuchungen zeigten weitere detaillierte Unterschiede bezüglich der Osteoklastenaktivität, der Apoptoserate, der Knochenneubildungsrate, der Knochendichte und der Proliferationsrate in den augmentierten, kortikospongiösen Knochentransplantaten.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass deutliche, reproduzierbare Unterschiede durch die Konditionierung des Transplantatbettes auftraten.

Erweiterte Indikationen für Zygomatikus - Fixturen in der Rehabilitation des Mittelgesichtes

Landes C. A., Sader R.

Klinik für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt, Theodor-Stern-Kai 7, 60596 Frankfurt am Main


Die erfolgreiche prothetische Rehabilitation ist von entscheidender Bedeutung für die Lebensqualität von Patienten mit großen Oberkieferdefekten. Diese Untersuchung galt erweiterten Anwendungsmöglichkeiten für Zygomatikus - Fixturen, der resultierenden Lebensqualität und dem Implantaterfolg.
Zwölf Patienten, 24 bis 79 Jahre, 2 männlich, 10 weiblich mit 28 Zygomatikus - Fixturen und 23 Zahnimplantaten wurden 24 bis 72 Monate nachgesorgt. Verlust des gesamten Alveolarfortsatzes bis zu vollständiger Maxillektomie wurden mit 1 bis 4 Fixturen versorgt. Die Lebenszufriedenheit nach Rehabilitation wurde mit der Lebensqualität vor Rehabilitation verglichen.
Die kumulative Implantat - Überlebensrate lag bei 82 %, 3 Verluste waren mit anhaltender Infektion und langsamer Implantatlockerung assoziiert. Diese wurden erfolgreich in angrenzendem Knochen nach Entfernung mit neuen Implantaten substituiert. Der Implantaterfolg war 71 %. Mangelnde Implantatlänge in Weichteilrekonstruktionen neigte zu anhaltenden Infektionen durch Taschenbildung und wiederholtes Überwuchern mit Granulationsgewebe. Längere Implantate hatten keine Weichteilprobleme, der Hebel war jedoch deutlich ungünstiger mit der Tendenz zu Überbelastung, besonders wenn kein Alveolarfortsatz mehr vorhanden war und keine anterioren Zahnimplantate inseriert werden konnten. Daher wurden als neue Indikation zur Verminderung des prothetischen Hebels parallel zweite und dritte, anterior angulierte Implantate inseriert um die Prämolaren- und Eckzahnregion zu unterstützen. Die Periotest - Durchschnittswerte stiegen von 0 auf 7 im 4. Nachsorgejahr, der parodontale Blutungsindex und Plaqueindex fiel von 56 % auf 0 % und 33 % auf 0 %. Gute allgemeine Lebensqualität wurde von den Patienten attestiert, die insbesondere Wert auf Kauvermögen und Aktivität legten.
Zygomatikusfixturen sind verlässliche Prothesenanker für die Rehabilitation des Mittelgesichtes wenn eine chirurgische Knochenrekonstruktion aufgrund des AZ oder Ablehnung des Patienten nicht möglich ist. Zygomatikus - Fixtur getragene Prothesen verbesserten die Weichteilprojektion des Mittelgesichtes, Kauvermögen, Sprache, und Mund - Nasendichtigkeit. Zusätzliche anterior - angulierte Fixturen zeigen ermutigende Ergebnisse in Fällen totaler oder subtotaler Maxillektomie zur Verminderung einer Überlastung einfacher Zygomatikusfixturen.


Vorläufige Anwendungserfahrung mit einem neuartigen transpalatinal- Distraktor

Landes C., Seitz O., Ludwig B., Sader R., Klein C.

Klinik für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt, Theodor-Stern-Kai 7, 60596 Frankfurt am Main


Die knochengetragene Distraktion bei transversaler Kompression des Oberkiefers ist zur Schonung parodontal geschädigter Ankerzähne, wie auch bei reduziertem Zahnbestand mit fehlenden Ankerzähnen eine notwendige Alternative zur Biedermann-Hyrax Schraube. Dadurch soll sich die parodontale Situation nicht verschlimmern, die Ankerzähne nicht überbelastet, oder überhaupt Verankerung gefunden werden. Die bisher erhältlichen Distraktoren sind entweder sehr voluminös, im Handling schwierig, oder von unzuverlässiger Stabilität.
Als Weiterentwicklung der TPD-Schraube (TPDs, Surgi-Tec NV, Brügge, Belgien) wurden die seitlichen Platten des vorgestellten Distraktors mit einer oktogonalen Kugelkopf-Schnappverbindung, einer dreieckigen Bodenplatte mit drei rotationsstabilisierenden Dornen und einer 2 x 6 mm Schraube ausgestattet. Der Distraktionszylinder wurde mit einer neuartigen Schraubenschlüsselverbindung ausgestattet. Der Einsatz erfolgte bei 10 dysgnathen Patienten mit transversaler Oberkieferkompression zusammen mit einer klassischen Le-Fort I Osteotomie modifiziert nach Glassmann.
Es zeigte sich dass die dreieckige Platte mit der einzelnen Schraube und den rotationsstabilisierenden Dornen wesentlich schneller, mit kleinerer Inzision einzubringen war. Die Distraktion erfolgte zuverlässig bei 1 mm pro Umdrehung mit 2 bis 3 1/3 Umdrehungen pro Tag. Die Entfernung war zuverlässig ohne Lokalanästhesie durchführbar.
Der vorgestellt Distraktor kann als eine wesentliche Vereinfachung im Handling bei gleichzeitig deutlich kleinerem Distraktorvolumen im Vergleich mit konkurrierenden Modellen angesehen werden. Weitere klinische Erprobung ist geplant.


Kombiniert chirurgisch-implantatprothetische Rehabilitation von anterioren Oberkieferdefekten nach traumatischem Knochen- und Zahnverlust im Vergleich mit der Spaltsituation.

Landes C. A., Sader R.

Klinik für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie, der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt, Theodor-Stern-Kai 7, 60596 Frankfurt am Main


Hintergrund dieser Untersuchung ist der Vergleich zweier auf den ersten Blick vergleichbar komplizierter Defektsituationen der anterioren Maxilla, trotz ihrer unterschiedlichen Pathogenese. Beide Ausgangssituationen beinhalten ein knöchernes Defizit, fehlende Schneide- oder Eckzähne, Narben des Periost und umgebender Weichteile.
Jeweils 20 traumatische Defektpatienten und 20 LKG-Spaltträger wurden in diese Studie aufgenommen und durchschnittlich 45 Monate nachgesorgt. Davon hatten 8 zweizeitige, 12 einzeitige Defektosteoplastiken, 37 Implantate wurden eingebracht; Spaltosteoplastiken erfolgten 9 sekundär, 11 tertiär, 25 Implantate wurden eingesetzt. Vier Monate war das durchschnittliche Zeitintervall bei zweizeitigen posttraumatischen Osteoplastiken; 57 Monate nach sekundären-, 13 Monate nach tertiären Spaltosteoplastiken. Die Implantatbelastung mit Einzelkronen erfolgte nach 6 Monaten.
Zwei (10 %) Traumapatienten erlitten insgesamt 2 Implantatmisserfolge, 2 Verluste im ersten Jahr der Belastung, 4(20 %) LKG Patienten erlitten insgesamt 2 Implantatmisserfolge, 2 Verluste im ersten Jahr; kumulativer 5-Jahreserfolg war 88 % und 80 %. Weitere Parameter waren nach 12 Monaten (Mittelwerte Trauma-Patienten; LKG-Patienten ± Standardabweichung, Signifikanz): Knochenverlust 0.5±0.7 mm, 0.3±0.5 mm, p<0.2; Periotest®-Werte 1.2±2.5, 1.1±3.1, p<0.7; gingivale Rezession 2.2±0.5mm, 2.1±0.3 mm, p<0.6; Probingtiefe 2.8±2.6 mm, 2.5±0.5 mm, p<0.3.
In beiden Kollektiven traten ähnliche Misserfolgsraten und Komplikationen auf; großzügiges Transplantatvolumen 3-6 Monate Zeitintervall vor Implantatinsertion, ausreichende Implantatdimensionen, frühes Erwachsenenalter bei Insertion waren mit guten Resultaten korreliert. Frühbelastung kann mit den vorliegenden Ergebnissen noch nicht empfohlen werden. Negative Faktoren waren einheitlich reine Spongiosatransplantate oder gemahlene Späne, Wunddehiszenz, Rauchen, Anorexie. Intraoral gehobene membranös-kortikospongiöse Knochentransplantate könnten prospektiv evaluiert werden ob diese sich stabiler gegen Resorption erweisen. Wenn die Implantatinsertion kurz nach dem Wachstumsschub erfolgt, müssen Entnahmemorbidität, Wachstum und Zahndurchbruch in Rahmen einer prospektiven Studie überwacht werden


Endoskopisch assistierte transorale Osteosynthese mittels einer delta-förmigen Kompressionsplatte bei Kiefergelenkfortsatzfrakturen

Lauer G., Pradel W., Schneider M., Eckelt U.

Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, Fetscherstraße 74, 01307 Dresden


Zur Vermeidung von Schädigungen des Nervus facialis und extraoralen Narben gewinnt die transorale minimal invasive, endoskopisch assistierte Osteosynthese bei der Versorgung auch von höher gelegenen Kiefergelenksfortsatzfrakturen an Bedeutung. Die begrenzten Platzverhältnisse am gelenktragenden Fragment erlauben oft nur den Einsatz einer Miniplatte anstelle der biomechanisch günstigeren 2 Platten. Das Design der neu entwickelten Platte soll den auf die Fraktur einwirkenden Kräften gerecht werden, eine Kompression der Fragmente bewirken und auch bei hohen Frakturen einsetzbar sein. In einer prospektiven klinischen Studie sollten Handhabung und Stabilität der Delta-Kompressionsplatte untersucht werden.
Bisher wurden 13 Patienten (3 Frauen, 10 Männer, 16-75 Jahre) mit 15 Gelenkfortsatzfrakturen (Typ I - IV nach Spiessl und Schroll) endoskopisch assistiert über einen transoralen Zugang operiert. Fünf Patienten hatten lediglich einseitige Kiefergelenksfrakturen, 5 Patienten hatten eine weitere Fraktur am Kieferkörper und 3 Patienten hatten beidseitige Kiefergelenksfrakturen in Kombination mit einer Kieferkörperfraktur. Über den Nachbeobachtungszeitraum von mind. 6 Monaten wurden klinisch die Mundöffnung und Unterkieferbeweglichkeit, sowie Wundheilung und Schmerz beurteilt. Anhand von Röntgenaufnahmen postoperativ und nach 6 Monaten wurden das Repositionsergebnis und die Frakturheilung eingeschätzt.
Die Fragmente konnten bis auf eine Fraktur gut reponiert und die Ramushöhe rekonstruiert werden. Es kam weder zum Plattenbruch noch zur vorzeitigen Entfernung des Ostesynthesematerials aufgrund von Redislokation oder Plattenlockerung. Bei allen Patienten zeigte sich innerhalb 24 Wochen postoperativ eine Normalisierung der Funktion bei einer Mundöffnung von 3,5 bis 4 cm und einer Pro- und Laterotrusion von > 5 mm.
Durch die Gestaltung der Osteosyntheseplatte war es möglich, Frakturen im Bereich des Gelenkhalses stabil zu versorgen, die sonst einen extraoralen Zugang erfordern würden. Die Ergebnisse zeigen, dass die neu entwickelte Delta Kompressionsplatte für die transorale Osteosynthese auch von höheren Gelenkfortsatzfrakturen gut geeignet ist und die Risiken extraoraler Zugänge vermieden werden können.

Sarkome des Kiefergelenkes - Differentialdiagnostisch in Erwägung zu ziehende Erkrankungen bei Kiefergelenksschwellungen.

Leitner Ch., Lihs A., Hoffmann J., Reinert S.

Klinik und Poliklinik für Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Tübingen, Osianderstraße 2-8, 72076 Tübingen


Sarkome der Kopf-Hals-Region sind seltene maligne mesenchymale Neoplasien. Sarkomatöse Veränderungen unterschiedlichen Gewebeursprungs nehmen einen Anteil von weniger als 1 % aller malignen Tumoren unseres Fachgebietes ein. Die Therapieentscheidung ist neben der Lokalisation, Ausdehnung und systemischen Manifestation des Tumors im Wesentlichen von dessen histopathologischer Wertung, hier insbesondere von dessen Differenzierung, abhängig. Im Vordergrund steht zunächst die chirurgische Therapie durch eine Resektion in sano mit ausreichendem Sicherheitsabstand, ggf. müssen adjuvante chemo- und/oder radiotherapeutische Behandlungen in Erwägung gezogen werden.
Wir beschreiben die Fälle eines 54- und 28-jährigen Patienten, die sich beide mit einer schmerzhaften, größenprogredienten, derben präaurikulär gelegenen Raumforderung ambulant vorstellten. Die Diagnosesicherung erfolgte in Rahmen einer Probeentnahme. Histopathologisch wurde die Diagnose eines Chondro- bzw. eines monophasisch-fibrösen Synovialsarkoms gestellt. Nach interdisziplinärer Beurteilung der Fälle im Rahmen des Sarkom-Boards unseres Klinikums wurde eine Unterkieferteilresektion mit konservativer Parotidektomie und simultaner Unterkieferrekonstruktion mittels mikrovaskulär reanastomosierten Fibulatransplantate durchgeführt. Adjuvant erfolgte eine Radio- bzw. Chemotherapie. Klinisch und bildgebend zeigt sich nun, sechs Monate nach Therapie, bei gutem subjektivem Allgemeinzustand der Patienten und unauffälliger Gelenkfunktion kein Anhalt für ein Tumorrezidiv.
Anhand der vorgestellten Fallbeispiele sowie aufgrund der Literatur werden Inzidenz und moderne Therapiekonzepte von Sarkomen des Kiefergelenkes vorgestellt und diskutiert.

Tierexperimentelle Evaluation zur Matrixmodifikation von Knochenzementen

Mai R., Jung R., Stadlinger B., Eckelt U.

Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum der TU Dresden, Fetscherstraße 74, 01307 Dresden


Das Ziel der DFG - geförderten Untersuchung war die tierexperimentelle Evaluation der Eignung eines neu entwickelten Kalziumphosphatzementes als frei modellierbares Hydroxylapatit-Kollagen-Konstrukt zur Knochendefektsanierung. In unterschiedlichen Modifikationen sollte durch biologisierte Zusätze eine künstliche extrazelluläre Matrix geschaffen werden, um bewusst unter Aktivierung des Lagerknochens auf nicht autologe Wachstumsfaktoren in unphysiologisch hohen Dosen verzichten zu können.
An 12 adulten Minischweinen wurden artifizielle Defekte kritischer Größe gesetzt und mit Knochenersatzmaterial auf der Basis eines pastösen Hydroxylapatit-Kollagen-I-Gemisches remodelliert. Als Modifikationen des Implantatgefüges fungierten Chondroitinsulfat, Heparin und Polylactid als singulärer Zuschlagsstoff pro Defekt. Die Versuchsauswertung erfolgte mittels histologischer Imageanalyse am unentkalkten Trenn-Dünnschliff-Präparat. Alle 12 Tiere konnten postoperativ unter komplikationsloser Einheilung nach 2 Monaten einer histomorphometrischen Bewertung zugeführt werden.
Histologisch imponierte initial eine minimale Entzündungsreaktion des Implantatbettes bei allen Modifikationsformen. Der intra operationem aushärtende Hydroxylapatit-Kollagen-Zement zeigte osteokonduktive Materialeigenschaften bei allen artifiziellen Matrices. Die vom Defektrand ausgehende Resorption und knöcherne Substitution gestaltete sich am aussichtsreichsten im Chondroitin modifizierten Defekt mit 68 % knöchern ersetzter Zementtextur und war damit außergewöhnlich rasch. Im intraindividuellen Vergleich war dies zum unmodifizierten Zementareal und zum Leerdefekt statistisch signifikant (p<0,05).
Das neu entwickelte Hydroxylapatit-Kollagen-I-Komposit eignet sich sowohl aufgrund seiner knöchernen Integration und Resorption als auch durch seine gute Applizierbarkeit intra operationem als Knochenersatzmaterial am verwendeten Tiermodell. Die eingesetzten Gefügemodulatoren, insbesondere das Chondoitinsulfat, sind in der Lage, eine Aktivierung der extrazellulären Matrix herbeizuführen und damit eine schnellere Resorption mit nachfolgender Restitutio ad integrum auch im kritischen Defekt zu erzielen.


Mikromorphologische Untersuchungen unterschiedlicher Osteotomieverfahren an der Kaninchenkalotte

Maurer P.1, Kriwalsky M. S.1, Block Veras R.1, Heiss C.2

1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie,
Martin Luther Universität Halle-Wittenberg, Ernst-Grube-Straße 40, 06097 Halle (Saale)
2 Klinik und Poliklinik für Traumatologie und Wiederherstellung,
Justus-Liebig Universität Gießen, Rudolf-Buchheim-Straße 7, 35385 Gießen


Einleitung: Das seit kurzem im klinischen Gebrauch befindliche Piezosurgery-Osteotomieverfahren stellt eine Alternative zu den konventionellen Methoden der Osteotomie dar. Ziel der vorliegenden Studie war es osteotomierte Knochenoberflachen mittels geeigneter bildgebender Untersuchungsmethoden nach Anwendung konventioneller Osteotomiemethoden und dem neuen piezoelektrischen Verfahren tierexperimentell zu untersuchen.
Material und Methoden: Zu diesem Zweck wurden an frisch euthanasierten Kaninchen Knochenstücke normierter Größe von der Schadelkalotte entnommen. Folgende Osteotomieverfahren wurden angewandt: rotierendes Instrumentarium, Mikrosäge, ultraschall-gestütztes Osteotom (Mectron Piezosurgery®) (Aufsatze OT6 und OT7). Die osteotomierten Oberflächen wurden mittels Environmental Surface Electrone Microscopy (ESEM) und Confocal Laser Scanning Microscopy (CLSM) untersucht. Rauhigkeitswerte der verschiedenen Osteotomieoberflächen wurden CLSM-gestützt bestimmt.
Ergebnisse: In den elektronenmikroskopischen Untersuchungen (ESEM) lässt sich an den nativen Knochenproben der typische Aufbau der Schädelkalotte mit Tabula externa, Diploe und Tabula interna nachvollziehen. Es zeigten sich nach Anwendung der konventionellen Verfahren deutliche Veränderungen, insbesondere der spongiösen Knochenstrukturen. So ließen sich nur noch spärlich, teilweise zerfetzte Spongiosabälkchen erkennen. Die Spongiosa-Räume waren mit Knochenpartikeln zugeschmiert. Über die gesamte Fläche lassen sich parallel angeordnete Sägespuren bzw. Schleifspuren erkennen. Bei den Oberflächen, die mittels ultraschall-gestütztem Osteotom getrennt wurden, imponieren selbst zarte Spongiosabälkchen der Diploe intakt. Die Spongiosazwischenraume sind frei von Knochenpartikeln. Dieser Umstand ist sowohl für den Einsatz des Aufsatzes OT6 als auch OT7 der Fall. Die mittleren Rauhigkeitswerte waren wie folgt: 2,29 (fein), 3,13 (rau), 7,01 (rotierend) und 6,61 (sägend).
Schlussfolgerung: Die mikromorphologischen Untersuchungen zeigen, dass sich die Knochenoberflächen nach Einsatz des ultraschall-gestützten Osteotom von denen nach Einsatz der konventionellen Osteotomieverfahren unterscheiden. Unterschiede im Rahmen der Knochenheilung sind naheliegend und sollten untersucht werden.


Non-in-sano Resektion von Basalzellkarzinomen im Gesichtsbereich! Nachresektion oder Nachbeobachtung?

Maurer P., Eichentropf C., Kriwalsky M. S., Schubert J.

Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, Martin Luther Universität Halle-Wittenberg, Ernst-Grube-Straße 40, 06097 Halle (Saale)


Einleitung: Die in sano Resektion stellt den gold Standard in der Therapie des Basalzellkarzinoms der Gesichtshaut dar. Hierbei wird ein Zusammenhang zwischen der non-in-sano Resektion und dem Auftreten von Rezidiven diskutiert. Ziel der vorliegenden Studie war es, das Rezidivrisiko nach non-in-sano Resektionen zu evaluieren.
Material: In der vorliegenden Studie sind bei 1044 Patienten (w = 566 / m = 478, Durchschnittsalter 71,1 Jahre) 1412 primäre Basalzellkarzinome entfernt worden. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 68,8 Monate (6 - 137 Monate).
Ergebnisse: Von 1165 vollständig entfernten Tumoren rezidivierten 13 (1,1 %). In 247 (17,5 %) Fällen wurde die unvollständige Resektion nachgewiesen. In dieser Gruppe traten insgesamt 35 (14,1 %) wieder auf. Dieser Unterschied ist signifikant (Chi-Quadrat Test, N2=0,000; p=0,01). Bei 68 von 247 Tumoren wurde nachresiziert, wobei 57 mal die Resektion im Gesunden gelang. Von den Patienten, bei denen eine vollständige Entfernung erfolgte, zeigten sich in der Folge 5 Rezidive (8,77 %). 179 von 247 Rl resizierten Tumoren wurden ausschließlich nachbeobachtet. Von diesen Tumoren rezidivierten 25 Läsionen (13,9 %). Der Unterschied zwischen beiden Gruppen zeigte keinen signifikanten Unterschied (Chi-Quadrat Test, K2=0,305; p=0,01). Die 11 Tumoren, die nach der zweiten Operation eine Randinfiltration aufwiesen, zeigten 5 Rezidive (45,45 %).
Conclusion: Im Gesunden entfernte Basalzellkarzinome besitzen eine geringe Rezidivgefahr. Dabei bietet der erste Eingriff die beste Möglichkeit zur vollständigen Entfernung des Tumors. Die Rezidivraten von nachträglich in sano resizierten Tumoren und die der nachbeobachteten non-in-sano resizierten Basaliome zeigten keinen signifikanten Unterschied. Alle Basalzellkarzinome, die nach histopathologischer Untersuchung als R l resiziert eingestuft wurden, zeigten die höchsten Rezidivraten.


Ex vivo Herstellung von Gelenkgewebe mittels bizellulärer Gewebeherstellung

Meyer U.1, Wiesmann H. P.2, Depprich R.1, Handschel J.1

1 Klinik für Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, Heinrich-Heine-Universität,
Moorenstraße 5, 40225 Düsseldorf
2 Klinik und Poliklinik für Mund-, und Kiefer-Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Münster,
Waldeyerstraße 30, 48129 Münster


Die in vitro Herstellung von Gelenken erfordert das Zusammenführen zweier mesenchymaler Zelllinien. Während Chondrozyten den zellulären Anteil der Knorpelkappe darstellen, bilden Osteoblasten die Knochenstruktur im subchondralen Anteil des Gelenkes. Ziel der Untersuchung war es, ein dem natürlichem Gelenk ähnliches Gewebekonstrukt ex vivo herzustellen.
Mature Osteoblasten wurden in Kulturmonolage proliferiert und differenziert. Ein in der Größe dem humanen Gelenk ähnliches interkonnektierendes poröses Polilactat/Polyglycolat Scaffoldgerüst wurden synthetisch hergestellt. Anschließend erfolgte die Besiedlung und Reifung des Scaffoldkomplexes mit den Osteoblasten ex vivo. Parallel zur Kultur der Knochenzellen erfolgte eine Proliferation von explantierten Chondrozyten. Die Chondrozyten wurden anschließend entweder unter Mikromassenkulturbedingungen als Chondrospheres oder eingebettet in einem Kollagengel dreidimensional assembliert. In einem Bioreaktor erfolgte dann die Obnerflächenbeschichtung des PLA/PGA Knochenkonstruktes mit den Knorpelzellkonstrukten. Das dadurch entstandene geschichtete bizelluläre Konstrukt wurde mittels immunbiologischer und elektronenmikroskopischer Verfahren charakterisiert. Die Coaxierung der beiden zellhaltigen Gewebekonstrukte führte sowohl bei den Chondrospheres als auch bei dem Gel zu einem stabilen Verbund zwischen den Knorpelzellkonstrukten und dem Osteoblasten-haltigen PLA/PGA Material. Unter standardisierten Kulturbedingungen konnte die Differenzierung der jeweiligen Zelllinien über einen Zeitraum von 14 Tagen beobachtet werden. Die histologischen, immunhistochemischen und elektronenmikroskopischen Untersuchungen zeigten eine dem nativen Gelenk ähnliche Struktur. Mittels komplexem Tissue Engineering Verfahren scheint eine Herstellung von komplexen Gelenkanteilen ex vivo möglich zu sein


Einfluss der Elektrolytkonzentration in muzinbasierten Speichelersatzlösungen auf demineralisierten Schmelz

Meyer-Lückel H., von Klinggräff D., Schmidt-Westhausen A.-M., Kielbassa A. M.

Zahnärztliche Chirurgie und Röntgenologie, Charité - Campus Benjamin Franklin, Aßmannshauser Straße 4-6, 14197 Berlin


Ziel der Untersuchung: An Muzin gebundene Sialinsäuren binden Kalzium. Dieser Mechanismus könnte Ursache für die Hemmung des Remineralisationspotentials kalziumhaltiger, muzinbasierter Speichelersatzmittel sein. Ziel der Untersuchung war daher, den Effekt der Zugabe von Kalziumphosphat unterschiedlicher Konzentrationen zu Speichelersatzlösungen auf Muzinbasis auf demineralisierten, bovinen Schmelz in vitro zu evaluieren.
Material & Methoden: Bovine Schmelzproben (19 Gruppen, n=10; 3 Gruppen, n=9) wurden in Kunstharz eingebettet und poliert (Körnung 4000). Als Kontrollgruppe diente die partiell mit Nagellack abgedeckte Probenoberfläche. Die Proben wurden anschließend für 14 Tage bei einem pH von 5,0 bei 37 °C demineralisiert. Nach Demineralisation wurden die Proben für 14 Tage den muzinbasierten Lösungen (30 g/l) unterschiedlicher Sättigungen von NaF (0,1 mM), CaCl2 (0-20 mM) und KH2PO4 (0-52 mM) bei zwei unterschiedlichen pH-Werten (5,5 oder 6,5) ausgesetzt. Eine fluoridfreie Lösung sowie ein kommerziell erhältliches Speichelersatzmittel (Saliva Orthana®) dienten als Kontrolle. Die Auswertung des Mineralverlustes (?Min = Differenz zwischen den Werten vor [MinDemin] und nach der Lagerung [MinEffekt] in den unterschiedlichen Lösungen) erfolgte anhand von Dünnschliffmikroradiographien (100 µm).
Ergebnisse: Das allgemeine lineare Modell (GLM) zeigte für ?Min ein signifikante Abhängigkeit vom Kalziumgehalt (p=0,006), nicht aber vom Phosphatgehalt (p=0,081) oder dem pH-Wert (p=0,114). Verglichen mit MinDemin war MinEffekt lediglich in der Gruppe der höchsten Sättigung in Bezug auf Hydroxylapatit signifikant reduziert (p<0,05; t-Test).
Schlussfolgerung: Muzinbasierte Speichelersatzmittel sind bei einer adäquaten Zusammensetzung bezüglich der Kalzium- und Phosphatkonzentration in der Lage, bovinen Zahnschmelz in vitro zu remineralisieren.


Fallbeschreibung: Traumatische Augenbulbusdislokation in die Kieferhöhle

Müller-Richter U., Driemel O., Wagener H., Reichert T. E.

Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinik Regensburg,
Franz-Josef-Strauss-Allee 11, 93053 Regensburg


Fallbericht: Ein 61jähriger Patient wurde nach einem Arbeitsunfall, bei dem ein Maschinenteil die rechte Orbita getroffen hatte, notfallmäßig vorgestellt.
Befunde: Klinisch imponierte ein rechtseitiges Monokelhämatom. Es lagen weder Frakturstufen im Bereich des lateralen Mittelgesichts noch Funktionseinschränkungen des N. infraorbitalis vor.
Nach passivem Öffnen der Lider des rechten Auges zeigte sich eine leere Augenhöhle. Bei Beleuchtung der rechten Kieferhöhle gab der Patient, Lichtschein wahrzunehmen. Die bildgebende Diagnostik des Mittelgesichts mit Hilfe der Computertomographie diagnostizierte eine isolierte Blow-out Fraktur der Orbita mit einer kompletten Dislokation des Bulbus in die Kieferhöhle.
Therapie: Hierauf wurde der Bulbus über ein Kieferhöhlenfenster in Allgemeinnarkose repositioniert und in seiner Lage mittels eines Kieferhöhlenballonkatheters gesichert. Intraoperativ schien der Bulbus regelgerecht tonisiert und in seiner äußeren Struktur komplett erhalten. Augenmuskeln und N. opticus ließen klinisch keine Verletzung erkennen.
Verlauf: Die postoperative Bildgebung beschrieb die regelgerechte Lage des rechten Augenbulbus ohne Läsion des N. opticus und ohne Einklemmung der Augenmuskeln. Es bestand eine Visusminderung von 0.125 s.c. und ein deutlich erhöhter intraokluarer Druck von 32 mmHg. Direkte und indirekte Lichtreaktion fehlten. Die Bulbusmotilität war stark eingeschränkt.
Unter konservativer Therapie mit intravenös verabreichten Kortikosteroiden kam es innerhalb der ersten 4 postoperativen Wochen zu einer deutlichen Verbesserung des Augenstatus. Der Visus s.c. betrug 0.9p. Der intraokulare Druck hatte sich normalisiert. Der Patient beschrieb keine Doppelbilder. Es bestanden noch geringe Motilitätsstörungen mit einem leichten Hebungsdefizit.
Schlussfolgerung: Trotz massivem Trauma mit ausgeprägter Dislokation können Bulbus, N. opticus und Augenmuskeln weitgehend unverletzt bleiben. Eine minimal-invasive Therapie ermöglicht eine weitgehende Wiederherstellung von Funktion und Ästhetik.

Fallbeschreibung: Angiolymphoider Tumor (Kimura Erkrankung) des Oberkiefers

Müller-Richter U., Driemel O., Wagener H., Reichert T. E.

Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinik Regensburg,
Franz-Josef-Strauss-Allee 11, 93053 Regensburg


Fallbericht: Ein 56jähriger Patient stellte sich aufgrund einer innerhalb von nur 6 Wochen rasch progredient gewachsenen Neubildung im Oberkiefer mit Zahnausfall vor.
Befunde: Klinisch imponierten Ulzerationen und Lockerung der restlichen Zähne im zweiten Quadranten. Eine auswärts entnommene Biopsie ergab den Befund eines Hämangioms mit invasivem Wachstumsmuster. Eine CT-Untersuchung ergab den Befund eines 4 x 1,9 cm großen Tumors des rechten Oberkiefers mit ausgeprägter Osteodestruktion und invasivem Wachstumsmuster, das am ehesten auf ein Plattenepithelkarzinom oder ein Sarkom hindeutete.
Therapie: Wir führten bei dem Patienten eine Teilresektion des rechten Oberkiefers durch. Intraoperativ gewonnene Biopsien zeigten eine Angiomatose mit Osteodesktruktion und Ausbildung eines plasmazellreichen reaktiven entzündlichen Pseudotumors. Ein Anhalt für Malignität bestand nicht. Aufgrund dieses histo-pathologischen Befundes wurde auf eine primäre Ausräumung der Lymphabflusswege verzichtet.
Verlauf: Die definitive histo-pathologische Untersuchung, mit konsiliarischer Begutachtung durch ein Referenzzentrum, bestätigte die Diagnose einer Angiomatose mit Ausbildung eines entzündlichen Pseudotumors mit lokal destruktivem Wachstum. Da eine Eosinophilie vorlag, war die Erkrankung am ehesten der Kimura-Krankheit zuzuordnen.
Schlussfolgerung: Die Kimura-Krankheit beschreibt eine sehr seltene angiolymphoide Hyperplasie mit Lymphadenopathie und peripherer Eosinophilie unbekannter Ätiologie. Meist tritt sie als tiefe subkutane Raumforderung im Kopf-Hals-Bereich auf. Eine Lymphadenopathie oder eine Sialoadenopathie der großen Speicheldrüsen sind häufige Begleiterscheinungen. Systemisch kann eine Beteiligung der Nieren, z.B. im Sinne eines nephrotischen Syndroms, ein erhöhter IgE-Spiegel oder eine Eosinophilenanreicherung im Blut auftreten. Aufgrund der Rezidivfreudigkeit der Kimura-Erkrankung befindet sich der Patient in einem engmaschigen Recall.


Autofluoreszenzdiagnose von präkanzerösen Läsionen und Karzinomen der Mundhöhle

Müller-Richter U.1, Aichinger S.2, Driemel O.1, Reichert T. E.1

1 Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinik Regensburg,
Franz-Josef-Strauss-Allee 1193053 Regensburg
2 Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universität des Saarlandes,
Kirrbergerstraße, 66424 Homburg/Saar


Hintergrund: Bei der Anregung von Gewebe mit Licht einer Wellenlänge von 410 nm kommt es zur Eigenfluoreszenz. Diese Fluoreszenz ist unabhängig von einer Verstärkung durch photoaktive Substanzen (photodynamische Wirkstoffe). Das emittierte Spektrum ist für physiologische Mundschleimhaut, präkanzeröse Läsionen und orale Plattenepithelkarzinome jeweils charakteristisch und kann spektrometrisch gemessen und klassifiziert werden.
Ziel der Untersuchung: Es sollen die Autofluoreszenzspektren von 20 präkanzerösen Läsionen, 20 oralen Plattenepithelkarzinomen mit denen der physiologischen Mundschleimhaut derselben Patienten verglichen werden.
Material und Methoden: 20 Patienten mit präkanzerösen Läsionen bzw. oralen Plattenepithelkarzinomen wurden autofluoreszenzspektroskopisch untersucht. Als Referenzbezirke wurden korrespondierende Areale nicht veränderter physiologischer Mundschleimhaut desselben Patienten gewählt. Alle präkanzerösen Läsionen bzw. Plattenepithelkarzinome wurden anschließend histo-pathologisch gesichert.
Ergebnisse: Präkanzeröse Läsionen der Mundschleimhaut zeigen eine deutliche Minderung in der Autofluoreszenzaktivität. Plattenepithelkarzinome der Mundschleimhaut besitzen zusätzlich eine charakteristische Änderung im Autofluoreszenzspektrum bei 505 nm mit einem Peakverlust von etwa 30 %.
Schlussfolgerung: Durch die Autofluoreszenz können präkanzeröse Mundschleimhautveränderungen und Mundhöhlenkarzinome gezielt von physiologischer Mundschleimhaut unterschieden werden. Fluoreszenzspektroskopie ermöglicht eine gezielte weitere histo-pathologische Abklärung durch Biopsie oder Bürstenbiospie der veränderten Areale.



Vergleich der Diagnostik mittels 3d und konventioneller Röntgentechnik bei der Osteotomie retinierter Weisheitszähne

Neugebauer J.1, Shirani R.1, Ritter L.2, Zöller J.E.1

1 Klinik und Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie und für Mund-, Kiefer- und Plastische
Gesichtschirurgie, Klinikum der Universität zu Köln, Kerpener Straße 62, 50937 Köln
2 Surgical Systems Laboratory, Caesar-Centre of advanced European Studies and
Research, Ludwig-Erhard-Allee 2, 53175 Bonn


Zur präoperativen Bestimmung der lokalen Relation der Wurzelspitzen zum nervus alveolaris inferior bei der Weisheitszahnosteomie ist die Kombination von OPG und einer Schädel posterior-anterior (p.a.) Aufnahme, 15 Grad geneigt bei geöffnetem Mund etabliert. Alternativ bietet sich das dreidimensionale Cone Beam (CB) Röntgenverfahren an. Ziel dieser Studie war es, die Darstellungsqualität der beiden Verfahren zu vergleichen.
Die beiden Verfahren wurden bei jeweils 30 Patienten mit jeweils 48 Weisheitszähnen von 5 Befundern verglichen. Es wurden die horizontale sowie die vertikale Darstellungsqualität in Noten von 1 bis 5 sowie die Position der Wurzelspitze im Bezug zum nervus alveolaris erhoben. Die dreidimensionalen Aufnahmen wurden mit dem Sirona 3d-Röntgengerät (Fa. Sirona, Bensheim, Deutschland) bei einer Röhrenspannung von 90 kV und einer Energiedosis von 28 mAs erhoben. Die OPG sowie Schädel p.a. Aufnahmen lagen als konventionelle Röntgenfilme vor. Die CB Bilddatensätze wurden mit Hilfe einer speziellen Software zur Navigation im Datensatz beurteilt. Die Ergebnisse wurden deskriptiv statistisch ausgewertet.
Die Bildqualität für die OPG bzw. Schädel p.a. Aufnahmen wurde in der vertikalen Dimension im Mittel mit 1,8 (±0,88), für die horizontale Dimension im Mittel mit 2,9 (± 1,12) bewertet. Die Bildqualität für die CB Aufnahmen in der vertikalen Dimension wurde im Mittel mit 1,9 (±0,87) beurteilt und für die horizontale Dimension im Mittel mit 2,2 (±0,96) signifikant besser bewertet.
Die Darstellungsqualität der Wurzelspitzen von verlagerten Weisheitszähnen wurde im CB Verfahren signifikant besser eingeschätzt als für die konventionelle radiologische Diagnostik. Bei der kritischen Lage der Wurzelspitze inferior des nervus alveolaris inferior ermöglicht die dreidimensionale Diagnostik einen signifikanten Vorteil und erhöht die Therapiesicherheit.



Verzögerte Implantatbelastung im Oberkiefer – experimentelle Prüfung eines Grundprinzips

Nkenke E., Fenner M., Neukam F.W.

Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgische, Universitätsklinikum Erlangen-Nürnberg, Glückstraße 11, 91054 Erlangen


Die allgemein akzeptierte unbelastete Einheilzeit von 5 bis 6 Monaten für Implantate im Oberkiefer ist empirisch gewählt. Weder klinisch noch experimentell ist bisher ein Nachweis der Überlegenheit dieser Einheilzeiten im Vergleich zu verkürzten Zeiträumen in Bezug auf die Verlustrate erfolgt. Es war deshalb das Ziel der tierexperimentellen Studie, die verzögerte Belastung von Implantaten im Oberkiefer des Minischweins mit verkürzten Einheilzeiten bis hin zur Sofortbelastung in Bezug auf die Verlustrate zu vergleichen.
Bei 9 Minischweinen wurden im Oberkiefer nach Entfernung der Prämolaren und des ersten Molaren pro Seite je 6 Implantate inseriert. Die Belastung der Implantate erfolgte randomisiert für die Tiere sofort oder nach 1, 2, 3, 4 und 5 Monaten Einheilzeit. Die 6 Implantate wurden mit festsitzenden Suprakonstruktionen aus Kunststoff versorgt. Während der 6monatigen kaufunktionellen Belastung erfolgten monatliche Nachkontrollen, bei denen Implantatverluste dokumentiert und defekte Suprakonstruktionen ersetzt wurden.
Von 24 Implantaten, die nach 5 Monaten Einheilzeit funktionell belastet wurden, gingen im Nachbeobachtungszeitraum 2 verloren. Nach einer Einheilzeit von 4 Monaten ging von 12 Implantaten 1 verloren. Wenn die Einheilzeit 3 Monate betrug, überlebten von 12 Implantaten 6. Bei einer Einheilzeit von 2 Monaten waren von 12 Implantaten 6 als Verluste zu werten. Für einen Einheilzeitraum von 1 Monat kam es bei einer Gesamtzahl von 24 Implantaten zu 11 Verlusten im Verlauf der kaufunktionellen Belastung. Bei der Sofortbelastung wurden von 24 Implantaten 13 verloren. Die Verlustraten nach 4 und 5 Monaten Einheilung waren signifikant geringer als nach allen kürzeren Einheilzeiten (P=0,007). Sofortbelastung und Belastung nach 1 bis 3 Monaten Einheilzeit zeigten keine signifikanten Unterschiede in der Verlustrate (P=0,653).
Die Ergebnisse der experimentellen Studie zeigen, dass lange Einheilzeiten gegenüber verkürzten die Implantatverlustrate signifikant reduzieren. Wird dennoch eine frühere Implantatbelastung angestrebt, so bringen Einheilzeiten von 1 bis 3 Monaten im Oberkiefer gegenüber der Sofortbelastung im Rahmen der Studie keinen Vorteil in Bezug auf die Verlustrate.

Überproportionale Weichgewebevolumensteigerung durch Distraktionsosteogenese? Pilotstudie zur Prüfung eines kieferchirurgischen Grundprinzips

Nkenke E.1, Kessler P.1, Wiltfang J.2, Neukam F.W.1

1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgische,
Universitätsklinikum Erlangen-Nürnberg, Glückstraße 11, 91054 Erlangen
2 Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Campus Kiel, Arnold-Heller-Straße 16, 24105 Kiel


Bei der Anwendung der Distraktionsosteogenese wird neben der Knochenneubildung auch eine Volumensteigerung des aufgelagerten Weichgewebes diskutiert. Bisher stehen zu dieser Fragestellung keine klinischen Daten zur Verfügung, die es erlauben, diese Hypothese zu bestätigen oder abzulehnen. Es war deshalb das Ziel der Untersuchung, dieser Fragestellung in einer vergleichenden klinischen Studie nachzugehen.
Bei 5 Patienten (2 weibliche, 3 männliche, Alter 15 bis 18 Jahre) wurde wegen einer Rücklage des Oberkiefers eine Vorverlagerung mittels Distraktionsosteogenese nach LeFort-I-Osteotomie durchgeführt. Es wurden intraorale Distraktoren eingesetzt. Nach einer Latenzphase von 5 Tagen erfolgte die Aktivierung der Distraktoren zweimal täglich um 0,5 mm. Präoperativ und ein Jahr postoperativ wurden jeweils ein Fernröntgenseitbild und ein 3D-Oberflächenbild akquiriert. Die Distraktionsstrecken wurden am Inzisalpunkt des Oberkiefers abgegriffen wurden. In einem definierten Bereich, der in der Jochbein-Wangenregion platziert wurde, erfolgte die Bestimmung der sichtbaren Volumenveränderung der Weichgewebe. Als Vergleichsgruppe dienten 5 Patienten, bei denen eine LeFort-I-Osteotomie mit sofortiger Vorverlagerung des Oberkiefers über die gesamte zu überbrückende Distanz erfolgte. Die Patienten waren in Bezug auf Geschlecht, Alter, Gewicht und Vorverlagerungsstrecke des Oberkiefers mit der Distraktionsgruppe abgeglichen.
Die Vorverlagerungsstrecken lagen zwischen 4 und 8 mm. In der Distraktionsgruppe zeigte sich eine durchschnittliche Volumenzunahme je Oberkieferseite bei 9,2 cm3. In der Gruppe von Patienten, bei denen eine konventionelle LeFort-I-Osteotomie durchgeführt wurde, ergab sich eine mittlere Volumenzunahme von 7,4 cm3. Bei jedem Patientenpaar zeigte jeweils der Patient, bei dem die Distraktionsosteogenese durchgeführt worden war, die größere sichtbare Weichgewebevolumenzunahme.
Die an einer kleinen Patientengruppe durchgeführte Studie gibt in einer vergleichenden Untersuchung erstmals Hinweise auf das Bestehen einer Distraktionshistiogenese, die gegenüber einer konventionellen Oberkiefervorverlagerung eine ausgeprägtere sichtbare Gewebevolumenzunahme bewirkt. Die Ergebnisse müssen nun an größeren Kollektiven nachvollzogen werden.



Regenerative therapy of peri-implantitis intrabony defects

Nuesry E., Schwarz F., Bieling K., Becker J.

Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie und Aufnahme, Westdeutsche Kieferklinik, Heinrich-Heine Universität Düsseldorf, Moorenstraße 5, 40225 Düsseldorf


The purpose of the present clinical study was to evaluate healing of peri-implantitis intrabony defects following application of a nanocristalline hydroxyapatite (Ostim) or a bovine-derived xenograft in combination with a collagen membrane (BDX+BG).
Twenty-four patients suffering from advanced peri-implantitis, each of whom displayed 1 intrabony defect (bone loss > 30% of the implant length), were randomly treated with i) access flap surgery (AFS) and the application of Ostim (n=12 implants - test), or with ii) AFS and the application of BDX+BG (n=12 implants - control). The bone defects and implant surfaces were cleaned with plastic curets + cotton pellets soaked in saline. Clinical parameters (probing depth - PD, clinical attachment level - CAL) were recorded at baseline and after 6 months of non-submerged healing.
Postoperative wound healing revealed that Ostim seemed to compromise initial adhesion of the mucoperiosteal flaps in all patients. In contrast, wound healing was uneventful in the control group (e.g. no membrane exposure). At 6 months after therapy, the test group showed a reduction in mean PD from 7.2±0.8 to 5.0±0.8 mm (P<0.001) and a change in mean CAL from 7.7±1.1 to 5.8±1.1 mm (P<0.001). In the control group, the mean PD was reduced from 7.1±0.8 to 4.6±0.7 mm (P<0.001) and the mean CAL changed from 7.5±1.0 to 5.2±0.7 mm (P<0.001). The differences between both groups with respect to PD reductions and CAL gains were statistically non-significant (P>0.05, respectively).
Within the limits of the present study, it can be concluded that at six months following surgery both therapies resulted in statistically significant PD reductions and CAL gains. However, postoperative wound healing seemed to be ameliorated following the application of BDX+BG.

Knochenregeneration im Unterkiefer nach Transplantation von autogenen Osteoblasten oder Spongiosa

Pradel W., Lauer G., Eckelt U.

Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden, Fetscherstraße 74, 01307 Dresden


Bei der Behandlung von Kieferzysten wird in der Regel die Zyste entfernt und der Hohlraum am besten mit autogener Spongiosa aufgefüllt. Die Entnahmemorbidität wird aber als Nachteil betrachtet. Mit dem Tissue Engineering können als Alternative durch Kultivierung von Osteoblasten auf Biomaterialien Gewebe für den Knochenersatz hergestellt werden.
Ziel der vorliegenden Untersuchungen war, die Knochenbildung nach Enukleation von Unterkieferzysten und Transplantation von autogenen Osteoblasten in einem Biomaterial im Vergleich zur Transplantation von Spongiosa anhand von Röntgenaufnahmen zu verfolgen.
Bei 20 Patienten wurden 22 Unterkieferzysten (3 - 9 cm groß) untersucht. Elf Zysten erhielten als Füllung autogene Osteoblasten in einer entmineralisierten Knochenmatrix (Osteovit®). Als Kontrollgruppe dienten 11 Zysten mit autogener Spongiosa. Präoperativ, unmittelbar postoperativ, sowie nach 3, 6 und 12 Monaten wurden Panoramaschichtaufnahmen angefertigt. Anhand eines Grauwert-Histogramms wurden die Veränderungen in der Knochendichte als Ausdruck der Knochenregeneration computer analytisch ermittelt.
Die Histogramme der Röntgenaufnahmen wurden statistisch ausgewertet und miteinander verglichen. Es stellte sich heraus, dass die Knochenregeneration insgesamt in beiden Gruppen ähnlich verlief. Unmittelbar postoperativ und nach 6 Monaten war die Knochendichte in der Kontrollgruppe geringfügig höher; nach 3 Monaten in der Testgruppe. Nach 12 Monaten war die Ossifikation nach Transplantation von autogenen Osteoblasten deutlich besser, aber ohne statistische Signifikanz.
Diese vorläufigen Resultate sprechen für einen klinischen Einsatz von im Tissue Engineering hergestellten Knochen als Alternative zur Auffüllung von Zystenhohlräumen.

Sprachentwicklung nach 2 verschiedenen Operationsmethoden zur Korrektur von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten

Pradel W.1, Senf D.2, Lauer G.1, Eckelt U.1

1 Klinik und Polklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum der TU
Dresden, Fetscherstraße 74, 01307 Dresden
2 Klinik und Poliklinik für HNO-Heilkunde, Universitätsklinikum der TU Dresden,
Fetscherstraße 74, 01307 Dresden


Der Erfolg der Korrektur von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten kann neben dem ästhetischen Ergebnis auch durch funktionelle Parameter wie der Sprachentwicklung beurteilt werden.
Ziel der vorliegenden Untersuchungen war, die Sprachentwicklung von Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten nach einzeitigem und zweizeitigem Verschluss der Gaumenspalte zu beurteilen und so Rückschlüsse in Bezug auf das bessere Behandlungskonzept zu ziehen.
Von insgesamt 24 Kindern (10 Mädchen, 14 Jungen) wurde im Alter von durchschnittlich 4,1 Jahren ein logopädischer Befund mit Einschätzung von Resonanz, Durchschlag, Verlagerungen, Mimik und Beurteilung der Umgangssprache erhoben. Fünf Kinder hatten beidseitige durchgehende Spalten, 13 einseitige durchgehende Spalten und 6 Kinder hatten vollständige Gaumenspalten. 13 Kinder wurden nach dem zweizeitigen Konzept mit intravelarer Myoplastik nach Kriens im Alter von 9–12 Monaten und Brückenlappenplastik nach Langenbeck/Veau/Axhausen zum Verschluss der Hartgaumenspalte im Alter von 2–3 Jahren operiert. Bei 11 Kindern erfolgte im Alter von 9–12 Monaten der einzeitige Gaumenverschluss unter Verwendung der gleichen Operationsverfahren.
Die Kinder hatten nach einzeitigem Spaltverschluss einen weniger auffälligen Sprachklang (Resonanz) und weniger nasalen Durchschlag als die Kinder nach zweitzeitigem Verschluss. Auch war die Umgangssprache besser verständlich. Bei den Lautverlagerungen und der Mimik gab es keine Unterschiede.
Der einzeitige Verschluss der Gaumenspalte im Alter von 9 – 12 Monaten scheint sich im Vergleich zum zweizeitigen Behandlungskonzept günstig auf die Sprachentwicklung auszuwirken.


Visualisierung gesichtsmorphologischer Veränderungen nach orthognath-chirurgischen Eingriffen im farbcodierten 3D-Modell

Proll Ch.1, Joos U.1, Dirksen D.2, Kleinheinz J.1

1 Klinik und Poliklinik für Mund- und Kiefer-Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Münster,
Waldeyer Straße 30, 48129 Münster
2 Labor für Biophysik, Universitätsklinikum Münster, Robert-Koch-Straße 45, 48149 Münster


Nach wie vor werden Veränderungen der Gesichtsmorphologie unter orthognath-chirurgischer Therapie vorwiegend durch den Vergleich zweidimensionaler prä- und postoperativ angefertigter FRS-Bilder oder Fotos abgeschätzt. Neue 3D-Messverfahren erlauben jedoch heute das Generieren von 3D-Oberflächenmodellen oder 2D-Falschfarbenbildern, deren räumliche Komponente in einem Farbwert wiedergegeben wird. Unser Ziel war die Kombination beider Darstellungsmöglichkeiten um die morphologischen Veränderungen des Gesichtes nach derartigen Operationen topografisch sichtbar zu machen. Das Verfahren sollte ohne Strahlenbelastung für den Patienten durchführbar sein.
Es wurden 15 Patienten exemplarisch aus dem orthognath-chirurgischen Spektrum ausgewählt (9 monomaxillär, 5 bimaxillär und 1 GNE). Die Gesichtsoberflächen dieser Patienten wurden prä- und postoperativ mit Hilfe eines profilometrischen 3D-Meßsystems optisch erfasst. Über einen mit Referenzpunkten versehenen Gesichtsbogen, der bei jeder Messung angelegt wurde, konnten die prä- und postoperativ gewonnenen 3D-Oberflächenmodelle überlagert werden. Mit Hilfe einer speziell entwickelten Software ließen sich die räumlichen Differenzen orthogonal zu den Oberflächen berechnen und in Falschfarbenbildern darstellen. Auf diese Weise wurde das Maß der räumlichen Veränderung in einem Farbwert verschlüsselt. Diese Falschfarbendifferenzbilder wurden mit den jeweiligen postoperativen 3D-Oberflächenmodellen topografisch korrekt zu farbcodierten 3D-Modellen zusammengefügt.
Im Ergebnis erwies sich die Methode als geeignet farbcodierte 3D-Modelle von orthognath-chirurgisch behandelten Patienten zu erstellen. Durch die Kombination aus räumlicher und farbcodierter Darstellung konnte ein hohes Maß an visueller und quantitativer Information bezüglich der gesichtsmorphologischen Veränderungen gewonnen werden.
Farbcodierte 3D-Modelle können dem Behandler schneller und einfacher über Topografie und Ausmaß der dreidimensionalen gesichtsmorphologischen Veränderungen Auskunft geben als dies bei Fotos, FRS-Bildern oder reinen 3D-Oberflächenmodellen möglich ist.


Klinische Studie zur Primärstabilität zweier dentaler Implantatsysteme mittels Resonanz-Frequenz-Analyse

Rabel A., Köhler S. G.

Zahnärztliche Chirurgie und Röntgenologie, Charité Campus Benjamin Franklin, Aßmannshauser Straße 4-6, 14197 Berlin


Ziel: Die Primärstabilität ist ein wichtiger Parameter für die Prognose eines Implantates. Besonders entscheidend ist die Evaluation der Implantatstabilität für eine mögliche sofortige Belastung. Ziel dieser Studie war es daher zu überprüfen, ob die Primärstabilität gemessen anhand der Resonanz-Frequenz-Analyse (RFA) bei einem selbstschneidenden sowie einem nicht-selbstschneidenden Implantatsystem mit dem Eindrehmoment korreliert und ob sich die Verläufe der Drehmomentkurven unterscheiden.
Patienten und Methode: Bei 263 Patienten wurden 602 Implantate inseriert. Dabei kamen zwei dentale Implantatsysteme unterschiedlicher Implantatgeometrie zur Anwendung (409 Ankylos® / Friadent und 193 Camlog®-Root-Line-Typ / Altatec). Intra operationem wurde mit Hilfe der individuell kalibrierten Bohreinheit Frios® Unit E (Friadent) das jeweilige Implantateindrehmoment (Torque) mit seinem Verlauf ermittelt und aufgezeichnet. Bei 181 Implantaten erfolgte zum Vergleich eine zusätzliche RFA mit dem Osstell®-Gerät (Integration Diagnostics) direkt post implantationem. Diese wurde mit einer weiteren RFA 3 Monate später nach gedeckter Einheilung und Implantatfreilegung in Relation gesetzt.
Ergebnisse: Innerhalb eines Jahres kam es zum Verlust von 9 Implantaten (= 1,5 %). Insgesamt wurde keine Korrelation von Eindrehmoment und RFA festgestellt (Pearson'sche Korrelationskoeffizient = r = 0,305), lediglich bei Ankylos®-Implantaten korrelierten die Werte signifikant (r = 0,621). Beim Ankylos®-System ergaben sich im Vergleich zum Camlog®-System höhere Drehmomentmaxima bei indifferenten RFA-Werten. Eine signifikante Korrelation der RFA-Werte direkt postoperativ und nach Implantatfreilegung konnte nicht beobachtet werden. Auffällig waren die annähernd linearen Verläufe der Drehmomentkurven bei Camlog®-Implantaten im Gegensatz zu den konkaven Verläufen bei Ankylos®-Implantaten.
Schlussfolgerung: Die Bestimmung der Implantatstabilität durch das non-invasive Verfahren der RFA als alleinige Methode kann anhand unserer Ergebnisse nicht empfohlen werden. Die nicht-selbstschneidenden konischen Ankylos®-Implantate mit progressivem Gewinde wiesen eine höhere Primärstabilität im Vergleich zu den selbstschneidenden Camlog®-Root-Line-Implantaten mit wurzelanaloger Schraubengeometrie auf und scheinen somit für die sofortige Belastung besser geeignet.


Expressionsanalyse Melanoma Assoziierter Antigene (MAGE) im oralen Plattenepithelkarzinom durch cDNA-Mikroarray-Analysen

Ries J., Jehle M., Neukam F. W., Nkenke E.

Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgische, Universitätsklinikum Erlangen-Nürnberg, Glückstraße 11, 91054 Erlangen


Ziel der Untersuchung: Ziel der Studie war es, Hinweise auf die diagnostische Relevanz von MAGE-Antigenen für das orale Plattenepithelkarzinom zu erhalten.
Material und Methoden: In 5 Proben normaler Mundschleimhaut gesunder Freiwilliger und in 15 Tumorbiopsien von Patienten, die an einem oralen Plattenepithelkarzinom litten, wurde eine Expressionsanalyse für insgesamt 24 MAGE-Antigene über cDNA-Mikroarrays durchgeführt und die Ergebnisse für die Antigene MAGE A 1-6 und D4 über eine nested RT-PCR überprüft.
Ergebnisse: Die größte Relevanz für das orale Plattenepithelkarzinom zeigte die MAGE-A-Antigenfamilie (MAGE A1-12). Ihre Expression konnte nicht in gesunder Mukosa nachgewiesen werden. Die Expressionshäufigkeit der Subtypen variierte in den verschiedenen Tumorproben zwischen 63 und 11 % und war sehr heterogen. Bei der Betrachtung der Expression von MAGE-A1 bis 6 konnte mindestens ein Antigen in 73 % der Tumorproben nachgewiesen werden. Die Zahl der positiven Fälle konnte durch die Hinzunahme der Gene MAGE A8-12 nicht gesteigert werden. In 54 % der Tumorproben, nicht jedoch in gesunder Mukosa, wurde MAGE D4 exprimiert. Bei der gemeinsamen Analyse der Antigene MAGE A1 bis 6 und MAGE D4 wurde mindestens eines dieser Antigene in 100 % der Fälle gefunden. Die Anzahl der coexprimierten Antigene variierte stark. Bei 40 % der Tumorproben konnten mindestens 4 und in 33 % noch 6 verschiedene MAGE-Antigene nachgewiesen werden. Nur 27 % aller Fälle exprimierten lediglich eines der Gene.
Schlussfolgerung: Der molekularbiologische Nachweis von Plattenepithelkarzinomen, der auf der Detektion der Expression der MAGE-Antigene A1-6 und D4 beruht, scheint mit hoher Sicherheit möglich. Es stehen hier möglicherweise wichtige zusätzliche diagnostische Marker zur Verfügung, die es erlauben, maligne okkulte oder disseminierte Zellen nachzuweisen. Die hohen Koexpressionsraten der MAGE-Antigene A1-12 und D4 könnten zu neuen individuellen immuntherapeutischen Ansätzen und zur Entwicklung polyvalenter Vakzine gegen das orale Plattenepithelkarzinom führen.



Interstitielle und perkutane Neodym-YAG-Laserkoagulation von Hämangiomen - ein Behandlungskonzept

Rittmeier U., Wiltfang J.

Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel, Arnold-Heller-Straße 16, 24105 Kiel


Problemstellung: Wachsende Hämangiome bei Säuglingen stellen für die Kinder eine Bedrohung dar. Besonders im Gesicht oder im Anogenitalbereich gelten sie als ästhetischer Notfall und werden sofort mit dem Neodym-YAG-Laser oder mit Kontaktkryotherapie behandelt. Hämangiome sonstiger Lokalisation oder bei älteren Patienten werden bei Wachstum oder Komplikationen gleichfalls behandelt.
Material und Methode: Von 1992-2005 wurden an unserer Klinik 412 Hämangiome bei 275 Patienten mit dem Neodym-YAG-Laser behandelt. Oberflächliche Hämangione werden unter Eiswasserkühlung perkutan mit einer Laserleistung von 5-12 Watt koaguliert. Bei kutan-subkutanen, subkutanen und voluminösen Hämangiomen erfolgt die Koagulation interstitiell mit der Faser, ebenfalls unter Eiskühlung mit 5-12 Watt Laserleistung, z. T. unter sonographischer Kontrolle.
Ergebnisse: Alle behandelten Hämangiome zeigten einen Wachstumsstop. Bei 157 Hämangiomen kam es nach nur einer Behandlung zur totalen Remission. Die anderen 255 Hämangiome zeigten eine partielle Remission, die weitere Laserbehandlungen erforderten. 187 Patienten hatten nach einer zweiten Behandlung eine totale Remission des Hämangioms, 28 Patienten nach der dritten Laserbehandlung. Bei den anderen 40 Patienten waren nach dritten Laserbehandlungen nur noch kleine Reste zu sehen, die bei einer Narbenkorrektur chirurgisch entfernt werden konnten.
Diskussion: Zur Behandlung von Hämangiomen unterschiedlicher Größe ist die Neodym-YAG-Laserkoagulation eine gute und schnelle Behandlungsmöglichkeit. Wir empfehlen daher die frühzeitige Behandlung von Hämangiomen mit dem Laser, da neben dem Wachstumsstop des Tumors auch gute ästhetische Ergebnisse erreicht werden.

Vertikale Kieferkammaugmentation mit xenogenen Knochenblöcken – eine histomorphometrische Studie im Foxhund

D. Rothamel, M. Herten, F. Schwarz und J. Becker

Abteilung für Zahnärztliche Chirurgie, Universitätsklinikum Düsseldorf, Westdeutsche Kieferklinik, Moorenstraße 5, 40225 Düsseldorf


Die autogene Knochenblocktransplantation gehört heutzutage zu den etablierten Standardverfahren der präimplantologischen Chirurgie. Sie kann jedoch mit Nachteilen (Resorption, Entnahmemorbidität) verbunden sein. Ziel der Untersuchung war es daher zu überprüfen, ob eine vertikale Kieferkammaugmentation auch mit xenogenen entproteinisierten Blöcken möglich ist und vergleichbare Ergebnisse zeigen kann wie die autogene Knochenblocktransplantation.
Bei insgesamt 6 Foxhunden im Alter von über zwei Jahren wurden 3 Monate nach Zahnextraktion pro Unterkieferseite jeweils zwei Blöcke der Dimension 6 x 10 x 15 mm nach vertikaler Defektsetzung auf den verbleibenden Unterkieferkamm aufgebracht. Die Augmentationen erfolgten unter der Verwendung von drei Gruppen: [A] xenogener Block ohne Membran; [B] xenogener Block mit chemisch quervernetzter Kollagenmembran; [C] autogener Block in Inlay-Technik, entnommen auf der Gegenseite. Die Fixation eines jeden Blockes erfolgte mit einem 13 mm - Standardimplantat (Camlog Promote®, Altatec, Wimsheim) und einer Osteosyntheseschraube. Die Schrauben wurden drei Monate später entfernt und ebenfalls durch Implantate ersetzt. Nach einer finalen Heilungsperiode von weiteren drei Monaten wurden die Tiere getötet und mit 4%iger Formalinlösung intraarteriell fixiert. Alle Proben wurden in Semidünnschlifftechnik nach Donath aufbereitet und im Durchlichtmikroskop histomorphometrisch beurteilt.
Während der primären Heilungsperiode kam es bei insgesamt 3 von 12 Kieferhälften (2 x xenogen mit Membran, 1 x autolog) zu einer Infektion, in dessen Folge das Augmentat entfernt werden musste. Bei den übrigen Proben zeigte sich, dass sowohl die autologen als auch die xenogenen Blöcke einer zum Teil sehr starken Resorption unterlagen. Hierbei war die bukkale Seite stärker betroffen als die linguale. Hinsichtlich der Osteokonduktivität der xenogenen Blöcke zeigte sich eine zumeist gute Osseointegration.
Es ließ sich schlussfolgern, dass eine vertikale Augmentation auch mit xenogenen Blöcken möglich ist. Sie kann jedoch vor allem auf der bukkalen Seite ebenso wie die autologe Knochenblocktransplantation starken Resorptionen unterliegen.



Gedeckte oder offene Einheilung dentaler Implantate nach knöcherner Augmentation?

Rücker M.1, Binger T.2, Bormann K.-H.1, Spitzer W. J.2

1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Medizinische Hochschule Hannover, Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
2 Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universität des Saarlandes,
Kirrberger Straße, 66421 Homburg/Saar


Ziel der Untersuchung: Die Insertion dentaler Implantate erfordert oft eine vorangehende knöcherne Augmentation des Alveolarkamms. Dabei wird kontrovers diskutiert, ob die klinische Erfolgsrate offen einheilender dentaler Implantate derjenigen gedeckt einheilender vergleichbar ist. Daher war das Ziel dieser retrospektiven Studie die klinische Erfolgsrate offen und gedeckt einheilender ITI-Implantate nach ihrer Insertion in augmentierte Kieferkammbereiche zu vergleichen.
Methode: 110 ITI-Implantate (50 gedeckt, 60 offen einheilend) wurden 6 Monate nach knöcherner Augmentation inseriert. Die dentalen Implantate wurden nach weiteren 6 Monaten mit festen und herausnehmbaren Prothesen belastet. Klinische und radiologische Untersuchungen erfolgten 1 Jahr nach Beginn der funktionellen Belastung. Eine Insertion wurde als erfolgreich definiert, wenn keine Beweglichkeit, keine Infektion und kein signifikanter krestaler Knochenverlust erkennbar waren. Zur statistischen Analyse wurde entweder der X-Quadrat-Test oder nach Testung auf Normalverteilung der t-Test oder der Wilcoxon Rangsummen-Test verwendet.
Ergebnisse: Gedeckt und offen einheilende Implantate waren in Läge (gedeckt: 11,5±0,1mm; offen: 11,5±0,1mm) und Durchmesser (4,0±0,04; 4,0±0,03mm) vergleichbar. Die Erfolgsrate nach einem Jahr betrug insgesamt 94% in der Gruppe der gedeckt und 96,7 % in der Gruppe der offen einheilenden Implantate. Statistisch signifikante Unterschiede bestanden nicht.
Schlussfolgerung: Unsere Studie zeigt, dass eine vorangehende knöcherne Augmentation die erfolgreiche Insertion von dentalen Implantaten, die eine für die Osseointegration ideale Größe aufweisen, ermöglicht. Der klinische Erfolg war unabhängig davon, ob die Implantate gedeckt oder offen einheilten. Daher wird die offene Einheilung auch nach Knochenaugmentation in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen.


Auswirkung der Weichgewebsunterminierung auf die periostale Perfusion im Mittelgesicht

Rücker M.1, Deltcheva K.2, Schramm A.1, Binger T.2

1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Medizinische Hochschule Hannover, Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
2 Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universität des Saarlandes,
Kirrberger Straße, 66421 Homburg/Saar


Ziel der Untersuchung: Operative Eingriffe im Gesicht erfordern oft ausgedehnte Weichgewebsunterminierungen. Im Tierexperiment führte die epiperiostale nicht aber die subperiostale Weichgewebsunterminierung zu einer Wachstumshemmung des Mittelgesichtes. Da die zugrunde liegenden Mechanismen nicht schlüssig geklärt sind, war das Ziel dieser Studie, zu untersuchen, inwieweit die nutritive Perfusion des Periostes durch die chirurgische Präparation beeinträchtigt wird.
Material und Methoden: Nach behördlicher Genehmigung des Versuchs-vorhabens wurde durch eine paramarginale Inzision vestibulär im Oberkiefer von sechs anästhesierten Kaninchen jeweils auf der einen Seite ein Mukoperiostlappen und auf der Gegenseite ein reiner Mukosalappen gehoben. Mittels Fluoreszenzmikroskopie war so der quantitative Vergleich der periostalen Perfusion nach epiperiostaler und subperiostaler Weichgewebsunterminierung in vivo möglich.
Ergebnisse: Im Periost der Maxilla war der Anteil der perfundierten Kapillardichte an der gesamten Kapillardichte (Länge der Kapillaren pro Fläche) nach epiperiostaler Weichgewebsunterminierung (18,3 ± 8,0 %) signifikant (p < 0,05) niedriger als nach subperiostaler Unterminierung (50,3 ± 9,3 %).
Schlussfolgerung: Die periostale Perfusion ist nach epiperiostaler Weichgewebs-unterminierung signifikant schlechter als nach subperiostaler Unterminierung. Somit stellt die durch die epiperiostale Weichgewebsunterminierung verursachte Beeinträchtigung der periostalen Perfusion eine mögliche Ursache für eine Wachstumshemmung des Mittelgesichtes nach operativen Eingriffen im Kindesalter dar.

Isolierung und osteogene Differenzierung von mesenchymalen Stammzellen aus menschlichen Zähnen

Scheer M.1, Richter I.2, Arnhold S.2, Zöller J. E.1

1 Klinik und Poliklinik für zahnärztliche Chirurgie und für Mund-, Kiefer- und Plastische
Gesichtschirurgie der Universität zu Köln, Joseph-Stelzmann-Strasse 9, 50931 Köln
2 Institut für Anatomie I, Universität zu Köln, Joseph-Stelzmann-Strasse 9, 50931 Köln


Mesenchymale Stammzellen besitzen die Fähigkeit, sich in Nerven-, Fett-, Knorpel- oder Knochenzellen zu differenzieren. Somit besteht die Möglichkeit, im Rahmen der zellgesteuerten Regeneration auch Knochengewebe im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich zu ersetzen. Das Ziel der Untersuchung war es, mesenchymale Stammzellen aus der Pulpa von Zähnen der ersten und zweiten Dentition zu isolieren und eine osteogene Differenzierung der kultivierten Zellen zu bewirken.
Es wurde die Pulpa von exfoliierten Milchzähnen, Weisheitszahnkeimen und überzähligen Zähnen der zweiten Dentition steril entnommen und nach Zerkleinerung kultiviert. Nach 10-15 Tagen war eine 80 % Konfluenz von adhärent wachsenden Zellen festzustellen. Die Isolierung der mesenchymalen Stammzellen wurde mit Hilfe der Magnet assoziierte Zell-Sortierung (MACS) unter Aufreinigung der CD106-positiven Zellen durchgeführt Zur weiteren Charakterisierung wurde mit Hilfe der Fluoreszenz assoziierten Zell-Sortierung (FACS) der Anteil der CD105 und CD106 positiven Zellen in der Suspension bestimmt. Eine osteogene Differenzierung der Zellen wurde mit einem Differenzierungsmedium, bestehend aus Dexamethason, Ascorbinsäure und Glycerinphosphat, induziert.
Die bisherigen Ergebnisse an 9 Zähnen ergaben, dass in allen Fällen eine Proliferation von Zellen aus Pulpagewebe nachweisbar war. Der Anteil and CD105 und CD106 positiven Zellen in der FACS- Analyse betrug durchschnittlich 57 %. Nach MACS- gestützter Aufreinigung der Zellsuspension und Zugabe des Differenzierungsmediums konnte nach 3- und 6-wöchiger Inkubation eine Zunahme der alkalischen Phosphatase-Aktivität im Vergleich zur Kontrolle nachgewiesen werden.
Mittels des vorgestellten Verfahrens bietet sich die Möglichkeit, körpereigene Stammzellen ohne einen Sekundäreingriff zu gewinnen und eine Differenzierung zu Osteoblasten zu erreichen. Inwieweit sich dieses Vorgehen dazu eignet, im Rahmen der zellgesteuerten Geweberegeneration Knochen zu ersetzen, muss noch anhand weiterer in vitro und in vivo Untersuchungen geklärt werden.


Einfluss der LeFort-I-Osteotomie auf Nasenform und Breite

Schneider M., Zeug S., Lauer G.

Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum der TU Dresden, Fetscherstraße 74, 01307 Dresden


Der Einfluss der Oberkieferverlagerung auf die Nasenform ist eine selten diskutierte Problematik. Dabei wird auf diese Veränderungen nur selten gezielt Einfluss genommen. Im Vordergrund der Oberkieferverlagerung steht die Okklusion und weitere dominierende Profilrelationen. Die Analyse der Veränderungen des Weichteilprofils orientiert sich vor allem an der Fernröntgenseitenaufnahme. Die Verbreiterung der Nasenweichteile und die ästhetischen Folgen werden häufig nicht in die Planungsüberlegungen einbezogen.
Die Arbeit untersucht 20 Patienten mit Oberkieferverlagerungen im Rahmen bimaxillärer Dysgnathieoperationen in den Jahren 2002 und 2003. Zur Bestimmung der Nasenbreite wurden standardisierte en Face Aufnahmen präoperativ und 6 Monate post operationem ausgewertet. Die Nasenbreite wurde als der Abstand zwischen den am weitesten lateral gelegenen Punkten der Nase definiert. Als Referenz diente jeweils der Pupillenabstand.
Die mittlere Verbreiterung der Nase lag bei 8,5 % (SD 7,5 %). Das Maximum der Verbreiterung lag bei einer Oberkieferrückverlagerung mit deutlicher anteriorer Kranialisation bei 25 %. Im Durchschnitt ist bei der Oberkieferverlagerung mit einer Verbreiterung der Nase um 2,5 mm zu rechnen.
Die sekundären Veränderungen der Nase im Rahmen orthognather Eingriffe sind vielfältig. Besonders bei extremen Verlagerungsdistanzen ist es wichtig, diese Effekte zu kennen und durch gezielte operative Maßnahmen und Kompensationsbewegungen zu vermeiden. Die Nasenverbreiterung ist in erster Linie durch Veränderung der knöchernen Basis, die insbesondere bei der anterioren Kranialisation des Oberkiefers auftritt, bedingt. Diese Verlagerungsrichtung führt zu einer Verkürzung der Apertura piriformis. Weitere Grunde sind die Ablösung der mimischen Muskulatur am Oberkiefer sowie die Auslösung und Destruktion des muskulären Nasenschlauches. Um diese negativen Auswirkungen zu minimieren, wäre eine Refixation der Muskulatur und eine gezielte Verschmälerung der Nase durch Fixierungsnähte, wie aus der Spaltchirurgie bekannt, sinnvoll.


Intra- versus extraorale Distraktion zur Behandlung spaltbedingter Mittelgesichtshypoplasien

Schneider M.1, Pilling E.2, Lauer G.1, Eckelt U.1

1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Universitätsklinikum der TU Dresden, Fetscherstraße 74, 01307 Dresden
2 Praxis für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Bautzener Straße 96, 01099 Dresden


Die Distraktionsosteogenese des Oberkiefers hat sich zu einem wichtigen Verfahren entwickelt, um spaltbedingte Mittelgesichtshypoplasien erfolgreich zu behandeln, da die konventionelle Verlagerung des Oberkiefers beim Spaltpatienten oftmals nur beschränkt möglich ist und mit einer hohen Rezidivquote einhergeht. Ziel der Untersuchung war es, die Indikation von intra- gegenüber extraoraler Distraktion abzugrenzen.
Klinisch und kephalometrisch untersucht wurden 11 Patienten, von denen 5 (17 bis 27 J) mit einem extraoralen System (Red II) und 6 (11 bis 48 J) mit einem intraoralen System (Modell Zürich) behandelt wurden. Während die intraoralen Systeme bis zur Konsolidierung der Distraktionszone belassen wurden, erfolgte bei den extraoralen Systemen eine Entfernung 3 Wochen nach Ende der Distraktionsphase und die Fixation über Miniplatten.
Bei allen Patienten konnte eine Verbesserung der maxillären Hypoplasie erreicht werden. Die Analyse der prä- und postoperativen Fernröntgenaufnahmen zeigte ein signifikantes Advancement der Maxilla. Bei den Studienteilnehmern, die mit einem extraoralen System behandelt wurden, war in allen Fällen die geplante Zielokklusion sowohl in sagittaler als auch in vertikaler Dimension stabil realisierbar. In der Patientengruppe die mit intraoralen Systemen behandelt wurden, kam es bei den 2 erwachsenen Patienten zu einer Deformation des Distraktionssystems vor Erreichen des geplanten Advancements. In einem Fall konnte der geplante Overjet nur durch eine zusätzliche Unterkieferosteotomie erreicht werden.
Ein Vorteil der intraoralen Geräte ist die höhere Akzeptanz durch den Patienten und die komplikationslose Integration. Immer wenn der Distraktion höhere Kräfte erwarten lässt, dies ist fast regelmäßig beim Erwachsenen der Fall, ist dem extraoralen System der Vorzug geben. Die intraoralen Systeme sollten deshalb insbesondere beim jungen Spaltpatienten zum Einsatz kommen. Ist über das Advancement hinaus eine steuerbare Verlagerung in vertikaler Dimension notwendig, ist ein extraorales System indiziert. Die frühzeitige Entfernung des extraoralen Distraktionssystems und die Überführung in eine konventionelle Plattenosteosynthese senkt die Morbidität und erhöht die Akzeptanz durch den Patienten.

Analyse prognostischer Faktoren für das Auftreten sekundärer lokoregionaler Metastasen des primären Mundhöhlenkarzinoms nach elektiver selektiver Neck dissection

Schrader J., Brachvogel P., Eckardt A., Gellrich N.-C.

Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Medizinische Hochschule Hannover, Carl Neuberg Straße 1, 30625 Hannover


Ziel der hier vorgestellten retrospektiven Analyse war die Bestimmung prognostischer Faktoren für die Entstehung sekundärer Metastasen des primären Mundhöhlenkarzinoms nach elektiver selektiver Neck dissection bei histopathologisch metastasenfreiem Hals.
In die Auswertung wurden 331 Patienten mit einem primären Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle einbezogen, bei denen im Zeitraum von Januar 1986 bis Dezember 2002 insgesamt 431 elektive selektive Neck dissections durchgeführt wurden. Es wurden potentiell prognostische Faktoren wie das Alter und das Geschlecht des Patienten, das histopathologische T-Stadium sowie der Differenzierungsgrad des Tumors, die Ausdehnung der Halsymphknotenausräumung und die Durchführung einer (neo)adjuvanten Radio(chemo)therapie evaluiert.
Die kumulative Metastasenfreiheit des Halses nach der Durchführung einer elektiven selektiven Neck dissection nach zwei Jahren betrug 95,3 %. Einen signifikanten Einfluss auf das Auftreten von Sekundärmetastasen hatte lediglich das Ausmaß der Ausräumung. Bei Aussparung des Bereiches um die Carotisbifurkation traten signifikant häufiger Sekundärmetastasen auf (p=0.0005). Das Alter oder das Geschlecht des Patienten, die Durchführung einer (neo)adjuvanten Radio(chemo)therapie oder tumorspezifische Faktoren wie der Differenzierungsgrad und das histopathologische T-Stadium hatten keinen signifikanten Einfluss auf die Entwicklung sekundärer lokoregionaler Metastasen nach elektiver selektiver Neck dissection.
Angesichts dieser Ergebnisse sollte, unabhängig von patienten- und tumorassoziierten Faktoren, eine selektive Neck dissection beim primär histopathologisch metastasenfreiem Hals grundsätzlich immer das kraniale Carotisdreieck beinhalten.


Voxel-basierte Planung und Therapie in der Dysgnathiechirurgie - sind rechnergestützte Verfahren bei komplexen Fehlstellungen noch entbehrlich?

Schramm A.1, Barth E.L.1, Schwestka-Polly R.2, Gellrich N.C.1

1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Medizinische Hochschule Hannover, Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
2 Abteilung für Kieferorthopädie, Medizinische Hochschule Hannover,
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover


Ziel der Behandlung von Dysgnathien und kraniofazialen Fehlbildungen ist die Herstellung von Funktion und befriedigenden Ästhetik. Fortschritte in der Hard- und Softwaretechnologie erlauben heute, die konventionellen Planungsmethoden mit Verfahren der computerunterstützten präoperativen Planung zu ergänzen und durch detailliertes räumliches Verständnis eine Verbesserung der Behandlungs- und Operationsplanung zu erreichen.
Durch eine 3D-Visualisierung in Echtzeit und die Möglichkeit, Objekte mittels virtueller Schneide- und Verformungswerkzeuge zu modifizieren, wurde die präoperative Analyse und Planung um eine exakte Simulation des operativen Eingriffs ergänzt. Die Übertragung der Simulation erfolgte anschließend durch CT-basierte präoperative Splinterstellung und intraoperative Navigation.
Vorgestellt werden abgeschlossene Therapien von 11 Patienten mit Gesichtsdeformitaten, welche basierend auf den Daten eines axialen Spiral-CT bzw. eines DVT-Datensatzes mittels dreidimensionaler Planungssoftware und intraoperativer Navigation durchgeführt wurden. Es erfolgte hierbei als Neuerung die computerbasierte Herstellung virtueller und echter Operationsschablonen, die bei diesen komplexen Umstellungsosteotomien zum Einsatz kamen.
Die patienten-individuelle virtuelle Operationsplanung mit Hilfe von Voxel-basierten CT- bzw. DVT-Datensatzen ermöglicht dem Chirurgen nicht nur einen genauen Einblick in die Anatomie des Patienten sondern auch eine eindeutige metrische Beurteilung der Gesichtsasymmetrie. Der operative Eingriff sowie das zu erwartende Operationsergebnis können präoperativ am Computer simuliert werden und eine präzise intraoperative Umsetzung der Simulation ist sowohl mit Hilfe der intraoperativen Navigation als auch durch CT-basierte Operationssplinterstellung möglich. Die postoperative Kontrolle durch Bildfusion der Datensatze ermöglicht eine millimetergenaue Evaluation des Rekonstruktionsergebnisses, wie sie für komplexe Fehlbildungen zu fordern ist.

Chronisch rezidivierende multifokale Osteomyelitis – eine Differentialdiagnose zu nicht odontogenen Tumoren

Schuck N.1, Hoffmann J.1, Xydeas T.2, Reinert S.1

1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Universitätsklinikum Tübingen, Osianderstraße 2-8, 72076 Tübingen
2 Abteilung für Radiologische Diagnostik, Universitätsklinikum Tübingen,
Hoppe-Seyler-Straße 3, 72076 Tübingen


Wir berichten über eine 37-jährigen Patientin, die sich zur Abklärung einer kranio-mandibulären Dysfunktion vorstellte. Die Patientin gab anamnestisch eine seit Monaten persistierende druckdolente Schwellung am linken Unterkieferrand und im umliegenden Weichteilgewebe sowie Schmerzen an der Halswirbelsäule an.
Nach skelettszintigrafischer und computertomografischer Diagnostik bestand zunächst der dringende Verdacht auf Skelettmetastasen bei unbekanntem Primärtumor. Die histopathologische Beurteilung der knöchernen Biopsate vom Unterkiefer sowie des Punktates aus der Wirbelsäule ergaben osteosklerotische Knochenherde mit diffuser Myelofibrose. Die perimandibulär entnommene Weichteilbiopsie zeigte Granulations- und Narbengewebe mit lymphoiden Infiltraten. In mikrobiologischen Untersuchungen fand sich kein Erreger.
Die Therapie bestand in einer antiphlogistischen sowie immunsuppressiven Kombination aus Sulfasazalin und Prednisolon. Die klinischen, laborchemischen und radiologischen Untersuchungen zeigten hierunter einen deutlichen Rückgang des Krankheitsbildes. Derzeit ist die Patientin beschwerdefrei. Es besteht aktuell kein weiterer Therapiebedarf.
Bei der chronisch rezidivierenden multifokalen Osteomyelitis lässt sich im Gegensatz zur bakteriellen Osteomyelitis kein Erreger nachweisen. Radiologisch ist sie schwierig von Osteolysen abzugrenzen, zumal sie an verschiedenen Lokalisationen gleichzeitig auftreten kann. Sie stellt somit eine Ausschlussdiagnose dar, deren Abgrenzung gegenüber Malignomen und anderen entzündlichen Erkrankungen therapeutisch entscheidend ist, zumal die Prognose günstig ist.



Mesenchymale Stammzellen: Charakterisierung und chemotaktische Aktivierung durch Blutplasma und Wundsekret

Seitz O.1, Henschler R.2, Sader R.1, Klein C.1

1 Klinik für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie, Johann Wolfgang Goethe
Universität Frankfurt, Theodor-Stern-Kai 7, 60596 Frankfurt am Main
2 Institut für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie, Sandhofstraße 1, 60528 Frankfurt


Humane mesenchymale Stammzellen (hMSC) konnten erfolgreich u.a. in Patienten mit Osteogenesis imperfecta intravenös infundiert werden. Das Homing und Migrationsverhalten der Zellen ist jedoch nahezu unbekannt und deren Regulierung unklar. Wir gingen daher speziell der Frage nach, ob hMSC durch chemotaktische Stoffe, die von Wundregenerationszonen freigesetzt werden, zur Migration und zum Homing angeregt werden können.
Mesenchymale Vorläuferzellen wurden sowohl als immortalisierte Zelllinie kultiviert als auch aus menschlichem Knochenmark isoliert, expandiert und charakterisiert. Eine modifizierte Boyden Kammer Untersuchung wurde zur Detektion der chemotaktischen Aktivierung und Migration entwickelt. Das Homing Verhalten wurde in einem NOD/SCID Mausmodell untersucht.
Wir erzielten eine reproduzierbare, effiziente Expansion von hMSC mit vielfältiger Differenzierungskapazität über 3-4 log Stufen. Es zeigte sich, dass nicht nur Platelet Derived Growth Factor (PDGF-BB), sondern auch Wundsekret und Blutplasma bei Vorläuferzellen eine Dosis abhängige Transmigration über 3-6 Stunden stimulieren können. Die tatsächlichen Konzentrationen betrugen etwa 10 pg/ml für PDGF-BB und 2-20 % für Blutplasma und Wundsekret. Die Blutplasma induzierte Transmigration konnte durch Zugabe verschiedener BMPs moduliert werden. Bei der Untersuchung von hMSC 24h nach Infusion in immundefiziente NOD/SCID Mäuse wurden die meisten Zellen in der Lunge, aber auch eine geringere Anzahl in anderen Organen (u.a. Leber) gefunden.
Diese Daten zeigen, dass mesenchymale Vorläuferzellen chemotaktisch aktiviert werden. Die Modulation der hMSC Migration durch BMPs könnte zu neuen Einsichten in den vielschichtigen Ablauf der Knochenregeneration führen. Weitere Erkenntnisse über diese Mechanismen würden zu verbesserten Konzepten für ein Tissue Engineering mit Stamm- oder Vorläuferzellen in der rekonstruktiven Chirurgie führen.

Vitalitätsbestimmung bei gleichzeitiger Kultivierung von Gingivakeratinozyten und Osteoblasten auf Kollagen

Sendic M.1, Wiedmann-Al-Ahmad M.2, Schramm A.1, Gellrich N.-C.1

1 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Medizinische Hochschule Hannover, Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
2 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie,
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Hugstetterstraße 55, 79106 Freiburg


Die Kokultivierung zweier oder mehrerer Zelltypen zur Untersuchung und Simulation komplexer Gewebeverbände wird derzeit im Bereich des Tissue Engineering intensiv erforscht.
In dieser Studie wurde das Wachstum von humanen Gingivakeratinozyten und Osteoblasten auf einer Kollagenmembran (Tissue Foil E) untersucht. Die zu untersuchenden Zellen stammten aus Knochen- und Gingivabiopsien von sechs verschiedenen Patienten und wurden vor der Applikation auf die Membran jeweils einzeln kultiviert. Anschließend wurden die Zellen voneinander getrennt oder anhand der Tröpfchentechnik nebeneinander in einem Zeitraum von sieben Tagen auf der Kollagenmatrix kultiviert. Die Proliferationsrate und Morphologie der Zellen wurde mittels EZ4U-Test, licht- und elektronenmikroskopischen Aufnahmen untersucht. Die Charakterisierung von Osteoblasten erfolgte durch die Bestimmung der Alkalischen Phosphatase, Kollagen Typ I sowie von Osteocalcin. Die Charakterisierung der Gingivakeratinozyten erfolgte durch den Nachweis von Cytokeratin 13.
Adhärente Gingivakeratinozyten oder Osteoblasten, zumeist als dichte Zellansammlungen, konnten rastelelektronenmikroskopisch auf allen Membranen beobachtet werden. Generell wiesen Osteoblasten höhere Proliferationsraten auf als Gingivakeratinozyten. Beide Zellarten wiesen bei der Verwendung von RPMI 1640- Medium höhere Proliferationsraten auf als bei der Verwendung der zellselektiven Medien (DF-Medium bzw. Opti-MEM). Die Ergebnisse des EZ4U-Tests mit beiden Zellarten auf Kollagen zeigten, dass die Zelltypen getrennt voneinander ein besseres Wachstum aufweisen als in unmittelbarer Nachbarschaft.
Bei direktem Zellkontakt hemmen sich die Zellen in ihrem Wachstum. Daher empfiehlt sich zur Optimierung der Proliferationsrate die Applikation einer Trennbarriere.
Die Kollagenmembran Tissue Foil E ist ein geeignetes Trägermaterial für beide Zellarten und eignet sich zum Einsatz in der Grundlagenforschung zur Untersuchung des Zellwachstumsverhaltens sowie bei der Entwicklung therapeutischer Anwendungsmöglichkeiten.

„Tissue engineering“ zur Regeneration peripherer Nerven aus adulten mesenchymalen Stammzellen

Smeets R., Gerressen M., Stoll C., Riediger D.

Klinik für Zahn-, Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie, Universitätsklinik Aachen, Pauwelsstraße 30, 52074 Aachen


Zur Rekonstruktion peripherer Nerven stehen neben der klassischen mikrochirurgischen Nahttechniken autologe Nervinterponate (z.B. N. suralis) zur Verfügung. Bei der axonalen Regeneration dieser Interponate spielen neurotrophe Faktoren der Schwannzellen und die Vaskularisierung des Transplantatlagers eine wichtige Rolle. Die autologe Nervtransplantation ist jedoch unter anderem durch die begrenzte Menge an Spendernerven und die Entnahmemorbidität in der Spenderregion limitiert. Eine mögliche Alternative könnten hier resorbierbare kollagene Bioträger, besiedelt mit autologen Zellen, darstellen.
Bei Lewis-Ratten wurden nach mikrochirurgischer Präparation und Explantation des N. ischiadicus Schwannzellen, entsprechend einer modifizierten Technik von Vroemen und Weidner (2003), kultiviert. Die Isolation von mesenchymalen (adulten) Stammzellen aus dem Femurknochen sowie die Differenzierung zu Schwannzellen wurden anhand der Methode von Azizi et al. (1998) durchgeführt. Der resorbierbare kollagene Bioträger wurde alternativ mit Schwannzellen oder mit differenzierten Stammzellen besiedelt.
Die Differenzierung der mesenchymalen Knochenmarkstammzellen zu „Schwannzellen“ konnte morphologisch und immunzytochemisch (u.a. p75, S100 etc.) nachgewiesen werden. Unter in vitro Kulturbedingungen zeigten undifferenzierte und differenzierte Stammzellen im Vergleich zu primär gewonnen Schwannzellen eine höhere Proliferations- und Vitalitätsrate. Rasterelektronenmikroskopische Untersuchungen ließen eine Orientierung der Zellfortsätze entlang der longitudinalen Strukturen des Trägers erkennen.
Der vorliegende Ansatz nutzt bedeutende Vorteile des „Tissue engineerings“ zur Regeneration peripherer Nerven: Der Einsatz von Stammzellen könnte das Problem des begrenzt verfügbaren autologen Nervenmaterials lösen und die damit verbundene Entnahmemorbidität vermeiden. Außerdem zeigen die Regenerate eine durch hohe Proliferationsrate und Robustheit gekennzeichnete hervorragende Kultivierungseigenschaft.


Analyse der Zellantwort auf resorbierbare textile Zellträgerstrukturen im Tissue Engineering.

Smeets R., Gerressen M., Wöltje M., Riediger D.

Klinik für Zahn-, Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie, Universitätsklinik Aachen, Pauwelsstraße 30, 52074 Aachen


Ziel unserer Untersuchungen war die Generierung grundlegender Ergebnisse zur Klärung der Frage, ob sich resorbierbare Textilien für den Einsatz im Tissue Engineering von Knochen, Mundschleimhaut oder Knorpel eignen.
Resorbierbare Textilträger aus BAK- (Polyesteramid; Copolymer aus Butandiol, Caprolactam und Adipinsäure), PGA- (Polyglykolidsäure) und PDLA-(Poly-D-L-laktidsäure) Textilträgerstrukturen (z.B. Textilschläuche oder Textilvliese) wurden mit adulten Stammzellen (die zu Knochenzellen differenziert wurden), Gingivakeratinozyten oder Chondrozyten kultiviert und das Wachstumsverhalten sowie die Zellantwort auf die textilen Trägermaterialien analysiert.
Die drei verschiedenen Zelltypen (adulte Stammzellen, Gingivakeratinozyten und Chondrozyten) wuchsen auf den verwendeten Zellträgern. Darüber hinaus zeigten sich keine zytotoxischen Effekte als Zellantwort auf den Kontakt mit den verwendeten textilen Trägern. Nach Abschluss der Zellkultur wurden die Proben immunhistologisch mittels spezifischer Marker für das jeweilige Gewebe untersucht.
Die Textilträger können je nach Defektgröße individuell passend angefertigt werden und zeigen bei ihrer Autolyse nicht das Phänomen der Bulk-Reaktion (Autolyse mit säurekatalysierter Hydrolyse im Innern der textilen Trägermaterialien), was für die Gewebeinteraktion von entscheidender Bedeutung ist. Ferner bieten sie die Möglichkeiten der Kopplung von Wachstumsfaktoren oder Puffersystemen, die eventuell auftretende unerwünschte pH-Wert-Absenkungen während der Degradation verhindern könnten. Dies macht textile Strukturen zu geeigneten Scaffolds im Tissue Engineering.

Kraniektomie und Anwendung des BMP-Antagonisten Noggin im wachsenden Modell

Springer I.N.G.1, Warnke P.H.1, Wiltfang J.1, Açil Y.1, Bühlhoff A.1, Bolte H.2, Terheyden H.1

1 Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Kiel,
Arnold-Heller-Straße 16, 24105 Kiel
2 Klinik für diagnostische Radiologie, Universitätsklinikum Kiel, Arnold-Heller-Straße 16,
24105 Kiel


Einleitung: Noggin ist ein Antagonist von BMP-2, -4 und -7. Bislang ist wenig zur klinischen Wirkung bekannt. Ziel dieser Untersuchung war zu klären, ob die spontane Knochenregeneration der Schädelkalotte durch die Anwendung von Noggin verringert wird.
Material und Methoden: Ein einseitiger vollschichter Defekt des Scheitelbeins (2 x 4 cm) wurde bei 2 Monate alten Minischweinen (n=10) angebracht. Gruppe 1: keine weitere Behandlung (n=5); Gruppe 2: Applikation von Noggin (2 ml, 1.05 mg/ml) (n=5). Nach einem Versuchszeitraum von 4 Monaten mit polychromer Fluoreszenzmarkierung wurden Computerchromographien und Hartschliffhistologien angefertigt.
Ergebnisse: Am Ende der Versuchszeit waren Kalottenrestdefekte identischer Größe bei Tieren der Gruppe 1 und 2 nachweisbar. Das durchschnittliche Knochenvolumen der Schädelkalotten der kraniektomierten Seiten der Gruppe 1 und unterschied sich nicht signifikant von dem Knochenvolumen der Gruppe 2 (p=0,117). Im intraindividuellen Vergleich der durchschnittliche Volumina der unbehandelten mit den kraniektomierten Seiten war ein signifikanter Unterschied der Volumina der Schädelkalotten in Gruppe 1 (p=0,043) und Gruppe 2 (p=0,043) nachweisbar. Die Knochendichten waren bei Vergleich der kraniektomierten Seiten der Gruppe 1 mit den kraniektomierten Seiten der Gruppe 2 nicht signifikant unterschiedlich (p>0,05). Die Schädeldurchmesser nahmen um 16.4 % zu, die physiologische zentrifugale kraniale Expansion blieb ungestört.
Diskussion: Unser Versuch hat gezeigt, dass Quantität und Qualität der spontanen Knochenregeneration durch eine einzige Applikation von Noggin nicht beeinflusst werden. Möglicherweise wäre hier der Gentransfer mittels einer Transfektionsmethode geeignet, um eine ausreichende Konzentration von Noggin über einen längeren Zeitraum zu erreichen.


Das FDC-Sarkom – eine rare Entität mit anspruchsvoller Diagnostik und Therapie

Sproll K.C.1, Ramp U.2, Rohr U.3, Kübler N.R.1

1 Klinik für Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, Westdeutsche Kieferklinik,
Heinrich-Heine-Universität, Moorenstraße 5, 40225 Düsseldorf
2 Institut für Pathologie, Heinrich-Heine-Universität, Moorenstraße 5, 40225 Düsseldorf
3 Klinik für Hämatologie, Onkologie und Klinische Immunologie, Heinrich-Heine-Universität,
Moorenstraße 5, 40225 Düsseldorf


Das Sarkom der follikulären dendritischen Retikulumzellen (FDC-Sarkom) wurde vor zwanzig Jahren zuerst beschrieben und stellt mit ca. 80 bisher publizierten Fällen eine sehr seltene Entität dar. Es hat seinen Ursprung in akzessorischen Immunzellen der B-Reihe und tritt in 60 % der Fälle primär in Lymphknoten (zervikal, axillär, mediastinal) und in ca. 40 % extranodal in sekundären lymphatischen Organen des Magen-Darm-Traktes (wie etwa den Tonsillen, dem Waldeyer-Rachenring oder dem MALT) auf.
Wir berichten über einen 69jährigen Patienten, bei welchem im Jahr 2002 bei einer persistierenden Halslymphknotenschwellung alio loco eine Lymphknotenentfernung zervikal rechts durchgeführt wurde. Die histologische Aufarbeitung ergab zunächst die Diagnose einer Metastase eines mäßig proliferativ aktiven Sarkoms, z.B. eines Fibrosarkoms oder eines malignen Nervenscheidentumors. Nach klinischem und radiologischem Ausschluss eines Primarius oder weiterer Metastasen wurden die histologischen Präparate konsiliarisch im Sarkom-Referenzzentrum untersucht. Dort wurde an Hand der Koexpression von CD21 und CD35 die Diagnose eines FDC-Sarkoms gestellt. Nach dreijährigem unauffälligem Verlauf wurde der Patient jetzt in unserer Klinik vorstellig mit einer erneuten Schwellung im Bereich der alten Operationsnarbe. Nach erneuten ausgedehnten Staginguntersuchungen ohne weiteren Befund wurden die zervikal nachweisbaren vier Raumforderungen in toto exzidiert und histologisch als extranodale Rezidive des vorbekannten FDC-Sarkoms identifiziert. Von einer adjuvanten Behandlung wurde – wie schon im Jahre 2002 – wegen der unsicheren Datenlage abgesehen.
Von besonderer klinischer Relevanz ist, dass Sarkome primär in Lymphknoten der Kopf-Hals-Region vorkommen können und nicht unbedingt Metastasen darstellen müssen. Die Diagnose des FDC-Sarkoms basiert auf der charakteristischen immunhistochemischen Markerkonstellation und sollte erst nach Konsultation eines Referenzzentrums gestellt werden. Aufgrund der häufig sehr langen Latenzzeit bis zum Auftreten eines Rezidivs oder von Metastasen wird der Malignitätsgrad aktuell als intermediär eingestuft. Patienten mit FDC-Sarkom bedürfen einer lebenslangen Tumornachsorge.


Einfluss der Extrazellulären Matrix auf Implantatstabilität und Osseointegration

Stadlinger B., Pilling E., Mai R., Eckelt U.

Klinik für Mund- Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum der TU Dresden, Fetscherstraße 74, 01309 Dresden


Einleitung: Ziel der vorliegenden Arbeit war es, zu untersuchen, inwiefern Bestandteile der Extrazellulären Matrix als Oberflächenbeschichtung dentaler Implantate zu einer gesteigerten Osseointegration und höheren Implantatstabilität führen.
Material und Methoden: 20 Minischweinen wurden 120 experimentelle Titan Implantate in den Unterkiefer inseriert. Drei verschiedene Oberflächenbeschichtungen wurden untersucht: (1) Kollagen Typ I (Koll), (2) Kollagen Typ I / Chondroitin Sulfat (Koll/CS), (3) Kollagen Typ I / Chondroitin Sulfat /BMP-4 (Koll/CS/BMP). Die Resonanz Frequenz Analyse diente zur Bestimmung der Implantat Stabilität drei, fünf, sieben und 22 Wochen nach der Implantation. Nach 22 Wochen wurde die peri-implantäre Knochenneubildung innerhalb einer definierten Defektzone entlang der Längsachse des Implantats ausgewertet. Mittels Histomorphometrie und Mikro-CT Untersuchungen wurde der Knochen-Implantat Kontakt und die Knochendichte innerhalb des Defekts bestimmt.
Resultate: Die Resonanz Frequenz Analyse zeigte einen beschichtungs-unabhängigen Verlust an Stabilität bis zur siebten Woche. Nach 22 Wochen war ein Wiederanstieg an Stabilität für alle Beschichtungen zu verzeichnen. Die höchste Endstabilität wurde für Kollagen beschichtete Implantate gemessen, p=0.051. Der höchste prozentuale Knochen-Implantat Kontakt wurde für Koll/CS gemessen, gefolgt von Koll, p=0.082. Die Mikro CT Analyse zeigte eine Steigerung der Knochendichte für Kollagen beschichtete Implantate, die jedoch nicht signifikant war.
Schlussfolgerung: Die Oberflächenbeschichtungen Koll und Koll/CS haben einen fördernden Einfluss auf die peri-implantäre Knochenneubildung. Die zusätzliche Integration von BMP-4 zeigt eine negative Wirkung auf die Knochenneubildung und Implantatstabilität.


Vereinfachte, intraoperative Lokalisierung von Projektilen im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich

Stockmann P., Neukam F. W., Nkenke E.

Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Erlangen-Nürnberg, Glückstraße 11, 91054 Erlangen


Problemstellung: Die Lokalisierung von Projektilen im MKG-Bereich kann häufig erhebliche Probleme bereiten. Dies gilt insbesondere für Luftgewehrkugeln geringer Größe. Der vorliegende Fallbericht beschreibt ein einfaches Verfahren zur exakten, intraoperativen Bestimmung der Position dieser solcher Projektile.
Fallbericht: Ein 59jähriger Mann brachte sich mit einem Luftgewehr in suizidaler Absicht eine Schussverletzung im Bereich der rechten Schläfe zu. Nach Anfertigung einer Computertomographie zur Lokalisierung des Projektils erfolgte zunächst ein Entfernungsversuch in Lokalanästhesie, der jedoch misslang. Bei der Fortführung des Eingriffs in Intubationsnarkose konnte das Projektil ebenfalls nicht aufgefunden werden. Es bestand nun der Verdacht, dass die Kugel aus der ursprünglichen Position, die sie in der CT-Untersuchung eingenommen hatte, verlagert war. Der Versuch, das Projektil mittels einer Ultraschalluntersuchung intraoperativ erneut aufzufinden, misslang ebenfalls. Nach Anbringen von zwei röntgenopaken Referenzkugeln im Schläfenbereich wurden mit einem mobilen Zahnfilmröntgengerät und steril verpackten Röntgenfilmkassetten je eine „Schädel seitlich“-Aufnahme und eine „Schädel p.a.“-Aufnahme angefertigt. Durch die Referenzkugeln konnte das Projektil nun sicher lokalisiert und aus der Fossa infratemporalis rechts medial des Jochbogens entfernt werden.
Diskussion: Die Anfertigung einer CT erlaubt eine präzise Lokalisierung von Projektilen. Wird das Projektil jedoch beim Versuch der Entfernung aus seiner Position gedrängt, sind die Schnittbilder nicht mehr verwertbar. Da eine Wiederholung der CT intraoperativ meist nicht möglich ist, kommen in solchen Situationen Ultraschalltechniken zum Einsatz, die jedoch immer dann versagen, wenn die Kugel hinter knöchernen Strukturen, wie z.B. dem Jochbogen, zu liegen kommt. In einer solchen Situation schafft die Anfertigung von „Schädel p.a.“- und „Schädel seitlich“-Aufnahmen mit einer mobilen Zahnfilmröhre eine Alternative, die durch die Anwendung von Referenzkörpern sogar in allen drei Dimensionen metrisch ausgewertet werden kann. Wegen der begrenzten Strahlenbelastung kann bei erneuter Lageveränderung des Projektils intraoperativ auch an eine Wiederholung der Aufnahmen bei geringem Zeitaufwand gedacht werden.

Zum klinischen Einsatz von Camlog® Schrauben-Zylinder-Implantaten mit partikelgestrahlter, säuregeätzter Oberfläche
- Ergebnisse einer prospektiven Studie unter besonderer Berücksichtigung kurzer Implantate.

Strietzel F.P., Reichart P.A.

Zentrum für Zahnmedizin, Abteilung für Oralchirurgie und zahnärztliche Röntgenologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Campus Virchow-Klinikum, Augustenburger Platz 1, 13353 Berlin


Der Einsatz kurzer (je nach Implantatsystem 7 bis 11 mm langer) Implantate wurde in verschiedenen klinischen Studien bislang mit einer verkürzten Verweildauer prognostiziert, bei Anwendung neuer mikrostrukturierter Oberflächen zeigten sich jedoch deutlich höhere Implantatüberlebensraten.
Ziel der vorliegenden Studie war die Einschätzung der klinischen Ergebnisse nach Einsatz eines neuen Implantatsystems mit einer partikel-gestrahlten und geätzten (Promote®-) Oberfläche sowie einer neuen internen Tube-in-Tube Verbindung zwischen Implantat und Abutment unter besonderer Berücksichtigung kurzer Implantate (9 und 11 mm Länge) im Vergleich zu langen Implantaten (13 und 16 mm Länge).
Insgesamt 333 Camlog®-Schrauben-Zylinder-Implantate mit Promote®-Oberfläche wurden bei 133 konsekutiv inkludierten Patienten eingesetzt. 325 Implantate bzw. 129 Patienten standen zu Nachuntersuchungen im Rahmen des Recalls zur Verfügung. Neben klinischen und röntgenologischen Parametern zur Beurteilung der periimplantären Hart- und Weichgewebe wurden Daten zur allgemeinen Anamnese, Komplikationen, subjektiver Beurteilung der Behandlung durch den Patienten erhoben. Die statistische Auswertung erfolgte sowohl implantatbezogen als auch bezogen auf ein randomisiert ermitteltes Implantat pro Patient.
Der Median der Beobachtungszeit betrug 33 Monate (Q25 26; Q75 38). Nach einer maximalen Beobachtungszeit von 55 Monaten betrug nach Kaplan-Meier-Überlebensanalyse die Implantatverweilrate kurzer Implantate (n=59, patientenbezogen) 98,3 %, die der langen 95,7 % (n=70, patientenbezogen) (p=0,162). Die Implantatverweilrate unterschied sich nicht signifikant im Ober- (98,7 %) und Unterkiefer (98,2 %). Einen signifikanten Einfluss auf die Verweilprognose hatten nach stratifizierter Analyse für kurze Implantate das Auftreten vorzeitiger Expositionen der Deckschrauben bei zunächst mukosal gedeckter Einheilung (p=0,02) sowie das Rauchen (p=0,008). Diese Einflüsse waren bei langen Implantaten nicht signifikant.
Der Einsatz kurzer Camlog®-Implantate hat eine mit langen Implantaten vergleichbar gute Prognose und stellt somit eine erwägenswerte Alternative zu aufwändigen präimplantologischen augmentativen Behandlungen vor bzw. beim Einsatz von längeren Implantaten dar. Ihr Einsatz sollte jedoch bei Rauchern kritisch abgewogen werden. Beim chirurgischen Vorgehen sollte eine Minimierung des Risikos vorzeitiger Expositionen der Deckschrauben besonders beachtet werden.


Acetylsalicylsäure vor dentoalveolären Operationen absetzten oder nicht? Eine prospektive, laborkontrollierte Studie.

Terheyden H., Hasche H., Warnke P. H., Springer I.N.G., Wiltfang J.

Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus Kiel, Arnold-Heller-Straße 16, 24105 Kiel


Ziel der Studie war, das Nachblutungsrisiko dentoalveolärer Eingriffe bei Fortsetzten oder Absetzen der ASS Medikation zu bestimmen und dessen Vorhersagemöglichkeit durch prospektiv erhobene Laborparameter zu prüfen.
Material und Methoden: Bei 95 Patienten unter ASS Medikation (88 x regelmäßig 100-750 mg, 7 x kurzfristig 500 – 5000 mg) wurde prospektiv am Eingriffstag neben der plasmatischen Gerinnung die induzierte Thrombozytenaggregation (ADP, Kollagen, Ristocetin) bestimmt. 67 Patienten hatten die ASS Medikation fortgeführt und 28 Patienten eine Woche präOP abgesetzt (nicht randomisert). Bei allen Eingriffen (13 x einwurzeliger Zahn, 21 x mehrwurzeliger Zahn, 25 x Reihenextraktion, 36 x operative Zahnentfernung) wurde prophylaktisch Kollagenvlies eingelegt und eine adaptierende Naht durchgeführt. Alle Patienten wurden am ersten und siebenten postOP Tag bzw. bei akuter Nachblutung untersucht bzw. befragt. Als Nachblutung wurde nur eine Blutung gewertet, die später als 24 nach dem Eingriff auftrat.
Ergebnis: Bei sechs der Patienten aus der Gruppe der nicht abgesetzten Medikation (9,4 %) trat eine Nachblutung 2 - 7 Tage postOP auf (4 Fälle Grad I [keine besonderen Maßnahmen], ein Fall Grad II [konservative Blutstillung durch Arzt], ein Fall Grad IV [umfangreiche operative Blutstillung am 5. PostOP Tag] bei 2,5 g ASS präoperativ]. Die Blutungswahrscheinlichkeit lag für die größeren Eingriffe bei 15,0 % und bei 0 % für die kleineren Eingriffe. Die Thromboplastinzeit (Quick-Wert) lag in der Nachblutungsgruppe signifikant (p<0,01) niedriger (80 %) als in der Gruppe ohne Nachblutungen (96 %), allerdings in beiden Gruppen über der unteren Normgrenze (70 %). Die PTT, Thrombozytenzahl zeigten keine signifikanten Unterschiede. Die Aggregationswerte korrelierten nicht, bei Absetzen des ASS nur knapp nicht (p=0,056, U-Test) mit dem Nachblutungsrisiko.
Schlussfolgerung: Bei kleineren Eingriffen war trotz fortgeführter ASS Medikation das Nachblutungsrisiko bei Einlage von Kollagenvlies und Nahtversorgung gering. Auch bei Einlage von Kollagenvlies und Nahtversorgung sollte bei Reihenextraktionen und operativen Zahnentfernungen nach den vorliegenden Daten (15 % Blutungsrisiko) wenn möglich das Absetzen des ASS eine Woche präOP abgewartet werden. Eine Vorhersagemöglichkeit anhand der Aggregationswerte bestand nicht.

Die transantrale Distraktion des Oberkiefers

Wangerin K., Kretschmer W., Fassnacht J., Zoder W.

Klinik für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie, Marienhospital Stuttgart, Böheimstraße 37, 70199 Stuttgart


Ziel der Untersuchung: Die LeFort I Osteotomie zur Vorverlagerung des OK führte bei LKG- Spaltpatienten trotz funktionsstabiler Fixierung durch Miniosteosyntheseplatten zu einer Rezidivrate von ca. 50 %. Die extraorale Oberkieferdistraktion führte zwar zu einer fast uneingeschränkten Vorverlagerung des OK, aber wegen der Sichtbarkeit des Distraktors mit gesellschaftlicher Einschränkung zur Verkürzung der Retentionszeit, so dass auch hier eine Reduktion der Distraktionsstrecke von 10-25 % resultierte. Ziel war die Entwicklung eines Distraktors, der die fast uneingeschränkte Vorverlagerung des Oberkiefers ohne Sichtbarkeit bei gleichzeitiger Uneingeschränktheit der Retentionszeit ermöglicht.
Material und Methoden: Der neu entwickelte transantrale Distraktor wird nach LeFort I Osteotomie und down fracture beidseits der sagittalen Länge des Oberkiefers individuell angepasst, in der Kieferhöhlenrückwand fixiert und mit einer Miniplatte an der Apertura piriformis beidseits in paralleler Ausrichtung zueinander befestigt. Er läuft beidseits frei durch das Lumen der Kieferhöhle hindurch. Danach wird der mobile Oberkiefer zurückgeklappt und mit weiteren Miniplatten des Distraktors an der Fossa canina verschraubt. Nun kann der OK durch Distraktion monodirektional vorgeschoben werden. Ein gelenkiges Verlängerungsstück ermöglicht die Distraktion durch das Oberkiefervestibulum, bis es am Ende des Distraktionsvorgangs abgezogen wird, so dass keine Verbindung mehr in die Mundhöhle besteht.
Ergebnisse: Bis heute wurden 10 Patienten mit einer Distraktionsstrecke von 8-25 mm operativ behandelt. 9x war der Verlauf komplikationslos, 1x musste die Distraktion nach 12 mm in Kopfbissstellung wegen Schmerzen beendet werden. Alle Distraktionen erfolgten im Zuge einer kombinierten kieferorthopädisch-kieferchirurgischen Behandlung. In 3 Fällen konnte lediglich mit der Distraktion eine neutrale Okklusion erzielt werden, in 2 weiteren Fällen mit zusätzlichen prothetischen Maßnahmen und in 5 weiteren Fällen erfolgte ein Jahr später entweder eine zusätzliche UK-Verlagerung oder ein bignathe Osteotomie.
Schlussfolgerung: Bisher hat der transantrale Distraktor seine Erwartungen erfüllt. Wir haben noch keine knöchernen Rezidive im OK oder Verschlechterung der Okklusion gesehen. Wir können deshalb den Einsatz dieses neuen Distraktors in schweren Fällen maxillärer Hypoplasien und vielfach voroperierten LKG-Spalten zur Verbesserung der bisherigen Behandlungsmaßnahmen empfehlen.


Ein unbekanntes Immunsystem aus antimikrobiellen Peptiden im Knochen

Warnke P.H., Springer I.N.G., Essig H., Wiltfang J., Terheyden H., Açil Y.

Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Kiel, Arnold-Heller-Straße 16, 24105 Kiel


Einleitung: Einfache oralchirurgische Eingriffe führen erfahrungsgemäß auch ohne antibiotische Prophylaxe nur selten zur Infektion, obwohl der Kieferknochen immer mit Mundhöhlenflora kontaminiert wird? Ziel war es, zu prüfen, ob im Knochen ein eigenes, bisher unbekanntes Immunsystem basierend auf antimikrobiellen Peptiden existiert. Beta-Defensine sind antimikrobielle Peptide, die zuvor auf Haut- und Schleimhäuten beschrieben wurden und kommensale sowie pathogene Flora abwehren können.
Material und Methoden: 12 Knochenbiopsien von humanem infiziertem (Osteoradionekrose) und nicht infiziertem Mandibulaknochen wurden verglichen mit 30 Biopsien von Fibula-, Scapula- und Beckenknochen. Immunhistochemische Färbungen wurden gegen die antimikrobiell wirksamen humanen Beta-defensine -1, -2 und -3 durchgeführt. Ergänzend wurden 10 Osteoblastenzellkulturen auf mRNA Expression aller 3 Defensine untersucht (PCR), die ebenfalls auch immunhistochemisch gesucht wurden. Eine semiquantitative Analyse der Immunreaktion wurde durchgeführt (maximaler Punktwert = 12).
Ergebnisse: Alle 3 humanen Beta-Defensine wurden im Mandibulaknochen innerhalb der mineralisierten Matrix, aber auch in den Osteozyten gefunden. In infizierter Mandibula ist die Präsenz am höchsten (Punktwert 12) und nicht-infizierte Mandibula erreicht zweithöchste Werte (7). Somit ist die Peptidexpression im infizierten Knochen hochreguliert. In den weiteren skelettalen Knochenproben ist die Expression vorhanden, aber geringer (<4). Auch die Osteoblastenkulturen verfügen über antimikrobielle Defensine.
Schlussfolgerung: Diese Studie weist eine bisher unbekannte immunologische Funktion von Osteozyten in Form eines antimikrobiellen peptidbasierenden Immunsystem im Knochen nach. Die anscheinend mögliche Induktion der Peptidexpression öffnet neue Forschungsansätze für zukünftige therapeutische Nutzung der Peptide in der Infektionsprohylaxe bei chirurgischen Eingriffen.



Integrin a2ß1 zur Reduktion fibroproliferativer Wundheilungsstörungen im bestrahlten Kopf-Hals-Bereich?

Wehrhan F., Thorwarth M., Hyckel P., Schultze-Mosgau S.

Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie/Plastische Chirurgie, Klinikum der Friedrich-Schiller Universität Jena, Erlanger Allee 101, 07747 Jena


Ziel der Untersuchung: Wundheilungsstörungen limitieren den klinischen Erfolg freier Weichgewebetransplantate im fibrotischen, vorbestrahlten Kopf/Hals-Bereich. Die radiogene Stimulation des fibroproliferativ wirksamen Zytokins TGFß1 resultiert in einer verminderten Vaskularisation und einer Akkumulation extrazellulärer, fibrotischer Matrix. TGFß1-neutralisierende Antikörper konnten experimentell Fibrose inhibieren. Das Integrin a2ß1 ist an der Regulation der Vasculogenese und der Matrixdegradation beteiligt. Ziel der experimentellen Studie ist die Evaluation der Applikation von anti-TGFß1 mit dem Ziel einer synergistischen Fibrosereduktion und Angiogenesestimulation durch Integrin a2ß1-Stimulation.
Material und Methoden: 32 Wistarratten (300-500 g) wurden einer präoperativen Bestrahlung der Kopf-/Hals-Region mit 40 Gy unterzogen. Ein freier Lappen wurde aus der Leistenregion in den Halsbereich transplantiert (48 Tiere) und mikrochirurgisch an A. carotis und V. jugularis anastomosiert (unbestrahlte Kontrollgruppe 16 Tiere, Gruppe 1). Bei jeweils 16 vorbestrahlten Tieren wurden 10 ng anti-TGFß1 (Gruppe 2), 0,5 ml PBS-Puffer (Gruppe 3) intradermal in das Transplantatlager appliziert. An den postoperativen Tagen 0, 14 und 28 wurden Hautproben aus dem Übergangsbereich zwischen Transplantat und Lager proteinchemisch und immunhistochemisch (TGFß1, Integrin a2ß1) analysiert.
Ergebnisse: Die Applikation von anti-TGFß1 resultierte in einer gegenüber der bestrahlungsassoziierten, endogenen Expression in einer verminderten Expression und Verminderung der TGFß1 exprimierenden Fibroblasten (p< 0.05). Integrin a2ß1 war bestrahlunsassoziiert signifikant vermindert exprimiert (p<0.05). Eine signifikante Änderung der Integrin a2ß1-Expression nach anti-TGFß1-Modulation wurde nicht gesehen.
Schlussfolgerung: Die Applikation von anti-TGFß1 erscheint suffizient zur Verminderung der endogenen TGFß1-Expression. Die bestrahlungsassoziiert verminderte Expression von Integrin a2ß1 scheint keine TGFß1-Abhängigkeit aufzuweisen. Weitere Studien sollten den Einfluss ebenfalls strahlenregulierter Effektoren der Matrixsynthese und Vaskularisation, wie NF kappa B und ERK 1,2 auf die Synthese von Integrin a2ß1 klären.


Einfluss unterschiedlicher Kulturbedingungen auf die Differenzierung porciner multipotenter Zellen

Zimmermann C.E., Döhring A., Springer I., Terheyden H., Wiltfang J.

Klinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus Kiel, Arnold-Heller-Strasse 16, 24105 Kiel


Humane mesenchymale Stammzellen (hMSC) besitzen die Fähigkeit zur adipogenen und osteogenen Differenzierung, welche in vitro durch Zusatz von Insulin, Indomethacin, 1-Methyl-3-isobutylxanthin und Dexamethason bzw. von ß-Glycerolphosphat, Ascorbin-2-phosphat und Dexamethason zum Kulturmedium induziert werden kann (Pittenger et al. 1999).
Ziel der vorliegenden Studie war es, den Einfluss von nach Pittenger et al. (1999) modifizierten osteogenen bzw. adipogenen Induktionsmedien auf die Differenzierung porciner multipotenter mesenchymaler Zellen zu untersuchen.
Für die Versuche wurden Explantkulturen aus Beckenkammspongiosa adulter Minischweine (n=9) gewonnen. Die Kultivierung erfolgte unter konstanten Bedingungen in einem Brutschrank bei 37° C (5 % CO2, in Wasserdampf gesättigte Atmosphäre) mit 3- bis 4-tägigem Wechsel des Mediums. Zur osteogenen bzw. adipogenen Differenzierung wurden die adhärenten Zellen der 1. bis 3. Passage mit den zu testenden Induktionsmedien (adipogenes bzw. osteogenes Medium 1) für 14 Tage inkubiert. Als Kontroll-Induktionsmedien dienten kommerziell erhältliche Standardmedien für hMSC (adipogenes bzw. osteogenes Medium 2). Mit Kulturmedium inkubierte Ansätze ohne Induktionsfaktoren dienten als Negativ-Kontrollen. Das Ergebnis der Induktion wurde mittels Alizarin Rot- und Oil Red O-Färbung unter Verwendung einer 4-Punkte-Skala (0 = keine, 1 = schwach, 2 = mittel, 3 = stark ausgeprägte Differenzierung) ermittelt.
Eine osteogene Differenzierung der induzierten porcinen Zellen war bei allen drei Passagen zu verzeichnen. Sie war mit Medium 1 stärker ausgeprägt als mit Medium 2 (durchschnittlicher Punktwert: 2,8 vs. 1,5). In den nicht induzierten Kontrollen trat in nur einem von neun Ansätzen eine schwach ausgeprägte osteogene Differenzierung ein.
Eine adipogene Differenzierung war ebenfalls bei allen drei Passagen zu verzeichnen. Der Grad der Differenzierung nahm mit steigender Passagezahl ab und war mit Medium 2 ausgeprägter als mit Medium 1 (durchschnittlicher Punktwert: 2,3 vs. 1,0). In den nicht induzierten Kontrollansätzen war keine adipogene Differenzierung nachweisbar.
Im vorliegenden Tiermodell waren das adipogene Medium 2 und das osteogene Medium 1 den jeweiligen Vergleichsmedien überlegen. Die Abnahme des Differenzierungsgrades in den höheren Passagen spiegelt eine mögliche Abnahme der Multipotenz oder auch eine Abnahme in der Repräsentanz multipotenter Zellen in höheren Passagen wider. Eine Klärung dieser möglichen Ursachen ist nicht nur für weitere experimentelle Ansätze, sondern insbesondere für einen potentiellen klinischen Einsatz essentiell.


Planungskriterien und Therapiemöglichkeiten bei der transversalen Dehnung des Oberkiefers

Zoder W., Kuder J., Schrempf R.

Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Marienhospital Stuttgart, Böheimstraße 37, 70199 Stuttgart


Ziel der Untersuchung: Dysgnathien werden häufig von transversalen Diskrepanzen zwischen Oberkiefer und Unterkiefer begleitet. Deren dentale Kompensation im Rahmen der kieferorthopädischen Behandlung des schmalen Oberkiefers ist häufig aufgrund des skelettalen Defizites der Kieferbasis unzureichend. Zudem verlangen verschiedene Ausprägungen der Zahnbogendeformierung eines schmalen Oberkiefers unterschiedliches therapeutisches Vorgehen.
Material und Methode: Seit 2001 wurden etwa 208 chirurgisch assistierte Gaumennahterweiterungen in unserer Klinik durchgeführt. Neue Lösungsansätze waren für Fälle zu entwickeln, in denen die klassische Hyraxschraube keine befriedigende Therapieoption darstellte. So kam es zur Entwicklung der Fächerdehnschraube sowie verschiedenen knochenverankerten Distraktionsgeräten mit unterschiedlicher Mechanik.
Ergebnisse: Der Vorteil der vorgestellten Auswahl von Distraktionsgeräten liegt in der genauen Abstimmung der Therapie auf die Behandlungsziele. So kann im Oberkiefer auch bei Kontraindikationen zur dentalen Verankerung distrahiert werden oder auf unterschiedliche transversale Defizite im anterioren und posterioren Oberkiefer Rücksicht genommen werden
Schlussfolgerungen: Diese Ergebnisse machen die transversale Entwicklung des Oberkiefers insbesondere im Bereich zwischen 5 und 14 mm Distraktionsstrecke planbar und die Koordinierung zwischen OK- und UK-Zahnbogen zuverlässiger.